Der Vizepräsident der Bundesärztekammer Frank-Ulrich Montgomery ist für die Abschaffung der Praxisgebühr, weil sie angeblich das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient belastet. Sie belastet aber nicht das Vertrauensverhältnis, sie macht in den Praxen nur mehr Arbeit als sie einbringt. Das Vertrauensverhältnis belastet das ständige Angebot der Ärzte an ihre Patienten von sogenannten Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) die nichts anderes als Betrug am Patienten sind.
Bereits im Mai 2007 schrieb ich über
den gemeinen Igelarzt und das diese Igelleistungen nach Meinung der AOK nur eine Marketing-Maßnahme der Ärzteschaft zur allgemeinen Gewinnoptimierung sind.
Ausgehend vom Schamanen, über die Druiden und Medizinmänner bis in die heutige Apparatemedizin war ein wesentlicher Teil des Behandlungserfolges der Glaube an den Arzt, zumindest soweit es die Heilung betrifft. Der Patient wird von unserem Gesundheitssystem sogar dazu gezwungen sich einem Hausarzt anzuvertrauen, der genau zu einem Facharzt überweist. Vergleichsbesuche bei mehreren Ärzten sind aus Kostengründen ausdrücklich nicht erwünscht.
In dieser Abhängigkeitssituation kommt also der Arzt, umgeben mit dem mythischen Schleier des Heilers und verordnet. Der Arzt muss sich dabei beeilen, weil Beratung ja nicht bezahlt wird, der Patient versteht im Normalfall von der ganzen Sache überhaupt nichts, was auch nicht unbedingt verkehrt ist, weil neunmalkluge Eigendiagnostiker per Internet, auch eine ziemliche Seuche sind und mehr Schaden anrichten, als Nutzen. Aber wenn der Arzt aus dieser Vertrauenssituation dem Kunden ein Geschäft anbietet und nichts anderes sind IGeL-Verkäufe, dann hat er einen mächtigen Hebel in der Hand.
Wollen wir von einem Patienten wirklich verlangen, das er dem Arzt, dessen Behandlungskünsten er sein volles Vertrauen schenkt und auch schenken soll, an dieser Stelle widerspricht. Geht doch gar nicht. Wenn er den Arzt hinterfragen soll, dann muss er das immer tun. Bei jeder Rezeptur, bei jeder Untersuchung. Er muss den Arzt als gerissenen Verkäufer von wertlosen Dienstleistungen sehen und unterscheiden zwischen faulem Zauber und echter Notwendigkeit. Der Patient müsste selbst Arzt sein. Aber wir wissen gleichzeitig das der Anwalt der sich selbst verteidigt den schlechtesten Verteidiger hat.
Abschlüsse über IGeL-Leistungen kommen also aus einem Umfeld das für solche Geschäfte ausdrücklich nicht geeignet ist. Sie sind in den meisten Fällen, in denen sie vom Arzt angeboten werden, Betrug.
Da ist es schön, das dieses Problem endlich auch in den Systemmedien, wie der
Süddeutschen auftaucht.
Mit der Drohung, schwer zu erkranken, sollen Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) verkauft werden, das Personal bekommt Provision. Offenbar ist die Strategie erfolgreich, denn die Arztpraxis verkommt zum Verkaufsstand.
Immer mehr gesetzlich Krankenversicherte bekommen IGeL angeboten. Mehr als die Hälfte der Menschen hat bereits Erfahrung mit den meist unnötigen und medizinisch fragwürdigen Leistungen, die von Patienten selbst bezahlt werden müssen.
Die sogenannten Igelleistungen sind nichts anderes als Nötigung oder in einigen Fällen sogar Erpressung. Ich habe persönlich einen
sehr drastischen Fall dieser Erpressung erlebt.
"Also ich mache bei Kindern ja immer eine Akkupunktur, damit die Fäden an den Augen nicht so kratzen." erläuterte mir der Doktor, nachdem er schon die dritte Änderung an der Bestellung für den Beruhigungsdrink machte. Erst waren es 9, dann 8 und jetzt 7 x irgendwas. Mein Vertrauen wurde sichtlich kleiner. Aber er wusste was er wollte. "Leider bezahlt das ihre Krankenkasse nicht." Er sah mich abschätzend an, und ich konnte ihn rechnen sehen. Aber für 25 Euro, die sie privat bezahlen können wir das natürlich trotzdem machen. Es ist sehr sinnvoll."
