Es ist interessant über die idiotischen Zeiten nachzudenken, in denen wir leben. Besonders wenn man, wie ich, in nebulöse Dinge, die 'Interkultureller Dialog' genannt werden, involviert ist. In den vergangenen vier Wochen habe ich an verschiedenen Dialogrunden zwischen Europäern und muslimischen Migrantencommunities in Amsterdam, Paris und Berlin teilgenommen und in jeder dieser Treffen bin ich Stereotypen über Muslimen und dem Islam begegnet. Jene waren so oberflächlich und kindisch, dass ich schon fast beschämt bin, diese hier zu wiederholen. Schlimmer noch als das platte Sinnieren über den Islam und die Muslime war, dass diese Gedanken nicht vom Ottonormalverbraucher kamen, sondern von denjenigen, die behaupten sich auszukennen und als Wissenschaftler und Historiker bewundert werden.
In einem dieser Treffen wurde mir folgendes gesagt: "Der Islam ist eine faschistische, Frauenhassende, Christentötende, Homosexuelle beschimpfende, männliche-macho Hass-Ideologie, die seit 14 Jahrhunderten auf Eroberungen, Blutvergießen, Mord und Vergewaltigung basiert. Deshalb kann es keine Integration von Muslimen in Europa geben, weil die Muslime, die wir hier haben, Primitive der arabischen Welt sind, die barbarisch, gewalttätig und brutal sind. Sie glauben nicht an die Vernunft und an die Aufklärung und die islamische Zivilisation hat nichts Wissenschaftliches, Rationales oder Humanes hervorgebracht." Versuchen Sie das Wort "Muslim" mit Schwarz zu ersetzen und man wird sehen, wie weit hergeholt und rassistisch diese Behauptungen wirklich sind.
Warum ist es heutzutage so, dass wann immer über den Islam und die Muslime geredet wird, einige von uns denken, sie haben die Lizenz ihren IQ-Level um hundert Punkte zu senken? Ist die Rede über den Islam eine Lizenz irgendetwas Dummes, Beleidigendes, Provokatives zu sagen oder die Massen aufzubringen, um ein paar Schlagzeilen zu machen? In Holland forderte sogar ein Politiker ein Verbot für das Koranlesen, weil der Koran mit Hilters 'Mein Kampf' zu vergleichen sei. Andere behaupten alle Muslime seien in erster Linie durch ihren Glauben geprägt, der nun mal irrational, unwissenschaftlich und gegen die Aufklärung sei.
Ich war getroffen von der eigenwilligen Blindheit der so genannten 'liberalen' und 'rationalen' Europäer, ihrer Unfähigkeit, sowohl Dinge in eine verhältnismäßige Perspektive zu setzen als auch ihre Unfähigkeit, ihre Annahmen von sich selbst zu hinterfragen. In meiner Arbeit als akademischer Aktivist habe ich versucht, diese großen Narrativen von der offiziellen Geschichte zu zerlegen, sei es auf der Ebene des Staates oder der Religion. Ich bin der Tatsache bewusst, dass die Geschichtsschreibung ein umstrittener Prozess ist, der zumeist von den Gewinnern einer Gemeinschaft betrieben wird und nicht von den besiegten oder marginalisierten Stimmen. Ist es dann eine Überraschung, dass die Geschichte des Westens nur die Geschichte von weißen, männlichen, mittelständischen Stimmen ist? Wo ist die Geschichte der Frauen und der Partizipation von Frauen an Politik, Wirtschaft und Nationsbildung? Erst seit Neustem durch die Avancen der feministischen Geschichtsschreibung und der dekonstruktiven Geschichte, wie der von Simon Schama und deren Gleichen, haben wir eine Geschichtsschreibung gesehen, die inklusiv, plural und nachgefragt ist.
Jetzt werden die bewussten Historiker Sie informieren, dass es schon immer Gegenströmungen zur dominanten Geschichtsschreibung gibt und gab, sowohl im Westen als auch in der muslimischen Welt (sowie es auch liberal progressive Gegenströmungen gegen orthodox-konservativen Hinduismus, Buddhismus Christentum und Judentum gibt.) Darüber hinaus existieren alle Zivilisationen und Kulturen in relationalen Begrifflichkeiten und sie entwickeln sich in Relation mit- und zueinander: Es wäre lächerlich zu behaupten, die Europäische Aufklärung sei lediglich ein selbst generierter Fall eines isolierten Genius, wo wir doch alle wissen, dass die europäische Zivilisation in Interaktion mit der muslimischen Zivilisation entstanden ist, so wie die muslimische Zivilisation in Relation zu und mit der chinesischen, indischen und persischen Zivilisation sich entwickelt hat.
Natürlich sind die Muslime in der Welt heute Geiseln einer Geschichte, die bestimmt ist von Herrscher-Eliten oder ihren konservativen Lakaien, wie den Wahabiten in Saudi-Arabien. Von den Stiftern dieser konservativen Sektierer bekommen wir nur eine statische Beschreibung der muslimischen Geschichte, die aus der Sicht der Könige, Sultane und Diktatoren – wie die Geschichte des Iraks, die in der Zeit von Saddam Hussein geschrieben worden ist – oder die verdrehte Geschichte der Araber, geschrieben von dem Establishment nahe stehenden Wahabiten. Aber hier muss wieder die Frage gestellt werden: Wie war dieses geschichtliche Ausradieren möglich und wer steckte dahinter? Leider muss auch hier mitunter der Zeigefinger auf den aufgeklärten Westen gerichtet werden, der in Diktatoren wie Saddam Hussein und der saudischen Königsfamilie strategische Verbündete sah.
Das Emporkommen des konservativen, fundamentalistischen, sektiererischen und gewaltsamen Islams wurde während des Kalten Krieges von westlichen Staaten unterstützt, was zum Aufstieg von Männern wie Saddam Hussein, den anti-sowjetischen Mujahedin und später den Taliban führte. Jene wiederum haben das plurale Vermächtnis der muslimischen Welt zerstört. Dennoch beschuldigen westliche Liberale heutzutage die Muslime, keine Geschichte zu haben und dass ihre eigene Geschichte eine Geschichte der Gewalt sei. Wo ist der aufgeklärte Geist von Selbstkritik und Selbsterkenntnis? Eigentlich sollten die Liberalen im Westen nicht überrascht sein, vom Aufstieg der fundamentalistisch-muslimischen Regime in der Welt, wenn es doch ihre eigenen Regierungen waren, die diese anti-christlichen, anti-Frauen und anti-Homosexuellen Regimes an erster Stelle unterstützt haben, angeblich strategischer Allianzen halber, aber im Grunde für die Sicherung der Lieferung des viel gebrauchten Öls?
An dieser Stelle entschuldige ich keineswegs fundamentalistische konservative Muslime, weil es gewiss rechte Muslime gibt, die man nur als Faschisten im wirklichen Sinne des Wortes bezeichnen kann. Aber genauso wie Muslime heutzutage aus ihrer Hülle hinaustreten müssen und der Realität ins Gesicht blicken müssen, genauso müssen es die Europäer auch tun, die behaupten ach so aufgeklärt und liberal zu sein. Europas Aufklärungsprojekt hat nicht nur seine eigenen Unzufriedenheiten, sondern auch seine eigenen Anomalien.
Zu behaupten, dass jeder einzelne Europäer heute ein Produkt dieses geschichtlichen Prozesses ist, wäre so simplifizierend als würde man um den Glauben betteln. Wenn das der Fall sein sollte, dann könnten wir vielleicht fragen, wie aufgeklärt die Europäer waren als sie Asien und Afrika kolonisierten. Schauen Sie auf die Weltkarte und sehen Sie wie viele Flicken heute auf der Welt – von Nord-Amerika bis Australien – Erinnerungen an die koloniale Expansion sind, welche von einer irrationalen Gier, einem irrationalen Rassismus und einem irrationalem Hass gegen das Andere motiviert war, und nicht geleitet von Werten der Vernunft oder des universalen Humanismus. Sagen Sie mir, war es Kant oder Descartes, der den Kolonialisten sagte, in Australien einzufallen und es zu besetzen, die Aborigines von Tasmanien auszurotten und ihre Köpfe als Trophäen aufzuhängen? Oder die Körper der nordamerikanischen Indianer zu enthäuten, um daraus Stiefel und Tabakbeutel zu machen? Wo war da die europäische Aufklärung? Im Schlaf?
Überhaupt finde ich die Selbstherrlichkeit, mit der Europa bis heute auftritt, einfach nur zum würgen, was aber davon einfach zeugt, dass die Europäer bis heute sich mit ihrer Rolle und Geschichte überhaupt nicht auseinander gesetzt haben. Business as usual eben. Wir hatten z.B. auch jahrzehntelang die Möglichkeit gehabt uns einen ganzen Kontinent als treuen Partner aufzubauen, der viele Rohstoffe hat, die wir brauchen, der andererseits viel hätte von uns lernen können, schon aus rein zivilisatorischer Sicht. Stattdessen wurden Stellvertreterkriege im Kalten Krieg geführt, später hat man autokratische Diktatoren unterstützt, damit einzelne Unternehmen die Naturschätze ausbeuten können, was zu noch mehr Kriegen, noch mehr Armut und noch mehr Toten geführt hat. Nun gehen wir auch noch hin, überschwemmen die Märkte mit billigen, subventionierten Lebensmitteln, fischen die Meere leer und unterstützen Piratenfischer und wundern uns, dass eine Welle von Flüchlingen kommt. Ja, ich rede von Afrika, dem Kontinent, wo jedes herrschende System versuchte so viel zu holen, wie es möglich war, ohne Rücksicht auf menschliche Verluste.
Das ist bis heute eines der schändlichsten Beispiele des europäischen Umgangs mit dem Rest der Welt - und mit eigener Geschichte. Auch in Bezug auf unsere eigenen Wurzeln nehmen wir das gerne nicht allzu genau. Gern lässt man es unterm Tisch fallen, dass Europa bis zum 13.-14. Jahrhundert eine ziemlich primitive Gesellschaft hatte, die im Würgegriff des Klerus bewusst dumm gehalten wurde und viele Wissenschaften konnten nur unter Einsatz des eigenen Lebens betrieben werden, während der Orient eine freiheitliche Kultur hatte, in der Kunst und Wissenschaft blühte und es auch keine starre Gesellschaftsstruktur gab. Amüsant dabei, dass der christliche Ritterkodex sich auf einen osmanischen Sultan bezogen hat und ihn als besonders tugenhaft darstellte (der auch tatsächlich moralisch gesehen den Europäern haushoch überlegen war).
Nun stehen da die dummen und hochmütigen Europäer und wehren sich gegen Gotteshäuser, Kulturstätten und Museen, ohne überhaupt mal auf die Idee zu kommen, dass Europa ohne den Orient nie das geworden wäre, was es heute ist. So viel Dummheit macht schon mal wütend, nur leider hat man heutzutage sich darauf festgeritten den Leuten nur Sündenböcke zu präsentieren, was anderes hiesse auch die wahren Versager zu präsentieren und da läufts immer im gleichen Schema - wir bauen kollektiv Mist, damit am Ende niemand dafür verantwortlich gemacht werden kann.
Ja, es ist wirklich erstaunlich, wie man es schaffen kann, sich die eigene Geschichte so zurecht zu lügen, wie es auch z.B. das evangelikale "Christlich-Jüdisch" tut, daß es damit sogar schafft, die 2000 Jahre jüdisches Leiden einfach unter den Tisch fallen zu lassen.
Manchmal bin selbst ich da wirklich sprachlos.
Es werden sicherlich Konolialismus, Imperialismus, die Weltkriege usw. thematisiert. Aber gerade Sachen wie Kreuzzüge, Einfuss des Orients auf den Oxident etc. werden nicht in Korrelation gestellt. Genau so wenig wie Ursache und Wirkung z.B. Afrika betreffend - da kann man genau so gut den mittleren Osten nennen.
Es werden einfach Themen abgehakt, ohne Verknüpfungen herzustellen. Das sind alles Sachen, die mir erst nach der Schule nach un nach bewußt geworden sind.
...und dann versucht man seinen Mitmenschen zu erklären, warum niemand den Westen mag...
Du könntest ja auch einmal das Wort Islam durch des Wort Katholizismus ersetzen.
Du könntest ja auch einmal das Wort Islam durch des Wort Katholizismus ersetzen. Richtig. Du könntest es auch z.B. mit "Buddhismus" ersetzen. Besonders in seiner (Dalai)Lama-Variante bzw. Teilen davon. Darauf werde ich auch noch mal zurückkommen.
Historiker, die ich kenne, sind durchaus ernstzunehmende Wissenschaftler. Ein Problem ist die selektive Darstellung in den Medien.
`Tschuldigung an bigberta, das Ersetzen war zu verführerisch.
Während meiner Jugend eingeimpfte Vorurteile legte ich überraschend schnell ab, weil sich diese sofort als unwahre Propaganda herausstellten und ich hatte glücklicherweise die Gelegenheit, die Menschen wirklich kennenzulernen.
Das Zusammenleben bedurfte keines diplomatischen Kraftaktes meinerseits, sondern eher unproblematischer, gegenseitiger Achtung und Lernbereitschaft.
Ich arbeitete dort zeitweise in arabischen Hostels und erhielt neben freier Unterkunft und Verpflegung einen geringen Tageslohn den ich sparen konnte.
Die Qualität meiner Arbeit sprach sich herum und wurde mit vollem Vertrauen belohnt. Ich war mein eigener Chef, das benötigte Material für die Verlegung von Kalt- und Warmwasserleitungen, die elektrische Installation, das mauern und verputzen von Wänden und abschließendem Anstrich, das schweißen von Normbetten mit anschließender Lackierung; kaufte ich gegen Rechnung selbst ein und erledigte sämtlichen Arbeiten gewissenhaft, zur vollsten Zufriedenheit der Kunden.
Ich lernte im Umgang mit den verschiedenen Materialien täglich dazu, wuchs förmlich hinein und blühte richtig in meiner Arbeit auf. Das Verhältnis zu diesen Menschen kann ich nur als familiär und sehr freundschaftlich bezeichnen. Schon in kürzester Zeit wurde ich behandelt, als wäre ich ein Mitglied der Familie.
Anschließend fand ich Unterkunft und Arbeit in einem Hotel unter jüdischer Leitung und machte auch hier genau dieselben Erfahrungen in einem Zeitraum von immerhin zehn Jahren.
