Die neue Gesellschaft des Thilo Sarrazin und Wolfgang Clement
Isoliert betrachtet könnte man die Ausfälle die Sarrazin und auch Clement immer mal wieder gegen diejenigen starten, die nicht zur der von ihnen definierten Elite gehören, als bedauerliche Einzelfälle abtun oder ihnen sogar in einigen Punkten recht geben, wenn man die Dinge sehr oberflächlich betrachtet. Aber sie sind nicht isoliert. Sie sind Teil einer Kampagne die schon geraume Weile läuft und die unsere Gesellschaft tiefgreifend verändern soll.
Diese Kampagne ist übrigens keine Verschwörungsgeschichte sondern die Folge einer ganz einfachen Erkenntnis, die immer mehr Leute an den unterschiedlichsten Positionen gewonnen haben. Es gibt nicht mehr genug Arbeit für alle. Natürlich stutzt da jeder. Überall fehlen Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute, Krankenschwestern und für viele ist die aktuelle Arbeitsbelastung krank machend. Da sollte es doch ein Leichtes sein, Arbeit für alle zu finden.
Tatsächlich geht es aber nicht um solche Arbeit. Es geht lediglich um die Arbeit, die verkaufbare Produkte oder Dienstleistungen schafft. Verkaufbar bedeutet dabei auf den internationalen Märkten konkurrenzfähig verkaufbar. Der globale Wettbewerb ist der Maßstab aller Dinge. Auch das ist logisch und im Prinzip auch von vielen so gewollt, die natürlich auch von den billigen Löhnen an anderen Orten profitieren. Es profitiert nämlich nicht nur das Großkapital, sondern, wenn auch in kleinsten Dimensionen der Endverbraucher.
"Geiz ist Geil" ist der Ausdruck einer solchen Sichtweise. Geiz ist allerdings eher dumm. Nokia ging in Bochum trotz Förderung und in Rumänien wurden trotz Förderung und niedrigster Löhne nur noch Bruchteile der geplanten Produktion realisiert und von denen soll einiges auch bald wieder weiterwandern. Die Arbeiter in Rumänien haben sich nicht so leicht ausbeuten lassen wie Nokia sich das dachte.
Der deutsche Arbeiter, der sich die billigen Fleecepullover kauft, die aus "Pfandflaschen" unter erbärmlichsten Bedingungen in Asien produziert werden, darf sich nicht wundern, wenn sein Arbeitsplatz, seine Bezahlung und seine Arbeitsbedingungen den asiatischen angepasst werden. Weltweit betrachtet gibt es viel mehr Anbieter von Arbeitskraft, als an Arbeit benötigt wird.
Aus dieser Erkenntnis heraus, hat man nach dem Ende des real existierenden Sozialismus angefangen, eine Ausgliederung der Überflüssigen zu betreiben. In Deutschland geschah dies dadurch, dass Arbeitslosigkeit, die in Wirklichkeit systembedingt ist, als persönliche Schuld umgedeutet wurde. Medien wie die Springerpresse benutzten Ausnahmefälle, bauschten diese noch zusätzlich auf und schlossen von da aus auf alle Fälle.
Es wurde ein Bild des Schmarotzers gezeichnet, dass allzu genau dem Judenbild des Stürmers glich und wohl auch aus den gleichen Intentionen stammte. Denn nur wenn man einer Gruppe von Personen absolute Abscheulichkeit unterstellen kann, kann man sie vom restlichen Volk trennen und schutzlos machen. Diese Schutzlosigkeit wird dann auch gleich zur Rechtlosigkeit.
Typisch war damals wie heute, das sogenannte Wissenschaftler und angebliche Freunde der Auszugrenzenden fragwürdige Beweise lieferten. Es ist deshalb logisch, dass gerade SPD-Politiker sich hervorragend eignen die falsche Botschaft von heute zu verbreiten. Dabei ist es egal ob sie gekauft wurden, oder einfach nur aus purem Hass agieren. Meist ist es eh eine Mischung aus vielen Motiven.
