Heute also zensiert flickr. (Bei mir übrigens scheinbar nicht. Vielleicht suche ich auch nur die falschen Bilder?) Gestern war es Yahoos fröhliche Zusammenarbeit mit den Chinesischen Behörden und trigami, mit möglicherweise illegaler Werbung. Davor war es adical mit cisco und Yahoo. Google gibt jeden Tag neuen Grund für irgendwelche Klagen. Ich würde mal sagen wir haben ein Problem, das weit über das Problem mit der Werbung hinausgeht.
Wir nutzen Yahoo, flickr und Google. Wir alle täglich und immer wieder. Geht ja auch gar nicht anders. Einige von uns nutzen auch die Telekom die Fünfzigtausend um ihren Lohn betrügen wollen. War da nicht auch was mit Wordpress und dem INSM-Watchblog. Kann ich einen Reifen von Continental kaufen, wenn ich weiß, wie die mit Arbeitnehmern in Südamerika umgehen? Darf ich Aspirin nehmen oder unterstütze ich damit Generdbeeren in meiner Konfitüre? Darf ich ein Auto besitzen wenn das die Umwelt vergiftet? Darf ich noch furzen, oder kill mein Methan die Erde?
Das ist das Problem mit der Verantwortung. Sobald man anfängt nachzudenken und sich verantwortlich zu fühlen, wachsen die Mauern um einen herum. Selbst gezogene Mauern der Selbstbeschränkung. Zum Schluß habe ich mich in meinem eigenen Käfig gefangen. Dann mache ich nichts mehr, weil ich ja ständig gegen meine Regeln verstoßen würde um etwas zu tun und die, die ich bekämpfen will und meine bekämpfen zu müssen, kommen vor Lachen nicht mehr in den Schlaf, weil ich in meinem selbstgebauten Käfig festsitze.
Es kann also nicht die Lösung sein, mich selbst zu beschneiden, um damit auszudrücken, das ich ein Guter bin. Ich verwende ständig Einkaufstüten aus Leinen, aber wenn ich keine mithabe, oder sie umsonst bekomme wie beim Türken, dann nehme ich eben auch Plastik. Ohne mich deshalb schlecht zu fühlen. Ich fahre meistens mit der Bahn, weil das in Berlin schneller und trotz der Fahrpreise immer noch billiger ist, als ein Parkhaus oder Ticket. Ich verbrenne auch gerne Sprit, um mit der Familie ins Grüne zu fahren, Ritterspiele zu betrachten oder Kirschen zu klauen.
Ich bin gegen die Zensur durch Yahoo und dagegen, das die einfach chinesische Bürger verpetzen. Soll ich deshalb die Schreibgruppen oder andere Mailinglisten bei Yahoo verlassen, die denen eben kein Geld bringen. Das wäre doch bescheuert. Damit bestrafe ich nicht die, sondern mich. Also muss ich dagegen schreiben, wenn es mich stört. Das ist doch der Sinn des Bloggens. Anschreiben für und gegen die Welt. Bejubeln und abstrafen. Subjektiv, aber wenigstens ehrlich.
Man muss auch nicht jeden Scheiß mitmachen. Leute die flickr Content geben, haben das Recht ihren Content und sich zurückzuziehen und Leute, die denen auch noch Geld dazu geben, erst recht. Ich, der ich nur schamlos den Content anderer nutze, kann gegen die Zensur schreiben, aber niemanden zum Boykott auffordern. Das kann ich nur bei den Dingen die ich selber kaufe. Bei Bertelsmann zum Beispiel. Man muss auch nicht bei Google, technorati, feedburner oder blogscout seine Besucher und Links zählen lassen. Aber wer das eine will, der muss das andere mögen. Sagte meine dritte Schwiegermutter, die eine kluge Frau ist, obwohl ich ihre Tochter nie geheiratet habe.
Ich sage es mal ganz deutlich. Erfolgreichen Bloggern stehen Einnahmen für ihre Arbeit zu. Das ist keine Frage sondern eine Feststellung. Wenn diese Blogger für sich selbst sagen, das sie aus Gründen der persönlichen Unabhängigkeit und des eigenen Freiheitsgefühles auf diese Einnahmen verzichten, dann ist das ehrenhaft. Es ist aber nicht weniger ehrenhaft, nicht zu verzichten.
Wenn jemand wie ich keine Werbung macht, ist das nicht ehrenhaft sondern der Tatsache geschuldet, das sich bei meinen wenigen Besuchern, der Aufwand nicht lohnt. Hätte ich die Zahlen vom Spreeblick oder vom Parteibuch, hätte ich auch Werbung. Ganz ohne schlechtes Gewissen. Meine Arbeit ist vielleicht vergebens, aber nicht umsonst.
