Wie sehr Bascha Mika eine Fehlbesetzung war, geht schon aus dem
laut kreischenden Lob der Zeit hervor, die genau das lobt, was eigentlich verkehrt war.
Sie hat dem links-chaotischen Blatt ein Ethos von harter Arbeit und schwungvoller Ambition vorgelebt, sie hat gegen die taz-Tendenz zum Kreuzberger Nischentum den Marsch in Berlins gesellschaftliche Mitte angeführt und die Zeitung nicht nur durch ihre ökonomisch erfolgreichsten Jahre geleitet, sondern ihr den Zugang zur Wirklichkeit erhalten – und damit ihre Relevanz.
Mit anderen Worten könnte man auch sage, Bascha Mika hat aus der freien linken Zeitung ein Systemmedium gemacht, das sogar der Zeit gefällt, weil sie eben genau den Desinformationsmüll lieferte, den die sonstige Systempresse auch brav ausliefert. Dass sie dafür mit Werbung belohnt wurde, ist eben Teil des abgekarteten Spiels.
Ines Pohl wird ihre Nachfolgerin und hat das Problem erkannt. Sie möchte die taz wieder weiter links positionieren und auch die Machtfrage und damit die Systemfrage stellen. Ines Pohl will die taz wieder frecher und mutiger agieren lassen. Das hört sich gut an, ebenso dass sie ein stärkeres Engagement der Zeitung im Internet will.
Allerdings stellt sich gleich eine wichtige Frage. Bascha Mika war 22 Jahre im Unternehmen und hat sich ihre Truppen zusammengestellt, die mit ihr aus der alten taz, das neue Blättchen für Belanglosigkeiten gemacht hat, bei dem man sich manchmal schon schämt, wenn Bekannte einen mit dem Blättchen sehen. Wie will Ines Pohl da einsteigen ohne gleich von Mikas alten Truppen zerrissen zu werden.
Ist es wirklich vorstellbar, dass man mit angepassten Journalisten, die verständlicherweise auch darum kämpfen werden, den erreichten Status zu behalten, wirklich auf einen neuen Weg zu gehen? Vermutlich wird das nicht gehen. Wenn die taz wieder für die Leser und nicht mehr für die Werbekunden schreibt, wird sie sich von diesen Journalisten, die eben nur die Lücken zwischen der Werbung mit gefälliger Prosa füllen, trennen müssen.
Ob Ines Pohl dafür stark genug ist, muss die Zukunft zeigen. Der taz wäre eine Zukunft als freie, mutige der Leserschaft zugewandten Zeitung zu wünschen. Die Erfahrung zeigt allerdings, das die Hinwendung zum System und den Fleischtöpfen des Systems viel leichter ist, als eine Abkehr vom System.
Bitte schreiben Sie keine Artikel über eine Zeitung,
die Sie nicht lesen. Wer sollten denn die Werbekunden
sein? Das besondere an der taz ist doch gerade, dass sie
sich über den Verkauf und nicht über Anzeigen finanziert.
die taz hat dann das forum eingestellt, bei dem ich als moderator mitwirkte.
als hartz IV begann, also die agenda 2010 in kraft trat, gab es derart anbiederische artikel an diese rot-grüne politik und derartige lobpreisungen der segnungen von hartz IV, daß die taz für mich unlesbar wurde.