Dass Hans-Olaf Henkel Sarrazin wohlwollend auf die Schulter klopft ist typisch. Henkel hat als einzige Großtat in seinem Leben die deutsche IBM fast ruiniert und arbeitet sein ganzes Leben dafür, die Arbeitnehmer immer schlechter zu stellen. Ein paar Pausenclowns reden sogar von Zivilcourage die Sarrazin besitzen würde.
Dabei hat Sarrazin gar keine Courage und vor allem keinen Anstand. Er hätte anstatt einen Golfclub auf kriminelle Art und Weise mit Staatsgeldern zu sponsern, die BVG in trübe Sale and Lease Back Geschäfte zu treiben oder seltsame Geschäfte um das Tempodrom zu tätigen, einfach die Schulen besser machen sollen. Jene Schulen die er ausgehungert hat. Jene Schulen in denen seine Frau einfach ein Kind mitten im Jahr in eine andere Klasser versetzt und dies genauso menschenfeindlich macht, wie er selber ist.
Sarrazin ist einfach nur gemein. Trotzdem wurde er in den Vorstand der Bundesbank gesetzt. Das ist die Belohnung für seine Gemeinheit. Wolfgang Clement bekam die Belohnung von der RWE und von der Leiharbeiterbude der er die Wege zur Ausbeutung gesetzlich geebnet hat. Aber sie sind nur Spielfiguren am Rande.
Tatsächlich geht es darum, dass immer mehr Menschen im Produktionsprozess nicht mehr gebraucht werden, während die Gewinne weiter sprudeln. Bis zur Wiedervereinigung, oder besser dem Beitritt der DDR zur BRD, gab es einen gesellschaftlichen Konsens, dass alle mitgenommen werden und ein zumindest erträgliches Leben führen sollen. Diese Prämisse wurde vom Kapital einseitig aufgekündigt. Nun geht es darum, dass die, die nicht mehr gebraucht werden, möglichst gar nichts bekommen sollen.
Obwohl sie in den meisten Fällen nichts für ihre Situation können, sollen sie bestraft werden. Sanktionen, Kürzungen und ständige Quälereien und Zurücksetzungen sollen dazu führen, dass sich niemand mehr zu wehren wagt. Gleichzeitig wird die Bildung heruntergefahren. Wie in den USA soll nur die primitivste Grundausstattung an Bildung kostenfrei geliefert werden. Alles weitere soll es nur gegen viel Geld geben.
Berufsausbildung und Weiterbildung im Betrieb sollen unterhalb der Techniker- und Ingenieursebene praktisch nicht mehr stattfinden. Nicht der Facharbeiter sondern der Ungelernte ist das Ziel. Damit findet aber gleichzeitig eine Deindustrialiserung statt und die Produktqualität leidet. Man kann das Facharbeiterwissen nämlich nicht ersetzen und schlechte Schulausbildung schafft dumme Arbeiter die auch nur dumme Arbeiten dumm erledigen können.
All dies soll Kosten sparen. Niedrige Löhne für die, die noch Arbeit haben, weil sie ansonsten auch diese Arbeit verlieren. Praktisch keine Firmenbindung sondern nur noch Leiharbeiter auf Abruf. Daraus kommt keine Motivation und vor allem keine Innovation. Aber die Berater, die nie etwas verantworten, wissen ja gar nichts von Innovation und innerbetrieblicher Entwicklung. Die kennen nur Organigramme die in den meisten Fällen zwar formal stimmen, aber kaum mit der Betriebswirklichkeit zu tun haben.
Selbst wenn die Manager in den Großunternehmen wollten, hätten sie keine Chance ihre Unternehmen zu verstehen und die Unternehmenskultur zu verinnerlichen. Sie kommen aus einer anderen Welt, werden an der Spitze des Unternehmens aufgepfropft und nicht selten sitzt dann da so ein Orangenbäumchen auf einer mächtigen Eiche. Die sprechen nicht einmal die gleiche Sprache.
