Seehofer wird nicht verziehen, dass er als Mann an den Fäden im Hintergrund nicht nur Stoiber, sondern auch Erwin Huber und Beckstein abgeschossen hat. Er war sicherlich an deren Fall nicht unbeteiligt, aber diese Sichtweise ist bestimmt nicht zutreffend, was ihm aber auch nichts nützt, da er in seinem Parteivorsitz nur mit 88,1 Prozent der Stimmen wiedergewählt wurde, während Guttenberg 95 Prozent erhielt.
Werte unter 90 Prozent sind in der CSU aber ein Alarmsignal und die Stimmen, die erneut einen Wechsel fordern, werden immer lauter. Bei der kommenden Klausur der CSU-Landesgruppe im Wildbad Kreuth könnte es schon so weit sein, dass Seehofer in Frage gestellt wird. Schafft Seehofer bei der Bundestagswahl nicht mindestens die 48,1 Prozent der Europawahl dann wird es eng.
Eng könnte es aber auch werden, weil die Bayerische Landesbank mal eben 95 Milliarden in ihre Bad Bank verschoben hat und sich am Horizont schon düster ein weiterer Mittelbedarf anzeigt und auch bei Quelle wird sich zeigen, dass es nicht mehr zu retten ist und die Gelder verloren sind.
All das kann und wird Guttenberg benutzen. Er muss es sogar. Für ihn gibt es zur Zeit kaum Alternativen. Kommt es bei der Bundestagswahl zu Schwarz / Gelb, wovon auszugehen ist, wird die FDP den Außenminister stellen wollen. Guttenberg müsste Wirtschaftsminister bleiben und hätte vier lange Jahre die Verantwortung für die Rezession und die Depression. Bei der nächsten Wahl 2013 steckte diese Regierung noch mitten in der Krise und Guttenberg wäre ein geschlagener Mann.
Friederike Beck hat eindrucksvoll beschrieben welche Kräfte hinter Guttenberg stehen und die werden ihren Zögling nicht als Verlierer in der Position des Wirtschaftsministers belassen. Vermutlich werden sie versuchen, von der FDP das Außenamt für ihn zu kaufen, aber es ist denkbar, dass die FDP ablehnt, weil dies das einzige Amt in der neuen Regierung sein wird, mit dem man glänzen kann. Außenpolitischer Dummschwatz bringt immer schöne Bilder.
Dann bleibt aber nur eine wirkliche Option. Guttenberg muss in Bayern gebraucht werden. Da würde nur die Position des Ministerpräsidenten passen und mit Guttenbergs Hintergrund ließe sich das arrangieren. Seehofer hätte kaum eine Chance, zumal sich schnell eine lange Liste mit vermeintlichen Verfehlungen Seehofers erstellen ließe.
Aus der Position als bayrischer Ministerpräsident wäre Guttenberg leicht in der Lage die Handlungen des Bundes zu kritisieren und jeden denkbaren Wirtschaftsminister als unfähig und bestenfalls zweite Wahl dastehen zu lassen. Ähnlich wie Seehofer es gemacht hat, könnte er die CDU im Bund ständig treiben und somit von den eigenen Fehlern oder dem Nichthandeln abzulenken.
Bisher hat Guttenberg als Wirtschaftminister nicht gehandelt und einfach die Vorschläge anderer kritisch kommentiert und von möglichen Insolvenzen geschwafelt. Er macht keine Fehler, weil er einfach nichts macht. Das geht als Ministerpräsident noch viel leichter. Die Gefahr für seine Karriere wäre in Berlin ungleich größer als in München. Er könnte die Rezession aussitzen und sich danach als unverbrauchter Politiker zum Kanzler wählen lassen.
Das Ziel seiner Hintermänner dürfte sein, ihn möglichst frühzeitig zum Kanzler zu machen. 2013, spätestens aber 2017 könnte der richtige Zeitpunkt dafür sein. Bis dahin muss er irgendwo in Sicherheit geparkt werden. So ein Parkplatz ist der Stuhl des bayrischen Ministerpräsidenten.
Was gibt es wohl Besseres, denn absolut hirnlose Unfaehigkeit repraesentieren zu lassen.
Parrots of Evil. :-)
PS. "Eher werde ich fromm und wähle FDP."
Der Spruch ist kaum zu schlagen.
Thanks
Jake