Der nahe Tod von
watchberlin betrübt mich nicht wirklich. Dass Friedmann, Broder und Martenstein einen Platz weniger haben, auf dem sie ihren groben Unfug betreiben können, ist eher schön. Andererseits sind damit Arbeitsplätze und Ideen verloren, was natürlich betrüben muss.
Martenstein ist aber keineswegs betrübt, denn er ist
breit aufgestellt. Mit einem Lächeln denkt man, wenn jemand solche Aussagen über sich selbst macht, an den Berater, der dem Taxifahrer am Flughafen sagt: "Fahren Sie mich irgendwo hin - Ich werde überall gebraucht."
Ans Internet habe ich deswegen eh nicht geglaubt. Ein Milliardengeschäft, alles aus Werbeeinnahmen finanziert, na bravo. Das ist die nächste Blase, die platzt.
Ja, der Martenstein. Da macht das
Totholzmedienimperium Holtzbrinck einen possierlichen Bauchplatscher im Bereich der elektronischen Medien, und sofort glaubt Martenstein ganz laut nicht mehr an das Internet und meißelt seinen Unfug mit Druckerschwärze in die Zeit, die genau dem gleichen Totholzimperium gehört.
Oh ja, er hat seine Eier in viele Körbe gelegt, und diese Körbe sind nun alle bei stürmischer See im selben Ruderboot. Ach Martenstein, lass es doch sein! Dann lamentiert er noch ein wenig über Entlassung und sagt uns, dass ja nichts zu machen sei und warum er nicht solidarisch sein wolle. Er hat seine Eier ja in vielen Körben und möchte keines für eine nächste in die Waagschale werfen.
Er sieht, wie um ihn herum die Welt untergeht, und hofft von diesem Untergang unberührt zu bleiben. Nein, er ist nicht verantwortlich für das, was geschieht, aber er tut auch nichts dagegen. Er steht dumm rum und schreibt ein wenig fassungslos, dass etwas passiere. Er ist einer von den vielen, die uns hinterher erzählen, sie hätten doch nichts gewusst und nichts verstanden.
Er sieht und schließt dann schnell die Augen und hofft, dass er selbst nicht gesehen wird. Dabei liegt doch bei Holtzbrinck längst eine Liste, auf der auch sein Name steht. Egal, in welchem Korb seine Eier liegen, es gibt immer schon einen, der weiß, wann sie zerschlagen werden. Martenstein ist Journalist. Er liefert Text gegen Gebühr. Ohne Emotion, ohne Hingabe. Einfach nur Text. Es wäre besser, man würde diese Leute als Textschreiber bezeichnen.
Natürlich darf er, je angepasster er schreibt, länger Freude an seinen Eiern haben. Also schreibt er wie ein Hauch, distanziert sich praktisch von seinen eigenen Interessen - und von denen der anderen Menschen sowieso. Er wird zu einem Meinungshauch, und dann ist auch dieser verhaucht. Er wird niemandem fehlen. Er hat sich so gleich gemacht, dass er fast nicht mehr zu bemerken ist.
Dabei brauchte Deutschland in diesen Tagen mutige Journalisten. Nicht, weil sie sich für andere stark machen müssten. Sie müssen es vor allem für sich selbst tun. Hier geht ein Totholzblättchen ein, dort wird ein Medium geschlossen oder -wie es so schön heißt - eingefroren. Die Meinungsfreiheit wird immer weiter zurechtgestutzt, und am Ende wird das, was man noch schreiben darf, so wenig sein, dass es nur noch für ein oder zwei Journalisten reicht.
Der Rest kann Federkiel oder Tastatur beiseitelegen. Es ist ziemlich bald vorbei. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) rund um
Herrn Konken mag sich ja weiterhin über Leserreporter beschweren und ansonsten die Augen vor der Realität verschließen. Nützen wird es dem Journalismus allerdings nicht.
Auch wenn Kinder ihre Augen fest zukneifen, werden sie von allen anderen gesehen.