Ich probiere es nochmal. Alle, die vom Marxismus viel verstehen, sollen jetzt bitte nicht weiterlesen. (Man möchte sich ja nicht blamieren). Alle anderen, die sich an Marx nicht so richtig rantrauen, lade ich ein, es mit mir zu versuchen.
„Der tote Hund beißt. Karl Marx neu gelesen“, heißt ein Buch von Barbara Sichtermann, erschienen 1990 im Wagenbach Verlag. Das war mein Kaliber, das habe ich gelesen. 1990, das war die Zeit, als man überall die Irrtümer und blinden Flecken bei Marx in den Focus rückte. Als nun die aktuelle Krise zu eskalieren anfing, blühte die Erwartung an die Analysen von Marx wieder auf, auch in Form von Kapital-Lese-Kursen, die uns inzwischen viel Lesematerial bescherten. Im Rahmen der entsprechenden Kurse der Rosa-Luxemburg-Stiftung fand im Juli ein Begleitseminar statt, mit dem Thema. „Der Traum von der Befreiung durch direkten und gerechten Tausch: zur Kritik der einfachen Warenproduktion.“
Nadja Rakowitz, Politologin und Medizinsoziologin, setzt sich hier unter anderem mit der „Natürlichen Wirtschaftsordnung“ von Silvio Gesell, inkl. Schwundgeld ohne Zins auseinander. In der
Dokumentation heißt es: „Sowohl die Utopien der Frühsozialisten als auch die Freiwirtschaftslehre und aktuelle computergestützte Arbeitsstundenzettelmodelle reproduzieren das romantische Ideal des Warentausches ohne Geld, Zins und Kapital. Doch schon Marx wusste: die Gesellschaft der einfachen Warenproduzenten als Grundlage einer krisenfreien Wirtschaft gibt es nicht“. Wer möchte, hört sich den Audio-Mitschnitt an, hier geht sie auch auf das grundlegende Probleme ein, den Wert der Arbeit festzustellen, bzw. vergleichen und gerecht austauschen zu können. (Niemand kann den Wert von 8 Stunden Arbeit des einen benennen, oder den Wert von 6 Stunden Arbeit des anderen.) Was letztendlich bedeutet, dass das Gerechtigkeitsproblem unverändert bestehen bleibt. Aber abgesehen davon, - ließe sich ein wirklich freies Produzieren und Tauschen realisieren, bräuchte man genau genommen gar kein Äquivalent mehr, weder in Geldform noch als Arbeitszettel. Ich füge hinzu: auf direktem Weg zum Paradies gäbe es gar keinen Akt des Tauschens mehr, also auch keinen gerechten. Können wir uns das vorstellen?
Der Zins spielt als eine Kategorie des Mehrwerts zweifellos eine Rolle im Akkumulationsprozeß des Kapitals. Aber die Abschaffung des Zinses allein reicht nicht aus, um Vorstellungen eines gerechteren Warenaustauschs zu realisieren. Dafür ist der Kapitalismus viel zu komplex, und erst recht im heutigen globalen Ausmaß. Trotzdem will ich zuletzt noch das Streben nach Gerechtigkeit, das dahinter steckt, gerne würdigen. Und dass man experimentiert, z.B. mit Tauschbörsen, finde ich interessant.
Ich persönlich wäre vorerst mit folgendem zufrieden: einer demokratisch legitimierten und kontrollierten starken Politik, die sich der übermächtigen Wirtschaft entgegenstellt, anstatt ihr willfährig alle Macht zu überlassen. So wie es Steuergesetze gibt, die z.B. gerade im kapitalistischen Kernland USA sehr streng gehandhabt werden, müßte es möglich sein, dem internationalen Finanzverkehr Regeln aufzubürden. (Und übrigens auch den Zinswucher zu verbieten, bzw. Zinsen hoch zu besteuern.) Die Fragen, die wir stellen müssen, sind die nach der Macht und des politischen Willens.
Föderalismus und Pluralismus, als demokratische Prinzipien der Bundesrepublik Deutschland, geben hierfür eine gute Ausgangsposition her, meine ich immer noch. Der beste Grund übrigens, heute mitzudemonstrieren:
„Nein zur EU-Diktatur“. Treffpunkt 17 Uhr, Berlin, S-Bahnhof Friedrichstr.
Nochmal zum Einlesen in die Europa-Problematik von citizenking:
http://www.duckhome.de/tb/archives/6952-Der-Reformvertrag-von-Lissabon-1.html
Dies ist Teil 1 und von hier geht es dann weiter!
Literatur:
2003 erschien in 2. Auflage von Nadja Rakowitz: „Einfache Warenproduktion. Ideal und Ideologie“. Auch hier widmet sie ein Kapitel Silvio Gesells „Natürlicher Wirtschaftsordnung“
"Geld regiert die Welt" hielt ich lange Zeit für einen Spruch, für nicht viel mehr. Dabei ist es tatsächlich so, dass man mit Geld (langfristig) die ganze Welt kaufen kann. Und wenn sich Kapital und Politik zusammen tun, wie wir das in den letzten Jahrzehnten erleben mussten, dann ist das Faschismus, wie schon Mussolini wusste.
