Das ist lustig, weil Magna nur 400 Millionen an Eigenkapital mit in das Geschäft bringt. Die Arbeitnehmer haben also nach zwei Jahren schon mehr gegeben als Magna. Seltsamer Kapitalismus. Dafür wird sich aber der deutsche Steuerzahler mit 4,5 Milliarden beteiligen. Allerdings bekommt er dafür keine Anteile. Anstatt einen VEB Adam Opel bekommen Magna oder doch wohl eher die Sber Bank das Opel Know How und Russland wohl auf Dauer die Arbeitsplätze.
Erinnert sich eigentlich noch irgendwer an die Übernahme der Hausgerätesparte der AEG durch Elektrolux. Gerade eben werden in Nürnberg die letzten 70 Stellen platt gemacht. Das Staatsgeld hat Elektrolux in Polen investiert. Deutschland bezahlt die Arbeitslosen und es gibt sogar einige die so dumm sind, solche Geräte auch noch zu kaufen.
Der einzige der sich über die Magna Übernahme freut ist wieder einmal der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer der Leiter des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen schwafelt fröhlich von einem ausbaufähigen Europamarkt und davon das alleine in Russland der Markt auf 5 Millionen PKW anwachsen werde. Am schönsten aber ist, dass dieser "Experte" davon spricht, dass Magna keine Verträge bricht. Damit möchte er den Opelmitarbeitern den Mut zum Widerstand nehmen.
Tatsächlich steckt Magna selbst schon jetzt tief in der Krise der Autozulieferer. Diese Krise wird sich noch verschärfen, weil mit dem auslaufen der Konjunkturpakete und den anstehenden Massentlassungen, sowie durch überall auf der Welt anstehende Steuererhöhungen, der Automarkt erheblich schrumpfen wird. Der Magna-Businessplan mit dem Titel "Projekt Beam - Zukunftskonzept Opel 2014" ist schon heute Makulatur, weil die Voraussetzungen für höhere Auslastung einfach nicht gegeben sind. Die angestrebte Steigerung der Kapazitätsauslastung um bis zu 40 Prozent, ist nichts anderes als ein feuchter Traum.
Magna wird zunächst die Standorte erhalten, das gilt aber nicht für die Arbeitsplätze. 10.500 Entlassungen werden nicht ausreichen und Magna wird in Russland Opel fertigen, weil sich der dortige Markt nur mit russischen Löhnen und sehr stark geschrumpften Standards bedienen lässt. Dies würde aber zwangsläufig dazu führen, das immer mehr Standorte in Westeuropa überflüssig werden.
Angela Merkel bekommt übrigens noch ein weiteres Problem. Dadurch, dass sie sich nur für die deutschen Standorte und massiv für einen Verkauf an Magna eingesetzt hat, sind die anderen Länder in denen es Opel-Standorte gibt sauer. Natürlich will jedes Land seinen Standort retten. Deshalb soll jetzt über die EU versucht werden, wenigstens einen deutschen Standort, vermutlich Eisenach oder Bochum zu schließen und diese Arbeitsplätze an andere Standorte zu verlagern.
Will Angela Merkel das verhindern, wird sie wohl noch einmal tief in die Tasche des Steuerzahlers greifen müssen um anderen Ländern eine Entschädigung zu zahlen. Damit kann sie aber auch das Generalproblem von Opel nicht lösen, die mit 1,5 Millionen produzierter Autos im Jahr einfach viel zu klein sind, um selbstständig bleiben zu können. Dieser Marktanteil wird sicherlich noch schrumpfen, weil alleine die geplanten Umstellungen im Bereich Einkauf und die Trennung von der GM-Logistik eine Pannenserie auslösen werden.
Anstatt von Einsparungen wird es zu erheblichen Mehrausgaben und zu Qualitätsproblemen kommen. Natürlich wird Magna selbst seinen Zulieferanteil bei Opel erhöhen und sich sehr gute Preise zahlen. Diese Mehrausgaben sollen dann von anderen Lieferanten ausgeglichen werden, was nur bei Qualitätseinbußen möglich ist.
Opel ist bis zur Wahl gerettet. Die Opelianer werden Frau Merkel wohl aus Dankbarkeit wählen. Dabei haben sie keinen Grund dankbar zu sein. Nach der Wahl wird sich nämlich niemand mehr für sie interessieren und dann bekommen sie noch ein oder zwei weitere Lohnkürzungsrunden und weitere Entlassungen. Dann erfolgen die Schließungen von Bochum und Eisenach und mit viel Glück bleiben in Rüsselsheim noch ein paar Entwickler und ein wenig Vertrieb.
Opel stirbt sicher nicht mehr mit einem Knall, aber Opel stirbt jeden Tag ein bisschen. Aber Angela Merkel hat ihren Wahlsieg, weil sie Opel gerettet hat. Dabei haben nicht mal ihre Leute im Beirat der Opel-Treuhandgesellschaft einen Verkauf an Magna mitgetragen. Die wollten eben nicht sehend mit in den Untergang gehen.
Am 27.September ist Bundestagswahl. Merkel und auch Schwarz/Gelb abwählen kann man am besten, indem man die LINKE wählt. Die würde diesen Betrug an den Mitarbeitern auch nicht mitmachen.
und [...] wird in Russland Opel fertigen" erinnere ich mich noch, Moskwich also Moskowiter hat man die damals genannt. Die 1. über Jahre produzierte Baureihe war stark vom Gelsenkirchener Barock geprägt, wie viele Autos, die von hier aus jenseits der Elbe gefertigt wurden. Aber Qualitätseinbußen? Nee, da frag mal frühere Eigentümer. Die waren noch im stolz von ihren Fahrern in Einsatz gebracht worden, als der G.B. westl. der Elbe längst aus der Mode war...
Andererseits, stellt man diesen Artikel mit anderen über Peakoil und das Ende auch der Kernkraft in einen Konsens, braucht es eh nicht mehr so viele PKW.
Über die einst bestandene Chinesische Option schreibt man hier nicht mehr...
was Opel angeht: wohl das kleingedruckte noch nioht gelesen - und die geheimen Zusatzprotokolle, die erst nach der Wahl veröffentlicht werden - falls überhaupt.
Ist genauso wie bei anderen Cross-Border-Geschäften.
Und Merkel - ich hoffe noch auf das beispiel Japan !
mfg zdago