Ingo Narat ist seit 1989 beim Handelsblatt und war immer für den Bereich Asset Management zuständig. Das heißt, er verfasste die Werbetexte für neoliberale Abzocke rund um die Werbeanzeigen für schräge und heute weitgehend wertlose oder gar toxische "Wertpapiere". Kein Marktradikalismus der ihm zu dumm gewesen wäre.
Nun haben wir die Finanzkrise und die weltweite Wirtschaftskrise. Das sollte eigentlich auch einem Wirtschaftsredakteur im Handelsblatt zu denken geben. Selbst der hartgesottenste Vertreter des Raubtierkapitalismus müsste eingesehen haben, dass der Weg, der die vergangenen zwanzig Jahre beschritten wurde, ein Irrweg war. Umkehr wäre angesagt. Das gilt insbesondere für einen Journalisten, der ja mittlerweile mitbekommen haben dürfte, dass es für die Nachplapperer der neoliberalen Lehre eng wird, weil ein Journalist in Indien den gleichen Blödsinn für ein Drittel seines Gehaltes schreibt.
Wahrscheinlich glaubt er aber immer noch den Einflüsterungen des
Michael Konken, der ja sogar bei Sat 1 noch schützenswerten Qualitätsjournalismus entdeckt haben will. Aber Konken irrt und führt die deutschen Journalisten in die Irre. Allen Medien brechen die Werbeeinnahmen weg, und im Bereich der Totholzbranche verschwinden die Leser schneller, als die Mitglieder der SPD aus der Partei austreten können.
Aber Ingo Narat macht weiter wie bisher. Weshalb sollte ihn auch die Realität anfechten. Bisher hat es doch auch gereicht, einfach das weiterzugeben, was verlangt wird: das große Lob des Neoliberalismus. Komme ihm nur keiner mit Realität. Ein Wunsch, der ihm aber zumindest auf Duckhome nicht erfüllt wird.
Die Amerikaner träumen. Enthusiastisch feiern sie ihren neuen Präsidenten Barack Obama. Emotionen pur. Und das Engagement der Amerikaner dürfte anhalten. Sie wollen die Wende zum Besseren und auch selber anpacken. Aus deutscher Sicht kann man nur neidisch über den Teich schauen.
Das ist ein Teaser, wie er direkt aus dem Lehrbuch der INSM stammt. Die Amerikaner wollen die Wende zum Besseren und auch selbst anpacken. Da wird er neidisch, der Narat. Alle Elemente sind vorhanden. Die Amerikaner sind gut, die Deutschen wollen nicht anpacken, sich nicht engagieren und sie haben auch keinen Enthusiasmus. Dafür aber haben sie einen neidischen Ingo Narat. Es wäre zum Brüllen komisch, wenn es nicht so doof wäre.
Deutschland hat keinen Grund zum Enthusiasmus. In Deutschland agiert eine mut-, ideen- und kraftlose Regierung, die nur durch genau den gleichen trostlosen Politikertyp ersetzt werden wird. Die Wahlen lassen schon lange keine Wahl mehr, und Journalisten wie Ingo Narat verhindern jede Hoffnung, weil sie die ausgetretenen Irrwege nicht verlassen, sondern immer weiter im Kreis herumtrotten. Es gibt nicht einmal die Hoffnung, dass sich in Deutschland etwas zum Besseren wenden könnte.
Die Konken und Narats sorgen ja ständig dafür, dass jede vernünftige Idee niedergeschrieben wird und dass sich nur ja niemand für die Bürger einsetzt. Ein gutes Beispiel ist ein weiterer Absatz aus seinem neoliberalen Werbetext.
Es drängt sich das Bild vom Fass ohne Boden auf. Weitere Rettungsaktionen dürften unvermeidbar sein. Die jüngsten Hiobsbotschaften aus den Banken geben einen Vorgeschmack. Längerfristig überlagern die ungedeckten staatlichen US-Zusagen für Sozial- und insbesondere Gesundheitsleistungen alle aktuellen Schreckenszahlen. Offizielle Stellen schätzten dieses Megaloch bereits vor einem Jahr auf 53 000 Mrd. Dollar.
