Die Zahnpasta kriegt man nicht zurück in die Tube und Flöhe hüten ist zwar auch nicht leicht, aber zumindest lösbar. Das was einmal, wenn auch nur für kurze Zeit im Internet stand ist auch nicht mehr zurückzuholen.
Beim Wettbewerb um den Troll des Jahres haben wir bis jetzt schon einige beeindruckende Leistungen zu verzeichnen. Besonders dämlich stellte sich SinnerSchrader mit Martin Recke ihrem Mann fürs Pöbelhafte an, der sich natürlich auch noch auf den leidigen Olliver Gassner bezog. Don Alphonso hat dankenswerterweise das notwendige gesagt.
Sehr gut im Spiel ist Hubertus Albers, der mit seiner Abmahnerei und dem Buhei um seinen Namen, eine eher mitleiderregende Posse gestartet hat, die sich jetzt von Tiefpunkt zu Tiefpunkt wälzt.
Mein persönlicher Favorit ist aber der Springerkonzern.
Bei Axel Springer gilt Meinungspluralismus, aber nicht Selbstprofilierung durch die Verächtlichmachung von Kollegen.
Wirklich gut das man das mal gesagt und das man uns vorgeführt hat, wie gut die Springerzensur funktioniert und wo sie zu spät greift. Alan Posener dürfte jetzt genau wissen, das Kai Dieckmann das Niveau des Konzerns und die Art der Meinungsmache zu hundert Prozent wiedergibt.
Wirklich wichtig ist das natürlich alles nicht. Es sind Begleiterscheinungen eines Wandels in Richtung einer Netzkultur. Viel wichtiger erscheint mir eine Erfahrung die Don Alphonso in der Blogbar berichtet. Es geht darum ob neben einem bezahlten Artikel auch noch ein kostenloser Blog über die Mille Miglia geliefert werden soll und der Kunde sich dagegen entscheidet.
Der Kunde verzichtet also aus freien Stücken auf kostenlose tägliche, ja stündliche Aufmerksamkeit für sich und seine Produkte. Da gehen bei mir sofort alle Warnsignale an. Würde dem gleichen Kunden angeboten werden kostenlos ein vorbereitetes Werbefilmchenauf auf dem Blög für ihn abzuspielen wäre der vermutlich begeistert.
Aber er will keinen Blog. Warum nicht. Ist er SinnerSchraders Bedenkenträger, ein kaufmännischer Idiot oder steckt etwas ganz anderes da hinter.
Unsere heutige Medienwelt besteht aus vorgefertigten, abgenommenen Versatzstücken, die lediglich noch auf die eine oder andere Art angeordnet werden, aber in ihrer Weichgespültheit beliebig austauschbar sind. Dehalb fallen uns ja Prantel, Leyendecker oder jetzt ein Ala Posener sofort auf, selbst wenn sie nicht unsere Meinung vertreten. Sie sind kratzbürstig authentisch.
Wir sind es schon so gewöhnt, das Fragen und Antworten vorher abgesprochen sind, oder hilfreiche Sabinen oder Maybritts dem guten INSM-Vertreter von nebenan beispringen, wenn der sich in seinem eigenen Geschwafel verliert. Ausgewogenheit die zwar nicht ausgewogen aber den Machtverhältnissen angepasst ist. Zu kritischen Fragen gibt es ein klares "Kein Kommentar" was eigentlich ein Leck mich am Arsch ist, aber folgenlos bleibt.
In dieser, mit vorgestanzten Informationshüllen ohne Inhalt, belegten Informationswelt sind Blogs nicht unterzubringen. Blogs sind Livenachrichten. Reaktionen auf aktuelle Ereignisse und nur in der Minderheit vorgeplante Artikel. Blogs haben begrenzte Recherchemöglichkeiten. Sie beziehen sich meist auf im Netz verfügbare Informationen und fassen diese zusammen. Was entsteht ist so eine Art Fernschreibjournalismus, der keine Rücksicht auf seine Leser nehmen muss, weil er sie mehrheitlich gar nicht kennt und nur die kommentierenden Leser einschätzen kann.
Schneller Livejournalismus mit beschränkter Datenbasis. Das muss zu Fehlern führen. Logischerweise. Dazu kommt noch, das es nicht ausgewogen sondern sehr subjektiv ist. Wer den BILDblog verfolgt oder die Spiegelwatchblogs beobachtet, sieht wieviel Mist die produzieren. Bei den anderen Qualitätsjournalisten sieht es ähnlich aus. Die FAZ schafft es sogar, bei um mehrere Tage verspäteten, also nicht zeitkritischen Meldungen noch Fehler zu produzieren. Diese Gefahr ist beim bloggen um ein vielfaches größer und zwar mehrmals täglich.
