Nachtrag zu: Die Geschichte der Protokolle
Aus ebenso aktuellem Anlass hier noch der 2. Teil aus meinem früheren (privaten) Blogpost:
Das Existenzrecht von Juden und Palästinensern
Wenn ich hier und heute von Antisemitismus und Judenverfolgung und -vernichtung spreche, kann ich dabei das Schicksal der Palästinenser nicht ignorieren. Es ist eine Lüge, dass Araber und Muslime die Feinde der Juden seien. Die Palästinenser sind es aber, die seit der Gründung des Staates Israel ihres Lebensraums beraubt werden. Und um diesen Landraub zu vertuschen, werden die Muslime einfach kollektiv zu Terroristen gemacht und unter Generalverdacht gestellt.
Muslime sind die neuen "Juden" unserer Zeit.
Die Israellobby, die vorgibt, für den Schutz und die Verteidigung der Juden zuständig zu sein, tut ihren Teil dazu, den Konflikt zu mystifizieren und das Feindbild aufrechtzuerhalten, während sie einzig und allein im Auftrag jener agiert die das Ziel verfolgen, die geopolitische Vorherrschaft der USA und ihrer Verbündeten im Nahen Osten und in der ganzen Welt zu sichern, zu expandieren und sich die Ressourcen der Welt anzueignen.
Siehe auch die Kriegslobby von T:I:Steinberg
Dies sollte auch denjenigen klar sein, die sich gestern wie heute der bedingungslosen Solidarität gegenüber Israel verschrieben haben und dabei meinen, den Juden ihre Solidarität zu bekunden. Sie machen sich zu Komplizen der eigentlichen Antisemiten, gegen die sie vorgeben sich zu positionieren.
Aufklärung über die Situation in Israel ist also dringend erforderlich, hier in Europa wie in den USA, und ich bin froh, dass auch so einflussreiche Menschen wie Jimmy Carter Klartext sprechen.
Nichts ist schädlicher für diese wichtige Aufklärungsarbeit als das Einbringen und Beimischen jüdischer Weltverschwörungstheorien und antisemitischer Propaganda.
Laut Aussage der israelischen Sprachwissenschaftlerin Professor Dr. Rachel Giora ist es so, dass
die Mehrheit der Israelis der Kriege und der Besatzung überdrüssig ist. Jüngste Umfragen zeigen, dass über 60 Prozent der Israelis für den Rückzug von allen oder den meisten der besetzten palästinensischen Territorien und für die Errichtung eines palästinensischen Staates sind. Wie Mina Zemach, Israels führende Meinungsforscherin, herausfand, sind 63 Prozent der Israelis für einen unilateralen Rückzug. 69 Prozent wünschen die Räumung aller oder der meisten Siedlungen. In einem demokratischen Staat hätte das die Leitlinie für die amtierende Regierung sein sollen. In Israel aber ist die Regierung von expansionistischen Zielen getrieben. Frieden steht nicht auf dem Programm.
Quelle
Professor Giora war wesentlich am Zustandekommen des Aufrufs von rund 200 israelischen Wissenschaftlern beteiligt, die darin gegen die US-amerikanischen Vorbereitungen zu einem Angriff auf den Irak und gegen die Unterstützung der Israelischen Regierung protestiert hatten.
siehe link
Und wer einmal die Massen vor Begeisterung jubeln gesehen hat, wenn Aviv Geffen bei einem seiner Rockkonzerte in Israel zu Frieden und Gerechtigkeit aufruft, wundert sich darüber, dass sich anscheinend so wenig bewegt in diesem Konflikt.
Die größte Einsicht, die ich auf unserer Reise und in der Zeit danach gewonnen habe: Ich konnte verstehen, warum Israelis "es nicht kapieren". Unsere Medienlandschaft ist mit Leuten besetzt, die es besser wissen müssten, aber es nicht besser wissen wollen. Sie fühlen sich in einem von Politikern gebauten Glashaus wohler als bei einer kreativen Aufgabe: Nämlich um Verständnis dafür zu ringen, was zum Teufel im Gaza-Streifen und in der Westbank los ist.