Wer mich kennt, weiß das aus meinen Augen zu diesem Zeitpunkt schon Mord sprach. Aber das Doktorchen kannte mich natürlich nicht. Siegesgewiss grinste er mich an. Ich habe meine Entscheidung in Bruchteilen von Millisekunden gefällt und zurückgegrinst und ins Hemd zum Geld gegriffen. Aber auf die Art wollte der kleine Nutterich dann doch nicht bezahlt werden. "Nein Sie müssen nur hier unterschreiben, ich lege ihnen für morgen eine Quittung hin."
Natürlich habe ich unterschrieben und war mit meiner Wut alleine. Die 25 Euro interessieren mich nicht. Er hätte auch fünfhundert haben können wenn es denn notwendig wäre. Allerdings hatte ich mit dem Augenarzt und Operateur schon alles notwendige abgesprochen. Der hatte mir Idioten erklärt, was genau er machen wird und ich habe brav so getan, also ob ich es verstanden hätte. Wenn ich dem einen Computer erkläre sieht der wahrscheinlich genauso blöd aus.
Nein, der miese kleine Anästhesist macht hier ein nettes kleines Nebenbeigeschäft und zwar eines der ganz sicheren Sorte. Ich hatte genau drei Möglichkeiten. Ich hätte ihm aufs Maul hauen und die Polizei wegen versuchter Erpressung rufen können. Ich hätte nein sagen können und riskieren das dieser Drecksack aus meinem süßen Töchterlein eine geistige Ruine macht, weil er seinen Nuttenlohn nicht gekriegt hat, oder ich musste gute Miene zum bösen Spiel machen.
Ich war feige, ich wollte nicht auf den OP-Termin verzichten. Das Risiko nein zu sagen, wäre ich nie eingegangen. Ich habe mich selbst geleimt. Vaterliebe war der Leim. Ansonsten ist es wahrscheinlich Mutterliebe auf die dieser "Arzt" setzt. Seine Leimruten sind unüberwindlich und gerade deshalb so gemein.
Heute rate ich jedem. Meidet Igelärzte. Sobald ein Arzt auf diese Weise seine Geschäfte verbessern hilft nur eines. Laut schimpfend erklären warum man diesen Kurpfuscher und Quacksalber nicht als Arzt will, seine Krankenakte mitnehmen oder eine zertifizierte Vernichtung verlangen, damit der Typ nicht mit den Patientendaten noch Geschäfte macht und die Praxis für immer verlassen und auch allen Bekannten davon abzuraten.
Nur wenn die Menschen solche Geschäftemacher nicht mehr aufsuchen und ihn ihrem Umfeld auch darüber berichten, hört das Unwesen auf. Herr Frank-Ulrich Montgomery von der Bundesärztekammer sollte sich lieber mal um dieses Problem kümmern. Aber das ist ihm vermutlich zu vulgär und bringt ihm ja keine Show. Es könnte sogar Stimmen bei den nächsten Wahlen in der Bundesärztekammer kosten. Mir hat die Berliner Ärztekammer damals nicht einmal geantwortet.
Wiedereinmal müssen die Menschen in Deutschland sich selbst helfen. Meidet den gemeinen Igelarzt.
Haben Sie auch einen Vorschlag, wie mit Patienten zu verfahren ist, die ungefragt in die Praxen kommen und nach Leistungen verlangen, die nach der Schwammdefinition des SGB V nicht wirtschaftlich, mehr als ausreichend, nicht Not-wendig und dennoch zweckmäßig sind ?
PR
Das hat allerdings nicht mit IGel zu tun. IGel löst dieses Problem nicht sondern ist Abzocke.
