Robert Kurz brachte das Problem in "
Der Freitag" auf den Punkt:
Es ist das alte Lied vom inneren Widerspruch, das in immer schrilleren Tönen erklingt: Die den Gesetzen der Verwertungslogik unterworfenen Menschen sollen am besten für Gotteslohn arbeiten bis zur Erschöpfung, sparen wie die Weltmeister für ihr Alter, gleichzeitig mit vollen Händen Geld ausgeben als Konsumenten.
Don Alfonso möchte gern nach Biella, dort sitzen die besten Stoffwebereien der Welt, er will sich auch noch einmal die Glasmacher in Murano, die italienischen Hersteller von Herren- und Damenbekleidung, Schuhe, Lederwaren anschauen bevor es die nicht mehr gibt.
Im Rahmen der Weltwirtschaftskrise hält er fast schon für zu spät jetzt noch dort hinzufahren, möchte aber lieber wenigstens noch die Glut beschreiben, auch wenn das Feuer schon aus ist, bevor auch diese zu Asche zerfällt. Das letzte bisschen Qualität wird durch Ramsch ersetzt. Aus Gütern werden Waren, die zwar noch einen Preis, aber keinen Wert mehr haben.
In Japan ist die große Krise der Finanzwelt nun 20 Jahre her. Aber immer wieder fällt das Land in eine tiefe Depression. In der letzten Woche wurde ein Wachstum von 4,8 prozent gemeldet und gleichzeitig bekannt gegeben wurde, dass sich Japan wieder in der Deflation befindet. Während überall auf der Welt die Aktienkurse um 26 Prozent zugelegt haben, verlor der Topix 2,8 Prozent.
Kurioserweise ging in den USA am Freitag nur eine einzige kleine Bank in den Konkurs, aber das war wohl mehr die Schwalbe die noch längst keinen Sommer macht. Dagegen hat Obamas Besuch in China keine Entschärfung der Lage gebracht. Amerikanische Dollar die immer schneller verfallen, überschwemmen die Märkte Asiens und haben in Hongkong bereits zu einer neuen Immobilienblase geführt.
Obamas Forderung an China die Währung aufzuwerten, ist angesichts dieser Tatsache und der weiter sinkenden Exporte Chinas zwar unverfroren genug, aber kaum hatte er sie gestellt wurde auch schon klar dass die Chinesen nicht mitspielen werden. Sollte es dazu kommen, dass China die Staatsanleihen der USA nicht mehr kauft, ist die USA pleite. Das träfe zwar auch China, ist aber eine reale Möglichkeit.
Karl Ralf Jung, Chef des alternativen Anlagegeschäfts der Allianz sieht die aktuelle Weltwirtschaftskrise als noch nicht in der Realwirtschaft angekommen und befürchtet Schlimmeres. Er geht davon aus, dass wir zu Zeit nur eine kurzfirstige Erholung erleben, der dann weitere Abstürze folgen.
Selbst das Finanzministerium spricht in seinem Novemberbericht über eine langsamere wirtschaftlichen Erholung in Deutschland vor dem Hintergrund einer nachlassenden privaten Konsumtätigkeit. Der private Konsum wird aber noch weiter absinken, da die Gewerkschaften und ihre Mangerfreunde überall die Löhne kürzen und Kannegiesser jetzt sogar mit dem Segen der IG Metall, die Menschen nur 26 Stunden ohne Lohnausgleich arbeiten lassen will. Damit will er natürlich auch die Sozialabgaben des Kurzarbeitergeldes sparen.
Großzügig wie er nun einmal ist, würde er es allerdings erlauben, dass der Staat über Subventionen verhindert, dass die Mitarbeiter verhungern. Aber im Endeffekt macht er auch klar, dass seine Freunde so oder so entlassen wollen. Das sieht auch das Finanzministerium so und hofft, dass der Export alles rettet. Bundesarbeitsminister Jung will das auf zwei Jahre verlängerte Arbeitslosengeld um weitere 18 Monate verlängern und dann vermutlich noch einmal über die nächste Bundestagswahl hinaus.
Aber das Finanzministerium hat noch einen weiteren Traum. Es träumt davon, dass die Löhne bis 2013 jährlich um 2,3 Prozent steigen und damit die Konjunktur anziehen. Aber das ist eben nur ein Traum, in der Realität sinken die Löhne. Gleichzeitig sinken auch die Erzeugerpreise. Wenn man die Energiepreise herausrechnet beträgt der Verlust gegenüber dem Vorjahresmonat 3,3 Prozent. Für einige Branchen ist das schon die Marge und das bedeutet das langsam aber sicher eine Konkurswelle anrollen wird.
Die Bayern LB hat ein kleines Problem mit ihrer Tochter Hypo Alpe Adria und müsste dort mal eben 1,5 Milliarden Euro nachschießen. Angesichts der eigenen desolaten Lage ist das nur möglich, wenn der bayrische Staat das Geld aufbringt. Eine Zwickmühle für Seehofer und Co. Im Moment sieht es nicht so aus, als ob sich Österreich ernsthaft an einer Rettung beteiligen wolle. So könnte schon am 10. Dezember das Aus oder die Verstaatlichung kommen, was allerdings wohl auch ein paar andere Banken mitreißen würde.
Mittlerweile halten auch schon die größten Bullen an den Börsen die Entwicklung der Aktien für eine Blase. Allerdings weiß gleichzeitig auch niemand wie man aus dieser Blase entkommen könnte, weil die Zinsen so niedrig sind, dass niemand an Aktien vorbeikommt. So hofft jeder den richtigen Termin für den Ausstieg zu finden und es dürfte sicher sein, dass viele ihn verpassen werden.
Die Notenbanken haben einfach viel zu viel Geld in die Märkte gepumpt. Geld das aber nur in den Finanzkreisläufen bleibt und die Blase immer mehr anheizt, während die Realwirtschaft austrocknet. Sie können dieses Geld aber auch nicht wieder einziehen, weil das Großkapital nicht nur die Politik sondern auch die Notenbanken selbst in der Hand hat.
Das Fiat, die sich vor einiger Zeit noch um eine Opelübernahme bemüht hatte nun davon spricht 2 oder drei der italienischen Werke zu schließen, weil alles 6 Werke in Italien gerade mal das produzieren, was ein einziges Werk in Brasilien schafft. Die Entwicklung dürfte für Opel ähnlich sein.
Das die Hornissenkoalition die Steuern senken will um Kaufkraft zu schaffen ist ein törichter Unfug. Die Leute die von den Steuersenkungen profitieren, werden nicht mehr konsumieren sondern mehr spekulieren. Wer mehr Konsum will, braucht einen Mindestlohn von 10,50 Euro und harte Strafen gegen alle die dagegen verstoßen. Wer die Finanzmärkte in Bewegung bringen will muss als Staat eine Bank zur Verfügung stellen die Kredite an die Unternehmen der Realwirtschaft unbürokratisch und schnell vergibt, während gleichzeitig über eine sehr hohe Börsenumsatzsteuer das Geld aus den diversen Blasen gezogen wird.
Deutschland braucht eine Politik für die Mehrheit der Menschen und keine Politik für die neoliberalen Abzocker. Während die Kommunen am Abgrund stehen, bekommen die
Abzocker aus dem Hotelgewerbe eine teure und völlig unsinnige Mehrwertsteuersenkung als Subvention.
Es hüpfen nur die Menschlein oder dämmern zeitweilig in Melancholie.
Nützlich wäre es, sich einen Krisenrahmen von 20, 25 Jahren vorzustellen und zu versuchen, das eigene Vermögen mit dieser Dimension zu synchronisieren.