Deshalb darf man bei der Diskussion über die Verteilung von Geld und sonstigen Vermögen nicht nur auf die Ungerechtigkeit sehen sondern mindestens ebenso auf die damit verbundene Macht.
http://www.youtube.com/watch?v=-s_VJddcqIE&eurl=http%3A%2F%2Fwww%2Eradio%2Dutopie%2Ede%2F2009%2F09%2F04%2Fcdu%2Dfaengt%2Dsich%2Dwahlboykott%2Daufruf%2Dvon%2Deinwanderern%2Dein%2F&feature=player_embedded#t=112
mehrere, aber ein bestimmtes Problem hatte
er, welches die Volkswirtschaftler heute
auch noch haben: All ihre Modelle funktionieren
nur statistisch. Sie alle müssen den Menschen
selbst einebnen, marginalisieren, um veri-
fizierbare Aussagen treffen zu können.
Marx kondensierte zwar die Produktionsfaktoren
Kapital und Arbeit, in die Klassen
"Bourgeoisie" und "Proletariat", schaffte
es aber nicht, die Klassen als das zu er-
kennen was sie denn sind: Gruppen von Menschen.
Er hätte dann festgestellt, daß in den
Induviduen dieser Gruppen, unabhängig von
der Klassenzugehörigkeit, ganz ähnliche,
nichtrationale, Kräfte wirken: Angst, Hass,
Neid, Eitelkeit, die Suche nach Belohnung,
vielleicht auch Mitgefühl, und die ganzen
anderen grau- und bunttöne menschlicher Emotionen.
Bei der Klasse des Proletariates, kann man
diese Emotionen durchaus vernachlässigen,
so man denn bereit ist, die menschliche
Individualität zu vernachlässigen. Das
wird in der Vwl durchweg so gemacht, denn
die Emotion des Proletariers, wirkt nur auf
dessen unmittelbare Umgebung ein, und die
Zahl der Proletarier ist groß, die Vermassung
des Proletariats hat keine Auswirkung auf
die Vorhersagen volkswirtschaftlicher
Modelle.
Ganz anders bei der Bourgeoisie.
Das Kapital in ihren Händen, diero nur sehr
wenige sind, wirkt als ein Verstärker ihrer
Emotionen. Denn nichts anderes ist "Macht",
als die Fähigkeit, seine Stimmung, seinen
Willen auf große Räume und Zeiträume einwirken
zu lassen. Das Kapital kann nicht entpersonalisiert
werden, und es ist nicht rational, denn
es verstärkt lediglich die Gedanken, Gefühle,
den Willen seines Besitzers.
Marx wollte das Kapital als Produktionsfaktor
von der Bourgeoisie befreien, die Vergesellschaftung
des Kapitals, und löst damit das Problem
nicht. Denn auch ein vergesellschaftetes
Kapital muß durch Menschen verwaltet werden,
und auch diese werden durch das Kapital
korrumpiert. In genau diese Falle, sind die
Staatssozialisten des vorigen Jahrhunderts
getappt. Den Übermenschen, welchen Marxen
bräuchte, den gibt es nicht, wird es nie
geben. Der Mensch hat Fehler, und er ist
irrational. Das Kapital verstärkt dies,
wo es wirksam wird, und das Problem bleibt.
Ganz ähnlich Tokiens Ring der Macht, kann
es nicht wirklich zum Guten eingesetzt werden,
es bleibt immer gefährlich, und im Grunde
ist es auch unnütz.
Der Ausweg, ist die Befreiung der
Produktionsfaktoren Arbeit und Umwelt, welche
nichts anderes sind, als unsere reale
Welt, die Natur und der Mensch, vom
Kapital, welches irreal und wiedernatürlich ist.
Nicht Vergesellschaftung sondern Überwindung
des Kapitals.
Und hier bieten die Freigeld-, und Freiwirtschafts-
konzepte Lösungen an, die in die
richtige Richtung weisen. Die Marxisten,
welche die verschiedenen
Freiwirtschaftsideen, meist ohne sie überhaupt
in Gänze zu begreifen, verächtlich
machen, verwerfen damit genau den Teil, der
dem Marxismus so notwendig fehlt: den individuellen
Menschen.
Marx, behandelt den Menschen nur
quantitativ, und scheitert dann, wenn die
Emotionalität einzelner, sehr mächtiger
Personen, Einfluß in großem Maßstab bewinnt.
Die Freiwirtschaftler nutzen diese Emotionen aus.
Die Freiwirtschaftsideen lassen sich kleinräumig,
und schleichend umsetzen. Bei Fehlern sind
sie leicht wieder zu modifizieren, oder zurücknehmen.
Die Freiwirtschaft schwächt
die Amplitude der Kapital-, und damit Macht-
konzentration. Sie kann das Kapital überwinden,
anstatt es mit Gewalt einem anderen zu Eigen
zu machen.
Die Marxisten mögen bitte beim Voranschreiten
auf ihre Füße schauen, zu leicht könnten
sie sonst ihre Zielgruppe zertreten.
Ich gehe mit Ihnen soweit Konform, daß das Problem aus 2 Komponenten besteht, Besitz und Mensch, das wars aber auch. Schönen Tag noch.
auf die rasche Rekonstruktion nicht
möglich, Gruß RicAlb
Die Freiwirtschaft hat nie versprochen Asterioiden aus dem Weltraum aufzuhalten.
Freiwirtschaft beschäftigt sich einzig und allein mit der Grundlage unsere Wirtschaft:
GELD
Und sollte sich dort nur der geringste Fehler zeigen, so hat das fatale Auswirkungen auf uns alle, ob Banker oder Hartz IV, niemand bleibt verschont.
"Das Einzige was der Mensch ohne Vorbild der Natur geschaffen hat, ist Geld, und promt wurde es zu einem seiner größten Probleme."
-Hans – Jürgen Quadbeck – Seeger-