Wagner hat die aktuelle Situation der Medienbranche in seinem Lohengrin sehr schön beschrieben.
Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!
Zieh durch die weite Flut zurück,
dahin, woher mich trug dein Kahn,
kehr wieder nur zu unsrem Glück!
Drum sei getreu dein Dienst getan!
Leb wohl, leb wohl, mein lieber Schwan!
Lohengrin Mein Lieber Schwan!
Unsere Medien existieren ja nur, weil sie Werbeanzeigen jeder Art bringen, Gebühren erpressen, Schleichwerbung betreiben und die Inhalte den werblichen Erfordernissen unterordnen. Das hat bisher immer gereicht, um die Medien im wesentlichen fast ungeschoren bestehen zu lassen. Aber nun wird es langsam eng. Guter Journalismus kostet Geld. Aber selbst schlechter Journalismus, der nur aus Agenturmeldungen besteht, ist nicht umsonst.
Deshalb verzichtet die WAZ-Gruppe jetzt auf Agenturmeldungen von dpa und beweist schon in den ersten Tagen, dass sie genau das nicht können. Die WAZ hat aber damit ein Signal gegeben. Auch die Agenturen werden sich auf ein neues Geschäftsmodell einstellen müssen.
Bisher ist es für Blogger zu teuer, direkt Agenturmeldungen zu bringen, obwohl die meisten politischen oder wirtschaftspolitischen Blogs die Ticker ständig mitlaufen haben. Eine Änderung oder besser Lockerung der Preispolitik für kleine und kleinste Publikationen könnte allen helfen. Würden dann noch Bilder einbezogen, wäre ein großer Schritt getan. Die Agenturen werden etwas tun müssen.
Dies vor allem dann, wenn das Beispiel des Pasadena-Now-Verlegers James MacPherson Schule macht, der sieben seiner Lokal-Reporter in Pasadena entließ und sie durch sieben Journalisten in Indien ersetzte. Dass er diese Journalisten als "Glokal-Reporter" bezeichnet, ist nur eine Überheblichkeit am Rande, wichtiger sind ihm die 2000 Dollar im Monat, die er pro Mitarbeiter spart.
Nun ist die deutsche Sprache nicht ganz so einfach, aber selbst die Süddeutsche hatte in 2006 ja schon einmal geplant, Teilredaktionen nach Prag zu verlegen, um Geld zu sparen.
Auch wenn sich die deutsche Werbewirtschaft die Sache noch schönzuschreiben und schönzureden versucht, ist das doch nur noch das Pfeifen im Wald. In allen Medienhäusern wird gestrafft und entlassen, was das Zeug hält. Das Ziel ist nicht mehr der Gewinn, sondern das Überleben.
Wie ernst die Lage wirklich ist, zeigt die Schweizer Migros-Einzelhandelskette, die zukünftig nur noch 12 von ihren 250 Eigenmarken bewerben will. Bisher hatte sie noch fünfzig Eigenmarken beworben.
Zwar soll angeblich nicht der ganze Werbeetat auf diese 24 Prozent eingeschmolzen werden, aber insgeheim dürfte man trotz allen Leugnens wohl eine Halbierung des Etats anstreben. Die Wettbewerber werden folgen - der Werbemarkt ist weltweit von einer akuten Schwindsucht betroffen. Eine Schwindsucht, die schon jetzt auf die Medien übergreift.
Bei den Medien geht es aber nicht mehr um einen Verdrängungswettbewerb. Die werbende Wirtschaft weiß nämlich nicht mehr, wo sie mit ihrer Werbung gut aufgehoben ist. Billig an vielen Stellen im Netz, wobei auch da die Klickstrecken der sogenannten "Qualitätsmedien" eher abschreckend als ein Anreiz sind. Aus der Trennung von Teaser auf der ersten Seite und Artikel auf der Folgeseite sind längst 28 Seiten Klickstrecke und mehr geworden.
In den Printmedien glauben die Leser die Lügen nicht mehr, die in den Umrandungen der Werbeflächen stehen. Zu lange war Journalismus in Deutschland nichts anderes als ein Nachlabern der neoliberalen Propaganda. Ausnahmen bestätigen natürlich immer die Regel. In Deutschland sind sie an einer Hand abzuzählen. Der Ŕest des deutschen Journalismus war Werbetexten.
Vermutlich wird im deutschen Journalismus jeder zweite Job abgebaut werden. Einige werden durch Dauerpraktikanten oder billige Amateure abgelöst. Aber insgesamt dürften fünfzig Prozent der Stellen endgültig wegfallen. Schlechte Journalisten durch noch schlechtere oder gar keine Journalisten zu ersetzen, macht die Inhalte aber nicht besser. Deshalb werden die Medien weiterhin Leser und Zuschauer verlieren.
Die Weite des Internets lockt. Neben allerlei Schund gibt es schon ein breites Angebot an erstklassigem, kostenlosen Journalismus, der auch eine breite Meinungspalette liefert. Information wird wieder zur Holschuld. Das ist mehr Arbeit als die Berieselung durch den Verdummungsstrahler und die Blödzeitung. Aber dafür sind die Ergebnisse besser.
Der Tod der Altmedien ist die Chance der freien Berichtererstattung.
Die Buchhalter bestimmen heute das Geschehen in den Redaktionen. Außer Bilanzbuchhalter bei den Banken, sind Buchhalter noch nie durch Kreativität aufgefallen.
So kann man das meiner Meinung nach nicht sehen, hat doch die Kreativität der Finanzwelt einiges zu dieser Misere beigetragen. Das Protest-Blog der WAZ-Journalisten beschreibt die interne Lage:
http://www.medienmoral-nrw.de
http://www.medienmoral-nrw.de