Deshalb gibt es auch überall diese Global Denker bei den Global Playern. Die entwickeln keine Produkte um sie auf den Märkten anzubieten sondern suchen für Uraltkram, der lediglich aufgehübscht wurde ständig neue Märkte. Das geht aber nur, wenn man die Preise ständig senkt und die Preise senkt man durch niedrige Löhne und möglichst wenig Kosten bei den Ausgegrenzten.
Weil diese Leute keine Kaufleute sondern Manager sind, pflegen sie ihre Märkte auch nicht, sondern erschließen ständig neue. Die guten alten Kaufleute wussten nämlich noch, dass sie ihr eigenes Umfeld stärken mussten um ihr Kernabsatzgebiet zu halten. Ihren Heimatmarkt. Den Managern ist der Heimatmarkt egal. Sie sind nur wütend wenn ihre eigenen Mitarbeiter nicht ihre Produkte kaufen. Bei VW dürfen die Mitarbeiter in fremden Autos dann einfach mal nicht mehr auf den Firmenparkplatz. Nach den Hintergründen fragt niemand.
Tatsächlich ist ja auch die Pflege und finanzielle vernünftige Ausstattung der Arbeitslosen kein Kostenfaktor sondern ein Umsatzbringer. Je mehr teilhaben können, desto besser läuft die Binnenkonjunktur. Wer aber immer nur exportieren oder gar Exportweltmeister sein will und deshalb seine innere Gesellschaftsstruktur zerstört, der zerstört sich seinen Heimatmarkt.
Gerade die Weltwirtschaftskrise, deren Talsohle noch lange nicht erreicht ist, hätte ein Umdenken bewirken müssen. Dieses Umdenken ist ausgeblieben. Wahrscheinlich ist es nur vertragt. Bis dahin wird Sarrazin und andere mit ihm, immer wieder und immer breitere Bevölkerungsschichten ausgrenzen und als Untermenschen darstellen, die selbst an ihrer Situation schuld sind.
Zur Zeit sind es 20 Prozent von denen er offen sagt, dass sie nicht gebraucht werden. Tatsächlich laufen wir in Deutschland darauf hin, dass nur 20 Prozent gebraucht werden und 80 Prozent zu den Parias zählen. Für Sarrazin ist eine solche Welt vorstellbar. Gut bewacht von Polizei und Bundeswehr könnte er sein Unwesen treiben und über die bösen Unterschichtler schimpfen.
Tatsächlich ist eine solche Gesellschaft aber eben nicht lebensfähig. Die 80 Prozent Betrogenen werden sehr bald auf die Idee kommen, sich ihren Teil zu holen und damit den 20 Prozent alles zu nehmen und ihnen vermutlich nicht einmal das Leben lassen. Leute wie Sarrazin und andere kennen die Geschichte der französischen Revolution. Nur weigern sie sich aus dieser Geschichte zu lernen.
Die Herbstgutachten versprechen uns ein Wachstum von 1,2 Prozent im nächsten Jahr. Selbst bei aller statistischen Trickserei wird die Wirtschaft in den Jahren 2010 - 2013 weiter schrumpfen. Schon im März 2010 wird die offizielle Arbeitslosigkeit über die 5 Millionengrenze steigen. Real liegt sie ja schon heute über 10 Millionen. Niemand weiß, ab welchem Punkt die Leute auf die Straße gehen. Aber Leute wie Sarrazin werden sie schon antreiben.
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Womblog [Worte oder mehr] am
10/16/09 um 06:20
Die neue Gesellschaft des Thilo Sarrazin und Wolfgang Clement
Von Jochen Hoff | Duckhome | – Isoliert betrachtet könnte man die Ausfälle die Sarrazin und auch Clement immer mal wieder gegen die-jenigen starten, die nicht zur der von ihnen definierten Elite gehören, als bedauerliche Einzelfälle abtun oder ih... ...
