In den politischen Blogs, vor allem aber beim
INSM-Watchblog und die
Perspektive 2010 wird der Begriff Mietmaul in letzter Zeit häufig genannt. Oft im Zusammenhang mit der INSM oder der Bertelsmannstiftung.
Es ist also an der Zeit den Begriff mal ein bischen genauer zu untersuchen und zu definieren.
Ein Mietmaul ist kein Lobbyist. Ein Lobbyist vertritt seine eigenen Interessen oder die seiner Gruppe. Ein Mietmaul verbreitet das, was ein Lobbyist an Meinung verbreitet haben will, gegen Bezahlung.
Ursprünglich waren Mietmäuler meist Anwaltskanzleien mit engen Bindungen an die Politik, die gegen Honorar, die Interessen der hinter ihnen stehenden Lobbyisten an den Poltiker und die Spitzenbeamten brachte, aber auch der Sekretärin durchaus Aufmerksamkeit widmete. Diese Form des Mietmauls existiert weiterhin, aber bei den meisten von ihnen ist sehr genau bekannt wessen Lied sie gerade singen und wessen Brot sie essen. Das macht die Sache nicht besser, aber leichter durchschaubarer.
Dann gab es schon immer Politiker auf dem Altenteil, die sich ihre Pension als Mietmaul aufbesserten und dabei auch ihre früheren Positionen bedingungslos verrieten, sich dabei aber oft so geschickt verhielten, das die Zuschauer das nicht bemerkten. Da wandert zum Beispiel ein ehemaliger Wirtschaftsminister durch die Lande und preist den Lohnabbau, oder ein ehemaliger Grüner gejubelt alles wofür er bezahlt wird.
Eine weitere Gruppe von Mietmäulern sind die ehemaligen Verbandschefs, gewesene Unternehmer uns sonstige gescheiterte Existenzen, bei denen es aber auch einige gibt, die zwar wie Mietmäuler reden, dies aber nicht gegen Bezahlung, sondern aus dem Wunsch nach Anerkennung ihrer ehemaligen Freunde, tun. Allerding ist es ziemlich gleichgültig auf welche Art ein Mietmaul bezahlt wird.
Die gefährlichste Form der Mietmäuler sind die sogenannten Experten. Es gibt sie für praktisch jedes politische Feld. Zumeist sind sie im Hauptberuf Professoren, die sich in Wirklichkeit aber weder mit Lehre oder Forschung beschäftigen, sondern die Professorenbezüge nur als zusätzliches Entgelt mitnehmen. Häufig stehen diese Leute auch Instituten mit klangvollem Namen vor.
Mit ihrem Titel suggerieren sie Wissen über das sie in Wirklichkeit gar nicht verfügen und verkaufen so die Auftragsmeinung der hinter ihnen stehenden Lobbyisten, als wissenschaftlich anerkannte Wahrheit, obwohl es nur um Lobbyistendummschwatz handelt. Besonders übel sind dabei übrigens die Volkswirtschaftler die in ihren Vorhersagen zwar deutlich hinter den Fähigkeiten der Wetterkundler liegen, aber sich trotzdem an Zeiträume von Jahren wagen, weil sie für falsche Vorhersagen nicht zur Verantwortung gezogen werden und das Publikum den Dummschwatz schon vergessen hat, wenn er widerlegt wird.
Alle Mietmäuler werden von ihren Auftraggebern in Stellung gebracht. Auf Konferenzen, Tagungen, vor allem aber in den Medien. In den Printmedien werden sogenannte Studien der Mietmäuler wiedergekaut, oder vorgefertigte Interviews geführt, bzw. direkt Artikel von Mietmäulern gebracht. Im Fernsehen tauchen sie als Experten am Rande der Nachrichtensendungen auf und belehren das staunende Zuschauervolk zu allen möglichen Themen. In den Politik-Talkshow erklären sie auf besonders perfide Art und Weise ihre Sicht der Welt.
Um den Zuschauer zu täuschen werden die Mitspieler so vorgestellt, als ob es sich um erbitterte Gegner handele, die ihre Sache hier vor dem Zuschauer verteidigen, während in Wirklichkeit die Mietmäuler einer solchen Runde meistens den gleichen Auftraggeber haben und nur scheinbar unterschiedlicher Meinung sind. Dazu kommt dann noch der Moderator der das Spiel ja durchschaut und für sein Mitspielen auch gut bezahlt wird.
Der eine oder die zwei echten Gäste mit einem Anliegen haben so natürlich keine Chance. Sie schaden ihrer Sache nur, weil das Publikum sie ja unter gehen sieht, ohne zu wissen, das die vermeintlichen Sieger, alle zur gleichen Mannschaft gehören und vom gleichen Lobbyisten bezahlt werden.
Die Täuschung des Publikums macht durchaus Sinn. Nach der Methode "Steter Tropfen höhlt den Stein" wird die Widerstandskraft der Menschen ausgelaugt und ein Weltbild nach dem Sinne der Lobbyisten hinter den Mietmäulern geschaffen. Wenn auf jedem Fernsehsender immer die gleichen Recht bekommen und in jeder Zeitung diese Meinung gelobt wird, dann muss diese Meinung für Lieschen Müller einfach richtig sein.
Allerdings werden die Mietmäuler nicht nur zum Betrug und zur Desinformation des Bürgers benutzt, die gleichen Experten treten als Fachleute in den Ausschüssen unserer Parlamente auf und agieren dort genau so wie auf dem Bildschirm oder in den Printmedien. Das unsere deutschen Politiker nicht besonders helle sind, wird jeder bestätigen, der sich mit den Ergebnissen der Politik auseinandersetzt.
Deshalb sind die Leute in den Ausschüssen ja auch so leicht zu beeindrucken. Deshalb ist es möglich Gesetzesvorhaben in ihr Gegenteil zu verkehren, weil man Lobbyismus und Mietmäuler nicht nur zulässt, sondern auch noch in die Entscheidungsprozesse einbindet.
Das Ergebnis sind Gesetze die sich immer gegen den Menschen wenden und so angelegt sind, das Leute mit Geld ihnen ausweichen können, während sie die Armen in voller Härte treffen. Diese Gesetze sind zudem meist so schlecht gemacht, das sie erst durch Klagen zurechtgebogen werden müssen und vielfach von den Behörden die sie vollstrecken sollen, nicht verstanden werden.
Besonders gemein ist es, wenn auf der Beamtenebene durch Lobbyisten und deren Mietmäuler noch Durchführungsvorschriften erlassen werden, die den Sinn des Gesetzes komplett umkehren und nicht von den Parlamenten genehmigt werden müssen.
Mietmäuler und Lobbyisten schaden allen Menschen in diesem Land. Da die Aufwendungen für deren Bezahlung als Kosten mit Unternehmensgewinnen verrechnet werden ist es auch noch legalisierte Steuerhinterziehung. Deshalb haben die Armen, Schwachen und Kranken ja auch keine Lobby, weil es bei ihnen keine Möglichkeiten zur Bezahlung von Lobbyisten und Mietmäulern gibt.
Der Steuerbetrug ist aber nicht das teuerste an den Schäden das die Lobbyisten und ihre Mitmäuler anrichten. Unsinnige und undurchführbare Gesetze lähmen das Wirtschaftsleben und leiten das Kapital in die falsche Richtung. Anstatt Zukunft zu finanzieren, finanzieren wir die Vergangenheit und die Fresssucht des Großkapitals. Wir berauben uns selbst.