Flatter von Feynsinn und NIGHTLINE beschäftigen sich beide mit meinem Artikel Deutschland auf dem Weg in die Diktatur. Beide halten ihn gleichermaßen für polemisch, wobei NIGHTLINE zumindest einen Teilansatz auch bei Martin Niemöller wiederfindet:
Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.
Feynsinn fragt mich in einem Kommentar:
"Ich traue diesen Leuten Massenmord zum Erzwingen ihrer Ziele jederzeit zu."
Mir ist leider nicht erkennbar, ob solche Aussagen noch provokativer Natur sind oder pb du sie wörtlich meinst. Ich lese dein Blog sehr regelmäßig, mir gefällt die Art, wie du Informationen zusammenträgst und meist auch deine bissige Art der Interpretation.
Allerdings ist mir schon öfter der begriff "faschistisch" in diversen Beugungen aufgestoßen. Die Situation in diesem Land ist ernst, dem Grundgesetz geht es in ungeahnter Weise an den Kragen, und es ist richtig, davor auch in drastischen Worten zu warnen.
Dennoch bin ich der Ansicht, daß du arg übertreibst und deiner Sache damit oft nicht wirklich dienst.
Schönen Gruß von nebenan!
flatter
Ich greife diese Frage bewusst in einem extra Artikel auf, weil ich sie für wichtig halte und ausführlicher als in der Antwort auf einen Kommentar beantworten möchte.
Ja, ich befürchte ernsthaft einen vorgetäuschten terroristischen Anschlag mit vielen Toten. Damit wäre der Weg frei um alle Gesetze durchzusetzen, die noch so etwas wie Bürgerrechte schützen. Der Test ob man Sprengstoff nach Heiligendamm bekommt durch die Amerikaner, passende Attentate mit passenden Tätern in England. Al Qaida überall, nur nicht greifbar. Ich habe Angst. Ich traue dieser Regierung und diesem Innenminister restlos alles zu. Das nennen die dann Kollateralschaden. Vielleicht habe ich da eine Wahnvorstellung. Gut. Sogar sehr gut. Warten wir es ab.
Anders ist es bei dem Begriff faschistisch. Den verwende ich sehr bewusst. Dazu muss man wissen, das Faschismus nicht erst mit Hitler kam und danach verschwand, sondern das Faschismus etwas sehr facettenreiches ist. Ein wesentliches Merkmal aller faschistischen Tendenzen ist der Autoritarismus der in seinen unterschiedlichen Formen und unterschiedlichen Ausprägungen auftritt.
Modelle autoritärer Regime
Bürokratisch-militärische Typus
Autoritärer Korporativismus
Mobilisierende autoritäre Regime
Nachkoloniale mobilisierende Regimes
Rassen- und ethnische „Demokratien“
Unvollständige totalitäre und prätotalitäre Regime
Posttotalitäre autoritäre Regime
Leider lässt sich weder mit dem Begriff Autoritarismus noch mit seinen einzelnen Ausdrucksformen eine politische Diskussion in der Öffentlichkeit führen, zumal die Ausdrucksformen in unterschiedlicher Ausprägung und auch stark vermischt vorkommen. Da bleibt nur der Begriff Faschismus. Für mich selbst habe ich noch eine notwendige Erweiterung bevor ich den Begriff Faschismus für eine Organisation verwende. Der so bezeichnete Gegner muss dazu auffordern, die Lebens- oder Existenzrechte bestimmter Gruppen aufzuheben, sie unter das Existenzminimum zu drücken, oder gar zu deren Tötung oder Selbsttötung wie z.B. durch Organverkauf auffordern.
Natürlich führt das, bei den Themen mit denen ich mich beschäftige immer noch zu einer Faschismus-Inflation. Das liegt aber weder an zu viel Polemik sondern mehr daran, das mich gerade diese Problembereiche ansprechen. Um da etwas Unterscheidung hinein zu bringen, unterscheide ich zwischen Wirtschaftsfaschisten, denen es als Endziel vor allem um Gewinnmaximierung ohne Rücksicht auf die Folgen geht und Faschisten die tatsächlich mehr oder weniger offen die Ausrottung eines Gegners propagieren.
