16-11-09 - Datenmissbrauch und weder die Bürger, noch die Presse machten ein Fass auf
Verschwörungstheoretiker würden dahinter entweder eine strategisch geplante Aktion der Regierung, zumindest aber der Geheimdienste oder Konzerne erkennen. Vermutlich ist aber die Wahrheit viel einfacher und weniger spektakulär. Schlamperei, mangelnde Kontrollen und Koordinierung von Aufgaben in Betrieben oder Behörden sowie das ignorieren einfachster Schutzvorschriften begünstigen Datenmissbrauch, Datenklau und überhaupt jede Form der Wirtschaftskriminalität. Vielfach wird der Schutz der persönlichen Daten dabei als nicht so wichtig betrachtet oder der Verstöße als Bagatellen betrachtet.
Zwar glaubt man eine Änderung dieser Haltung zu beobachten (vielleicht auch deshalb, weil sich immer mehr Menschen dadurch bedroht fühlen), aber insgesamt ist ein erschreckend gering sensibles Verhältnis zu persönlichen Daten in der Bevölkerung zu beobachten.
Wenn es um die Erfüllung von Kreditwünschen, Anmietung von Fahrzeugen, Auskünfte für einen neuen Wohnungsvermieter oder um den Antrag auf staatliche Leistungen geht, hinterfragen nur die wenigsten, was mit den über sie erhobenen Daten geschieht oder warum diese überhaupt abgefragt werden. Entweder ist es ein naives Vertrauen oder einfach Desinteresse, denn häufig bekommt man auf die Frage, warum sie freiwillig diese Daten angeben, die Antwort „ich hab doch nichts zu verbergen“. Womit ist dieser Leichtsinn zu erklären?
Ist es wirklich Unwissenheit oder die zu geringe Vorstellungskraft, was missbräuchlich mit den persönlichen Daten oder den Sozialdaten alles gemacht werden kann?
In den letzten Jahren hat der Datenmissbrauch durch Behörden, Banken und Unternehmen erheblich zugenommen (siehe Quellenanhang). Wirtschaftskriminalität insgesamt erlebt nach Einschätzungen von Experten gerade jetzt, in der Wirtschaftskrise, eine erhebliche Konjunktur.
Datenmissbrauch, vor allem bei persönlichen Daten bzw. Sozialdaten wird vielfach noch immer als Kavaliersdelikt betrachtet. Welcher Schaden durch missbräuchlich erworbene Personaldaten jährlich entsteht, wird verschleiert. Allein der Missbrauch mit gefälschten Kreditkarten geht mittlerweile in die Milliarden und alle Banken und Kreditkartenunternehmen sind betroffen. Sie nutzen kaum anerkannte wirkungsvolle Methoden, um Missbrauch wirkungsvoll und nachhaltig zu verhindern, denn die Zeche zahlen sowieso die Kunden. Die aktuelle Änderung der Gesetze für Bankgeschäfte in der Europäischen Union, sind Belege dafür, die Kreditinstitute und Banken haben ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB´s) zum Nachteil der Kunden geändert.
In den letzten 20 Jahren hat die Wirtschaftskriminalität einen immensen Markt erobert. Nach Angaben des Bundeskriminalamtes ist allein in Deutschland durch Wirtschaftskriminalität im letzten Jahr ein Schaden von mehr als 3,4 Milliarden Euro entstanden. Nach Expertenmeinungen könnte der angerichtete Schaden in Deutschland bei etwa 20 bis 30 Milliarden Euro liegen, denn die Dunkelziffer ist sehr hoch und die Zahl der Strafverfahren spiegelt kaum das Verhältnis zur tatsächlichen Dimension wieder, denn die Aufklärungsquote ist gering, obwohl sie steigt. Da spielen zunehmend auch die privaten Daten der Bürger eine wichtige Rolle. Ein Beispiel sind die Daten von Bewerbern, die von Unternehmen übers Internet geprüft werden.