Auch in religiösen Fragen waren wir schnell einig, dass wir alle, denselben Einen Gott haben.
So wahr und so einfach kann eine Lösung aussehen, die auch funktioniert und gelebt werden kann.
Beide Seiten sind müde vom ewigen Krieg und sehnen sich nach Frieden.
Leider lassen das eine Handvoll Fanatiker auf beiden Seiten nicht zu und lassen aus finanziellem Interesse sofort jeden neuen Friedensschluß wieder im Keim ersticken.
Hier kann man gerechterweise nicht einfach eine Partei ergreifen, denn die Mehrheit liebt den Frieden und wie in jedem Krieg, gibt es auch hier nur Verlierer.
Wie will man denn mit dem zukünftigen Problem der Trinkwasserversorgung umgehen, wenn nicht gemeinschaftlich.
Der Wasserstand des See Genezareth sinkt ständig und droht zu versalzen.
Für die Landwirtschaft und zur Bewässerung der Bananen und Orangenplatagen wird der größte Teil des Trinkwassers verbraucht und bald ist auch hier ein kritischer Punkt erreicht, der wieder in einem Krieg endet, wenn man nicht endlich gemeinschaftlich in Meerwasserentsalzungsanlagen investiert, anstatt in Waffen deutscher Produktion.
Erst kürzlich hat der israelische Zoll eine Lieferung Unkrautvernichtungsmittel zur Herstellung von Bomben beschlagnahmt, welches in Zuckersäcken abgefüllt und als Hilfslieferung des Deutschen Roten Kreuzes deklariert war.
Beschämt muss ich als deutscher wieder einmal feststellen, wer hier wessen größter Feind ist. Wenn das nicht endlich aufhört und der Mensch nicht lernt in ehrlicher Absicht miteinander umzugehen und kommende Probleme endlich gemeinschaftlich zu lösen versucht, dann hat der Mensch weder Zukunft noch Überlebenschance.
Dabei sind die Überlebensbedingungen nach wie vor optimal- es liegt in unserer Hand, was wir mit einigen Einschränkungen und Anpassungen daraus machen-
Jede Wüste ist ein schlafendes Paradies und bietet ausreichend Lebensraum für alle Menschen die bereit sind gerecht zu teilen und Mühe und Arbeit nicht scheuen.
An dieser Stelle möchte ich mit folgendem Link auf die wertvolle Arbeit von Antonio Mascolo hinweisen, die hoffentlich bald öffentliche Anerkennung findet. http://www.kattara-utopie.de/toc.htm
Leider wird das Ganze wohl eher aus Mangel an europäischer Vernunft und an amerikanischen Absichten scheitern und wohl nicht am Moslem, der die Moral die er predigt auch lebt und gerade deshalb hilfsbereit ist und brüderlich teilt.
Ich kann nicht anders, ich liebe diese Menschen, denen ich so viel verdanke.
Deshalb brauchen wir dringend Stellungnahmen, Kritik, Proteste und mehr Informationen von der moslemischen Seite, damit der paranoide Sch..ble erst gar keinen Einfluß gewinnt. Das hat es alles schon einmal gegeben und ist nicht wiederholenswert.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Patzer
Der schwungvoll geschriebene und leicht zu lesende Artikel von FARISH AHMAD NOOR: «KANN ES EINE DISKUSSION ÜBER DEN ISLAM GEBEN, DIE NICHT DUMM IST?» bringt seine Krtitik an der Blödgesichtigkeit jener peinlicherweise auch von Vertretern gebildeter Klassen stereotyp vorgebrachter Beschimpfungen des Islam zielsicher auf den Punkt. Hier teilen wir alle die Begeisterung Bigbertas - as-salamu alaikum, Dr. Maryam! - für diesen Artikel, jedenfalls auf den ersten Blick.
Auf den zweiten indes zeigt Farish Ahmad Noor in ihm eine eklatante Schwäche dort, wo er, fast möchte man sagen, par malheur, sein eigenes Islam-Verständnis offenbart. Denn zwar ist es wahr, daß es falsch ist, zu behaupten, der Islam sei eine «faschistische, Frauenhassende, Christentötende, Homosexuelle beschimpfende, männliche-macho Hass-Ideologie, die seit 14 Jahrhunderten auf Eroberungen, Blutvergießen, Mord und Vergewaltigung basiert.», aber nicht deshalb weil «Muslime in der Welt heute Geiseln ihrer Geschichte» wären und «das Emporkommen des konservativen, fundamentalistischen, sektiererischen und gewaltsamen Islams» während des Kalten Krieges von westlichen Staaten unterstützt» worden war, sondern weil eine solche historisierende Sichtweise ea ipsa den Islam als solchen gar nicht trifft und treffen kann.
Sieht man einmal genauer zu, so wird deutlich, daß Bruder Farish die Kritik am Islam als einem beispielsweise konservativen Unternehmen nicht dadurch widerlegt, daß er das Schema der historischen Sichweise an sich als unangemessen zurückweist, sondern dadurch, daß er die Entstehung eines konservativen Islam als den Zeitumständen geschuldet und durch westliche Einflüsse mitverursacht, wenn nicht zu entschuldigen, so doch zu erklären versucht.
Um es ganz deutlich zu sagen: Die abendländische Sichtweise des Historischen, beispielsweise im Schema der Abfolge von Antike, Mittelalter, Neuzeit, Moderne und Post-Moderne, erweist sich dem Islam gegenüber als unangemessen. Denn der Islam kennt nur den prinzipiellen Unterschied zwischen der Zeit der Ignoranz (jahiliyya) und der Zeit des Islam. Heute scheinen wir in der Zeit einer zweiten Auflage der Ignoranz zu leben, da die ganze Welt - das gilt auch für die muslimischen Staaten - egomanisch dem Mammon nachjagt vor allem an der Welt und ihren Verlockungen interessiert ist, aber nicht am Jenseits und der Ewigkeit.
Der Islam selbst aber ist seinem inneren Selbstverständnis nach nicht von Menschen gemacht, sondern vom Herrn der Welten der Menschheit als kostbarstes durch die Propheten und zuletzt durch Sayyidina Muhammad - Allah schicke Segen auf ihn und seine Leute und Frieden - vermitteltes Vermächtnis übereignet worden. Islam ist als himmlisch verursachtes Heilsmittel so verstanden den empirischen Bedingungen nicht unterworfen, wenn auch die Offenbarungen immer wieder, barmherzigerweise, auch Antworten zu aktuellen Fragen der Gemeinde Muhammads gewesen waren, auf dem und dessen Leuten Segen und Frieden seien.
Islam ist als göttliches Geschenk absolut perfekt, von, möchte man sagen, überirdischer Perfektion. Wer da kommt, den Islam zu verbessern, kann nur einer sein, der den Nutzen, ja die umwerfende Schönheit dieses Geschenks nicht zu schätzen gelernt hat.
So verführerisch, liebe Dr. Mariyam, es für alle sich als `modern´ oder `progressiv´ oder `links´ oder `grün´ oder `rot´ oder `rosa´ verstehenden Anti-Mainstreamler ist, sich den Islam als modern oder progressiv vorzustellen oder zu wünschen, so wichtig ist es, sich klarzumachen, daß das nicht gutgehen kann. Aber nicht weil der Islam unmodern oder unprogressiv usw. wäre, sondern weil er als höchst ehrenwertes Geschenk des Herrn der Universen diesem Schema nicht unterworfen ist. Dies bedeutet, daß auch die Scharia als ein wesentliches Stück dieses Geschenkes nicht zur Diskussion stehen kann.
Und um ein mehrfach von Farish Ahmad Noor bemühtes Beispiel aufzugreifen: Homosexualität ist etwas, das im Islam wie schon zur Zeit des Propheten Moses - der Friede sei auf ihm - als absolut schwerwiegender Verstoß gegen Göttliches Recht gilt. Und auch wenn manchem Progressiven die Kinnlade heruntergehen mag, so gilt, daß es nach Islamischem Recht überraschenderweise tatsächlich Dinge gibt, die verboten sind. Ja, es sieht fast so aus, als sei in einer Zeit des `anything goes´ und der Vergraduierung alles Strikten in ein 'mehr oder weniger' der Islam die einzige Instanz von Klarheit, die einzige Instanz von Wüde und Ehre, da alle anderen Instanzen von Recht und Gerechtigkeit und der Moral sich aufgelöst haben oder dabei sind, sich aufzulösen.
Und wer sich sogleich gegen etwas aufgebracht fühlt, das er noch nie verstanden hatte, wer sogleich gegen Scharia und die abgehackte Hand des Diebes wettern möchte, wird sich sagen lassen müssen, daß der Islam eben noch eine dem Zeitgeist nachhaltig widersprechende Einrichtung isofern ist, als er das Diesseits nur für eine Übergangszeit der Prüfungen und des Trainings für das ansieht, was ihm als Ewigkeit folgen möchte. Mein Soulbrother Sheikh Fariduddin aus dem Schwarzwald - möge Allah seine Seele heiligen - hat einmal in Sachen abgehackter Hand erklärt: «Was wollt ihr denn, o Leute, die abgehackte Hand ist schon im Paradies, da kommt es dann nur darauf an, daß der zu ihr gehörige Bursche ihr auch noch folgt!»
Auf einem Klassentreffen ich weiß nicht wieviele Dezenien nach dem Abitur am Quirinus-Gymnasium in Neuß am Rhein fragte mich ein inzwischen zum Rechtsprofessor aufgestiegener Klassenkamerad: «Sag mal, Erich (so hieß ich damals), was hältst du eigentlich von der Scharia?» - Meine Antwort hatte nur lauten können: «Wenn Scharia das Göttliche Gesetz ist, kann die Frage nicht sein, was ich von ihr halten möchte, sondern nur, ob ich bereit bin, mich an sie zu halten oder nicht.» Sofern eine Diskussion des Islam eine Diskussion des Göttlichen Gesetzes sein soll, erhielte die rhetorische Frage im Titel des Beitrages von Farish Ahmad Noor einen neuen Sinn und gutes Recht.
Islam aber ist nicht der Ort eines Spiels der Moden, Stimmungen, Launen. Islam fordert einen dem Zeitgeist völlig zuwiderlaufenden Ernst, einen heiligen Ernst der eigenen Existenz auf diesem Planeten gegenüber. Und gerade wenn es wahr ist, daß die Welt heute von geistesgestörten Wichsern regiert, besessen und bestimmt wird, können wir schwachen Muslime und alle Menschen guten Willens Hoffnung schöpfen: Denn noch nie war es so leicht, zu den Guten gezählt zu werden, wie jetzt. Wir geben uns nur ein kleines bißchen Mühe, und schwups gehören wir zu den Guten.
Richtig verstandener Islam ist voller Barmherzigkeit und himmlisch verbürgte Grundlage umwerfendem Glück im Diesseits und im Jenseits. Wer sich selbst als das erkennt, wozu er erschaffen wurde, als Diener des Höchsten und dessen Khalif auf Erden, der erkennt seinen Herrn. Wer versucht, Ihm gemäß geschöpflicher Bestimmung zu dienen, findet Schutz und Sicherheit, Glück und unbeschreibliche Geschenke aus uferlosen Meeren göttlichen Erbarmens, und er findet es im Diesseits und im Jenseits. Wer dem Weg des Siegels der Propheten folgt - Segen und Friede auf ihm und seinen Leuten -, des in der Göttlichen Gegenwart Meistgeliebten, Meistgeehrten, Meistgesegneten, steht eben schon im Diesseits unter höchstem Schutz. Jedes ihn umgebende Wesen, ja jedes Atom, das ihn umgib, erhält den Befehl des Herrn der Welten: «Achte auf diesen, schütze ihn, segne ihn, denn er ist einer Meiner Diener!» Wer aber seinem Ego und der Welt folgt, findet schon in dieser Welt kein ruhiges Plätzchen, er wird überall befeindet und von jedem Hund gebissen.
So bitten wir jetzt zur Zeit des Heiligen Ramadan unseren Herrn: «O Allâh, Du hast uns in die Existenz gebracht und erhältst uns darin, liebst uns und siehst nach uns. Du hast Deinen Propheten der Barmherzigkeit - der Friede auf ihm - sagen lassen "Die Menschen schlafen, wenn sie sterben, erwachen sie." - Wir bitten Dich, laß uns schon vorher aufwachen und die Schöpfung und unsere eigene Bestimmung erkennen und unser Glück darin suchen, Deine Diener zu sein!»
QUELLE: http://www.islampress.de/2008/9/10/warum-islam-nie-modern-sein-kann
Lieber Herr Spohr, die Schari'a ist kein göttliches Gesetz, sondern die Summe der Vorschriften, die Rechtsgelehrte im 8. und 9. Jahrhundert n.u.Z. auf der Basis verschiedener Quellen (Koran, Hadithen, Idschma und Qiyas) zusammengestellt haben. Das kann man übrigens sehr schön an dem von Ihnen immer wieder bemühten Beispiel der "Homosexualität" zeigen (übrigens ein ziemlich modernistischer Begriff, den Sie da benutzen, nicht wahr? Er stammt aus der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts und ist der islamischen Rechtswissenschaft völlig unbekannt!).
Im Koran selbst suchen Sie vergeblich nach einer Strafvorschrift für zwischenmännlichen Analverkehr (liwat), und die Hadithen sind in ihrer Überlieferung nicht nur äußerst unzuverlässig, sondern, wie die Tradition offen zugibt, zum größten Teil auch frei erfunden, um für irgendwelche Positionen nachträglichen Rechtfertigungen zu schaffen. Bereits im 10. Jahrhundert schrieb Ibn Hazm daher über die Diskussion zur Bestrafung von liwat: "All dies haben sie gefälscht. Nichts davon ist richtig. [...] Und durch all dieses haben sie Uneinigkeit geschaffen."
Für die Hanafiten (die Mehrheitsschule des sunnitischen Islam), genau wie für die Zahiriten, denen Ibn Hazm anhing, stammte das Verbot von "liwat" (Analverkehr) daher auch nicht aus göttlicher Offenbarung, sondern aus menschlicher Überlegung. Sie sahen folglich dafür auch nicht hadd (d.h. eine Gottesstrafe), sondern ta'zir (eine Ermessensstrafe) vor, die von einer diskreten Ermahnung bis zu 39 Hieben (einem weniger als für Weintrinken) reichen konnte. Die Zahiriten begrenzten die Strafe sogar auf 10 Hiebe.