Trotzdem habe ich die Botschaft an meine israelischen Landsleute klar formuliert: Entgegen der Aussage unserer politischen Führung gibt es eine politische Lösung für den Konflikt und Partner für den Frieden. Wir sollten es niemandem erlauben, den Konflikt zu mystifizieren oder uns gar dazu hinreißen lassen, ihn als "Kampf der Kulturen" darzustellen.
Die Palästinenser sind nicht unsere Feinde. Deshalb rufe ich meine Mit-Israelis auf, der Sackgassen-Politik einer bankrotten Führung den Rücken zu kehren und gemeinsam mit palästinensischen Friedensaktivisten zu erklären: Wir weigern uns, Feinde zu sein! Als die unendlich stärkere Partei im Konflikt und als einzige Besatzungsmacht müssen wir Israelis für unsere fehlgeschlagene Unterdrückungspolitik Verantwortung übernehmen.
Jeff Halper ist der Direktor des israelischen Komitees gegen Hauszerstörungen - Israeli Committee Against House Demolitions ICAHD
Aus: Wochenzeitung "Freitag", Nr. 21, 9. Oktober 2008
Siehe auch:
NICHT IN UNSEREM NAMEN!
Erklärung der "Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost" (Österreich) 2008 1. zum politischen Zionismus und 2. zum Staat Israel und seiner Besatzungs- und Siedlungspolitik.
Text der Erklärung
sowie:
Rolf Verleger. Ist Nächstenliebe Antisemitisch
******************************************************************************
Hatte eigentlich vor, hier mal wieder irgendwas Satirisches zu posten; aus aktuellem Anlass jedoch (da in der Blogospäre immer wieder thematisiert) will ich heute nochmal kurz die Entstehungsgeschichte der "Protokolle" aufzeigen, in Kürze zusammengefasst und mit Links zum Weiterstudieren versehen:
Aufklärung und ihre schlimmsten Entstellungen
,
Während Montesquieu den Part des Verteidigers der bürgerlichen Freiheiten und humanistischen Werte sprach, verkündete Napoleon III. durch den Mund Machiavellis seine despotischen und zynischen Ansichten: Politik und Moral seien Gegensätze, Macht und Recht seien identisch. Wörtlich spricht er zu Montesquieu: "Ihr Fehler ist, dass sie das Volk achten. Sie haben keine Ahnung, wie dumm es ist.''
Das Buch stand in Frankreich auf dem Index und Maurice Joly wurde dafür neben einer hohen Geldstrafe zu 2 Jahren Kerker verurteilt.
Nun trug es sich so zu, dass 1868 ein wertekonservativer Preuße, namens Herrmann
http://www.retcliffe.ablit.de/zion/zion.htm
Vermischung von Fakten mit Fiktion
Was in "Biaritz" noch als fiktive Geschichte publiziert wurde, tauchte 1876 in einer russichen Hetzschrift als Tatsachenbericht auf. Kurz darauf wird dieser dann auch in Deutschland, Frankreich und Österreich verbreitet.
Die letzte Version der "Protokolle der Weisen von Zion", die schließlich weltweit verbreitet wurde, stammt aus dem Buch "Das Große im Kleinen", erschienen 1905, von Sergej Nilus. Ich zitiere aus einem Referat von Günter Mergel und Michael Enderlein:
Der Antichrist kommt
[...] Einen weiteren Zusatz in den Protokollen haben wir Nilus zu verdanken: die
Vermischung der Juden mit den Freimaurern, den Illuminaten, anderen Orden und Logen.
Die russische Intelligenz war damals liberal eingestellt und forderte demokratische Reformen vom Zarenhaus. Zuerst wurden die Protokolle dazu benutzt, die Unzufriedenheit großer Bevölkerungsgruppen mit der zaristischen Bürokratie gegen die angebliche weltweite jüdische Verschwörung zu richten. Nachdem ihre wahre Herkunft aufgedeckt werden konnte, wurden die Protokolle in Russland offiziell verboten, um dann kurz vor und während der Oktoberrevolution eine Wiederbelebung durchzumachen. Die Konkurrenten Lenin und Kerenski wurden nun gleichermaßen als jüdische Agenten in die Protokolle eingebaut. Diese Versionen erfuhren weltweite Verbreitung in den englischsprachige Tageszeitungen TIMES und MORNING POST. 1920 erschienen die Protokolle in einer großen amerikanischen Tageszeitung, die Henry Ford gehörte. Die englische Times und Ford distanzierten sich später von ihren Veröffentlichungen, und v. a. die Times trug viel dazu bei, den wahren Charakter der Protokolle und deren Ursprung aufzudecken. In jedem Land wurden die Protokolle in den jeweiligen Vorworten anders interpretiert. So galten die Protokolle in den USA als Dokument der britischen Verschwörung, in England als deutsch-jüdische, in Frankreich als US-britische und in Japan wurde die jüdisch-freimaurerische Verschwörung für die Bedrohung aus China verantwortlich gemacht.