Zwar regeln in Deutschland verschiedene Gesetze den Umgang und den Schutz der persönlichen sowie der Sozialdaten, aber dennoch ist das Erheben, Speichern und Zusammenfassen von Daten unklar definiert. Bereits die privat genutzte Telefon- oder Emailliste fällt unter das Datenschutzgesetz und die Weitergabe von Telefonnummern oder Emailadressen, ohne Wissen der Betroffenen, ist ein Verstoß gegen das Datenschutzgesetz, also strafbar. Zu selten machen sich die Beteiligten darüber ernsthafte Gedanken oder erkennen die Brisanz der Situation. Wir müssen in diesem Bereich mit mehr Sensibilität umgehen, um uns vor Kriminalität zu schützen.
Niemand kann uns Bürger verbindlich sagen, wo und in welcher Weise über uns Datenbestände bestehen oder für welche Zwecke zusammengestellt werden oder wurden. Wir Bürger müssen darauf drängen, dass mit unseren Daten mindestens sorgfältig umgegangen wird, wenn sie erhoben und gespeichert werden. Durch öffentlichen Druck müssen wir dafür sorgen, dass Behörden und die Politik dazu gezwungen werden, Datenmissbrauch stärker als bisher zu verfolgen, aufzuklären und die Schuldigen zu bestrafen, ohne eine Zensur zu betreiben.
Die Gefahr der Überwachung oder krimineller Aktivitäten sind größer früher, weil schnelles Internet, schnelle Computer und die schnelle Datenverarbeitung, größere Chancen auf unentdeckte Handlungen ermöglichen und mehr Daten als bisher verarbeitet werden können.
Dagegen hilft nur Aufklärung der Bürger über ihre persönlichen Rechte und die Weiterentwicklung gesetzlicher Regelungen. Die stärkere Nutzung des Informationsfreiheitsgesetzes, um mehr Transparenz der Behörden zu erreichen und Verwaltungsabläufe öffentlich zu machen.
Technisch gut gerüstete Strafermittlungsbehörden, die mit angemessenem qualifiziertem Personal, die notwendige Ermittlungsarbeit leisten, um Strafdaten zu ermitteln. Eine Richterschaft die Problembewusst, die Gesetze angemessen anwendet und sich als tatsächlich unabhängiges Entscheidungsgremium präsentiert, das über alle Verdächtigungen erhaben ist. Die Überprüfung bestehender gesetzlicher Regelungen hinsichtlich ihrer Praxis, um die Praxis der Datenerhebung, Verarbeitung und Speicherung in jeder Form besser zu regeln. Wobei die Gewichtung dabei stärker auf staatliche, geheimdienstliche, privatwirtschaftliche sowie Sozialnetzwerke und insgesamt auf Organisationen nach dem BGB gerichtet sein müsste. Den es sind Organisationen, die sich kriminell verhalten, denn Einzel oder Privatpersonen haben wenig Interesse, Datenklau professionell zu betreiben, um sich Datenbestände ihrer Nachbarn anzulegen.
Artikelverzeichnis:
11.11.09 - Anklage wegen Coup mit geklonten Debit-Karten
Die US-Staatsanwaltschaft hat eine Gruppe Ost-Europäern angeklagt, im November 2008 mit geklonten Debit-Karten neun Millionen US-Dollar von Konten abgehoben zu haben. (Quelle Heise.de)
10.11.09 - Alice-Kunde geriet an sensible Kundendaten
Ein unbed. Neukunde bei Hansenets Alice die Mail-Adresse alice@alice.de registrieren können. An diese Adresse gehen sämtliche Daten von Neukunden, die über Vertriebspartner Verträge abschließen und dabei keinen best. E-Mail-Kontakt angeben, sie hätte zur Registrierung gesperrt sein müssen.(Quelle NDR).
28.10.09 - Datenmissbrauch bei der Postbank
Die Postbank hat Tausenden freien Finanzberatern den Zugriff auf Millionen Kontodaten ermöglicht, um den Verkauf eigener Produkte zu fördern. Erst nach scharfer Kritik wegen Datenmissbrauchs wurde die Einsicht für gesperrt. (Quelle Heise.de).