Auch die anderen Rechtsschulen differieren ganz erheblich, was die von ihnen ausgedachten Srafe für "liwat" angeht, was ich hier aber des Platzes halber nicht ausführen möchte. Insofern ist es ein Hohn, dass Sie von einem "göttlichen Gesetz" sprechen, während es sich in Wirklichkeit um die Konstruktion von Rechtsgelehrten handelt. Aber das zeigt eben ihren fundamentalistischen Anspruch, sich der rationalen Diskussion über dieses Thema zu entziehen, indem sie sich auf göttliche Offenbarung berufen, und das sogar noch dort, wo sogar die fiqh (islamische Rechtswissenschaft) in sich völlig zerstritten war.
Wenn es sich um eine Strafe auf der Basis menschlicher Vernunft handelt, wie die Hanafiten als Mehrheitsschule gestehen, dann ist sie auch jederzeit revidierbar, zumal wenn sie sich mit heutigem Wissen als irrational und mit heutigen ethischen Maßstäben als barbarisch erweist. Sie sollten daher endlich aufhören, sich in dieser Frage auf Ihre göttliche Eingebung zurückzuziehen und mit dieser zerstörend in das Leben anderer Menschen einzugreifen!
"Und Sie können sich, lieber Lysis, ja ausdenken, was Sie wollen, die göttliche Ordnung verändern Sie dadurch nicht."
Da es keinen Gott gibt, dem ich mich unterwerfen müsste, stellt sich diese Frage für mich überhaupt nicht. Ich habe immanent in Ihrem Glauben argumentiert und Sie darauf hingewiesen, dass die Hanafiten das Verbot von liwat nicht aus der göttlichen Ordnung, sondern aus der menschlichen Vernunft begründeten. Dieses Verbot stammte für sie nicht aus der Offenbarung, da im Koran keinerlei Strafvorschrift für mannmännlichen Sex zu finden ist. Es ist etwas anderes, ob der Koran etwas missbilligt oder ob er es verbietet. Auch die Tatsache, dass sich die rechtgeleiteten Kalifen in ihrer Bestrafungspraxis widersprachen, war für sie ein schlagender Beweis, dass es keine diesbezügliche Offenbarung gibt und dass die Hadithen eine nachträgliche Fälschung darstellen.
Selbst wenn es aber so wäre, wie Sie sagen, kann kein aufklärter Mensch bezweifeln, dass auch der Koran nicht die Schöpfung eines Gottes, sondern die Sammlung der Ideen eines Menschen ist. Gäbe es sonst mekkanische und medinesische Verse, die sich in ihrer Tendenz teilweise direkt widersprechen?
Genau das vertraten auch schon die Mutaziliten, die die Vernunft ins Zentrum ihres Gottesverständnisses stellten und die These von der Unerschaffenheit des Koran für kurze Zeit sogar als Häresie verfolgen ließen, weil sie in der Idolisierung eines menschengeschaffenen Buches einen Ausdruck von Polytheismus sahen.
Davon einmal abgesehen, können Sie Ihren Glauben gerne leben, wie Sie wollen. Sobald Sie aber andere, die weder Ihren Gottesglauben noch Ihr Verständnis des Islam teilen, dazu erpressen wollen, sich Ihren irrationalen Vorschriften zu fügen, müssen Sie sich damit abfinden, sich die unerbittliche Feindschaft dieser Leute zuzuziehen. Das ist dann keine Islamophobie, über die man sich beklagen könnte, sondern berechtigte politische Gegenwehr.
PS: Wollen Sie meinen anderen Kommentar denn nicht freischalten?
Man müsste von daher eigentlich von einer massiven Begünstigung gleichgeschlechtlicher Sexualität durch die Hanafiten sprechen - die dominante Rechtsschule der Sunniten -, einmal davon abgesehen, dass die Praxis der Verschleierung und Geschlechtertrennung zusätzlich dazu beitrug, dass gleichgeschlechtlicher Sex in islamischen Ländern, weit davon entfernt, eine periphere Erscheinung zu sein, vielmehr eine Form der "Dominanzsexualität" war - wie Arno Schmitt sehr richtig bemerkt.
Die Geschlechtertrennung im Islam war der Ausbreitung von "Homosexualität" ausgesprochen förderlich, und schon von daher ist die Heuchelei von Salim Spohr belustigend, der sich aus dem Koran eine homophobe Weltanschauung zusammenschustert. Der Historiker Dror Ze'evi weist in seinem Buch "Producing Desire" denn auch nach, dass gleichgeschlechtliche Liebe im Osmanischen Reich als weit weniger anstößig galt denn offen "heterosexuelles" Begehren. Und wird nur wenige Kleriker der islamischen Geistesgeschichte finden, die sich nicht an dem literarischen Genre der "Liebesdichtung an junge Männer" (ghazal al-mudakkar) beteiligten.
http://korrektheiten.wordpress.com/
Gruß
Albert
"Wo immer muslimische auf nichtmuslimische Gesellschaften treffen, sorgt bereits dieses Werte- und Normensystem dafür, dass der Islam zu deren Unterwerfung, Zersetzung und Vernichtung tendiert."
Wo der Autor so sehr auf unbewusste Traditionslinien setzt, kann ich ihm den Vorwurf nicht ersparen, dass in seinem Denken und seiner Sprache der deutsche Faschismus noch immer fröhliche Urständ feiert. Die These, dass "unsere Gesellschaft" durch die Anwesenheit von Menschen "fremder Religion", egal wie säkularisiert sie seien, normativ "zersetzt" wird, ist eine Idee, die geradezu naziwürdig ist.
Nicht einmal konsequente Assimiliation und Religionsverzicht genügt dem Autor, um Muslime unschädlich zu machen, weil sie ja auch als Säkularisierte noch immer die "fremden" Normen in sich trügen, die unsere Gesellschaft von innen heraus untergrüben.
Ja, das sind Vorwürfe, die aus einem NS-Lehrbuch über die Juden stammen könnten. Da galten selbst noch der Atheist Karl Marx als jüdischer Bazillus, der unsere Gesellschaft zerfrisst, weil ein "Jude" nun einmal nicht von seiner Denkart lassen könne.
Herzliche Grüße Wolfgang
Ich wusste garnicht, dass ich hier in eine Runde von "blogs Versenken" geraten bin. ;)
@lysis
Deine Argumentation kann ich gerade nicht nachvollziehen. Zumal der Autor sich große Mühe gegeben hat, sein Ansichten nachzuweisen und zu begründen, deswegen lese ich den blog auch gern. Wenn du gerade keine Zeit und Lust hast, dich mit dem blogzu beschäftigen ist, das dein gutes Recht, aber einfach irgendwas aus dem Kontext gerissenes hier als Beleg dafür zu präsentieren, dass man da nicht weiter lesen braucht, ist für mich einfach nur noch schlechter Stil.
Vielleicht hättest du den Beitrag einfach mal weiter lesen sollen. ;)
http://korrektheiten.wordpress.com/2008/09/01/ein-aufschlussreiches-interview/
Dort heißt es etwas weiter unten:
"Ich würde Assimilation vorziehen, und ich glaube, dass ich dabei immer noch die Mehrheit der islamkritischen Szene auf meiner Seite habe."
Zum NS hat er übrigens auch was geschrieben. Fand ich sehr interessant, da ich das besprochene Buch selbst auch im Bücherregal stehen habe, und das auf so einem blog (also kein Antifa- oder linker blog ;) ) nicht erwartet hätte.
http://korrektheiten.wordpress.com/2008/08/07/harald-welzer-opa-war-kein-nazi/
http://korrektheiten.wordpress.com/2008/08/22/deutsche-und-nazis/
Ich will damit nicht sagen, dass man alles unkritisch schlucken muss, was der Autor von sich gibt, und man muss es auch nicht lesen, aber mir hat es schon Erkenntnisgewinn gebracht.
Gruß
Albert
Dem ist auch nicht mit besten Argumenten beizukommen.
Motiviert durch Eigenliebe und blindem Hass beobachtet er sein Umfeld mit Argusaugen, aufdass wehe wenn er einen Fehler entdeckt, er lautstark triumphiert und sogleich mit dem Knüppel in der Hand bereit ist loszudreschen, sobald er Gleichgesinnte zur Verstärkung findet.
Das wahre Problem liegt in ihm selbst und Frieden findet er nur, wenn er dieses Problem beseitigt.
Wenn unser Herrgott uns Menschen durch sämtliche Religionen sagen läßt, das Homosexualität IHM ein Gräuel ist, dann ist das so.
Das ist im wesentlichen in Deutschland ein Fehler der Kirchen.
Unsere Bischöfe und unsere Pastoren haben uns erzogen, abfällig über den Islam zu denken. Sie haben uns überhaupt dazu erzogen abfällig über andere Religionen zu denken.
Unter Kindern war es daher früher üblich, bei einer Auseinandersetzung mit anderen Kindern die Religionszugehörigkeit des anderen als "Schimpfwort" zu benutzen."Du bist ja Katholisch!" Das war etwas negatives, eben so anerzogen.
Wir sogenannten Protestanten fühlten uns erhaben über Katholiken.
Unsere Pastoren, unsere Priester, unsere Bischöfe, aber auch auf islamischer Seite- beide Seiten haben Schuld daran, dass wir keine Toleranz gelernt haben gegenüber anderen Religionen.Deshalb ist die Gefahr heute größer als damals, das unterdrückte Parteien eben aus einer gewissen Unkenntnis heraus, sich nur noch zu verteidigen wissen, indem sie zu brutalsten Mitteln greifen, weil sie die andere Seite, als den Satan identifizieren. Das gilt für jede Seite gleichermaßen und ist vom Satan so gewollt. Wer nicht die Stärke und den Mut aufbringt dem zu widerstehen, der kann auch nicht mit Gottes Schutz und Segen rechnen.Gemeinsame Verständigung ist dringend notwendig und man wird überrascht sein, wie viele neue Freunde man findet.
Lieber Herr «Lysis».
1. Ihre Grundthese, die Schari'a sei kein göttliches Gesetz, ist falsch.
Allah sagt im Qur’an: «Für jeden von euch haben WIR eine Schari'a und eine Lebensweise bestimmt» (5:48) und «ER hat euch von der Religion verordnet [schara'a], was ER Nuh aufgetragen hat, und was WIR dir offenbart haben, und was WIR Ibrahim, Musa und Isa aufgetragen haben: Haltet die Bestimmungen der Religion ein!»(42:13)
Allah hat die Schari'a bestimmt. Sie aber verwenden das Wort gemäß uneigentlichem Sprachgebrauch in übertragener Bedeutung allgemein als Synonym für «islamisches Recht», da das Wort eigentlich und ursprünglich aber die von Gott gesetzte Ordnung meint.
Die Rechtswissenschaften, welche sich mit der Interpretation und Anwendung dieses göttlichen Gesetzes beschäftigen, wurden - das ist ein weiterer Fehler - nicht erst im 8. Jahrhundert eingeführt, wie Sie fälschlich behaupten, sondern von der Zeit des Propheten an - Allah segne ihn und schenke ihm Frieden -, zuerst von ihm selbst und dann von den darin spezialisierten Gefährten und deren Nachfolgern usw. praktiziert. Daraus entwickelten sich dann im 8.-9. Jahrhundert die Rechtsschulen.
Natürlich waren Menschen im Rahmen von Rechtsprechung an der Anwendung himmlischer Regeln beteiligt, dennoch wäre die Schari´a auch im Sinne einer historisch gewachsenen normativen Ordnung mißverstanden, keine bloß menschliche Erfindung, wie sie uns glauben machen wollen, die «jederzeit revidierbar» wäre, sondern, auch so verstanden, in ihren Grundlagen übermenschlich, göttlich und insofern unantastbar.
Wenn Sie schreiben, Schari´a sei kein göttliches Gesetz, sondern nur «die Summe der Vorschriften, die Rechtsgelehrte im 8. und 9. Jahrhundert n.u.Z. auf der Basis verschiedener Quellen (Koran, Hadithen, Idschma und Qiyas) zusammengestellt» hätten, dann ist das falsch bzw. irreführend. Denn bedeutet «Ijma» den Konsens beispielsweise der rechtgeleiteten Khalifen untereinander oder der Rechtsgelehrten bestimmter Städte oder auch innerhalb einer Rechtsschule, und bedeutet «Qiyas» von seiner Grundbedeutung des Messens, Abwägens her die Übertragung von Regeln auf neue, bislang unbekannte Fälle, so sind beide zwar Momente der Rechtsfindung und insofern «Quellen» der Rechtsprechung, doch sind sie dies in einem ganz anderen Sinn, als Koran und Sunnah es sind.
Macht man sich einmal klar, daß Koran und Sunnah die Grundlagen des Rechts bedeuten, Ijma und Qiyas aber deren Anwendung betreffen und jenen ersten beiden sachlich und logisch nach- und untergeordnet sind, dann erscheint es - auch wenn, abgesehen von westlich-islamwissenschaftlichen Einführungen ins Fach, in jedem Wikipediaartikel zum Thema so gesprochen wird - als grob irreführend, sie nebeneinander als «Quellen» aufzuführen, weil das den Eindruck erweckt, sie wären gleichberechtigt und desselben Ranges. Es ist wichtig, zu verstehen, daß allein die ersten beiden, nämlich Koran und Sunnah die eigentlichen Quellen, die zweiten aber Methoden sind, die ja gerade den menschlichen Anteil der Rechtsprechung zum Ausdruck bringen, während jene ersten beiden aber den göttlichen Ursprung der himmlichen Ordnung belegen. Ich wundere mich, nebenbei bemerkt, schon darüber, daß Sie einerseits Qiyas als eine Quelle des Rechts angeben, zugleich sich aber aber auf die Position `Ali ibn Ahmad ibn Sa`id ibn Hazms berufen, der in extremer Weise jede Art von Analogie (qiyas) oder Nachahmung (taqlid) oder überhaupt legislativer Meinung (ra´y) als außerhalb des Rahmens des Islams liegend erklärt hatte.
Sie ziehen sich von überall her irgendwas raus, um am Schluß dazu zu kommen, daß homosexuelle Praxis eigentlich doch nichts Verbotenes im Islam sei oder schlimmstenfalls so etwas wie eine Ordnungswidrigkeit.
