Watchblog revisited: Guantanamo - und Neues von Murat Kurnaz
Murat Kurnaz ist zur Zeit in Österreich, um dort den 60. Jahrestag der Menschenrechtserklärung zu begehen. Er hat eine Bitte: Das neutrale Österreich, so Kurnaz, solle Barack Obama dabei helfen, das Lager zu leeren, und in Europa mit gutem Beispiel vorangehen. So wie Schweden oder Albanien solle Wien ein paar jener Häftlinge aufnehmen, die nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren dürfen, weil ihnen dort Folter oder soziale Isolation drohen.
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Murat Kurnaz' Buch - ein zutiefst menschliches Buch
Er hatte sich zunächst bemüht, an das Mansura Islamic Center in Lahore zu kommen, eine Einrichtung die von Syed Abul A’ala Maudoodi gegründet worden war. Hier ist die Darstellung auf der website:
Zunächst hatte Kurnaz eine Entwicklung ohne Perspektiven durchlaufen, die - wie bei Freunden auch - in Marginalisierung und Kriminalisierung hätte enden können. Dann fing er an, sich zu fragen, wie er dieser Entwicklung entgehen könne. In Bremen war die Tablighi Jamaat aktiv, die hier in Europa kontrovers diskutiert wird, der jedoch z.B. von amnesty international und dem prominenten französischen Orientalisten Olivier Roy ein gutes Zeugnis ausgestellt wird. In Paris, z.B., hat sie den dortigen Behörden geholfen, die Jugendkrawalle im vergangenen Jahr zu de-eskalieren.
Kurnaz hatte mittlerweile ein Mädchen geheiratet, das einen Ruf als fromme Muslima hatte, und wollte, bis seine Frau in Deutschland eintraf, seine von ihm jetzt starke empfundenen Defizite in islamischem Wissen und islamischer Praxis ausgleichen. Er beschreibt das erste Zusammentreffen:
Dann tauchte eines abends in der Kuba-Moschee eine Gruppe Moslems auf, die sich Jama’at al-Tablighi nannten. Sie sagten, das sei eine der größten Gruppierungen des Islam. Es waren fünf Leute, zwei Türken und drei deutsche Moslems. Nach dem Gebet kam ich mit ihnen ins Gespräch. Deutsche Moslems? Das faszinierte und beschämte mich zugleich: die deutschen Moslems wussten sehr viel mehr über den Islam als ich, der ich ja nicht einmal die fünf Gebete konnte, die wir täglich aufsagen sollten … Sie wollten mir zeigen, was sie machten. Sie gingen zu Süchtigen und Obdachlosen am Bahnhof oder irgendwo in der Stadt. Sie boten ihnen Hilfe an. Wir besuchten Leute, die früher kriminell und abhängig gewesen waren und dank der Tablighis jetzt einen Job und eine Familie hatten … Es gefiel mir, wie sie den Islam praktizierten … Ich setzte mir in den Kopf, dass ich dieses Center in Lahore besuchen wollte …
Nun, die Richtung von Maududi ist nicht die meine, und man kann natürlich anführen, dass die Stadtverwaltung von Paris sich geirrt hat, als sie die Tablighis um Hilfe bat - aber falls sich die Stadtverwaltung von Paris schon irrt: wie soll sich da ein Murat Kurnaz nicht irren?
Kurnaz zieht mit Freunden von Moschee zu Moschee - kauft Geschenke für die Familie zu Hause ein, will am letzten Gültigkeitstag seines Rückflugtickets nach Hause fliegen und wird aus dem Bus heraus verhaftet.
Ich bin verkauft worden. Für ein Kopfgeld von 3.000 Dollar. Das haben sie mir in einem der endlosen Verhöre selbst bestätigt.
Er kommt in eine Hölle, die Dantes Inferno nahekommt, denn wer in Guantanamo ist, kann ersteinmal auch alle Hoffnungen fahren lassen. Wer das Buch liest, erfährt von willkürlichen Amputationen, 96-jährigen, blinden Gefangenen, Immediate-Response-Teams, die auch schon mal Gefangene töten, sowie einem System, das auf Willkür basiert - und der unendlichen Angst der Bewacher. Doch eines ist das Buch nicht: eine Anklage. Das macht es so lesenswert.
Eine englischsprachige Buchbesprechung ist bei Dialoginternational zu lesen.
In Deutschland am bekanntesten ist immer noch Murat Kurnaz. Dank Kismet, Österreichs orientalischem Onlinemagazin sind wir seinerzeit auf ein weiteres Schicksal aufmerksam geworden. In einer Buchbesprechung wird dort das Schicksal eines weiteren Häftlings, des tunesischstämmigen Franzosen Nizar Sassi geschildert, der zu seiner Hochzeit reisen wollte und sich in Guantanamo wiederfand.
Hier weiterlesen.
Seinerzeit hatte auch John Burgess von Crossroads Arabia über mehrere Selbstmorde in Guantanamo ausführlich berichtet: hier und hier.
Und heute bringt die TAZ ein Interview mit Jürgen Todenhöfer:
Wir behandeln Muslime wie Halbaffen
Die Fanatiker sitzen im Westen, sagt Jürgen Todenhöfer, und nicht in der islamischen Welt. Der einstige Konservative setzt sich heute für die westlich-muslimische Aussöhnung ein.
Hier weiterlesen.
Dazu noch zwei Anmerkungen:
1.: Wer zu Guantanamo nichts zu sagen hat, sollte zum Iran besser schweigen - oder sich als Die-hard-Neocon zu erkennen geben.
2.: Die Schließung von Guantanamo war eines der Wahlversprechen von Obama. Daran sollten wir ihn messen. Jetzt fängt er an rumzueiern. Wie in einigen weiteren Fragen, so z.B. der Frage der Waffenkontrolle. Mitplotten.
Bildnachweis:
1. Florian Klenk,
2. Mansura Islamic Center,
3. AP
Tags für diesen Artikel: afghanistan, angriffskrieg, antiislam, deutschland, guantanamo, irak, iran, kurnaz, menschenrechte, menschnrechtverletzung, un, usa, vereinte nationen
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Bei uns, damals in der DDR, haben sich die KandidatInnen vorgestellt, man wußte, was sie können, was nicht, konkrete Fragen von Selbständigen etwa, wurden konkret beantwortet.
Die ach so böse SED, die damals diese Verordnetengruppen dominiert hat, sorgte etwa dafür, daß es nicht in einem Kiez wie Grünau 4 oder noch mehr Friseure gab, die mit Dumpinkgpreisen um die Kunden buhlen.
Aber da gibt es ja viele, die sagen, es sei keine Demokratie gewesen...
Dennoch, die taz zu zitieren, hm...
http://www.jungewelt.de/2008/12-06/003.php?sstr=taz
halte ich für bedenklich, besondes wegen dieses Artikels und der darin zum ausdruck gebrachten Grundhaltung der Zeitung:
http://www.taz.de/1/debatte/theorie/artikel/1/g-8-sind-nicht-die-weltenlenker/