21.09.09 - Deutsche Bank spähte Mitarbeiter per Rasterfahndung aus
Mit einer Art Rasterfahndung überprüfte die Deutsche Bank im Jahr 2001 Telefonanschlüsse eigener Mitarbeiter auf Zielrufnummern, die bestimmten Journalisten gehörten. So wollte das Unternehmen einen Verräter im Aufsichtsrat ausfindig machen.
16.08.09 - Schlagzeilen
Konkurrenz für Aldi und Lidl Kartellamt stimmt zu: Aus Plus wird Netto
(http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:konkurrenz-fuer-aldi-und-lidl-kartellamt-stimmt-zu-aus-plus-wird-netto/380348.html)
Ausforschung der Mitarbeiter Müller sammelt Krankheitsdaten
(http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:ausforschung-der-mitarbeiter-mueller-sammelt-krankheitsdaten/502093.html)
Neuer Datenskandal Lidl setzt Deutschlandchef vor die Tür
(http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:neuer-datenskandal-lidl-setzt-deutschlandchef-vor-die-tuer/497318.html)
Neuer Daten-Skandal Das unfassbare Lidl-Déjà-vu
(http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:neuer-daten-skandal-das-unfassbare-lidl-deja-vu/497157.html)
Kontrolle der Angestellten Neuer Datenskandal bei Lidl
(http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:kontrolle-der-angestellten-neuer-datenskandal-bei-lidl/496715.html)
18.08.09 - Daten von 130 Millionen Kreditkarten gehackt
Es ist der bisher größte Datendiebstahl in den USA. Ein 28-jähriger Hacker aus Florida hat mit zwei Komplizen seit Oktober 2006 die Daten von mehr als 130 Millionen Kreditkarten ausgespäht.
04.08.09 - Bahn sammelte auch Krankendaten
Es wurden Listen mit krankheitsbez. Daten von Mitarbeitern beim Tochterunternehmen DB Sicherheit GmbH geführt.
23.07.09 - Deutsche Bank gesteht vier Spähaktionen
Von der Bank beauftr. externe Dienstleister haben gegen Datenschutz und Privatsphäre verstoßen, gestand die Bank
02.07.09 - Datenpanne bei der Sparkasse?
Laut einem Bericht des WDR lagerten bei einem ehem. Unternehmensberater 25 Festplatten mit Vetriebsdaten.
19.05.09 - Telekom spionierte auch Bankdaten aus
Datenskandale und kein Ende: wie jetzt bekannt wurde, spionierte die Telekom nicht nur Aufsichtsräte und Journalisten aus. Auch die Bankdaten von Mitarbeitern, deren Angehörigen und Dritten wurden jahrelang ausgespäht.
04.05.09 - Präsident des Verfassungsgerichts warnt vor Datenschutz-Supergau
Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier hat im Interview vor einem Datenschutz-Supergau gewarnt und den Staat aufgefordert, sich schützend vor die Freiheitsrechte seiner Bürgerinnen und Bürger zu stellen.
14.04.09 - Banken wehren sich gegen Bahnspionage
Die Frankfurter Volksbank und die Sparda-Bank Hessen wehren sich gegen die Ausspähung ihrer Kundenkonten und verlangen eine sofortige Aufklärung.
02.03.09 - Tatmotiv: tätig für Honeywell
Der Konzern hat vermutlich auf 130.000 Konzernrechnern Spionagesoftware installiert, auch deutsche sind betroffen.
13.02.09 - Datenaffäre in Stuttgart
Das Rechnungsprüfungsamt in Stuttgart hat Bankkonten abgeglichen, um Korruptionsfälle aufzuspüren, ohne Ergebnis.
27.01.09 - Monster-Datendiebstahl in Großbritannien
Datendiebstahl bei der britischen Job-Börse Monster, Hacker hatten sich Zugang zu Daten von 4,5 Mill. Mitgliedern.
06.01.09 - Daimler verstößt gegen Datenschutz
Um krankheitsbedingte Fehlzeiten zu verringern, wurden im Werk Stuttgart-Untertürkheim ärztl. Diagnosen abgefragt.