Ab 1929 gehörten die alleinigen Rechte an dem Buch der Partei NSDAP, die etwa 40 Auflagen der Protokolle herausbrachte. Aus einem Vorwort von Theodor Fritsch: "Eines aber ergibt sich als unabweisbare Forderung aus diesen 'Protokollen': Das Judentum darf nicht länger unter uns geduldet werden! Es ist eine Ehrenpflicht der gesitteten Nationen, dieses räudige Geschlecht auszuscheiden, da es schon durch seine Anwesenheit alles verpestet, die Völker geistig und seelisch krank macht, gleichsam die geistige Luft vergiftet, in der wir atmen ... Mit der Ausscheidung des Judentums würde mit einem Schlage ein Großteil der Übel verschwinden, an denen die Kulturvölker heute kranken. Die 'Protokolle' enthalten ja die umfänglichsten Geständnisse, wie alle die Zeitnöte durch die dämonischen Machenschaften der Volks- und Staatsverwüster künstlich genährt und gezüchtet wurden." (Fritsch S. 76-77; Hervorhebung im Original)
Seit ihrem ersten Erscheinen wurden die Protokolle angezweifelt, auf ihren Wahrheitsgehalt hin untersucht und bekämpft. Im Herbst 1934 kam es in Bern zu einem aufsehenerregenden Prozeß gegen die schweizerischen Herausgeber der Protokolle, nachdem die dortige jüdische Gemeinde Anzeige wegen Verstoßes gegen das Bernische Schundgesetz erstattete. Der Richter verhängte Geldstrafen und sagte in seinem Schlußwort: "Ich hoffe, es werde eine Zeit kommen, in der kein Mensch mehr begreifen wird, wieso sich im Jahre 1935 beinahe ein Dutzend sonst ganz gescheiter und vernünftiger Leute vierzehn Tage lang vor einem bernischen Gericht über die Echtheit oder Unechtheit dieser sogenannten 'Protokolle' die Köpfe zerbrechen konnten, die bei allem Schaden, den sie bereits gestiftet haben und noch stiften mögen, doch nichts anderes sind als ein lächerlicher Unsinn."
Quellen und weiterführende Links:
http://www.asta.tu-darmstadt.de/referate/zoon/zoon02/zion.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Protokolle_der_Weisen_von_Zion
Das Komplott- Die Geschichte der „Protokolle“ als Comic von Will Eisner
Aus einem Artikel von Andrea Naica-Loebell auf Telepolis:
Wann immer eine Gruppe von Menschen dazu gebracht werden soll, eine andere zu hassen, bedient man
sich der Lüge, um den Hass zu entfachen und ein Komplott zu rechtfertigen. Das Ziel ist schnell gefunden, denn der Feind ist immer der andere.
So beginnt der Comic "Das Komplott". Will Eisner schildert mit den für ihn typischen, sehr lebendigen und fast filmhaften Zeichnungen die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte des antisemitischen Pamphlets, das einst gefälscht wurde, um Zar Nikolaus II. gegen die Modernisierer aufzubringen, und seither seinen bislang ungebremsten Siegeszug durch die Welt antrat (The Protocols of the Elders of Zion).
Weiterlesen auf Telepolis
Es ist ausreichend dokumentiert, zu welchem Horror die "Protokolle" in der Welt bereits geführt haben, umso unbegreiflicher ist es, dass sie trotzdem heute noch so populär sind, und das auch bei engagierten Menschen, die nichts Böses im Sinn haben sondern glauben, einen echten Blick hinter den Vorhang der Weltpolitik zu erhaschen.




















Bin politisch NICHT "rechts" eingestellt und hatte schon öfters Gespräche mit Menschen jüdischen Glaubens. Einige waren ganz Ok - andere nicht (wie Menschen eben so sind!).
