Bei einer Aktiengesellschaft verlieren die Besitzer des Unternehmens überhaupt nichts. Sie sind Gewinner, schon deshalb, weil sie ohne Risiko im Kasino Aktienbörse spielen konnten. Natürlich sind ihre Aktien zunächst wertlos. Diesen Verlust rechnen sie jedoch gegen Steuerforderung des Staates über die nächsten Jahre ab. Ihren Verlust zahlt die Mehrheit der Steuerzahler, während sie ihre Gewinne privatisieren. Sal. Oppenheim und die Schickedanzgruppe erleiden also keinerlei Verlust. Sie verlieren nur ein Spielzeug.
Das gleiche gilt für die Gläubiger. Auch ihnen entsteht kein Verlust. Selbst entgangene Zinsen und auch extrem hohe Verzugszinsen buchen sie als Verlust und rechnen sie gegen ihre sonstige Steuerschuld auf. Zahlen tut der Steuerzahler. Auch die Mietgläubiger wie Sal. Oppenheim und die Deutsche Bank verlieren nichts. Auch sie verbuchen die Mieten noch bis zum Ende der Mietdauer als Verlust und lassen den Steuerzahler bluten. Natürlich mit Verzugszinsen.
Die Arbeitnehmer verlieren auf der ganzen Linie. Betriebsrentenansprüche, Betriebszugehörigkeitsjahre die vor Kündigung schützen und viele werden auch ihren Arbeitsplatz verlieren. Alle werden Lohneinbußen hinnehmen müssen und für Mehrarbeit weniger Geld bekommen. Sie sind die wirklichen Verlierer. Aber mit ihnen verliert auch wieder der Steuerzahler. Insolvenzgeld, Kurzarbeitergeld, Arbeitslosengeld und zum Schluss das erbärmliche Hartz IV, zahlt wieder der Steuerzahler.
Die Gewerkschaften tun so, als würden sie auch verlieren. Bei Karstadt haben sie sich immer wieder mit ihren Freunden vom Großkapital darauf geeinigt, die Löhne der Arbeitnehmer zu drücken und werden dies in der Insolvenz wieder tun. Sie werden fromme Worte finden und von Solidarität reden, wo sie doch nur Ausbeutung unterstützen. Selbstverständlich wird das Kapital Mittel und Wege finden, solch treue Gewerkschaftler, oder doch deren Führung für ihre Mühen zu entschädigen.
Gewinner sind auch die Politiker, die ihr Süppchen auf den morschen Knochen der Arcandor-Mitarbeiter kochen konnten. Sie haben getan, als ob sie etwas tun würden, oder als ob sie Ahnung hätten. Jeder hat das getan, was ihm gesagt wurde und wird dafür belohnt werden. Auch die Arbeitgeberverbände werden salbungsvolle Worte finden.
Natürlich war es richtig Arcandor in die Insolvenz gehen zu lassen. Ein Unternehmen das weder die Gebäude besitzt, in denen es arbeitet, noch irgendetwas anderes außer der Marke, ein paar Verkaufstresen oder Kassen, ist nicht überlebensfähig. Falsch ist nur, das einzig und allein der Steuerzahler die Last tragen muss. Richtig wäre es die Verantwortlichen auch zur Verantwortung zu ziehen.
Sal Oppenheim und Schickedanz haben die Dinge so eingefädelt, dass der Esch-Oppenheim Fond und die Fondgruppe um die Deutsche Bank die Gebäude besitzen. Dies war das Ende des Karstadt Konzerns. Vor diesem Zeitpunkt hätte der Staat eingreifen und entweder eine Insolvenz von Staats wegen einleiten müssen, oder doch zumindest weitere Verlustabzüge verbieten müssen.
Wäre es Sal Oppenheim, Schickedanz und der Deutschen Bank von Anfang an klar gewesen, dass sie irgendwann für die Schäden haften müssen, oder sie zumindest nicht als Verluste geltend machen dürfen, wäre die Geschichte anders gelaufen. Dies gilt insbesondere für die Deutsche Bank, die ja schon die Gebäude von Hertie versilbert hat.
Das Ziel muss sein Abschreibungen aus Verlusten bei Kapitalanlagen einfach nicht mehr zuzulassen. Wer seine Aufsichtplicht als Besitzer so grob vernachlässigt wie im Fall Karstadt oder Hertie, aber auch bei Schaeffler oder Conti, der darf die Verluste nicht der Allgemeinheit auflasten. Abschreibungen auf Kapitalanlagen sind das schlimmste Gift für verantwortliches Wirtschaften. Hier ist der Gesetzgeber gefragt.
Aber wieso gehen denn die Betriebsrentenansprüche verloren?
http://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/arcandor-pleite-milliardenloch-bei-den-betriebsrenten_aid_406900.html
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Im Fall Karstadt-Quelle handelt es sich um das bewusste Herbeiführen einer Insolvenz. Middelhoff war nur der Vollstrecker und hat die Assets verteilt und verscherbelt.
Dass der Vorstand Eick sich sein 2-Millionen Gehalt von Sal. Oppenheim garantieren lässt, zeigt nur dass er genau weiß, dass er die Rolle des Leichenbestatters übernommen hat.