Den Hinweis dieser Ordensverleihung verdanken wir dem wohl glühensten Bewunderer und Verehrer von Duckhome den man sich überhaupt nur vorstellen kann. Leider ist er so bescheiden, dass er sich nicht einmal einen eigenen Namen leistet, sondern den von anderen mitbenutzt. Aber wir kommen seiner Anregung, auch einmal positives aus dem Zusammenleben von Christen und Muslimen in Österreich zu berichten, natürlich gerne nach.
Wenn man über den Preisträger Prof. Anas Schakfeh und seine Ansichten etwas mehr erfahren will, so zeigt dieses
Interview und sein Einführungssatz zu den
10. Klagenfurter Stadtgespräch der Karl Popper Foundation Klagenfurt 2005, dem wir auch seine Kurzbiographie entnehmen.
Prof. Anas Schakfeh: Geb. 06.03.1943 in Hama/Syrien, Reifeprüfung in Damaskus, 1963- 65 islam. theologisches Seminar in Hama, Medizin- und Arabistikstudium an der Universität Wien, 1977 Dolmetscher-Prüfung / gerichtl. beeideter Dolmetscher d. arab. Sprache, 1978- 85 Leiter eines arab. Sprachkurses im Afro-Asiat. Institut in Wien, seit 1980 österreichischer Staatsbürger, anfängl. AHS-Lehrer für islam. Religion, inzwischen Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich.
Koautor folgender Bücher: Sing mir das Lied meiner Erde, Würzburg, 1978, Islam in meinem Leben I + II, Köln 1993, Körper ohne Leben, Wien 1998, Zahlreiche Veröffentlichungen in arabischspr. Zeitungen und deutschspr. Zeitschriften, Sprecher bei Stimme des Islam im ORF.
Sein Einführungssatz bei dem 10. Klagenfurter Stadtgespräch zum Thema "Der Islam und die Offene Gesellschaft" zweigt sehr deutlich wie differenziert er mit Begriffen und Positionen umgeht, was zumeist nur denen vergönnt ist, die sich wirklich schmerzhaft mit einem Thema auseinandersetzen und auch die Positionen der Gegenseite zu verstehen versuchen.
Die reine theoretische Betrachtung dieses Themas führt uns zwangsläufig zu der Annahme, dass zwischen dem Islam, als einer Offenbarungsreligion und einer offenen Gesellschaft gemäß den philosophischen Prämissen Poppers ein unüberwindbarer Widerspruch bestehen muss.
Semitische Offenbarungsreligionen waren nie reine kultische Mysterienreligionen. Sie formten und formen die Gesellschaft durch normative Direktive (Gebote und Verbote) und somit stehen sie (alle) in einem direkten Widerspruch zur popperschen offenen Gesellschaft.
Und trotzdem sehe ich in der Praxis die Möglichkeit einer pragmatischen Koexistenz zwischen dem Islam und den Prinzipien einer offenen Gesellschaft für gegeben.
Ein zwingender Widerspruch besteht hingegen zwischen manchen islamistischen Denkvarianten des Islams und der modernen offenen Gesellschaft.
Allein diese Einführung wäre schon einen Orden wert gewesen, weil sie die semitischen Religionen als Gemeinschaften bezeichnet die eben grundsätzlich alle in einem Widerspruch zu Poppers offener Gesellschaft stehen. Wenn sich aber Einäugige gegenseitig ihre Einäugigkeit vorwerfen ist das dummes Zeug.
So ist es gut und richtig dass Prof. Anas Schakfeh gestern das
Große Goldene Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich vom österreichischen Bundespräsidenten
Dr. Heinz Fischer erhalten hat. Mann muss Österreich zu seiner ausgezeichneten Weitsichtigkeit gratulieren.
In diesem Zusammenhang möchten wir auch noch auf die
Kampagne „Aufruf zur gesellschaftlichen Solidarität“ der Islamischen Föderation Wien aufmerksam machen, die wohl von allen Menschen unterschrieben werden kann.
„Angesehen ist jener, der seine Familie achtet“
Wir sollten nämlich nicht vergessen, dass in diesen schwierigen Zeiten, die hoffentlich bald hinter uns liegen werden, die Geborgenheit in der Familie und die Stütze der Familie, unerlässlich sind. Die Familie als eine elementare soziale Struktur war, ist und bleibt unentbehrlich.
Und dies soll in einer stark individualisierten Gesellschaft wieder ins Gedächtnis gerufen werden, zudem wir zu unserer alljährlichen Hadithkampagne die Koranrezitation veranstalten, wofür ich Sie alle herzlichst für den 25. Oktober einladen möchte! Und wo fängt die soziale Wärme an, wenn nicht in der Familie.