2."Im Koran selbst suchen Sie vergeblich nach einer Strafvorschrift für zwischenmännlichen Analverkehr"
Dies ist der altbekannte Trick: "Was nicht im Qur’an steht, ist keine verbindliche Vorschrift". Sie folgen genau jener «*Der-Koran-alleine-ist-genug-Lüge*», die der englische Geheimdienst einst als intrigante Losung mit dem Ziel propagiert hatte, den Islam zu schwächen. Denn ohne die Sunnah des lebendigen Beispiels des Propheten - Allah schick Segen auf ihn und seine Leute und Frieden - wäre der Islam ohne Kraft, ohne Herz, halbtot und leicht zu besiegen gewesen.
Daß sie nicht im Koran stehen, das gilt auch für viele andere Rechtsbestimmungen, die der Prophet - Allah segne ihn und schenke ihm Frieden - festgelegt hat, weshalb Allah sagt: «Und wer dem Gesandten folgt, der folgt in der Tat Allah.» Um die Bedeutung der Sunnah für die Schari´a und überhaupt den Islam zu verstehen, siehe *DIE SUNNA*. Ohne diese Bestimmungen durch den Propheten - Allah segne ihn und schenke ihm Frieden - wüßten wir weder, wie wir beten sollen, noch wieviel Zakat auf was zu zählen ist, noch die Strafen für bestimmte Verbrechen und Vergehen. Die Verabscheunswüdigkeit dessen, was "das Volk des Lut tat" kommt allerdings im Qur’an mehrfach sehr deutlich zur Sprache (s. u.), was für einen Gläubigen ausreichen sollte!
3. Es ist falsch, zu sagen: «Die Hadithen sind in ihrer Überlieferung nicht nur äußerst unzuverlässig, sondern, wie die Tradition offen zugibt, zum größten Teil auch frei erfunden, um für irgendwelche Positionen nachträgliche rechtfertigungen zu schaffen»
Wie so oft redet hier einer über Hadithe, der offensichtlich nicht die geringste Ahnung hat, wovon er spricht! Habe Sie je gehört, daß eine Tradition sich selbst für unzuverlässig erklärt? Die Hadithe zu dem Thema sind eindeutig; manche schwächer, manche stärker, aus ihrer Gesamtheit wird deutlich, daß Allah und Sein Prophet - Allah segne ihn und schenke ihm Frieden - diejenigen, die «das tun was das Volk des Lut tat», verfluchen; und mehrer Berichte überliefern, daß der Prophet befahl, sowohl den aktiven als auch den passiven Partner, die sich bei so etwas sehen lassen, zu töten (Überliefert u.a. von al-Tirmidhi und Ahmad). Und dies war die Auffassung einer Reihe der qualifizierten Prophetengefährten und rechtschaffenen Altvorderen. Dies findet sich z.B. in al-Tirmidhis Sunan unter dem Titel: "Vom Gesandten Allahs festgelegte Strafen; Was über die Strafe dessen berichtet wird, "der das tun, was das Volk des Lut tat" [الحدود عن رسول الله] [ما جاء في حد اللوطي] Interessant ist: «Der Gesadte Allahs (ass) hat gesagt: Was ich am meisten um meine Umma fürchte, das sie die Schandtaten des Volkes von Lot machen. (Tirmidhi, Ibn Madja und Albani)» - Und der Prophet läßt keinen Zweifel an der Verabscheuungswürdigkeit der Sache: «Der Gesadte Allahs (ass) sagte: Verflucht ist derjenige der das macht, was das Volk von Lot gemacht haben. (Ahmad)»
Allerdings gab es unter den Prophetengefährten und den Gelehrten der ersten Generationen unterschiedliche Ansichten hinsichtlich der Ausführung: Verbrennen (nach einer von Abu Bakr überlieferten Ansicht), Steinigung (Malik u. al-Schafi'i nach einer von Sayyidina 'Ali überlieferten Ansicht), die «Strafe desjenigen, der Unzucht/Ehebruch begeht» (Hasan al-Basri, Ibrahim al-Nakha'i, Sufyan al-Thauri u.a. der ersten Nachfolgegeneration), oder vom Minarett werfen. Nach der Rechtsschule Abu Hanifas liegt in der Tat die Festsetzung der Strafe im Ermessen des Richters. In allen vier Rechtsschulen ist das, "was das Volk des Lut tat" eine strafwürdige Sünde; die Art und Form der Ausführung der Bestrafung unterscheiden sich. Ibn Hazms angebliche exotische Ansichten sind hierzu, wie zu vielen anderen Themen, vollkommen bedeutungslos.
Und Sie können sich, lieber Lysis, ja ausdenken, was Sie wollen, die göttliche Ordnung verändern Sie dadurch nicht.
Daß liwat als ein Verstoß gegen Göttliche Ordung zu betrachten ist, das ist doch der entscheidende Punkt, auf den Sie aber gar nicht eingehen. So verfehlen Sie wie zuvor schon Big Berta recht eigentlich das Thema im Sinne einer bloß atmosphärischen Entgegensetzung. Ich verweise hier auf den Islam Press Artikel Wie «Homophobie» etwas Gutes sein kann, der sich damit genauer auseinandersetzt.
Thema war und ist nicht, daß Leute so und so schwer bestraft werden sollen, sondern daß, ganz gleich, was die PR-Maschinerie schwuler Interessensvertretung auch propagieren mag, ganz gleich, was die Verbrüderung aller Anti-Mainstreamler und aller Minderheiten auch als schön und gut und wahr erscheinen lassen möchte, die Sache als ein Verstoß gegen die göttliche Ordnung zu betrachten ist, nicht mehr und nicht weniger.
Ihre Interpretationen aber nichts anderes als klägliche Versuche, die Perversion zu rechtfertigen, hoffähig zu machen und zu propagieren, indem Sie die Quellen entsprechend der eigenen fehlgeleiteten Ansicht verdrehen.
Sie wollen, anders gesagt, das ganze so weit suggestiv herunterwurschteln, daß am Schluß herauskommt, daß die leidige Sache etwas ganz Normales ist. Das war genau die Haltung des Volkes von Lot.
Wenn Sie schreiben, ich sollte nicht zerstörend in das Leben anderer Menschen eingreifen, dann frage ich, wodurch sollte ich das tun können? Etwa dadurch daß ich einem, der gegen die göttliche Ordnung verstößt, ein Lob vorenthalte, daß ich ihm eben nicht im Sinne eines pervertierten Zeitgeistes erkläre: «Das hast du aber gut gemacht, mein Junge, und es ist alles nicht so schlimm. Und wenn du gegen die göttliche Ordnung verstößt, macht das nichts.»? - Ja, Leute wie Sie scheinen erst zufrieden zu sein, wenn der Mist, den sie machen, auch noch gutgeheißen, öffentlich beklatscht und erklär wird: «Leute, ihr solltet eigentlich alle schwul sein. Das ist das neue freie Leben. anything goes,»
Das war haargenau die Position des Volkes von Lot. Niemand kann sagen, was die damals gemacht haben, wäre in heiligen Büchern nicht als Übertretung gerügt und als auf das Strengste bestraft deutlich beschrieben worden.
4. Wie jene Schändlichkeit im Koran beurteilt wird
Im Heiligen Koran wird das Volk Lots - der Friede sei auf ihm - mehrfach erwähnt und das, was es tat, beispielsweise als «al-fahischah» [Koran 27:54: ], auf deutsch als «Abscheuliches» [vgl. Bubenheim-Eliyas-Koranausgabe] oder «Schändlichkeit» [Lazarus Goldschmidt] oder gemäß der Bedeutung des zugrundeliegenden Verbs «fahuscha» [«ungeheuerlich sein, maßlos sein, abscheulich, unzüchtig, unanständig, schamlos sein»] als «Ungeheuerlichkeit» gebrandmarkt und und auf das Heftigste gerügt. Der Artikel «al-» vor dem Substantiv «-fahischah» ist ein zusätzliches Indiz dafür, daß es sich bei der Sache nicht um eine beliebige Sünde, sondern eine gravierende Untat handelt.
Und wenn Sie sagen, diese «Schändlichkeit» sei im Koran aber nirgendwo als in bestimmter Weise strafbewehrt beschrieben worden, dann ist das zwar wahr, doch sehen Sie dabei geflissentlich über all die Stellen hinweg, wo die Strafe selbst geschildert und gezeigt wird, wie das Volk von Lot denn damals tatsächlich bestraft worden war. Es hat keinen Sinn, sich daran zu klammern, daß nirgenwo steht, jemand, der das tut, solle so und so bestraft werden, wenn diese Strafe in vielfacher Weise unmittelbar vorgeführt wird. Sehen Sie doch hin! - Der ganze Sündepfuhl wurde in himmlischem Zorn mit einem Schlag ausgelöscht, ein Steinsturm, ein himmlischer Schrei, durch Wasser oder, wie es in Sure 57 heißt: «74. Und Wir kehrten das Oberste zuunterst, und Wir ließen auf sie Backsteine niederregnen. 75. Fürwahr, hierin sind Zeichen für die Einsichtigen.»
In einer Überlieferung wird beschrieben, daß ein Engel die ganze Stadt so weit hochgehoben hat, daß die Engel im unteren Himmel die Hunde hatten bellen hören, und er dann, das Obere nach unten gekehrt, auf die Erde geknallt hat, wie man es mit einer Torte machen kann. Und die vielfache Weise, wie diese Auslöschung beschrieben wird, gilt selbst schon ein Zeichen des Gewichts der damit bestraften Untat.
5. «Homophobie», das neue schwuchteligen Stereotyp
Und da haben Sie die Chuzpe, sich hinzustellen und all die, die dem bei Moses ja so beschriebenem «Greuel» ablehnend gegenüberstehen, unter Nutzung Ihres neuen schwuchteligen Stereotyps als «homophob» anzuwichsen!
Und am 3. Oktober wollen Sie mit dem Hodscha einer DITIB-Moschee in Berlin - vgl. den Islam Press Artikel Wie «Homophobie» etwas Gutes sein kann - darüber »diskutieren, wie man gemeinsam gegen «Homophobie» vorgehen» könne?! Ich glaube, Sie ticken einfach nicht ganz richtig.
Meine Empfehlung an Sie und Ihre Gesinnungsgenossen lautet, sich einfach zurückzuhalten, aber nicht auch noch so weit aus dem Fenster zu lehnen. Und glauben Sie nicht, Sie müßten von der Mehrheit oder Teilen des Anti-Mainstreams nur deshalb unterstützt werden, weil Sie eine Minderheit sind. Andererseits könnte die Frechheit, mit der Sie für den Mist werden, vielleicht ja ein Zeichen dessen sein, daß wir bald in Europa Zustände haben werden vergleichbar denen, die zur Zeit des Volkes von Lot herrschten. Warten wir es ab. Vielleicht wird ja eines Tages erneut himmlischer Zorn das ganze in Staub und Asche zerlegen.
Muslime jedenfalls sollten sich der von Ihnen propagierten «Schändlichkeit» gegenüber zurückhalten, sie ablehnen oder auch fürchten.
Ihr zum Islam Press- Artikel Wie «Homophobie» etwas Gutes sein kann geschriebenen Kommentar sollten Sie noch freigeschaltet bekommen, der darin absolut unhaltbaren Behauptungen, auch dem Propheten gegenüber - Friede und Segen seien auf ihm -, wegen aber nur in unmittelbarer kommentierter Form.
Auf Ihren letzten Kommentar hab ich hier schon geantwortet.
Ich denke, es gibt zwischen uns nichts weiter zu besprechen. Wenn Sie politisch etwas zu bestimmen hätten, wären Sie mein Erzfeind. So halte ich Sie nur für einen bedauernswerten Fundamentalisten, der nicht sehen will, dass die Zeiten seines "göttlichen Gesetzes" abgelaufen sind, und der noch immer versucht, anderen auf der Basis seines theozentrischen Weltbilds irgendwelche Vorschriften zu machen.
Gott gibt es nicht, der Koran ist menschengemacht, und die Hadithen zu 99% eine Fälschung. Das mag schmerzhaft sein, aber widerlegen Sie das erst mal! Bis dahin grüßt Sie Ihr Lysis.
Das betrifft die verschiedensten Bereiche, die Kurven zeigen alle steil nach oben.
Wenn das Maß der Sunde überlaüft, haben wir unser Lot, Soddom und Gomorra.
Wohl dem, der sich zurückhält und Verständnis für die geistig Armen zeigt,auch wenn sie die vebliebene Zeit nicht zur Umkehr nutzen, sondern sich durch Begründung eigener Moralvorstellungen, sich bis zuletzt um Kopf und Kragen redet.
Meinen Sie, es macht mir Spaß, mich mit diesem eher ekligen Thema und das gerade zur Zeit der letzten Tage des heiligen Monats Ramadan überhaupt zu beschäftigen? Es ist mir - auch durch eine Übereifrigkeit unserer eigenen Leute - gewissermaßen aufgezwungen worden. Andererseits finde ich es doch sogar eher erheiternd, wenn diese(r) Lysis in seinem (ihrem) letzten Beitrag versucht, den heiligen Propheten, auf dem der Friede sei, mit Berufung auf angebliche Hadithe zu seinesgleichen zu machen, im selben Atemzug aber erklärt, Hadithe wären zu 99% eine Fälschung. Beides zugleich geht ja nun mal nicht. Und ich finde es insoweit schon erfrischend, daß diese Leute nicht etwa bloß dem himmlischen Gesetz oder dem, was einer wie ich mal geschrieben hat, sondern zuallererst einmal sich schlicht selbst widersprechen. - Preis sei dem Herrn der Welten und Seinem umwerfenden Humor!
http://religion.orf.at/projekt03/news/0803/ne080312_tuerkei.htm
Das heißt für mich, von ihren menschlichen Beifügungen befreit. Du dürftest selber wissen, wie viele Unfug da als hadith in Umlauf ist. Und Scharia ist sicherlich keine Checkliste à la "erlaubtes und verbotenes", die man abarbeiten kann und dann ist man auf der sicheren Seite. Ich halte es da lieber mit Rabia Basri, die Feuer ans Paradies legen wollte und die Hölle löschen, damit die Menschen sich nicht mehr von Angst vor Strafe/Hoffnung auf Belohnung leiten lassen, sondern einzig von der Liebe zu Gott. Und die gebietet mir auch, Seine Ebenbilder anzunehmen, wie Er sie geschaffen hat: hetero- oder homosexuell.
