Springers Welt meldet, dass die Leser des Männermagazin "FHM" Guido Westerwelle auf Platz zwei der Liste der "unsexiest Women 2010" gewählt haben. Endlich mal wieder ein Spitzenplatz.
Nun kann ich die Qualität der Leser dieses Männermagazins nicht beurteilen. Männermagazine oder Herrenmagazine waren so richtig nie mein Ding. Warum soll ich mir etwas auf Papier ansehen, was ich in höchst quirliger und lebendiger Form überall auf der Straße treffen und mit dem ich reden und vielleicht auch ein wenig mehr in der Realität tun kann. Vom FHM habe ich heute das erste mal gelesen.
Offengestanden sind die Leser solcher Magazine die ich kenne, eher nicht die Leute mit denen ich mir eine Unterhaltung wünsche. Aber vielleicht kenne ich die Falschen. Nun haben sie also Guido Westerwelle und auch Bill Kaulitz von Tokio Hotel auf diese Liste gewählt. Für Bill Kaulitz dürfte das gute Werbung sein. Er spielt ja bewusst mit seiner Außendarstellung und ist da - auch von aktueller Musik habe ich keine Ahnung - wohl auch erfolgreich, wie ich aus den vielen Neidberichten ablese.
Natürlich protestiert der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) und spricht davon, dass immer wieder die gleichen alten Klischees über Schwule mit Federboa und Schminke im Umlauf sind. Aber genau das trifft doch auf Westerwelle gar nicht zu. Der Typ gibt das Alphamännchen und wenn er sich zum Clown macht, dann nur weil seine Einschätzung der Realität nicht viel mit eben dieser Realität zu tun hat. Selbstüberschätzung im Bereich des Hundertfachen.
Wie kommt also Guido Westerwelle auf diese Liste? Weil er schwul ist? Wohl eher nicht. Sein übrigens nie ehrlich eingestandenes Schwulsein ist mit Sicherheit nicht der Grund. Um gleich alle Unklarheiten zu beseitigen. Kein Schwuler muss sein Schwulsein veröffentlichen. Das ist nämlich absolute Privatsache und geht keinen etwas an. Aber diese Koketterie mit dem Thema ist es, was viele verärgert.
Neben den drei bekannten und offen diskutierten Geschlechtern, gibt es nämlich ein viertes. Die Tunte. Es gibt sie übrigens unter Heteros, Schwulen und Lesben. Sie stellen nach außen eine übertriebene Sexualität dar, die aber natürlich nur eine Schutzfunktion darstellt, weil ihr eigentliches sexuelles Leben von ihnen selbst oder auch in der Realität als nicht besonders eingeschätzt wird. Meist sind es Typen die eigentlich ständig verlieren, auch wenn sie scheinbar gewinnen.
Sie wollen ein Spiel spielen, dass sie nicht nur nicht beherrschen, sondern für das sie in dieser Form auch nicht geeignet sind. Sie machen sich selbst und vermutlich auch andere unglücklich. Aber sie können das dumme Spiel, auch wenn es längst von allen durchschaut wird nicht aufgeben. Besonders tragisch wird das immer dann, wenn sie aus wirtschaftlichen Gründen, nicht einfach ihren Spielort wechseln können.
Am traurigsten ist die alte männliche Tunte oder die sogenannte alte Lebedame. Sie haben emotional alles verloren. Wenn Springers Welt die Frage stellt, ob man Guido Westerwelle auf Platz zwei einer solchen Liste stellen darf und über 70 Prozent der Leser, dies für witzig halten, dann sagt das nicht viel aus. Springer sucht seine Leser immer auf dem untersten Niveau und findet sie auch dort, stets mit der gleichen miesen Gesinnung die auch der Konzern hat.
Es könnte Westerwelle völlig egal sein, was das sogenannte gesunde Volksempfinden über ihn sagt. Was kratzt es die deutsche Eiche, wenn sich die Sau daran reibt. Aber so einfach ist es nicht. Westerwelle bedient das Klischee der Tunte relativ gut. Sicherlich nicht mit Absicht und als Hetero kann man einfach nicht hinter die Ängste der Schwulen schauen, die ja bis in die heutige Zeit miserabelst behandelt und gemobt werden, wenn sie nicht in den klassischen Schwulenberufen sind.
Als Politiker spielt Westerwelle eine Rolle. Die Einschätzung seiner Person als "unsexiest Women 2010" könnte wiederspiegeln, dass die politische Lüge mit der er ständig lebt und sein Verhalten ihm eine gewisse tuntenunehrlichkeit unterstellt und damit die Wahl begründen. Das hat alles eine gewisse Berechtigung, aber man muss trotzdem nicht alles tun, was sich irgendwie berechtigen lässt. Und auch manches was oberflächlich komisch wirkt, ist nicht zum Lachen.
Guido Westerwelle wäre als Anwalt in seiner Heimat vielleicht nicht glücklicher geworden, aber sicher zufriedener. Leider ist es ja häufig so, dass Menschen die Karriereleiter so weit erklimmen, bis sie keinen Halt mehr finden. Auch diesen übertriebenen Ehrgeiz kann man bedauern, muss man aber nicht.
Diese Liste war eben so unnötig wie Springers Reaktion darauf. Springers Krokodilstränen waren übrigen typisch für den Konzern, seit Axel Cäsar Springer. Es gäbe genügend andere wenig schmeichelhafte Listen auf denen Westerwelle ganz oben stehen könnte. Aber diese Listen würden sofort die Staatsanwaltschaft auf den Plan rufen. Das Männermagazin FHM mag seine fünf Minuten Berühmtheit bekommen haben und darf es ruhig wieder in den Kiosken verotten oder auf Toiletten denen als Vorlage dienen, die mit einer Frau nicht einmal ein Gespräch hinbekommen.
Westerwelle hat genau das richtige getan. Er ist mit seinem Lebenspartner öffentlich aufgetreten. Mehr nicht! Weder ist er verklemmt noch ein "bekennender" Homosexueller (wie eine Zeitung schrieb). All dieses, wie ein Schwuler zu sein hat "Privatsache" oder "soll bekennen", sind Heteroansprüche. Westerwelle ist in dieser Hinsicht vorbildlich.
Er will wie immer auf beiden Seiten der Straße spielen und das ist der sicherste Weg überfahren zu werden.
doch ist es Westerwelle, ein Volksverhetzer, den man deshalb nicht "näher kennenlernen", einfach nicht verstehen mag.