Kleiner Spaziergang durch die Weltwirtschaftskrise
Immer wenn man geglaubt hat, im Moment alles zur Weltwirtschaftskrise gesagt zu haben, liegt schon wieder ein Haufen neuer Erkenntnisse vor, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Am Wochenende haben in den USA wieder mal zwei Banken dicht gemacht. Damit waren es im Januar dann sechs, und bis Jahresende werden wohl insgesamt 600 Banken seit Beginn der Krise gestorben sein. Amerikanischer Alltag oder, besser, amerikanisches Wochenende. Gleichzeitig werfen die Firmen die Mitarbeiter heraus, so schnell sie können.
Der amerikanische Ökonom Nouriel Roubini spricht von 3.000 Milliarden Dollar Verlusten aus Kreditgeschäften, wovon er die Hälfte bei den Banken sieht. Vermutlich ist seine Zahl um die Hälfte zu niedrig gegriffen, aber trotzdem spricht er davon, dass das gesamte System insolvent sei, weil die Verluste höher als die Kapitalbasis sind. Dem ist nicht zu widersprechen.
Roubini meint, die Aktienkurse könnten noch um 20 Prozent sinken. Duckhome geht zumindest für den Dax von fast fünfzig Prozent aus und sieht den Boden bei 2.200 Punkten. Die weltweite Rezession wird die Aktienkurse weiter sinken lassen, und die Politik der massiven Subvention von Banken und Versicherungen über die Notenbanken und Neuverschuldung wird zu einer Superinflation führen, die ihrerseits die Aktienkurse nach Süden treibt.
Auch Roubini geht von einer weltweiten Rezession aus, was bedeutet, dass Impulse für eine Beendigung der Entwicklung nicht von außen kommen können. Auch die berühmte Kauflust der US-Amerikaner gibt es nicht mehr, da diese durch Massenentlassungen und weit überhöhte Schulden auf Jahre, wenn nicht sogar Jahrzehnte als Kunden ausfallen.
Die europäischen Konsumenten fallen ebenfalls aus, da in ganz Europa die Neoliberalen die Löhne gedrückt haben. Am schlimmsten sind die Auswirkungen in Deutschland, wo die schiefe Ebene Arbeitslosigkeit zum Absturz noch zusätzlich durch die gemeine Agendapolitik und Hartz IV geschmiert wurde. Eine Wiedererlangung der Kaufkraft des Konsumenten wäre in Deutschland nur durch eine Revolution möglich. Die augenblickliche Entwicklung zielt eher dahin, die Armen noch ärmer zu machen und den Mittelstand wie die unteren Teile der Oberschicht verarmen zu lassen.
Die US-Wirtschaft stürzt im freien Fall ab. Das Bruttoinlandsprodukt fiel um 3,8 Prozent im vierten Quartal 2008. Egal welche Wundermittel Obama auch immer probieren wird. es wird nur der weiteren Umverteilung von unten nach oben helfen. Ähnlich wie Lehman Brothers müssen die todkranken Unternehmen sterben dürfen, um Platz für neues unternehmerisches Leben zu machen.
Es ist einfach falsch zu glauben, dass man durch Geld diesen Patienten Leben einhauchen könnte. Es gibt nämlich gar kein Liquiditätsproblem in dieser Klasse, sondern lediglich ein begründetes Bonitätsproblem. Die Banken kennen die Leichen, die sie im eigenen Keller haben, und schließen daraus auf die Leichen der anderen Banken. Kein Wunder, dass die sich kein Geld leihen. Leiden tut darunter die Realwirtschaft, die in einer Zeit, in der die Notenbanken fast bei null Zinsen sind, astronomische Zinsen an die Banken zahlen sollen.
Die weltweite Subvention der Banken und Versicherungen raubt der Realwirtschaft das Geld. Korrupte Politiker stützen so das Großkapital, während die wirtschaftliche Basis in den Ländern der Welt zusammenbricht. Solange dieser Denkfehler nicht behoben wird, wird die Rezession kein Ende finden, und selbst wenn heute schnell gehandelt würde und die Toten beerdigt würden, ist schon viel zu viel Geld an Subventionen an das Großkapital geflossen. Man müsste weltweit harte Vermögenssteuern einführen, um auch nur einen Teil dieses Geldes wieder hereinzubekommen.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Japans sind eine Sonderfall. Früher hat man sich in Japan billiges Geld geliehen, um es im Ausland hohe Erträge erwirtschaften zu lassen. Mit dem Verfall des Dollars und des Pfund Sterling hat sich die Situation dramatisch geändert. Der Yen ist zu absoluten Höhenflügen aufgebrochen, weil sowohl die japanischen Investoren ihr Geld aus dem Ausland zu retten versuchen als auch andere Investoren Yen kauften, um ihre Kredite abzudecken oder einfach nur Währungssicherheit suchten.