Natürlich übertreibe ich. Das hoffe ich zumindest. Bisher haben wir so ungefähr ein halbes Jahr zwischen meiner Übertreibung und dem Fußtritt der Realität. Bei der einstweiligen Erschießung wie sie Schäuble jetzt fordert, liegen zum Glück drei Jahre dazwischen.
In Wirklichkeit habe ich immer die Aussage von alten Sozialdemokraten und Kommunisten im Ohr, die 1933 noch geglaubt haben, sie könnten Hitler und die NSDAP wieder abwählen. Wenn ich zu pessimistisch bin, dann bitte ich um Verzeihung. Aber die alten Leute mit denen ich gesprochen habe, haben mich sensibel gemacht. Ich habe Angst und ich habe kleine und große Kinder. Ich möchte nicht, das die in drei oder vier Jahren in einer Diktatur aufwachen, nur weil ich geglaubt habe, man könne durch Wahlen da noch etwas ändern. Nur weil ich nichts gesagt habe. Da sage ich lieber zu viel.



















Leider muss man es deutlich und manchmal auch überdeutlich sagen, was uns bevorsteht, sonst dösen alle weiter im TV-Sessel. Ich finde zwar manchmal Formulierungen etwas drastisch, aber das ändert nichts daran, dass Du im Kern der Sache richtig liegst.
Gruß
Alex
Jeder wie er kann.
( http://www.softanarcho.de/index.php?itemid=109 )
Die Sachlage ist doch langsam für jeden offensichtlich. Diese, von dir (Jochen Hoff) beschriebenen Leute wollen uns (dem freiheitsliebenden Volk) an den Kragen! Da sollte man unter Umständen noch zu ganz anderen Mitteln greifen!
Was zu einer "Faschismus-Inflation" führt, hat meiner Meinung nichts damit zu tun, wie oft Sie hier diesen Begriff verwenden, sondern damit, warum Sie es so oft schreiben müssen. Die Verhältnisse in diesem Land haben sich in den letzten Jahren so erschreckend gewandelt, daß ich den Begriff für durchaus korrekt halte.
Der Faschismus in Deutschland (ich weiß, die ganz Peniblen rümpfen die Nase und sagen, das heißt "Nationalsozialismus") wies die gleichen Merkmale auf, wie das, was z.Zt. abläuft:
-hohe Arbeitslosigkeit
-Sozialabbau
-Steuergeschenke an die Reichen
-restriktive Sicherheitsgesetze
-Repressionen gegen sozial Schwache
-offene und verdeckte Fremdenfeindlichkeit
-zunehmende Aggresivität in der Außenpolitik
u.v.m.
Es sollte aber nicht übersehen werden, daß diejenigen, die die Drecksarbeit machen, ob sie nun Schily, Schäuble, Struck, Steinmeier oder Merkel heißen, jederzeit austauschbar sind und immer Aufraggeber haben, denen die Namen der nützlichen Idioten relativ schnuppe sind.
Auf Dauer nutzt es deshalb nur, wenn man den Esel prügelt und nicht nur den Sack.
"Zuviel sagen" hat noch nie geschadet, das Gegenteil aber schon. q.e.d ´33
Aber es lief auf folgendes hinaus:
Du sagst: "Wenn ich das Florett beherrschen würde könnte ich mit dem Florett kämpfen. Leider beherrsche ich nur das Breitschwert, das mit beiden Händen bedient werden muss."
Das war es, was ich meinte. Ich bevorzuge das Florett, was nicht heißt, daß mir der Morgenstern fremd ist.
Und daß Du mit dem Florett so gar nichts anfangen könntest, daran erleube ich mir einen leisen Zweifel.
Die wenigen Nazis die es gibt, werden unterstützt, um von den wahren Schädlingen der Gesellschaft (I.N.S.M.: Intimidating Nightmare Spurred by Madness) abzulenken.
Wie oben bereits angedeutet, sollte man den Begriff des Faschismus von den Nazis lösen. Es gibt Menschen, die sind einfach nur faschistisch ohne nationalsozialistisch zu sein; andererseits bedienen sie sich gern der Nazis, die sich nun wieder trauen ihre Schandmäuler aufzureißen.
Ob man nun trennt oder nicht: dem Faschismus Einhalt gebieten, wo man ihm begegnet, ist die einzige Rettung für Deutschland.