Von Jochen Hoff | Duckhome | – Isoliert betrachtet könnte man die Ausfälle die Sarrazin und auch Clement immer mal wieder gegen die-jenigen starten, die nicht zur der von ihnen definierten Elite gehören, als bedauerliche Einzelfälle abtun oder ih... ...



















Revolutionen à la française können nur die Franzosen.
Alle anderen sind dazu zu blöd.
Ganz besonders die Deutschen.
Der Weg vom Lampenputzer zum Revoluzzer ist in Deutschland wohl nicht mehr so weit wie ihn noch Erich Mühsam sah.
http://www.graswurzel.net/235/concert.shtml
Die Arbeitsproduktivität steigt ständig, etwa 2% jährlich im Mittel in den letzten 30 Jahren. Wäre diese Produktivitätssteigerung gerecht auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt worden, hätten wir heute etwa den doppelten Wohlstand.
Warum ist der Wohlstand der arbeitenden Bevölkerung in den letzten 30 Jahren im Mittel sogar etwas gesunken? Weil die Oligarchen mit Unterstützung der Politik alles in die eigene Tasche stecken oder im großen Kasino verzocken. Das Volk wird mit Hinweis auf die Konkurrenz aus den Billiglohnländern sogar verstärkt ausgepresst.
Warum lässt das Volk sich das gefallen? Weil es zu blöd ist, die mit den eigenen Händen produzierten Waren auf kurzem Weg untereinander auszutauschen. Niemand braucht die Konzernherren, Investment-Banker, Oligarchen, Politiker und sonstigen Schmarotzer. Wenn wir die alle zum Teufel jagen würden, hätten wir automatisch nochmal doppelten Wohlstand (oder halbe Lebensarbeitszeit) und niemand würde unsere Jungs in sinnlosen Privatkriegen verheizen.
So einfach ist das. Aber sag das mal jemandem - dann schaut der Dich an und denkt "lass doch den Spinner".
Die Vorzüge der Globalisierung (nicht anderes als die einer arbeitsteiligen Gesellschaft) lasen sich durchaus wahrnehmen, wenn man die Nachteile eliminiert. Und diese wiederum sind allein einem Geldsystem mit Zinseszins gechuldet! Denn nur dieser Zins ermöglicht erst in einem debitistischen (d.h. Nachschuldner erfordernden, auch gern als "Schneeballsystem" bezeichneten)Finanzsystem die anfänglich kaum spürbare Umverteilung von Unten nach oben, von arm zu Reich, von Geldwert in Sachwert (i.e. vom flüchtigen Verbrauchsspareicher in den langfristig sicheren WerterhaltungsSpeicher). WEG MIT DEM ZINS! Und in einem - möglichst goldgesicherten und deshalb nicht aufblähbaren - Währungssystem wird es wieder (hatten wir schon mal 46Jahre im Dt. Kaiserreich) gerecht zugehen.
Außerirdische würden wohl zurecht an dem Vorhandensein nennenswerter Intelligenz bei einer Spezies zweifeln, die sich jahrzehntelang mit dem Versprechen "Vollbeschäftigung" für dumm verkaufen lässt.
Interessant ist aber der Beißreflex der Übervorteilten gegen jeden, der es wagt, darauf hinzuweisen, dass sie betrogen werden. Lieber geht man auf die eigenen Leute los und überzieht die Verlierer mir Repressalien.
Kapuzineräffchen sind da schlauer und gehen nicht auf aufeinander los, sondern attackieren den Betrüger.http://www.egbert-scheunemann.de/Vom%20homo%20oeconomicus%20und%20anderen%20Affen.pdf
http://www.brandeins.de/archiv/magazin/arbeit/artikel/an-die-arbeit.html
Gruß bel
mfg alex