Genau das hat den Yen in schwindelerregende Höhen getrieben, während gleichzeitig die japanischen Exporte nicht nur durch die weltweite Rezession ins Stocken gerieten, sondern durch den hohen Yen zusätzlich erschwert werden. Für ein überbevölkertes Land, das praktisch keine Rohstoffe hat und Lebensmittel im großen Stil zukaufen muss, ist das eine gefährliche Situation.
Das System Japan funktioniert nur mit einer eher billigen Währung und niedrigen Zinsen. Die jetzige Situation könnte die Wirtschaft rasant abwürgen und den Yen dann in den freien Fall übergehen lassen. Mittel, um gegen die Rezession anzugehen, wären dann nicht mehr vorhanden, es gäbe keinen Spielraum mehr für Zinssenkungen; und am Ende könnte dies das Ende des Yen bedeuten.
Obamas Angriffe auf Chinas Wechselkurs sind wohl eher als Schattenboxen zu verstehen. Obama ist davon abhängig, dass China amerikanische Bonds behält und sie nicht in großem Stil auf den Markt wirft. Sollte das passieren, kann die USA ihre Staatsverschuldung nur noch aus der eigenen Notenpresse bezahlen, was den Dollar wohl in noch ernstere Schwierigkeiten bringen dürfte.
Ob das englische Pfund am Ende ist, wird gar nicht mehr ernsthaft diskutiert. Es geht nur noch um die Frage, wann das Ende öffentlich wird. Aber wahrscheinlich werden Island und England schnellstens unter das Dach des Euro flüchten und ihre Schulden auf die Gemeinschaft der Europäer umwälzen, die sie an ihren vermeintlichen Erfolgen nicht teilhaben lassen wollten.
Zwar gibt es in Brüssel bereits Konferenzen, die über den Beitritt der beiden Länder zum Euro beraten. Allerdings muss dabei auch die Frage geklärt werden, wer das bezahlen soll. Deutschland ist der größte Nettozahler in EU und Euro. Ob Angela Merkel und Frank Walter Steinmeier es in einem Wahljahr wirklich wagen, dem deutschen Steuerzahler diese zusätzliche Last aufzubürden, ist fraglich. Zuzutrauen jedoch ist ihnen alles.
Bei all den Erschütterungen in der Weltwirtschaft ist das Treffen von Wirtschaft und Politik in Davos mehr oder weniger unbemerkt geblieben. Sieht man mal von dem Eklat mit Erdogan ab, der Israel nur mit der Hälfte Zeitfülle anklagen durfte, wie Israel das Morden in Gaza verteidigen durfte, war es erstaunlich still. Da, wo sonst die Weltpolitik den Ackermännern den Arsch ablecken durfte, herrschte nackte Angst. "Denn sie wissen nicht, was sie tun sollen, und haben nicht begriffen, was sie getan haben" wäre eine gute Überschrift gewesen.
Das einzig gute an Davos war, dass Merkel mal wieder reisen durfte. Leider ist sie zurückgekommen.
Tags für diesen Artikel: aktie, angela merkel, angst, davos, england, finanzmarkt, hypothek, japan, weltwirtschaftskrise
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"Die Kreatur von Jekyll Island" windet sich in Schmerzen.
Bereits mit dem teilweisen strategischen Wandel, dass einzelne Staaten die Strategie ihrer Notenbanken reorganisieren, nämlich den Dollar zurückzufahren, China, Russland, Saudis, bringt den Dollar in eine erste Schieflage.
Die ständige Diskussion, Öl nicht mehr in Dollar abzurechnen, ist ebenfalls eine potentielle Gefahr!
Die derzeit größte Gefahr geht von den Hilfeprogrammen aus, die organisierte Umverteilung von unten nach oben, der größte Betrug aller Zeiten, indem das Geld der Bürger ( nämlich Staatsgelder ) umgeleitet werden.
Warum? Weil eine völlig verfehlte neoliberale Weltökonomie seit 1992 Einzug gehalten hat. Auch in Amerika sind durch Auslandsinvestitionen Arbeitsplätze in Mexiko und Asien entstanden; Konsequenz: es blieben Billigarbeitsplätze ( Packer, Gabelstaplerfahrer ... ) übrig. Dieser Wandel machte sich dann auch durch geringere Kaufkraft auf dem amerikanischen Markt bemerkbar - der Anfang einer Lawine, die langsam dem Höhepunkt entgegen geht.
Obama hat erkannt ( ich habe ziemlich über ihn geschimpft - ich sage noch nicht: Entschuldigung ), dass eine Lösung darin liegt, über Protektionismus "buy American" Arbeitsplätze zu sichern. Dafür hat er sich sofort von unserer neoliberalen Pastorentochter ein paar saftige Ohrfeigen eingehandelt ( was bildet die sich eigentlich ein wer sie ist ).
Meine These: wer den Binnenmarkt stärkt und eine gesunde Relation zwischen BIP- Binnenmarkt und BIP- Export schafft, der wird eine überlebensfähige Volkswirtschaft aufbauen; alle anderen werden in der Katastrophe von sozialen Aufständen enden!