Natürlich wäre da auch Werbung bei, hinter der ich nicht stehen könnte. Schätzungsweise 99,5 Prozent. Na und? Muss ich denn die Geschäftspolitik der Telekom bejubeln, nur weil ich deren HotSpot nutze, oder aus einer öffentlichen Telefonzelle telefoniere? Sicher nicht. Ich werde weiter dagegen schreiben. Auch und gerade dann, wenn die auf meinem Blog werben. Google macht uns das doch vor. Es listet genauso brav seine Watchblogs, wie jeden anderen Kram. Das ist nicht die Eiche, der es egal ist welche Sau sich an ihr scheuert, sondern das ist das Geschäft von Google. Allen alles zu bieten was sie suchen. Bietet Google das nicht mehr, stößt ein anderer in die Lücke und kassiert.
Ich bin der Meinung, das die Autorenpersönlichkeit, die hinter einem Blog steht, und die kaufmännische Entscheidung Werbung zuzulassen, nichts miteinander zu tun haben. Das ändert sich erst, wenn die Werbung die Inhalte bestimmt. Es kann also nicht darum gehen die werbenden Blogger anzugreifen, und auch nicht um die Werbemakler, sondern es muss um die Firmen gehen, deren Verhalten wir für falsch und gemein halten. Wir müssen nicht die Werbetafel kritisieren sondern die Firma, für die geworben wird.
Die Freiheit zu werben, ist auch eine Freiheit. Genau wie die, nicht zu werben. Freiheit kann man nicht gegeneinander aufmessen.
Jetzt kommst du aus meinem Sandkasten in meine Blogroll. Das hast du nun davon. ;-)
Kennst Du das Südkurier-Urteil? Das ist IIRC aus den 50er Jahren und besagt, dass die Pressefreiheit auch für Anzeigen gilt.
Es ging damals um Arbeitsvermittlungsanzeigen aus der schweiz (Nahe Konstanz/Südkurier) die das Arbeitsvermittlungsmonopol des deutschen Arbeitsamtes 'untergrub'.
Als ich back in the 80ies 'Freier' beim SK war, stand das immer noch in der Selbstbeschreibung als wesentlicher Beitrag des Sk zur Pressefreiheit. Weiß nicht wie es heute ist ;)
Seit wann ist es eigentlich möglich, eine Firma von ihrer Werbung zu trennen? Ist es nicht Absicht der Firma mit der Werbung in Verbindung gebracht zu werden?
Auch der Makler vermakelt nur Inhalte und der Kleber klebt sie. Da gibt es Regeln, aber die Verantwortlichkeit für die Werbung liegt alleine bei der werbenden Firma.
War mein Fehler.
Persil für alle. Und alles ist egal. Großartig!
Nein es ist nicht alles egal und Persil ist zu teuer. Sagt zumindest die beste aller Lebensabschnitsgefährtinnen solange es Persil betrifft.
Ich versuche nur zu trennen. Wir haben einen Blog auf dem wir unsere Meinung schreiben. Dieser Blog bietet Werbeflächen und beruht auf den Dienstleistungen Anderer. Ich plädiere dafür, an die Bloginhalte die Maßstäbe anzulegen und nicht an die Frage welche Werbung wann und für wen erscheint.
Wir werfen in der aktuellen Diskussion alles in einen Topf, Inhalte, Bloggerpersönlichkeit, Werbung, generelle Haltung zur Werbung und Verantwortung und kochen daraus Persil mit Jod S11 Körnchen. Etwas das niemand braucht.
Haut einen Blogger auf den Kopf wenn er sich um Werbung zu bekommen verbiegt. Meckert wenn er für die falsche Sache gekennzeichnete Werbebeiträge schreibt, beschimpft die Drecksfirmen die Werben, wenn sie denn Drecksfirmen sind. Aber bitte trennt, das eine vom anderen.
Mal sehen! ;-)
Da steht: "Ich bin der Meinung, das die Autorenpersönlichkeit, die hinter einem Blog steht, und die kaufmännische Entscheidung Werbung zuzulassen, nichts miteinander zu tun haben."
Das bestreite ich. Ich kann nicht das Blog der "Friedensfreunde Süd" führen, mir über einen Werbeservice ein Banner für "Hockler & Kechs neues G7" reinschieben lassen und dann sagen: "Hey, ist nur Werbung, das eine hat mit dem anderen nix zu tun." Zumindest nicht nach meinem Verständnis.
Das, was auf meiner Site/Blog auftaucht, ist auf meiner Site/blog zu sehen und ist damit "meines" im Auge des Betrachters.