Lieber Salim S.,
dass die islamische Rechtswissenschaft Analverkehr erlaube, habe ich nun tatsächlich nie behauptet. Allerdings ging sie, anders als Sie, nicht davon aus, dass gleichgeschlechtliches Begehren deshalb "unnatürlich" sei. Ein vielzitierter Hadith schreibt sogar Mohammed zu, dass er einen Jüngling beim Beten hinter sich platzierte, um nicht von seiner Schönheit in Versuchung geführt zu werden.
Der bekannte Sufi Abd al-Ghani al-Nabalusi berief sich um 1700 zur Rechtfertigung seiner Liebe zu jungen Männern ebenfalls auf den Propheten, "der es zum Teil seiner Tradition machte, die Anmut zu lieben, und es erlaubte, Schönheit zu gewahren, so dass dies zum Bestandteil moralischer Vortrefflichkeit wurde". Mohammed selbst habe mehreren jungen Gefährten, etwa dem mit 18 zum Islam konvertierten und wegen seiner Schönheit bekannten Mu'adh ibn Dschabal, seine Liebe gestanden. Wer aber diejenigen kritisiere, so al-Nabalusi, die dem Leitbild Mohammeds folgten, sei ein Ungläubiger (kafar).
Imam al-Schafi'i, der Begründer der schafi'itischen Rechtsschule, gehörte zu den vielen frommen Juristen, die gleichgeschlechtliche Liebesgedichte verfassten und öffentlich rezitierten. Eines davon lautet:
"Haltet jene Gazelle (arab. männl.) verantwortlich für den Verlust meines Lebens, / Denn er erschoss mich mit den Pfeilen seiner Augen und mit Absicht. / Aber tötet ihn nicht, denn ich bin sein Sklave, / Und gemäß meiner Schule wird ein freier Mann nicht hingerichtet wegen (Tötung) eines Sklaven!"
Imam al-Schafi'i konnte nicht ahnen, dass ein Konvertit wie Sie die Selbstverständlichkeit, sich in Personen des gleichen Geschlechts zu verlieben und dies auch öffentlich zu bekunden, ein Jahrtausend später unter missbräuchlicher Berufung auf seine Tradition als etwas Schlechtes, Unnatürliches, ja sogar Unislamisches darstellen würde. Er hätte sich dagegen sicher gewehrt.
Ähnlich der ultraorthodoxe hanbalitische Jurist Ibn al-Dschauzi, der im 12. Jahrhundert unserer Zeitrechnung schrieb: "Derjenige, der behauptet, dass er keine Begierde empfindet [wenn er schöne junge Männer sieht], ist ein Lügner, und wenn wir ihm glauben könnten, wäre er ein Tier, nicht ein menschliches Wesen."
So argumentierte die klassische islamische Rechtswissenschaft. Es ist offenkundig, dass Sie völlig anders vorgehen, wenn Sie mit den christlichen Begriffen von "natürlich" und "widernatürlich" hantieren, die der islamischen Tradition völlig fremd sind. Sie importieren Ihre moderne, westlich geprägte Homophobie in den Islam, um sie auf diese Weise religiös zu legitimieren. Das ist meine These, mehr nicht.
Dafür, Herr Spohr, hätte al-Schafi'i Sie des Missbrauchs der Schari'a geziehen, al-Dschauzi hätte Sie öffentlich als Lügner gebrandmarkt, und al-Nabalusi hätte Sie sogar des Unglaubens (kufr) angeklagt.
Wie können Sie, Herr Spohr, sich hinstellen und so tun, als ob Sie mit Ihrer Homophobie aus der "authentischen" Tradition des Islam sprächen und liberale Muslime nicht? Wer sind Sie denn, dass Sie glauben, anderen Muslimen vorschreiben zu können, wie sie den Koran auszulegen hätten? Wir leben hier nicht in Saudiarabien, und jeder Muslim kann seine eigenen Schlüsse aus der Religion ziehen, ohne auf Ihre falschen Ratschläge angewiesen zu sein.
Mit freundlichen Grüßen
Lysis
Jedenfalls ist es nicht meine Intention, unter Muslimen irgendeine Debatte anzustoßen, zumal ich ja weiß, dass bei Leuten wie Ihnen Hopfen und Malz verloren ist und man den Hass nur noch weiter herauskitzelt, wenn man sie mit Dingen konfrontiert, von denen sie offenkundig überfordert sind.
Ich wäre auch der letzte, der am 3. Oktober in die DITIB-Moschee geht, um dort mit dem Hodscha über Homophobie zu diskutieren. Warum Sie mir das zuschreiben, weiß der Teufel. Offenbar nehmen Sie "Schwule" als unter sich verschworenes Kollektiv wahr, das einer gemeinsamen Agenda folgt -- so wie die Muslime nach der Auffassung islamophober Hassprediger bloß in dieses Land gekommen wären, um sich dort "wie die Ratten" (O. Fallaci) zu vermehren und es in wenigen Generationen der Schari'a zu unterwerfen.
Da wird es Sie sicher wundern, dass es sich beim LSVD auch nicht um meine "Gesinnungsgenossen" handelt, sondern um politische Gegner, die ich seit Jahr und Tag kritisiere. Insbesondere habe ich dem LSVD stets angekreidet, Muslime als physische Gefahr für Schwule zu konstruieren, die nicht bereit seien, andere Lebensentwürfe zu akzeptieren und ihnen lieber das Maul einschlügen.
Über Sie ärgere ich mich nicht wegen Ihrer Homophobie (die kann mir gleich sein, schließlich bin ich Atheist und befinde mich außerhalb Ihrer Armweite), sondern weil Sie noch das letzte Klischee, das deutschen Mainstream-Medien von der taz bis zum Spiegel von Muslimen zeichnen, wie ein rassistisches Abziehbild bestätigen.
Sie erweisen den muslimischen Gemeinden in Deutschland, die sicher nicht durchweg aus solchen hasserfüllten und aufklärungsresistenten Fanatikern wie Ihnen bestehen, einen Bärendienst. Aber Sie sind entweder zu dumm, das zu begreifen, oder es interessiert Sie einfach nicht, welches Porzellan Sie als tumber Elefant gerade zerbrechen. Sie sind es ja auch nicht, der sich an den Scherben schneidet. Das tun andere für Sie, und das ist es, was ich an Ihnen zum Kotzen finde.
ÜBEREIFRIGKEIT
Mein bei Islam Press eingestellter Kommentar dazu Warum Islam nie modern sein kann bringt dieses Thema gleichfalls nur am Rande zur Sprache. Übereifrigkeit erkenne ich in dem, was Du als Reaktion auf diesen Kommentar unter dem Titel
DIE "ISLAMISCHE HOMOPHOBIE" - EIN DAUERBRENNER... auf Duckhome eingestellt hast. Und mit diesem Artikel hast Du die Diskussion zum Thema Homosexualität recht eigentlich eröffnet. Meine Antwort dazu konntest Du auf Islam Press unter dem Titel Wie «Homophobie» etwas Gutes sein kann lesen. Erst in den beiden letzten Beiträgen wird jene Sache zum bestimmenden Thema.
In meiner ersten Antwort auf den Faris Ahmad Noor Artikel aber, Warum Islam nie modern sein kann, ging es wesentlich um eine ganz andere Frage, die nämlich, ob der westlich-historische Blick mit seinen epochalen Einteilungen dem Islam als einem gewissermaßen überzeitlichen Geschenk des Herrn der Welten an die Menschen überhaupt gerecht werden kann. Der Punkt war, daß der Autor, wenn er glaubt, daß das geht, einen entscheidenden Fehler macht. Lies Dir den Artikel doch mal in Ruhe - die hast Du doch jetzt, wo Köln alles so wundersam gelaufen ist - durch, und Du wirst finden, daß Deine zu ihm als «Gegenposition» gemeint gewesene Antwort über «islamische Homophobie als Dauerbrenner» genau das nicht war: keine Gegenposition. Mir ist es rätselhaft, wie du den sachlichen Kern so schnöde hast überlesen können, zumal ich dich auch noch persönlich mit den Worten angesprochen hatte:
«So verführerisch, liebe Dr. Mariyam, es für alle sich als `modern´ oder `progressiv´ oder `links´ oder `grün´ oder `rot´ oder `rosa´ verstehenden Anti-Mainstreamler ist, sich den Islam als modern oder progressiv vorzustellen oder zu wünschen, so wichtig ist es, sich klarzumachen, daß das nicht gutgehen kann. Aber nicht weil der Islam unmodern oder unprogressiv usw. wäre, sondern weil er als höchst ehrenwertes Geschenk des Herrn der Universen diesem Schema nicht unterworfen ist.»
Wenn du also hier mit Blick auf das Thema Homosexualität erstaunt fragst, warum es gerade das gewesen war, was mich so sehr gereizt hätte, kann ich nur sagen, daß es nicht mich, sondern gerade Dich offenbar so sehr gereizt hatte, daß du Deinen Homophobie-Artikel als Antwort auf einen Artikel einstellen mußtest, in dem Homosexualität wirklich nur am Rande thematisch wird. Ich nehme an, Du hast an einer Stelle meines Warum Islam nie modern sein kann-Artikels das Wort «Homosexualität» gelesen, und schwups kam mit dem Stimulus auch die entsprechende Reaktion: Das meinte ich mit Übereifrigkeit.
HADITHE
Zu einer von Dir gerade angesprochenen Sache wollte ich noch sagen, daß ich Deine Sicht der Hadithe (ich benutze hier den deutschen Plural) absolut nicht teile. Im Gegenteil stellt sich gerade in jüngster Zeit, wie ich schon im Vorwort des Handbuches Islam geschrieben hatte, im digitalen Verbundsystem der Hadithtraditionen zunehmend deutlich heraus, daß es praktisch keine schwachen Hadithe mehr gibt, sondern deren vielbeschrieene Schwäche sich zunehmend als Ausdruck nurmehr der Dürftigkeit unserer eigenen Kenntnisse erweist (vgl. die pdf-Datei der erweiterten Titelei des Buches, S. 22). Was unter dem von Dir gegebenen Link zu lesen ist, betrifft aber gar nicht die Quellenlage, um die es ja bislang ging, sondern jedenfalls vorwiegend die Deutung von, wie ich annehme in ihrer Authentizität gar nicht bestrittener Hadithe. Was die Türken bzw. die türkische Religionsbehörde - deren Existenz ist in einem angeblich laizistischen Staat für sich schon erst mal ein böser Scherz - da vorhat, ist nicht unproblematisch. Aber das wäre ein eigenes Thema.
MINDERHEITEN
Nun zur Minderheit: Natürlich ist es ehrenvoll, schwache Menschen zu unterstützen oder auch, unterdrückten Minderheiten beizustehen. Aber das kann doch nicht für Minderheiten als soche gelten. Auch die Subkultur derer, die beim Zusammentreffen von Vollmond und Sandsturm glauben, Frauen würgen müssen, ist eine Minderheit. Und Du wirst zugeben, daß es unsinnig, ja geradezu irre wäre, Minderheiten eis ipsis, also nur deswegen zu unterstützen, weil es Minderheiten sind.
Toleranz Minderheiten gegenüber ist als solche also gar nicht unbestimmt etwas Erstrebenswertes, es kommt darauf an, was das für Leute sind. Toleranz beispielsweise der MInderheit von Kinderschändern gegenüber oder solchen, die die Jugend verführen, kann sicher nichts Gutes sein.
Nichts für ungut. Wünsche noch gute letzte Ramadan-Tage und für die nächste Nacht (von Freitag auf Samsteg) eine besonders gesegnete Lailatu l-Qadr.
Im ehemaligen Watchblog hatten wir eine lebhafte Beteiligung zum Thema Homosexualität/Homophobie und Islam/Islamophobie, die auch in andernorts nicht unkommentiert blieb. So wurde dem Autor Georg Klauda (lysis) und dem Watchblog unterstellt, daß wir uns an der Debatte beteiligten, diene nur dazu, von Menschenrechtsverletzungen in der islamischen Welt abzulenken.
[Mittlerweile scheint es Blees und weiteren Bewohnern des linksradikalen und antideutschen Spektrums geraten, sich von den "Veranstaltern der Antiislam-Demo abzugrenzen...] Es ging in mehreren Threads des alten Watchblogs - und an diese wurde hier angeknüpft.
Mit Schwupps, Stimulus und Deinem Artikel hatte das nichts zu tun, sonden ich bin der Meinung, dass im Feld Islsam und Sexualität und der Wahrnehmung dieses Feldes eine Menge Diskussionsbedarf besteht - verweigern wir uns dieser Diskussion, dann müssen wir damit leben, wenn uns die Projektionen um die Ohren fliegen.
Es ging darum, daß bestimmte Gruppierungen ganz konkret den Muslimen als Ganzes Menschenrechtsverletzungen am laufenden Band vorwerfen (wie z.B. die, Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung aufzuhängen oder Ehebrecher zu steinigen) und ganz konkret Lysis und mir, davon ablenken zu wollen. Minderheiten soll man nicht unterstützen? Sorry, aber das sehe ich anders. Minderheiten - und Dein Beispiel vom Sandsturm finde ich gelinde gesagt etwas unpassend - werden heute nicht mehr nach ihrer Zahl, sondern nach ihrer Teilhabe an der gesellschaftlichen Macht als solche bezeichnen. Und wer bitte, bestimmt denn, "was das für Leute sind"? Wie Dir vielleicht auch nicht entgangen ist, ist das genau die Forderung, die z.B. ein Henryk Broder und viele Gesinnungsgenossen vertreten. Man müsse doch endlich mal mit der "Tödlichen Toleranz" (Ayaan Hirsi Ali) gegenüber den Muslimen aufhören. Das Ergebnis kennst Du. Und Du setzt Homosexuelle mit Kinderschändern gleich????
(Nebenbeibemerkt: dieser Vorwurf klebt längst an den Muslimen). Ich möchte die Gleichsetzung mit Kinderschändern eigentlich für keine Gruppe haben ausser für Kinderschänder...