In und Ausland:
18.10.2008: Axel Springer Verlag – (persönliche Daten von Anzeigenkunden waren öffentlich abrufbar gewesen)
16.10.2008: Kinderkanal (Pers. Daten von Kindern u. Jugendl. Projekt »Platz für Helden« waren ungeschützt einsehbar)
13.10.2008: Deloitte (Laptop mit 150.000 Datensätzen, Rentendaten ist gestohlen. Zumindest war er verschlüsselt)
12.10.2008: Indon. Bildungsministerium (Datenbank von 36 Mio indones. Schülern war online aufrufbar)
11.10.2008: T-Mobile (sensible Daten von über 30 Millionen Handy-Kunden einschl. Bankdaten abrufbar)
10.10.2008: Brit. Verteidigungsmin. (Festplatte mit 700.000 Datensätzen von Armeeangehörigen und -bewerbern mit Adreßdaten, Paßnummern und teilweise Bankverbindungen ist abhanden gekommen)
07.10.2008: T-Mobile (17 Mio Kundendaten von T-Mobile sind schon seit Jahren auf Abwegen)
02.10.2008: Uni Göttingen (Liste der Vor- und Zunamen aller Studenten, Email Adressen lassen sich ableiten)
30.09.2008: Brit. Außenministerium (Kamera mit Geheimdienstdaten auf Ebay verkauft)
27.09.2008: Brit. Luftwaffenstützpunkt (Drei USB-Festplatten mit persönlichen Daten von Militärangehörigen)
26.09.2008: Brit. Lehrerorganisation (CD mit den Daten von mehr als 11.000 Pädagogen verlegt)
18.09.2008: Brit. Insolvenzbehörde (Laptop mit pers. Daten zu 122 Direktoren und Infos über Gläubiger, Invenstoren und Mitarbeiter)
17.09.2008: Norweg. Steueramt (Wenn man den Bericht glauben schenken darf, sind in Norwegen Name, Einkommen und zu zahlende Steuer
öffentliche Daten. Nun verschickte das Steueramt die vertr. Personenidentifikationsnummer)
09.11.2008: Brit. Verteidigungsministerium (USB-Stick mit Angaben zur Truppenbewegung in Nachtclub gefunden. Laut dem Bericht sind
schon mehr als 120. USB-Stick dem brit. Verteidigungsministerium seit 2004 verlorengegangen.)
07.09.2008: Brit. Justizminist. (Festplatte mit Daten zu 5000 Gef.-beamten u Verwaltungsangestellten verschwunden)
31.08.2008: Beate Uhse (Logdatei des Online-Adventskalenders von 2006 war in Form einer CSV-Datei online verfügbar, u.a. mit E-Mail-Adresse)
29.08.2008: Deutsche Meldebehörden (Skandal um illegalen Adreßhandel mit Melderegisterdaten)
22.08.2008: Brit. Innenministerium (Ein unverschlüsselter Speicherstick mit persönlichen Angaben über Namen, Adressen und Entlassungsterminen
zu 10.000 Schwerverbrechern und weiteren 84.000 britischen Häftlingen ging verloren. Das Innenministerium meint, die Daten gingen bei einer privaten
Beratungsfirma verloren)
11.08.2008: Süddeutsche Klassenlotterie (Adreß- und Bankdaten von 17.000 Personen kursieren auf einer CD)
05.08.2008: US-Transportation Security Administration (Verlust Laptop mit unverschlüsselten »sensible« Daten zu 33.000 Personen bei einem privaten Dienstleister
für die Flughafensicherheit)
29.07.2008: Brit. Außenministerium (3000 britische Pässe und Visa sind gestohlen worden)



















Von Thomas Marschner | Duckhome | – Mittlerweile scheint es die „Normalität“ zu sein! Schlampiger Umgang mit persönlichen Daten oder der gezielte Datenmissbrauch zur Erlangung von Informationen über Personen, ohne Skandal geht kaum... ...