Das kann man anders sehen. So wie Du. Und das mit einem merkwürdigen Freiheitsbgeriff moralisch legitimieren. Und damit geht dann "alles". Nur teilen muss man diese Sichtweise nicht.
Wenn ich die Jungs bei adical richtig verstanden habe, dann wollten sie Heckler und Koch verhindern. Dummerweise waren Cisco und Yahoo aber auch nicht genehmer.
Wenn du heute nachliest, hat sich eine Umweltorganisation von Lidl kaufen lassen. So kann ich jede Werbung und jeden Gebrauch irgendeiner Dienstleistung ablehnen.
Das sind die Mauern in denen ich mich einmauere. Ich darf ja nicht mal die Welt zitieren weil ich weiß das Springer Gift für die Freiheit ist.
So kann es nicht funktionieren. Deshalb die Frage nach dem Respekt der Entscheidung des anderen.
"Freiheit" nach dem hier postulierten Verständnis ist auch die Freiheit, sein Blog mit Werbung aller Art voll zu klatschen. Klar, kann man niemandem verbieten und muss letztendlich jeder selbst entscheiden.
Die andere Schlussfolgerung, dass die eingeblendete Werbung nichts mit dem Blog zu tun hat, kann ich aber nicht teilen. Was hat das mit "Respekt" zu tun?
Ob du das gut findest oder nicht, ist doch dein Problem. Wegen mir kannst einer Werbung ohne Ende haben. Ich klicke nie. Auch ansonsten erreicht Werbung bei mir eher das Gegenteil des gewollten.
Aber ich bin ständig mit einem Browserfenster mindestens bei Google.
Ich will weiter googeln ohne mich zu schämen und lass die anderen werben, ohne das die sich schämen müssten.
Das nenne ich gegenseitigen Respekt.
Das Thema "Werbung im Weblog" ist doch schon seit 2002 durch. Habermas lässt grüßen, die "Ökonomisierung aller Lebenswelten" ist ein Fakt, und wer das machen will, soll es halt machen. Ich nicht, ein Serverprozess der mir bezahlte Inhalte ins Blog haut, die ich nicht kontrollieren kann, ist nicht akzeptabel. Aber wer es will macht es eh. ;-)
Und dieses Anraunzen von Protagonisten wie Johnny oder ix via Weblog ist albern und der unangemessene Tonfall nur ein Indiz für den Verfall der Blogosphäre in den letzten 5 Jahren. Von daher kann ich den Ruf nach "Respekt" nachvollziehen.
Aber: Nach dem Motto "alle sind irgendwie übel und haben Dreck am Stecken, darum ist alles egal" vorzugehen und sich ein reines Gewissen einzureden, kann es aber auch nicht sein. Ich denke, ein bißchen schlechtes Gewissen beim Benutzen von Google schadet überhaupt nicht. ;-)
Was ist "besser": jeden Tag einen doofen (oedr tollen) Job tun, für Firmen, die für Firmen arbeiten, die... (ich weiß nicht für wen du arbeitest, ich rate mal: nicht nur für Rotes Kreuz, den Papst, den Dalai Lama, Greenpeace und AI - und auch die wären kritisierbar...).
Oder für Firma Xy im 100% selbstbestimmten Blog werben und wenn man was sagt, was denen nicht passt, halt auf sie verzichten.
IMO ist z.B. adical das Problem eher bei den Firmen als bei den 'ach so gekauften' Bloggern.
Andererseits hat es seinen Grund, dass ich (bisher ;) ) nicht von Werbung lebe (und eher damit experimentiere).
Das ganz Erstaunliche daneben ist jedoch, dass die "moralischen Rigoristen" diese Mauern für andere gleich mitbauen - obwohl sie wissen müssten, dass sie gerade dann permanent gegen sie laufen. Das endet meistens in einem Dogmatismus, der die Welt um einen sehr dunkel macht und letztlich auch leer. Verantwortungsloses Handeln schließt das nicht aus, aber man sieht es nicht mehr.
Zum Dank laufen ihnen die Frustrierten, Mühlseligen und Beladenen hinterher. Die assoziierten Blasenverlierer 1.0, die Pharmaknechte, und manche von denen außer Herrn Hartz keiner weiß, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen.
Und irgendwie gilt es als lobenswert seinen Wortschatz unter der Gürtellinie zusammenzusuchen, gepflegt rumzuprollen und unter Pseudonym Interna von Firmen auszuplaudern. Voll heldenmutig.
Im Usenet wusste man, was von anonymen zu erwarten war: Geprolle und Getrolle.
Echte Anonymität ist wichtig - manchenorts. Echte Verantwortung und Offenheit auch.
Der Rest ist, so scheint es mir, nicht weniger aber leider auch nicht mehr als Gruppendynamik.