Hadithe: Richtig! Auf die "Dürftigkeit unserer eigenen Kenntnisse" wollte ich abheben. Und leider ist die Latte für die, die sich da zu Wort melden und Hadithe bewerten, doch recht niedrig geworden, und dann kommt sowas wie "Barino" raus.
Nun ja. ich wünsche aucn Dir und Hagar gesegnete letzte Ramadan-Tage und eine besonders gesegnete Lailau-l-Qadr.
Zur Logik der Widerlegung
Da Sie Ihr Pamphletchen, das mich so erschrecken soll, gleich an drei Stellen gepostet haben, reicht es vielleicht, wenn ich Ihnen im Rahmen der beiden Threads auf Duckhome antworte und es so nicht nötig ist, die vorwiegend islamische Leserschaft von Islam Press mit Ihren verstiegenen und beleidigenden Deutungen zu belästigen. Denn da es in der Logik einer Widerlegung liegt, das zu Widerlegende wenigstens zuvor einmal zu nennen, wird der Dreck einer beleidigenden Behauptung in deren ordentlichen Widerlegung zunächst einmal durch bloße Erwähnung leider nurmehr verstärkt. Ich lösche deshalb Ihren noch nicht freigeschalteten Kommentar auf Islam Press und bewahre einige Muslime so vor der Lektüre Ihres Schmutzes und der Beleidigungen unseres Propheten, auf dem der Friede sei, und seiner Gefährten, Allah sei zufrieden mit ihnen. Damit der Leser aber überhaupt versteht, um was es geht, muß man ihm noch sagen, daß Ihr Kommentar sich auf meinen auf Islam Press erschienenen Artikel Wie «Homophobie» etwas Gutes sein kann bezieht.
Und nun zur Sache:
Bloßes Begehren war nie Thema gewesen
Sie unterstellen mir, daß ich gleichgeschlechtliches Begehren für «unnatürlich» erklärt hätte. Das ist eine Lüge oder ein Irrtum Ihrerseits. Zum einen habe ich mich nie auf ein bloßes Begehren bezogen. Das war nirgends auch nur im Ansatz bei mir ein Thema gewesen. Zum anderen kommt das Wort «unnatürlich» in meinem Beitrag gar nicht vor. Nicht wörtlich, und wo es der Sache nach vorkommt, ist es nicht etwas, das ich behaupt hätte, sondern etwas, das von mir als von einer Mehrheit in Deutschland so empfunden beschrieben wird. Sie sollten schon etwas genauer sein.
Was von Ihren «vielzitierten Hadith» übrigbleibt
Sie sagen: «Ein vielzitierter Hadith schreibt sogar Mohammed zu, dass er einen Jüngling beim Beten hinter sich platzierte, um nicht von seiner Schönheit in Versuchung geführt zu werden.»
Auf den ersten Blick erkennt der Muslim, daß mit diesem angeblichen Hadith etwas nicht stimmen kann. Denn welchen Sinn würde es sogar innerhalb Ihrer perversen Gedankenkonstruktion machen, einen Jüngling «beim Beten» hinter sich zu setzen, wenn der Jüngling doch gar nicht der Vorbeter gewesen wäre, also ohnehin beim Gebet hinter dem Propheten steht, auf dem der Friede sei, der das Gebet leitet. Nichtmuslimen sei erklärt, daß der Vorbeter beim Gebet mehrere Schritte vor der Gemeinde steht und in einer der Gemeinde genau entgegengesetzten Richtung (qibla) steht und blickt, also gar niemanden von denen sieht, die, in derselben Weise ausgerichtet, hinter ihm beten. Weil die Gemeinde zwar den Vorbeter beim Beten sehen kan, dieser aber nicht die Gemeinde, kann der Sache nach mit Ihrem «vielzitierten Hadith» nicht stimmen.
Tatsächlich gibt es eine Überlieferung, die aber zum einen nicht vielzitiert und zum anderen zweifelhaft ist. In ihr es geht gar nicht um die Situation eines Gebetes, sondern darum, daß, als eine Delegation vom Stamme der Abdul Qais zu Besuch gekommen war, unter der sich ein Junge mit sehr schönem Gesicht befand, der Prophet - Allah sende Frieden auf ihn und seine Leute und Segen - diesen hinter sich hat setzen lassen. So wird gesagt. Am Ende soll gemäß dieser zweifelhaften Überlieferung der Prophet mit Blick auf den Jungen gesagt haben: "Denn die Sünde Davids war vom Blick". Dieser Satz aber zeigt, daß das ganze nicht stimmen kann, weil der Prophet Muhammad niemals über einen anderen Propheten sagen konnte, daß er ein Sünder gewesen wäre. So etwas findet man nur in der Bibel aber nicht in islamischer Tradition. Das kann nicht sein, weil die Propheten saubere Menschen waren, die die Menschen den Weg zu Gott geführt haben. Der letzte Satz gilt unter Hadithgelehrten als ein Indiz dafür, daß es sich hier nicht um eine authentische Überlieferungt handelt. Der große Hadithgelehrte Ibn Taimiya hat diese angebliche Überlieferung entsprechend als munkar, nicht haltbar, qualifiziert.
Ein unerquickliches «etwa»
Dann sagen Sie: «Mohammed selbst habe mehreren jungen Gefährten, etwa dem mit 18 zum Islam konvertierten und wegen seiner Schönheit bekannten Mu'adh ibn Dschabal, seine Liebe gestanden.»
Jedem, der Erfahrung mit Texten hat, dreht sich hier der Magen um, wenn er von «mehreren» jungen Gefährten liest und an die Stelle kommt, wo es heißt «etwa dem mit 18 zum Islam konvertierten und wegen seiner Schönheit bekannten Mu'adh ibn Dschabal». Was Sie vor jeder inhaltlichern Auseinandersetzung schon deutlich disqualifiziert, ist dieses eigenartige «etwa ...». Wieso »etwa»? - Dieses, ich möchte fast sagen, schwuchtelige «etwa» verrät den Betrüger. Einen, der eine Anzahl gleichgelagerter Fälle suggeriert, da es doch nur den einen Fall des Mu'adh ibn Dschabal gibt, der durch ein zu einer erlogenen Anzahl anderer durch jenes hinterhältige «etwa» zumGrund für eine Vielzahl werden soll. Doch den Fall des Mu'adh ibn Dschabal gibt es selbst nur in einer pervertierten Phantasie.
Mu'adh ibn Dschabal
Mu'adh ibn Dschabal - möge Allah mit ihm zufrieden sein - war seiner stupenden Kenntnis der Sunnah des Propheten, auf dem der Friede sei, und der Hadithe und seiner wundersamen Weisheit wegen unter allen Mitgliedern der Gemeinde sehr geschätzt und geliebt. Und er wurde vom Gesandten Allahs, auf dem der Friede sei, einst mit dem Richteramt betraut. Und einmal, als er in einer Versammlung alle Fragen des Gesandten Allahs - Frieden und Segen seien auf ihm und seinen Gefährten - zu der Art und Weise, wie er denn unter bestimmten Bedingungen eines Mangels an Wissen sein Richteramt ausüben würde, in so wunderbarer Klarheit und Weisheit beantwortete, daß der Propheten begeistert war und ihn sehr gelobt und gesagt hat: «إني أحبك في الله» («Ich liebe dich um Allahs willen»). So war das.
Ein furchtbares gesellschaftzersetzendes Gif
Und da ist überhaupt nichts dabei, was Anlaß zu homophilen Phantasien geben könnte. Es gilt hier vielmehr das berühmte: «honni soit qui mal y pense». Und Sie mit Ihren Gesinnungsgenossen sind hier der Schuft, der Übles denkt. Vielleicht können Sie ja nicht anders, als jede herzlich freundliche Geste zwischen Männern im Sinne Ihrer abgestiegenen Sicht als Ausdruck von Homophilie zu deuten. Damit versprühen Sie ein furchtbares gesellschaftzersetzendes Gift, das geeignet ist, aller unschuldigen Freundlichkeit zwischen Männern, jeder Kameradschaft ihren ehrenwerten Sinn zu nehmen und jede Grundlage zu zerstören. Und genau das wäre einer der guten Gründe, Sie und Ihr verfluchtes Gift aus der Gemeinschaft ehrenwerter Leute zu entfernen, zumal wenn Sie Ihr Gift so öffentlich und aggressiv versprühen, wie es in diesen Tagen immer wieder geschieht.
Ihr Verwirrspiel um Imam asch-Schâfi'i
Sie schreiben: «Imam al-Schafi'i, der Begründer der schafi'itischen Rechtsschule, gehörte zu den vielen frommen Juristen, die gleichgeschlechtliche Liebesgedichte verfassten und öffentlich rezitierten. Eines davon lautet: "Haltet jene Gazelle (arab. männl.) verantwortlich für den Verlust meines Lebens, / Denn er erschoss mich mit den Pfeilen seiner Augen und mit Absicht. / Aber tötet ihn nicht, denn ich bin sein Sklave, / Und gemäß meiner Schule wird ein freier Mann nicht hingerichtet wegen (Tötung) eines Sklaven!" »
Das Gedicht stammt gar nicht von Imam asch-Schafi'i
Das Gedicht stammt von jemand anderem. Es findet sich nicht im ديوان الإمام الشافعي dem Diwan des Imam asch-Schafi'i, das im übrigen vom Grundduktus ganz anders geartet ist, da diese Poesie sich nicht den Liebschaften, sondern Grundfragen der menschlichen Existenz widmet und eher etwas Philosophisches hat. Die erwähnte Passage kommt in juristischer Diskussion über die Tötung eines Sklaven zur Sprache.
Das Wort غزال (ghazâl) «Gazelle» wird in der arabischen Poesie durchgehend für eine Frau gebraucht
Das arabische Wort غزال (ghazâl) bedeutet Gazelle. Es ist zwar grammatisch männlich, wie Sie richtig schreiben, es wird in der arabischen Poesie durchgehend aber nicht deshalb für einen Mann gebraucht, wie Sie sagen, sondern eine Frau. Wer das grammatische Geschlecht dieses Worte zum Anlaß nimmt, es statt auf Frauen auf Männer zu beziehen, der hat einfach keine Ahnung von den Traditionen des arabischen Sprachgebrauchs bzw. der arabischen Poesie.
Ihr Ibn al-Dschauzi-Betrug oder: die rosorote Brille
Sie scheiben, der hanbalitische Jurist Ibn al-Dschauzi hätte gesagt: «Derjenige, der behauptet, dass er keine Begierde empfindet [wenn er schöne junge Männer sieht], ist ein Lügner, und wenn wir ihm glauben könnten, wäre er ein Tier, nicht ein menschliches Wesen.» Und hier wird deutlich, welche eigenartig rosarot gefärbte Brille es ist, die Sie tragen, und die Sie alles in rosaroten Farben sehen läßt. Ja Mensch, merken Sie nicht, daß in Ihrem Ibn al-Dschauzi-Zitat der entscheidende Teil gerade nicht ursprünglich dort steht, sondern von Ihnen mit einer gewissen rosaroten Penetranz dort einfach eingesetzt wurde? Der Gelehrte spricht in Ihrem Zitat über die Begierde an sich. Sie aber setzen einfach ein [wenn er schöne junge Männer sieht]. Das ist aber nicht gemeint. Da ist es nicht möglich, einfach alles einzusetzen, was auf dieser Welt von irgendwo Abgedehten als Begierde empfunden wird. Sonst könnte ich genau so gut die folgende Klammer einsetzen: «Derjenige, der behauptet, dass er keine Begierde empfindet [wenn er Gelegenheit hat, bei Vollmond eine nackte Frau zu würgen], ist ein Lügner ...» - Verstehen Sie: Ihre in eckigen Klammern stehende Einfügung ist ein Betrug.
Ein Konvertit ist unter Muslimen hochgeachtet
Sie schreiben: «Imam al-Schafi'i konnte nicht ahnen, dass ein Konvertit wie Sie ...» Da möchte ich gleich unterbrechen: Erstens können Sie sich, wie oben gezeigt, nicht auf Imam asch-Schâfii berufen, und zweitens ist es nicht nur keine Schande, Konvertit zu sein, sondern eine große Ehre. Sayyidina Abu Bakr, Sayyidina Umar, Sayyidina Uthman, Sayyidina Ali, sie aller, mit denen Allah zufrieden sei, die vorzüglichen und höchst Geehrten unter den Gefährten unseres Propheten - Allah schicke Frieden auf ihn und seine Leute und Segen - waren Konvertiten. Und im Islam ist der neu Hinzugekommene den schon dort Seienden in keiner Weise nachgeordnet. Im Gegenteil schätzen und lieben geborene Muslime gerade solche, die neu zum Glauben finden oder besser: von im gefunden wurden. Und sie sehen solche Personen als vom Herrn der Welten besonders gesegnet an. Wenn Sie, Herr Klauda, das Wort «Konvertit» indes in pejorativem oder gar lästerndem Gebrauche und mit intriganter Absicht führen, so beweisen Sie doch dadurch nur einmal mehr, daß sie nichts verstehen.
Die umfassende Quelle
Abschließend empfehle ich Ihnen die Lektüre einer Schrift, die grundlegend alle Aspekte der von Ihnen propagierten Sache aus muslimischer Sicht entfaltet, den «kitab thamm al-liwat»,
.كتاب ذم اللواط
Schlußwort
Abschließend möchte ich Sie wissen lassen, daß alle Positionen ausreichend zur Sprache kamen und ich denke, daß es damit genug ist. Ich sehe keinen Grund, das Gespräch mit Ihnen noch länger fortzusetzen. Als mir soeben bewußt wurde, welches gesellschaftszerstörende Gift es ist, das Sie durch Ihre homophile Umdeutung eines normalen herzlichen Verhaltens zwischen Männern versprühen, habe ich doch einen kleinen Schreck gekriegt. Und mir ist klargeworden, daß man die Gesellschaft vor Leuten wie Ihnen schützen muß, und es nicht ohne Grund war, daß der Gesandte Allahs, auf dem der Friede sei, solche Leute wie sie verflucht hat.
Maryam, bitte, Du mußt Dir schon wirklich etwas mehr Zeit für die Lektüre nehmen!!