Ist es nicht niedlich. Das Problem der Banken wird relativiert, indem er mit einer Zahl für Sozial- und Gesundheitsleistungen operiert, die sich zum einen auf viele Jahre verteilen wird, zum anderen aber ein echtes Konjunkturprogramm mit positiver Seitenentwicklung ist. Aber wie bei allen Neoliberalen ist ja Geld für Soziales und Gesundheit auch bei Narat hinausgeworfenes, verbranntes Geld. Das liegt aber nur daran, das Narat von Wirtschaft keine Ahnung hat, weshalb er wahrscheinlich auch Wirtschafts- und Finanzredakteur wurde.
Jeder Cent, der in Sozialleistungen geht, durchwandert den Wirtschaftskreislauf zwischen drei und sieben Mal, bevor er in den Taschen der Spekulanten verschwindet, da die Empfänger sofort konsumieren müssen. Bei den Gesundheitsleistungen ist das etwas schwieriger zu bewerten, weil viele Leistungsanbieter einfach überversorgt sind. Da in den USA mehr Wettbewerb herrscht als in Deutschland, dürfte da aber mindestens mit drei Durchgängen gerechnet werden.
Es ist müßig, Herrn Narat zu erklären, dass bei allen Sozial- und vielen Gesundheitsausgaben, die sich direkt in Konsum verwandeln, bei jedem Durchgang Mehrwertsteuer fällig wird. Dazu kommen andere Steuern. Der Staat kann hier mit leichter Hand geben, weil er sehr schnell einen großen Teil des Geldes zurückbekommt, normalerweise sogar mehr, als er gegeben hat.
Er wird auch nicht verstehen, dass eine gute Grundversorgung das beste Mittel gegen Kriminalität ist. Leute die etwas zu verlieren haben, werden seltener kriminell. Ihre Kinder haben eine bessere Chance, und letztendlich nützt das dem Gesamtstaat, weil die Aufwendungen für Gefängnis und Betreuung sinken. Dass eine funktionierende Gesundheitsfürsorge besser ist, als Krankheiten anzusammeln, bis sie nur durch horrenden Aufwand beseitigt werden können, ist für Leute wie ihn ebenso unverständlich.
Gibt der Staat das Geld aber den Neoliberalen, den Ackermännern und anderen Bankstern, dann sieht die Geschichte völlig anders aus. Das Geld wandert in neue Spekulation oder dient dazu, alte Spekulationen zu vertuschen. Kein einziger Cent aus dem Bankenrettungsprogramm wandert in die reale Wirtschaft. Es ist verbranntes Geld, das niemandem außer dem Großkapital nutzt.
Das Großkapital ist aber für das Binnenkonsumklima völlig bedeutungslos. Es zahlt auch praktisch keine Steuern. Es subsumiert nur Geld, Zins und Zinseszins. Bestenfalls wird dieses Kapital zum Zerschlagen von Unternehmen genutzt, die nachher ausgeplündert und schwach zurückbleiben, wenn das Großkapital sein Geschäftchen gemacht hat. Den Preis zahlen die Arbeitnehmer und Lieferanten.
Nein, Ingo Narat und seine Art von Journalisten werden nicht schlau werden. Sie sind gehorsame Diener einer verkommenen Idee, die sich zum Glück und Unglück aller Menschen aber wohl bald selbst beerdigen wird. Der neoliberale Raubtierkapitalismus ist eben nicht nur gierig, verantwortungslos und inhuman, er ist auch kannibalistisch. Schon jetzt werden überall die Redaktionen ausgedünnt, warten wir ab, wann Narat ersetzt wird. Sein dann prompt folgendes Geschrei dürfte lustig werden.
Aber vielleicht hofft er, dass er es noch bis zur Rente schafft. Bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt.