Unsere Milchbauern haben mit ihren spektakulären Protesten europaweit öffentliches Bewußtsein für die Gefährdung der landwirtschaftlichen Erzeugung geschaffen! Das alleine ist schon ein enormer Erfolg ihrer Solidarität und ihres tatkräftigen Widerstandes.
Als nächstes darf man sich über eine erste Verbesserung der Milchpreise freuen. Einer
Pressemitteilung des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) vom 28.10.09 ist zu entnehmen, dass die Preise für Trinkmilch in den letzten Wochen deutlich angestiegen sind, wie es sich bei den derzeitigen Verhandlungen zwischen Molkereien und Handel abzeichnet, und zwar in einer Größenordnung von 7 Cent pro Liter Milch, verglichen mit den Preisen vor einem halben Jahr. Dies führt man auf die 500.000 Tonnen Milch zurück, die man während der Aktionen im September europaweit dem Markt entzogen hat. Man darf davon ausgehen, dass auch andere Marktsegmente (z.B. Butter) folgen werden.
Wir gratulieren den Bauern! Sie haben sich mit ihrem aufwendigen und mutigen Milchlieferboykott ein beachtliches Ergebnis erkämpft!
„Verfrüht wäre es jedoch, diese Markterholung schon als Trendwende zu bezeichnen. Wenn sich die Politik auch weiterhin nicht zu marktentlastenden Maßnahmen wie der Begrenzung der Saldierung oder einer teilweisen Quotenstilllegung durchringen kann, wird diese Marktentlastung schnell verpufft sein. Bereits Anfang nächsten Jahres kann dann ein erneuter Mengen- und Preisdruck am Milchmarkt auftreten.“
Des weiteren haben sich die europäischen Bauern auf politischer Ebene eine Handlungsebene erstritten, und zwar in Form einer High Level Group (HLG) Milch, die vom EU-Agrarrat und der EU-Kommission einberufen wurde und die ab sofort ihre Arbeit aufgenommen hat.
Die HLG soll die Vertragsbeziehungen zwischen Milcherzeugern und Molkereien untersuchen und Konzepte für einer höhere Transparenz in der Wertschöpfungskette erarbeiten. Auch wenn man sich davon noch keine existenzsichernden Milchpreise für die Erzeuger erwartet, so hat dieses Gremium mit seinen hochrangigen Vertretern der EU-Staaten doch ausdrücklich die Aufgabe, eine Besserung des katastrophalen Milchmarktes zu erzielen.
„Das EMB hat es begrüßt, dass die neue High Level Group Milch ihre Arbeit aufgenommen hat“, sagt EMB-Präsident Romuald Schaber kurz nach der Anhörung in der High Level Group. “Das ist ein Signal der EU-Regierungen, dass sie die untragbare Situation auf den Milchbetrieben in Europa anerkennen. Die Milcherzeugung ist zu einer Kapitalvernichtung geworden. Das liegt daran“, so Schaber weiter,„dass die Milcherzeuger das schwächste Glied in der Kette sind. Ist der Markt übersättigt, also übersteigt das Angebot nur leicht die Nachfrage, dann fällt der Erzeugerpreis überproportional. Das ist zurzeit der Fall.“ Um dauerhaft einen gleichberechtigten Interessenaustausch zu erreichen, wäre es nötig, dass das EMB kontinuierlich in die Arbeit der HLG einbezogen wird. „Die Milchbauern sind bereit diese Verantwortung zu übernehmen. Sie werden deshalb die weiteren Schritte in den nächsten Wochen sehr genau beobachten.“ (Aus der
Presseerklärung des EMB vom 11.11.09)