Du sagst «Minderheit definiert sich für mich durch Teilnahme oder nicht Teilnahme an der gesellschaftlichen Macht. Und da sindfür mich religiöse oder sexuelle Orientierung im gleichen Boot und man muß für die Rechte von beiden kämpfen.» Ah, so ist das. Jetzt verstehe ich: Es geht gar nicht um eine sachdienliche Auseinandersetzung oder die Klärung der Sicht der Muslime, sondern um Politik. Du glaubst, daß du Politik machst, deshalb die schablonenhafte Verengung des Diskurses. Das hat doch etwas unehrenwert Strategisches. Du verbrüderst dich mit den Schwulen, weil dann die bösen Rechten oder guten Linken nicht mehr sagen können, Muslime sind aber schwulenkritisch, - richtig? Da sage ich: Muslime sind aber tatsächlich schwulenkritisch eingestellt, und das ist gut so. Sie sind «homophob», und das ist gut so. Dabei sind die Rechten doch selbst schwulenkritisch, und das ist auch gut so. Liebe Maryam, mach dir doch bitte klar, daß jenes Kontinuum des Verteilungskampfes von «links» und «rechts» nicht geeignet ist, alle Probleme auf ihm abzubilden oder gar zu lösen. Wenn die Linken die Muslime kritisieren, weil diese schwulenkritisch sind, dann stimmt das der Sache nach. Wenn es eine linke Position ist, das Schließen von Schwulenehen in protestantischen Kirchen zu befördern, dann stimmt mit der ganzen Linken etwas nicht. Oder meinst du, du müßtest aus strategischen Gründen an einer solchen Feier teilnehmen?
Eine strategische Partnerschaft von Linken, Schwulen und Muslimen, ist es das, was dir vorschwebt? - Da kann ich nur noch einmal warnen:
«So verführerisch, liebe Dr. Mariyam, es für alle sich als `modern´ oder `progressiv´ oder `links´ oder `grün´ oder `rot´ oder `rosa´ verstehenden Anti-Mainstreamler ist, sich den Islam als modern oder progressiv vorzustellen oder zu wünschen, so wichtig ist es, sich klarzumachen, daß das nicht gutgehen kann. Aber nicht weil der Islam unmodern oder unprogressiv usw. wäre, sondern weil er als höchst ehrenwertes Geschenk des Herrn der Universen diesem Schema nicht unterworfen ist.»
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/850397/
Prof. Hörrisch schwärmt von einer unsichtbaren Hand in religiösem Sinne, die nicht hinterfragt werden darf, weil sie den Geldmarkt reguliert.
Hörisch: Dann ist Geld eben ein Versprechen. Es ist nichts anderes als ein beglaubigungswürdiges Medium. Wir müssen dem Geld selbst Kredit geben, damit wir dasjenige, was am Geld Kredit ist, auch genießen können. Und man merkt eigentlich, wie stark die ganze Geldsphäre theologisch, religiös durchdrungen ist. Die "invisible hand" des Marktes, die unsichtbare Hand des Marktes, die alles so herrlich regieret, die darf man nicht infrage stellen. Wir dürfen heute die Existenz Gottes infrage stellen, aber wer ernsthaft sagt, sollte die unsichtbare Hand des Marktes unsichtbar sein und heißen, weil es sie nicht gibt, der wird von Vertretern der reinen marktwirtschaftlichen Lehre angeguckt, als würde er einer satanischen Sekte angehören.
Erst wenn alle Völker diesen Schmarotzern kein Brot mehr geben, werden die auch merken, dass man Geld nicht essen kann.-Mahlzeit
Forscher Jochen Hörisch: Geld ist ein Versprechen
Jochen Hörisch im Gespräch mit Katrin Heise
Nach Ansicht des Literatur- und Medienwissenschaftlers Jochen Hörisch basiert unser Finanzsystem auf Glauben und Vertrauen. Die ganze Geldsphäre sei "theologisch, religiös durchdrungen", etwa dann, wenn von der "unsichtbaren Hand des Marktes" gesprochen werde, die nicht hinterfragt werden dürfe. Doch blieben die Folgen dieses Systems nicht abstrakt, sondern führten wegen ungerechter Verteilung zu Armut und Hunger.
Katrin Heise: Als der Mensch noch Tierhäute gegen Getreide tauschte, da hatte er was in der Hand und wusste genau, wie reich oder arm er war. Als das Geld Einzug hielt, da musste er sich an dieses abstraktere Tauschobjekt erst mal gewöhnen. Doch inzwischen nehmen wir immer weniger Geld in die Hand tatsächlich, Münzen und Scheine verschwinden aus dem Zahlungsverkehr. Wir zahlen mit Karte und erfahren durch einen schlichten kleinen Strich, das Minus nämlich, auf dem Kontoauszug, dass wir weniger als nichts besitzen. Unser Verhältnis zum Geld wird immer abstrakter. Was bedeutet das eigentlich? Darüber möchte ich mich mit Jochen Hörisch unterhalten. Er ist Professor für Literatur und Medienwissenschaft an der Universität Mannheim und hat sich in Publikationen und Vorträgen immer wieder mit Geld auseinandergesetzt. Herr Hörisch, ich grüße Sie!
Jochen Hörisch: Guten Tag!
Heise: Zahlen Sie eigentlich Ihre Wochenendeinkäufe in bar oder mit Karte?
Hörisch: In der Regel mit Karte, denn ich finde den Zauber, der da drin steckt, so überwältigend, dass ich das geradezu hinterwäldlerisch fände, wenn ich noch bar bezahlen würde.
Heise: Der Zauber, der Sie dann überkommt, wenn Sie später erfahren, wie viel Sie eigentlich ausgegeben haben?
Hörisch: So ist es. Dann kommt immer der große Augenblick, wo man merkt, dass alle Guthaben Schulden sind und umgekehrt. Also die Schulden, die ich gegenüber dem, was weiß ich nicht was, dem Supermarkt habe oder der Kreditkartenausgabestelle, das sind natürlich die Guthaben, die die haben. Es ist übrigens ein ganz, ganz simpler Punkt, der so häufig vergessen wird, egal ob beim sogenannten kleinen Konsumenten oder bei Zentralbanker, dass alle Schulden Guthaben sind. Also die riesengroßen Schulden, die etwa die Bundesrepublik hat, sind die Guthaben, die Leute haben - ich gehöre nicht dazu -, die etwa Bundesschatzbriefe besitzen. Also die 1,6 Billionen sind nicht weg, die sind nur woanders. Der Guthabenberg und das Schuldenloch sind ein und dasselbe.
Heise: Ist das tröstlich für Sie?
Hörisch: Es ist deshalb tröstlich, und gerade das wird eigentlich bei der Kreditkarte, die ja schon so heißt, dass wir mit unseren Schulden bezahlen, weil es dann transparenter wird und man ein bisschen von der Magie, das kann ja entsetzliche Magie sein, dass kann ja wirklich schwarzer Zauber sein, das kann ja böser Harry-Potter-Zauber sein, dann doch ein bisschen transparenter wird. Das Schlimme ist ja, dass viele wirklich die relativ einfachen Grundüberlegungen und Grundstrukturen des Finanzlebens nicht verstehen.
Heise: Und manchmal hat man den Eindruck fast, auch nicht verstehen sollen.
Hörisch: Ja, was man nicht versteht, kann ja besser funktionieren. Wollen wir wirklich wissen, ob das mit der Transsubstantiation klappt, wenn wir fromme Christen sind, oder sagen wir, das wird die Kirche schon richten, das weiß die Priesterklasse besser. Wollen wir wirklich wissen, was unser Ehepartner oder unsere Liebste über uns denkt oder nicht? Also ab und an ist es in der Tat vorteilhaft für das Funktionieren, nicht zu wissen, wie etwas funktioniert. Bei mir galt das zum Beispiel auf der Ebene von Automobiltechnik. Ich kann nicht beschreiben, wie das Auto funktioniert, in dem ich sitze.
Heise: Letztendlich ist man vom Geld aber doch auch immer wieder abhängig und sollte vielleicht doch ein bisschen was darüber wissen. Wie kann man den Umgang mit diesem zunehmend virtueller werdenden Tauschobjekt eigentlich lernen, jetzt mal ganz real gemeint? Jugendliche vertelefonieren Hunderte von Euro, weil sie kein Verhältnis mehr zum Wert herstellen.
Hörisch: Ja, weil der Wert omnipräsent ist und auf eine Art und Weise selbstverständlich ist, dass man gar keinen Anlass hat, viel nachzufragen, es sei denn, man merkt auf einmal, ich habe da so einen schwachsinnigen Klingelton runtergezogen oder habe die falsche Nummer, die mit 0190 oder so was anfängt, gewählt, und auf einmal hat man als Jugendlicher, der nicht sehr liquide ist, ein Riesenproblem mit seinen Eltern und man hat 200, 300, 400 Euro Schulden an der Hacke. Und in dem Augenblick wird es deutlich.
Und ich habe die abenteuerliche These, dass diejenigen, die wirklich professionell sich im Bankenbereich bewegen im Augenblick, Stichwort Bankenkrise, Kollaps der Finanzplätze, nicht viel gescheiter sind als diejenigen, die nicht wissen, dass Handy-Telefonieren Geld kostet.
Heise: Das heißt, dass die eben jetzt erst aufwachen?
Hörisch: Dass die jetzt erst aufwachen. Und warum?
Heise: Zu unserer aller, ja, nicht Überraschung, aber zu unserer aller Misere dann ja letztendlich.
Hörisch: Zu aller Überraschung nicht. Auch das wundert mich, es gibt doch eine ganze Reihe von Leuten, die das vorhergesagt haben. Ich nehme jetzt mal einfach so eine harmlose, im positivsten Sinne harmlose Gestalt, es ist ja kein losgelassener Sozialist, wie den Altbundeskanzler Helmut Schmidt. Der schreibt seit Jahren in der "Zeit": Leute, die Sache geht schief. Die hohen Spezialisten, die Anhänger der reinen neoliberalen Lehre aber, die haben gesagt, nein, das ist alles eingepreist, der Markt funktioniert.
Kein Markt war so liberal, war so wenig reglementiert wie der Finanzmarkt. Und diejenigen, die wirklich eine reine Lehre vom reinen Markt vertreten, die haben nun große Nachholbedürfnisse, wenn sie erklären wollen, warum sie so systematisch falschgelegen haben. Ich finde, man muss wieder ein wenig strenger werden. Die Leute, die falschgelegen haben, die Risiken eingegangen sind, die sie nicht vertreten konnten, die müssen entweder Geld verlieren oder sie müssen Renommee verlieren. Die eine Theorie war richtig, die andere war falsch.
Heise: Münzen und Scheine verschwinden immer mehr aus unserem Zahlungsverkehr. Was bedeutet das eigentlich? Das ist unser Thema im "Radiofeuilleton" mit Jochen Hörisch. Herr Hörisch, was ist denn eigentlich Geld noch für uns, wenn an den Börsen mit Hoffnungen, Erwartungen, Versprechen spekuliert wird ja letztendlich, und am Ende kommt eine Summe raus ohne Gegenwert?
Hörisch: Dann ist Geld eben ein Versprechen. Es ist nichts anderes als ein beglaubigungswürdiges Medium. Wir müssen dem Geld selbst Kredit geben, damit wir dasjenige, was am Geld Kredit ist, auch genießen können. Und man merkt eigentlich, wie stark die ganze Geldsphäre theologisch, religiös durchdrungen ist. Die "invisible hand" des Marktes, die unsichtbare Hand des Marktes, die alles so herrlich regieret, die darf man nicht infrage stellen. Wir dürfen heute die Existenz Gottes infrage stellen, aber wer ernsthaft sagt, sollte die unsichtbare Hand des Marktes unsichtbar sein und heißen, weil es sie nicht gibt, der wird von Vertretern der reinen marktwirtschaftlichen Lehre angeguckt, als würde er einer satanischen Sekte angehören.
Kurzum, ich will nur darauf raus, das Gespenstische am Geld ist, dass es nur dann funktioniert, wenn wir es beglaubigen. Im Augenblick merken wir, dass man auch dran glauben muss, wenn man ans Falsche glaubt.
Heise: Ich lese auch dieser Tage immer wieder, das ist so, was Sie eben auch gerade sagen, die Währung, die jetzt erschüttert ist, das sei die Währung des Vertrauens. Wie lässt sich denn diese Währung wieder stabilisieren?
Hörisch: Sie lässt sich nur dadurch stabilisieren, das sieht man ja im Augenblick sehr stark, wenn eine Instanz, auf die wir eigentlich alle reinhauen, aber die wir alle brauchen, nämlich einen Staat, ich sage ganz bewusst ein starker Staat, nicht als Polizeistaat, sondern als Finanzstaat, der interveniert, wenn wir ein Marktversagen haben, wenn der eintritt. Es ist gewissermaßen der Big Brother, der die Hosenträger anhat und der es noch einmal richten kann, wenn die - ich sage es mal bewusst beleidigend - die Fuzzis auf den Finanzmärkten nicht mehr durchblicken. Also man merkt einfach, dass man die Autoritätsebene, die Garantieebene wechselt.
Heise: Ein Aspekt, den ich eigentlich noch ganz gerne ansprechen würde, ist der, je weniger man tatsächlich besitzt, desto eher hat man noch Scheine und Münzen in der Hand, denn Kreditkarten gibt es, beispielsweise in Deutschland, erst ab einem bestimmten Kontostand. Wer auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, der wird zum Teil sogar wieder in Sachleistungen ausgezahlt. Was bedeutet eigentlich dieser soziale Unterschied? Er hat ja auch was Erzieherisches.
Hörisch: Der hat eindeutig was Erzieherisches. Es heißt eben wirklich, dass man umso mehr Kredit hat, dann kriegt man die Gold Card und dann kriegt man die Platinum-Karte, je mehr man darstellt, je beglaubigungswürdiger man ist. Und wir haben natürlich in der Weltgesellschaft, die sich als Informations- und Geldgesellschaft beschreibt, das riesengroße Problem, dass immer mehr Leute ausgeschlossen sind. Wer heute kein Girokonto hat, latent auch schon, wer keine Kreditkarte hat, der fliegt eigentlich raus und gehört, nicht nur metaphorisch gesprochen, in die Gettos und in die Favelas.
Und ich denke, dass das Verhältnis zwischen Realökonomie sozusagen, ich meine, ganz platt, aber deshalb nicht falsch illustriert, der Reis, der gehandelt wird an den Börsen, wo man Futures macht und drauf spekuliert, dass der Preis für Grundnahrungsmittel wie Reis steigt, ist zugleich der Reis, den andere Leute essen müssen, damit sie ernährt werden können. Und da wird die Drift zwischen denen, für die Reis ein Tauschwert ist, und denjenigen, die ihn brauchen, um weiterleben zu können, immer größer.