Es kann keiner vom bloggen leben, deshalb ist es eine Nebenbeschäftigung, die Zeit, Goodwill und auch Geld kostet und zudem mit hohen Kosten strafbewehrt ist wie Mein Parteibuch feststellt.
Wir diskutieren oft darüber, warum die amerikanische Bloggerszene soviel erfolgreicher ist. Auf die naheliegende Idee das es dort eine ganz andere Kultur der Fehlertoleranz gibt, ist dabei soweit ich weiß noch niemand gekommen. So irre mancher amerikanischer Schadensersatzprozess uns auch erscheinen mag, so hoch wird dort die Pressefreiheit und Meinungsäußerungsfreiheit gehalten. Trotz dem Bush Regime.
Das was INSM-Watch jetzt passiert ist, basiert auf den Trollen die mit den deutschen Gesetzen bis nach Amerika winken. Es ist unsere Unfreiheit die da exportiert wurde.
Niemand bekommt die Zahnpasta wieder in die Tube. Bei Zahnpasta nehme ich einen Lappen und wische die Bescherung wieder auf. Das bedeutet bei Fehlern in Blogs, das wir solch einen Lappen brauchen. Eine Gegendarstellung auf niedrigem schnellenLevel, wäre die beste Lösung.
Keine Lösung ist es auf die klare und harte Sprache der Blogs zu verzichten. Wir brauchen diese Art des Journalismus dringend in Deutschland. Ein Teil unserer Misere besteht darin, das unsere Medien versagt haben.




















Gruß
Alex
Dem Rest kann ich nur zustimmen. Wer nur vom Bloggen leben will, sollte besser Lotto spielen. Und wer meint Blogs und Meinungen verbieten zu wollen, schiesst sich grundsätzlich ein Eigentor. Siehe Digg, siehe H.A.. Was einmal im Netz ist, kommt da auch nicht mehr raus. Und wenn man versucht es zu verstecken, erreicht man meist nur eins: Das Gegenteil.
Auf der journalistischen Seite halte ich von vielen Blogs nicht sehr viel, ausserdem ist Vorsicht geboten bei der Einstufung, schliesslich wird meist eine persönliche Meinung eingebunden und so gewollt oder nicht, ein recht einseitiges Bild vermittelt. Gerade in Deutschland ist Bloggen einfach nicht weit genug bekannt und akzeptiert um wirklich ernst genommen zu werden. Auch hier beherrscht der Boulevard die Leser. Und das weithin aufgebauschte Abmahnwesen dient als Kritikzügler, eine Verpflichtung für eine Gegendarstellung sollte, ähnlich des Zeitschriftenwesens, mal angedacht werden.
Aber selbst wenn man fundiert seine Meinung vertritt und auch wirklich gute Texte schreibt - und hier mal ein Kompliment für deinen Blog - geht selbst der beste Text unter, wenn ihn keiner liest. Es gibt zwar eine theoretisch unbegrenzte Reichweite, aber wer zum Geier liest ihn eigentlich, den Text, der die Sache glasklar, akzentuiert und auch noch grandios auf den Punkt bringt? Eventuell kein Schwein.
// Hier mal was zum Auskommentieren, was nicht gepostet werden soll, dass ist jetzt gerade nicht belegbar, weil ich die Quelle nicht mehr weiss und es eh Spekulation ist: Das mit dem INSM Watchblog schien wohl deshalb so einfach zu sein, weil der Begriff geschützt ist und Markenrecht greift halt auch transatlantisch, da musste wordpress.com nunmal ran und ich denke mal nicht, dass die neue Adresse, die ja ebenfalls bei WP.com ist, in der Hinsicht gefährdet ist. Wo ich das gelesen habe, weiss ich aber nicht mehr, deshalb wollte ich es nicht einfach schreiben, hielt es aber für interessant genug, dir mitzuteilen. Gruss, Gerrit
Ich werde mir die Regeln eh nicht von der INSM diktieren lassen. Die verfahren zwar nach der Methode "Viel Feind viel Ehr", verstehen aber nicht das sie in den eigenen Reihen nun mittlerweile genug Leute sauer gekocht haben und das die sich wehren.
Wehren können die sich am leichtesten durch Informationen. Wir gehen da lustigen Zeiten entgegen.
Aber gut, gehört zum Dinstkreis der INSM. Dennoch hätte demnach die INSM selbst nicht unbedingt das Recht, irgendwelche Ansprüche geltend zu machen.
Gruß
Alex