Einer aber (Deutscher zum Judentum konvertiert) erzählte mir Dinge, die sich 100% mit den Protokollen "zufälligerweise" überschneiden. U.a.: "Alle Goyim werden die nächsten Jahrzehnte sterben.", "Durch Geld haben wir alle Menschen in der Hand.", "Nicht-Juden sind nichts Wert." usw. Dieser (faschistische) "Konvertit" ist sehr intelligent und kein Witze- /Märchenerzähler.
Was soll ich nun vom Judentum halten? Darf ich "antisemitisch" denken, wenn mir ein "Semit" den Tod verspricht? Oder ist das schon "braunes Gedankengut" und somit schlecht wie falsch?
Das nächste mal, wenn ich diesen Juden treffe, werde ich ihn darauf nochmal ansprechen. Falls er immer noch Faschismus verbreitet, bekommt er die passende Antwort zurück. Auf einen Spruch wie "Du wirst wegen uns sterben!" (=Mord), nehme ich mir dann das Recht heraus, ihn in das Krankenhaus einzuliefern. So oder so.
Name²³
PS: Denkt ruhig, ich sei verrückt/geisteskrank. Das wäre ich gerne - .
Der Beweis für meine Aussage ist die Realität!
EDIT
äh, habe ich hier nicht in einfachen Sätzen klargemacht wie diese sogenannten Protokolle zustande kamen? und wer da alles (u.a.) mit involviert war... jeder kann die Quellen selbst weiterverfolgen. Wer der französichen Sprache mächtig ist kann sogar die Texte von Joly via Wikilink nachlesen...
Und den Spiderman gibts auch in echt!! Bestimmt!!!
Back to reality:
Netter Artikel über die Protokolle, danke dafür, Abha.
Gruß
Jörn
Antisemitismus war vor 1945 überall ganz große Mode, in Polen wurden in etwa 30 Orten, der bekannteste ist Jedwabne (mal googeln), tausende Juden massakriert - von Polen, auch ohne SS! In Frankreich halfen Polizei und Bevölkerung der Gestapo derart eilfertig bei der Judenverfolgung, daß es "Gestapo-Müller" in Paris manchmal schon zu viel wurde. Einmal brachte er hunderte jüdischer Kinder in Kinderheimen unter, - weil er "nur" Juden ab sechzehn Jahren angefordert hatte, die französische Polizei ihm aber diensteifrig selbst Kleinkinder ablieferte! Und zur Lage in Holland - wo mehr als die Hälfte der männlichen Bevölkerung das Parteibuch der dortigen NS-Partei besaß -, sagte einmal ein junger Historiker, man habe ja Gottseidank noch das "Alibi Anne Frank".
Nach dem Krieg hatten alle ein reines Gewissen, waren schon immer im "Widerstand" gewesen und hatten Hitlers Judenpolitik verabscheut. So sind Menschen nunmal, weiße, gelbe, schwarze, grüne - im Grunde waren die meisten von ihnen (uns) schon immer Faschisten und Miniaturteufel. Die allerdings gerne mit dem Finger aufeinander zeigen. Und oft eben alle zusammen auf die Juden. Die ihrerseits aber auch nicht besser waren und sind, wie ein Blick ins Alte Testament und nach Palästina erweist. Gehören schließlich ebenfalls zur Gattung Homo "sapiens". So what?
Aber wer will ihn schon sehen?
Ihn zu meistern, würde uns dem Weltfrieden tatsächlich näher bringen.
Das "Göttliche" übrigens für parteiisch zu halten und u.A. sowohl Droh- als auch Strafphantasien auch auf "es" zu projezieren,
gehört in die selbe Kategorie.
Leider spielt die dadurch erzeugte Angst vor , woöglich auch noch ewiger, Verdammung eine große Rolle bei der (Un)Fähigkeit, das jeweils eigene göttliche Konzept in Frage zu stellen und als Übertragung etc identifizieren zu können.
Ob die Protokolle nun gefälscht sind oder nicht, muss jeder selber entscheiden. Das ist anhand der verstrichenen Zeit im Rückblick möglich. Wenn sie sich weiter bewahrheiten sollten, dann macht der letzte von uns das Licht aus.