In der Zeit der Weltwirtschaftskrise gibt es immer noch ein paar Leute, die in ihrem Wolkenkuckucksheim im Land der Elfenbeintürme leben. Einer dieser Glücklichen und von jeder Realität Unbeleckten ist
Kulturstaatssekretär André Schmitz.
Ein wahrlich netter Herr, dieser André Schmitz. Multifunktionär in Sachen Kultur. Praktisch nicht zu bremsen. Hansdampf in allen Gassen. - Beeindruckend die Liste seiner Tätigkeiten:
Berufliche Ämter
stellv. Mitglied des Verwaltungsrates der Filmförderungsanstalt des Bundes
Mitglied Gemeinsamer Ausschuss Hauptstadtkulturfonds
Stellvertr. Vorsitzender des Stiftungsrats “Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK)”
Stiftungsratsmitglied Stiftung Preußische Schlösser und Gärten
Kuratoriumsmitglied des Berlin-Brandenburgischen Instituts für Deutsch-Französische Zusammenarbeit in Europa e.V.
Stiftungsratsmitglied Kulturstiftung der Länder - Stiftung des bürgerlichen Rechts (KSL)
Vorsitzender des Aufsichtsrats der Friedrichstadtpalast Betriebsgesellschaft mbH
Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hebbel Theater GmbH
Vorsitzender des Stiftungsrats “Stiftung Kulturelle Weiterbildung”
Vorsitzender des Stiftungsrats “Stiftung Topographie des Terrors”
Vorsitzender des Stiftungsrats “Stiftung Stadtmuseum Berlin”
Vorsitzender des Stiftungsrats “Stiftung Berlinische Galerie”
Vorsitzender des Stiftungsrats “Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin (DTMB)”
Vorsitzender des Stiftungsrats “Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen”
Ehrenamtliches Engagement
Vorstandsvorsitzender “Heinz-Schwarzkopf-Stiftung Junges Europa”, Berlin und Hamburg
Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Historischen Kommission zu Berlin e.V.
Kuratoriumsmitglied der Stiftung zur Förderung der Evangelischen Akademie zu Berlin
Kuratoriumsmitglied Kreis der Freunde und Förderer der Villa Aurora e.V.
Kuratoriumsmitglied young.euro.connect e.V.
Kuratoriumsmitglied Sammlung Werder des Johanniterordens
Da verwundert es niemanden, wenn solch ein Mann nicht mehr zum Denken kommt. Da hat der doch gar keine Zeit mehr für übrig. Aber es scheint Stimmen zu geben, die ihn erreichen, was dann auch bei ihm zum Ausstoß von Lauten führt.
Es geht mal wieder um das unbezahlbare Stadtschloss für das im Endeffekt Milliarden verschwendet werden - nur um von Erichs Lampenladen abzulenken, jenem Palast der Republik, der zumindest für lange Zeit auch ein Palast des Volkes war, in dem Erich und seine Blockflöten nur eine Nebenrolle spielten. Von der DDR durfte nichts übrigbleiben, deshalb musste Kaiser Willhelm wieder her, was schon zeigt, wessen Geistes die Befürworter des Stadtschlosses sind. Aber es kostet ja auch nicht ihr Geld: Dafür können sie die Bürger ausnehmen.
Das sogenannte Humboldt-Forum, jenes nachgeäffte Stadtschloss, braucht nun aber nach Meinung von André Schmitz unbedingt eine teure Glaskuppel. Mal davon abgesehen, dass niemand das Humboldt-Forum braucht und auch niemand André Schmitz, ist eine nachgemachte Glaskuppel eben nur - eine nachgemachte Glaskuppel. Notwendig wie ein Kropf. Wenn man schon in diesen Zeiten einen solchen Blödsinn bauen muss, dann doch bitte so einfach wie möglich.
Witzig wird das ganze, wenn man sich den beruflichen Werdegang von Herrn André Schmitz ansieht. Der hat nämlich Jura studiert und ist dann - husch, husch - gleich in der Politik verschwunden und mogelt sich nun ohne ernsthafte Arbeit von Pöstchen zu Pöstchen durch sein Arbeitsleben. Ein Jurist als Begutachter von Architektur. Einen Mathematiker hätte ich ja noch verstanden, aber weshalb einen Juristen? Vielleicht weil er gerade da war?
Herr André Schmitz sollte sich und Berlin einen Gefallen tun. Weder er noch seine Glaskuppel werden gebraucht. Kann er nicht andere Städte unglücklich machen? Für Berlin gilt in der Zukunft nur, den monströsen und wertlosen Kulturquatsch abzuschaffen. Opern, Theater, Orchester und Museen, die sich nicht tragen, müssen verkauft werden. Aus den Beständen der Museen müssen tragfähige und lebensfähige Einheiten geschaffen und der Rest verkauft werden. Die Kulturbürokratie gehört aufgelöst.
Diese provinziellen Kulturamateure haben immer noch nicht begriffen was die Kultur Berlins ausmacht. Es ist die Kultur von unten. Diese vielfältige, ideenreiche nicht immer in Hochglanz daherkommende Kultur hat mehr für Berlin getan, als zehn „Stadtschlösser“ es vermögen.
Mit dem Aufbau des Palazzo Protzo „Stadtschlosses“, hier trifft der Name eher zu, soll wohl nur ein neuer Repräsentativer Rahmen der Oberschicht geschaffen werden.
Nach den Baukosten folgen die Unterhaltskosten. In der Regel 10 – 20 Prozent der Baukosten jährlich. Wo soll dieses Geld in Berlin herkommen? Aus dem Kulturetat?
Sportler gehn ins Ausland, Musiker ebenfalls, Mediziner und anderes studiertes Volk ebenfalls.... wir hätten da noch ein paar überflüssige Politiker....will die keiner?