Aber wie mittlerweile alle wissen, hat auch Vodafone der irrsinnige Kaufpreis nicht geschadet. Vodafone hat einfach den Firmenwert abgeschrieben und damit weniger oder praktisch überhaupt keine Steuern bezahlt. Im Grunde hat also der deutsche Steuerzahler den Kaufpreis für Mannesmann beglichen und Vodafone hat lediglich für eine Zeit lang Zinskosten gehabt, die aber auch vom deutschen Steuerzahler brav bezahlt wurden.
So funktionierten übrigens alle Übernahmen, die so schön als freies Wirken des ach so tollen Kapitalismus neoliberaler Prägung, dargestellt wurden. Das Kapital gab nichts, der Steuerzahler alles und die Arbeitnehmer wurden entlassen. Bis zum 31. Dezember 2001 erfolgten diese Abschreibungen zwangsweise und linear, so dass zum Schluss immer nur ein Erinnerungswert von einem Euro in der Buchhaltung verblieb.
Danach wurde nach dem Impairment Test Verfahren vorgegangen, bei dem der aktuelle erzielbare Preis für eine Beteiligung die entscheidende Größe ist und als Bewertungsmaßstab der sogenannte Fair Value (faire Wert) in Anrechnung gebracht. Dieses Fair Value ist der Preis, den zwei voneinander unabhängige Parteien mit Sachverstand und Abschlusswille bereit wären für den Firmenwert zu bezahlen.
Es ist der gleiche Fair Value, der jetzt für Unmengen von sogenannten Wertpapieren nicht gebildet werden kann, weil jeder der nicht ein Volltrottel ist, dieses Zeug nicht kaufen will. Deshalb lagert die Regierung dieses Geld ja auch in Bad Banks aus und hofft das die Banken den Dreck nur langsam abschreiben und sich nicht ganz schnell zu Lasten des Steuerzahler befreien. Zahlen muss der Steuerzahler auch hier mit Sicherheit.
190 Milliarden haben die deutschen Unternehmen in ihren Büchern stehen. Da stehen dann auch die Continental Anteile von Scheffler, die VW-Anteile von Porsche und die 1,8 Milliarden Euro die die Telekom gerade in England in den Sand gesetzt hat. Natürlich wird in Zeiten der Weltwirtschaftskrise und sinkender oder gänzlich entfallender Gewinne nur sehr zögerlich bis gar nicht abgeschrieben.
Es soll doch alles schön aussehen im Unternehmensschaufenster. Wahrheit und Wirklichkeit haben da überhaupt gar keinen Platz. Selbstverständlich sind beim ermitteln des Goodwill/Firmenwertes auch wieder die Wirtschaftsprüfer im Einsatz, die schon bei den Banken und Wertpapieren nichts gemerkt haben. Da ist es nicht verwunderlich, wenn die Angaben des Managements gegen eine heftige Prüfungsgebühr einfach übernommen werden.
Natürlich gibt es auch das eine oder andere Scheingefecht. und allzu abstruse Werte werden von den Wirtschaftsprüfern korrigiert, aber das meiste wird durchgewunken. Dazu kommt, dass Firmenwerte nicht auf die kleinste alleinstehende Einheit ermittelt werden, sondern meist für ganze Sparten und Unternehmensgruppen in unterschiedlichen Ländern zusammengefasst werden, was eine Prüfung unmöglich macht.
Damit sind sowohl die Aktionäre nicht mehr in der Lage die wirklichen Risiken zu sehen, sondern sie verschwinden auch vor den Augen des Managements. Würde eine realistische Bewertung des Firmenwertes erfolgen, dann müsste angesichts der Weltwirtschaftskrise die Bereitschaft zu erhöhten Abschreibungen steigen. Aber genau das passiert nicht. Auch die kommenden Quartalszahlen werden das zeigen.
Viele Positionen die in den 190 Milliarden stecken, sind reine Luftbuchungen. Es ist sicher nicht falsch von einem Betrag zwischen 50 und 100 Milliarden Euro auszugehen, die nur heiße Luft sind. Auch diese Abschreibungen wird der deutsche Steuerzahler tragen müssen, während die Gewinne beim Großkapital verbleiben.
Es ist eine offene Frage, wie lange eine Gesellschaft eine derartige Umverteilungspolitik von unten nach oben aushalten kann. Vermutlich ist die Grenze schon längst überschritten.
wenn ich ein Ei kaufe für 100 Euro (hier Firmenwert) und es ist nichts wert, schreibe ich es ab - die maximale Steuerersparnis sind ca. 38%
in der AG oder GmbH
, das heißt die 100 Euro muss ich auf jeden Fall zahlen,die sind weg ! Ich "bekomme" aber vom Fiskus als Steuerersparnis nur 38 "zurück"
Wäre schöne, wenn der Autor mal einen Kurs in Steuerrecht besuchen würde, bevor der "Kapitalismus" in den Dreck gezogen wird.
Es hört sich auch gerade so an, als würde jeder Unternehmer ohne Riskio Kaufpreise zahlen und auf den kleinen Mann abwälzen, Mann
Mann - da stellt sich echt der Hahnenkamm.
Oder noch besser, ich empfehle dem Autor morgen die Verantwortung für 150 Arbeitnehmer zu übernehmen und eine mittelständische GmbH als verdammter Kapitalist zu führen.
Grüße Alex
Wenn du ein Ei für 100 Euro kaufst ist es ein geringfügiges Wirtschaftsgut und geht sofort in die Kosten.
Wenn du eine Firma kaufst, darfst du sie nur zum Fair Value in den Büchern haben, sobald sich rausstellt, dass das im Kaufpreis enthaltene Goodwill nicht mehr zu realisieren ist.
Früher musste in linearen Sätzen bis auf den Erinnerungswert abgeschrieben werden, wie es heute noch bei Anlagevermögen ist.
So und nun geh Schulaufgaben machen. Du hast es nötig.
sorry Jochen, aber von 100% Steuerersparnis das gibt es bei uns (noch) nicht.
Auch der Verkäufer, der diesen Wahnsinnspreis erzielt hat, hat übrigens diesen Erlös versteuert, das heißt geflossen ist er ja - und versteuert zwangsläufig auch -
Dirk