Und es gehört nicht viel Prophezeiungskraft dazu, um zu sagen, da kommt ein riesengroßes Problem auf uns zu. Das ist abstrakt gesehen das Problem des Verhältnisses von Finanzökonomie und Realökonomie. Es ist real gesehen das Verhältnis von wirklich ungerechtfertigter, falscher Verteilung mit unglaublichem Sprengstoff.
Heise: Und da ist dann plötzlich gar nichts Tröstliches mehr zu finden?
Hörisch: Da ist nur noch sehr wenig Tröstliches zu finden, es sei denn der vielleicht schwache Trost, dass man aus Fehlern, die sich so massiv einstellen wie jetzt, auch lernen kann. Man stellt dann einfach fest, dass der Spitzenmanager einer Bank, die gerade Pleite gemacht, im letzten Jahr noch 50 Millionen Boni gekriegt hat, und dann ist es eben nicht bloß gelbe Neidpsychologie, wenn man sagt, wie soll man was lernen, wenn man für falsches Verhalten noch so belohnt wird, und andere, die sich eigentlich nicht falsch verhalten, so bestraft werden, dass sie buchstäblich nicht wissen, wie sie satt werden sollen.
Heise: Sagt Jochen Hörisch, Autor des Buches "Die Poesie des Geldes" und Professor für Literatur- und Medienwissenschaften an der Universität Mannheim. Herr Hörisch, ich danke Ihnen recht herzlich für dieses Gespräch.
Hörisch: Vielen Dank für Ihr Interesse.
1. Dass "Gazelle" (mask.) im Arabischen eine erotische Anrede für männliche Jugendliche ist, kann man in jedem wissenschaftlichen Standardwerk zur arabischen Literatur nachlesen; es wird aber auch aus dem Gedicht selbst deutlich, in dem wenige Verse später von der Gazelle als einem "freien Mann" die Rede.
2. Ihr Prophet ist mir schnurzpiepegal, falls es ihn (siehe Kalisch) überhaupt gegeben hat. Dass dieser Hadith wahr oder authentisch wäre, habe ich nie behauptet, lediglich, dass er beliebt und vielzitiert war, was ich gerne mit einem wissenschaftlichen Literaturverweis substanziiere.
3. Dass ich mich bezüglich der Situation irrte (Gebet), gestehe ich gerne zu. Schließlich habe ich den Hadith hier nicht extra nachgeschlagen, sondern für diesen Blogkommentar, der ja nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Abhandlung hatte, aus der Erinnerung abgerufen. Aber das ist im Grunde ein für die Sache auch völlig unerhebliches Detail. Sie können Sich darauf aber gerne einen runterholen, falls das Ihre Religion erlaubt.
4. Noch wenige Kommentare zuvor schrieben Sie, dass es keine schwachen Hadithen gäbe, sondern dass alle Hadithen authentisch seien. Auf einmal soll das aber nicht mehr gelten, nur weil Ihnen eines dieser Hadithen in die Quere gekommen ist. Das zeigt doch recht deutlich, dass Sie die Religion manipulieren, wie es Ihnen gerade beliebt.
5. Ich habe die Liebeserklärung von Mohammed an den 18-jährigen Mu'ad Ibn Dschabal überhaupt nicht kommentiert. Mir ging es darum, wie der Sufi al-Nabalusi diese um 1700 las und wie er sie in seine Argumentation einbaute. Koran- und Hadith-Exegese ist schließlich etwas, das mich als Historiker und Atheist überhaupt nicht interessiert. Wenn Sie daher mich als zu entsorgendes Gift betrachten, sollten Sie das auch mit al-Nabablusi so halten und seine Manuskripte in den Archiven aufsuchen und verbrennen.
6. Ihre Aufforderung, mich und mein "verfluchtes Gift aus der Gemeinschaft ehrenwerter Leute zu entfernen", zeigt nur Ihre extremistische Sprache und Gesinnung an. Farish Ahmad Noor hatte eben doch recht, als er sagte, dass "es gewiss rechte Muslime gibt, die man nur als Faschisten im wirklichen Sinne des Wortes bezeichnen kann".
7. Wenn Sie so weitermachen, kassieren Sie von mir eine Anzeige wegen Volksverhetzung. Dann sehen wir mal, wer den Staat hier auf seiner Seite hat.
Dort heißt es nämlich unmittelbar vorher: "Looking at a youth is only permissible in the absence of desire. But even if desire is lacking, it may be aroused by looking at him."
Als ein Freund ihn auf dem Sterbebett fragte, warum er sein Begehren denn nicht realisiert habe, antwortete Ibn Dawud: "Der erlaubte Blick hat mir eingebracht, was du siehst; aber was die verbotene Lust angeht", so sei er durch die Versprechung eines Hadiths abgehalten worden, wonach diejenigen, die ihre Liebe verschweigen und keusch bleiben, als Märtyrer ins Paradies eingehen.
Und genau hier setzt der Widerspruch des ultrakonservativen Hanbaliten Ibn al-Dschauzi ein. Es gebe den von Ibn Dawud in Anspruch genommenen "erlaubten Blick" gar nicht. Denn: "Einen jungen Mann zu betrachten ist nur in der Abwesenheit von Begierde zulässig. Aber selbst wenn die Begierde fehlt, kann sie durch das Schauen erregt werden." Wer jedoch leugne, so Ibn al-Dschauzi weiter, dass er durch das Betrachten [eines jungen Mannes] erregt werde, sei entweder ein Lügner oder, wenn man ihm glauben könne, ein Tier und kein menschliches Wesen.
Nachzulesen hier: http://books.google.de/books?id=CP6O3wkivMIC&printsec=frontcover&dq=bell+hanbalite&sig=ACfU3U0lo1fUNcdYQZsh-iN4_C7C2MKuww#PPA26,M1
Trotzdem würde ich es mir wünschen, dass soviel Ekel und schmutziger Phantasie eine solche Seite nicht belasten, wo es doch eigentlich um das Kennenlernen und gemeinsame Verstehen der verschiedenen Religionen geht.
Wenn Sie Gott verachten, dann gehören Sie zu einer Minderheit und können der Mehrheit nicht Ihren Willen aufzwingen
"[Hafis'] Lyrik der Ghaselen besingt die Liebe, den Wein und die Schönheiten der Natur (Rosen). Einiges behandelt auch die Knabenliebe und verspottet die Heuchler. Vordergründig preist seine Lyrik die Freuden des Trinkens (obwohl von orthodoxer Seite der Wein verboten war), der Jagd und der Liebe -- vor allem zum höfischen Freund (dust). Auf einer höheren Ebene aber spiegelt sie die Hingabe des Sufi-Mönchs wider, dessen Ziel es ist, seine Seele mit dem Göttlichen zu vereinigen. Weltliche Freuden, Genüsse und Räusche verweisen somit auf die Liebe zu Gott, sind aber auch zugleich eine Auflehnung gegen die strengen Gebote der islamischen Gesetze. In Zeiten der Despotie lebend schuf Hafis in seiner Dichtung ein Gegenbild zu einer dummen, heuchlerischen und machtbesessenen Umwelt." (Wikipedia)
"The idea of gazing at the beauty of young beardless boys, al-nazar ila al-amrad, coupled with the sama' (Turkish sema), a part of the Sufi ritual known as dhikr (Turkish zıkır), which consisted of music, song, dance, and often sitting clse together, produced an irresistisble erotic mixture. [...] Indeed, the bodily contact occuring so often during the sama' was sometimes used as an excuse to touch, embrace, fondle and explore one's beautiful beloved, and the tabo against sexual contact, even if adhered to at some initial stage, soon broke down."
Sie Heuchler!
His reason by his face and ringlets captured.
Of a well-muscled, power wrestler boy,
A doe-eyed flirt whose arms could chains destroy.
For days and days he thought with all his might
About getting the lad alone one night;
He groped the boy's apple in hot pursuit,
To take his turn kissing that musky fruit.
He wished to get inside the grappler's crotch
And shoot his arrow to its very notch;
But the amrad was quick-tempered and rough,
He warned of cat-o'-nine and fisticuff.
"Never will I permit this shame," he spat.
"You'll never pin my face onto the mat;
But if my hugs and kisses will suffice,
I'm your young man -- so come along, be nice."
The Sûfî said, "This pact is fine with me,
O budding youth, my stately cypress tree;
I merely want to hold you in my arms,
And fall down dead before your lofty charms."
Abu 'Abdallâh Musharrif al-Dîn Sa'dî: Kullîyat-e Sadî. Übers. v. Paul Sprachman, "Le beau garçon sans merci: The Homoerotic Tale in Arabic and Persian". In: Homoeroticism in Classical Arabic Literature. Hrsg. v. J. W. Wright and Everett K. Rowson. New York, 1997. 201.
Ich sag nur: Sodom und Gomorrha!
http://www.ti-amo.at/rumi/02-sonne.htm
Die Liebesnarren:
http://www.ti-amo.at/islamische-mystik/inhalt.htm
Schon lustig, wie man seine eigene Tradition so verleugnen kann.
http://www.ti-amo.at/rumi/02-sonne.htm
Schon lustig, wie man seine eigene Tradition so verleugnen kann.
Offenbarung 18,4:
"Habt keinerlei Kontakt zu ihnen, damit ihr nicht an ihren Sünden teilhabt und damit ihr nicht von ihren Plagen empfangt!"
für den Menschen gilt das Gebot: Du sollst nicht töten, nicht einmal eine Ameise, auch sie hat ein Recht auf das Leben; das unsichtbare Siegel Gottes an den Stirnen der Menschen, bewahrt diese vor jeglichem Schaden als Anerkennung und Belohnung für ein Gottesfürchtiges Leben und Beachtung Aller Gebote.
Es erfüllt sich auch die Prophezeihung, dass wir dafür von den Menschen gehasst werden, obwohl wir den Glauben nur für uns anwenden und andere lediglich warnen. Es ist uns laut der Schrift der Auftrag gegeben, das Licht weiterzureichen und andere nicht im Bösen zu bestärken und nicht zu bestätigen.
So sehe ich hiermit meine Pflicht als getan und wünsche Euch Frieden.
Wer auch nur eines übertritt, ist Übertreter des Gesetzes und was schreiben uns die Kirchen vor?
Den Sonntag als Ruhetag zu heiligen.
Davon war niemals die Rede.
Weitere unbiblische Irrlehren der kath. Kirche:
Fegefeuer und ewige Höllenqual,
Säuglingstaufe, Ablaßhandel, Messe für die Toten, Heiligenanbetung, Unfehlbarkeit der Päpste, Priester, die Sünden vergeben, Anbetung Marias,
http://de.youtube.com/watch?v=pcOE8P1__QM&feature=related
http://de.youtube.com/watch?v=BVS_tTlwjFo&feature=related
http://de.youtube.com/watch?v=4IHtQVensIU&feature=related
http://de.youtube.com/watch?v=pJePin3WhYU&feature=related
http://de.youtube.com/watch?v=4g1JIdtM9UU&feature=related
http://de.youtube.com/watch?v=4UYg0q5Guhk&feature=related
Zunächst natürlich der unvermeidliche Rassismusvorwurf, als wäre „Islam“ ein physisches Merkmal wie die Hautfarbe; das ist natürlich quatsch und leicht durchschaubar als Strategie, jede Kritik in die rassistische Ecke abzuschieben, bevor man sich überhaupt mit ihr auseinandersetzt. Aber gut.
Der Autor tut selber genau das, was er den westlichen islamkritischen Wissenschaftlern unterstellt: er konstruiert die Westliche Kultur als das radikal andere, schlechte. Dass er sich selber zum Dekonstruieren (es heißt im original „deconstruct“, was man nicht einfach mit „zerlegen“ übersetzen kann) bekennt, zeigt seine geistige Herkunft auf.
Dass Geschichte von den Siegern geschrieben wird, gilt natürlich für die Geschichte der Muslime genauso wie für die der Europäer. Die Stimmen der kolonialisierten, unterdrückten und zu Muslimen gemachten Hindus in Pakistan vor der arabischen Eroberung sind schließlich genauso verstummt wie die Stimmen der Opfer westlicher Gewalt.
Dass „die europäische Zivilisation in Interaktion mit der muslimischen Zivilisation entstanden ist“, wird seit gut 100 Jahren von keinem ernstzunehmenden westlichen Historiker mehr bestritten, während das umgekehrte von Seiten muslimischer Historiker nur in Form von Anklagen gegen den Westen (von den Kreuzzügen bis Lawrence von Arabien) existiert; eine kritische Geschichtsschreibung des Islamischen Kolonialismus z.B. steht noch aus.
Die Entstehung des fundamentalistischen Islam dem Westen zuzuschreiben ist geradezu lächerlich, als wäre Saddam Hussein jemals ein Fundamentalist gewesen. Es ist doch wohl allgemein bekannt, dass der sich nur für Religion interessierte, soweit sie in seine Strategie passt. Vor 1990 hat er sich niemals auf den Islam berufen.
Genau das, was er für den Islam ablehnt, nämlich die fundamentalistischen Auswüchse in irgendeiner Verbindung mit dem Islam selbst und seiner Kultur zu sehen, tut er, wo es um den Westen geht: “ Sagen Sie mir, war es Kant oder Descartes, der den Kolonialisten sagte, in Australien einzufallen und es zu besetzen, die Aborigines von Tasmanien auszurotten und ihre Köpfe als Trophäen aufzuhängen? Oder die Körper der nordamerikanischen Indianer zu enthäuten, um daraus Stiefel und Tabakbeutel zu machen? Wo war da die europäische Aufklärung? Im Schlaf?“
Also die Aufklärung hätte den Kolonialismus verhindern müssen, aber der seinem Wesen nach tolerante und rationale Islam hätte die Eroberung halb Europas durch muslimische Armeen nicht verhindern müssen. Schließlich haben die die schönen Moscheen in Spanien gebaut.
Die übliche intellektuelle Unredlichkeit muslimischer Autoren ist das, weiter nichts. Dass er sich als „Dekonstruktivist“ sieht, macht das ganze natürlich verständlich, schließlich geht es denen im Grunde auch nur um diese Form intellektueller Onanie.