Um wirklich wieder eine medizinische Versorgung zu bekommen, die diesen Namen verdient, müssen alle natürlichen und juristischen Personen ohne Beitragsbemessungsgrenze voll in die Solidarischen System einzahlen. Dann haben wir mehr Geld, als wir brauchen. Dazu gehört dann aber auch, dass die Ärzte die Pharmareferenten draußen lassen und in eigenen Gremien demokratisch entscheiden, welche Leistungen in einen Katalog für nützliche Leistungen gehören und welche reine Abzocke sind.
Die Patientin, die, symptomlos, ihren Magnesiumspiegel wissen will, der Anfangdreissiger, der Angst um sein Cholesterin hat - die Bestimmung dieser Werte ist IGeL. Nichts sonst.
Was ist daran Abzocke, die Ängste und Sorgen der Patienten ernstzunehmen ? Zumal diese offenkundig im SGB V keine Berücksichtigung finden ?
Soll die Solidargemeinschaft die Kosten für eine Impfberatung anlässlich einer Weltreise tragen ? Die Kosten für eine Tauchtauglichkeits-Untersuchung? Dass nicht alles, was der Patient wünscht, Gegenstand der Leistungspflicht gesetzlicher Krankenkassen ist, kann nicht den Ärzten angelastet werden. Trotzdem sind diese Leistungen zu erbringen.
Ich biete keine IGeL an. Sofern ich gefragt werde, berate ich den PAtienten zu Sinn und Unsinn und , sofern der potenzielle Schaden nicht größer ist als ein etwaiger Nutzen, mache ich es dann auch.
Im Übrigen gibt es Fachrichtungen, die ohne IGeL gar nicht existieren könnten. Dazu zählen Frauenärzte, Orthopäden, Hautärzte, Urologen und Augenärzte. Erkundigen Sie sich mal bei der für Ihren Wohnort zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung nach den sog. Regelleistungsvolumina dieser Fachgruppen. Sie werden staunen. Quartalsflatrate in Sachsen-Anhalt beim Hausarzt 35 EUR. Mehr ist die Gesundheit offenbar nicht wert...Was bezahlen Sie fürs Fitnesstudio im Monat ?
Zweifellos gibt es auch Strolche unter den IGeLeistern. Wie gesagt: Die Ausgrenzung bestimmter Leistungen aus dem Leistungskatalog ist nicht den Ärzten anzulasten. Wenn Sie eine solche Leistung nicht wünschen, dann nehmen Sie sie nicht. Oder können Sie nicht nein sagen ?
Betrügerische Kurpfuscher und nichts anderes.
IGe-Leistungen sind alle Leistungen, die nicht Gegenstand der Leistungspflicht der GKV sind.
Warum jemand, der auf Nachfrage des Patienten diesem eine zB Tauchtauglichkeits-Untersuchung angedeihen lässt oder zu Reiseimpfungen berät, ein "betrügerischer Kurpfuscher" sein soll, haben Sie noch nicht abschließend erklärt.
Dass außerhalb der Leistungspflicht der GKV nicht nur HokusPokus existiert - wen wollen Sie dafür drannehmen ? Ihr Problem ist, dass Sie Alles, wovon Sie meinen, es sei notwendig oder medizinisch sinnvoll gern für quasi-lau auf Chipkarte haben möchten. Der Gesetzgeber hat mit dem SGB V diesem Ansinnen klare Grenzen aufgeteigt. Dass sich Ärzte an dieses Gesetz halten, können Sie ihnen schwer vorwerfen.
Warum Ärzten vorgeworfen wird, "Verkäufer" zu sein, erschließt sich mir nicht. Kaufen Sie alles, was ihnen beim Marktrundgang in Antalya offeriert wird?
Ihre Argumentation ist so dünn wie der fachlich -inhaltliche Boden, auf dem sie fußt.
Igel Ärzte sind verantwortungslose Abzocker. Ich bin dafür jedem IGEL Arzt sofort die Kassenzulassung zu entziehen.
Wirlich lustig, dass Sie hier gegen IGeL wettern, aber direkt über dem Beitrag eine Anzeige prangt, in der ein Komplett-Check (als IGeL) für diesen "Schnäppchenpreis" angeboten wird.
Google-Anzeigen weiß schon, wie man Geschäfte macht ;-)