Mittelmeerunion, Plan Solaire, Eigenvorsorgung und soziale Verantwortung
Die große Politik hat das Thema thermische Solarkraftwerke in den Wüsten Nordafrikas für sich entdeckt. Das ist zunächst einmal positiv. Natürlich zäumt sie genau wie immer das Pferd von hinten auf. Wenn die Mittelmeerunion keine soziale Union und keine Friedensunion ist, wird sie auch keine billige Energie ernten.
Bei thermischen Solarkraftwerken muss man grundsätzlich zwischen Kraftwerken mit Bündelung der Sonnenenergie oder ohne eine solche Bündlung unterscheiden. Ohne Bündelung sind z.B. Sonnenteiche. In Nordafrika geht es aus Effizienzgründen praktisch nur um Solarkraftwerke mit Bündelung:
Diese Kraftwerke verwenden konzentrierende Reflektorflächen, um das einfallende Sonnenlicht auf den Absorber zu bündeln. Die Reflektoren oder der Absorber werden der Sonne nachgeführt. Solarfarmkraftwerke sammeln die Wärme in vielen über die Fläche verteilten Absorbern, während in Solarturmkraftwerken und Paraboloidkraftwerken die Strahlung der Sonne mit Punktkonzentratoren auf einen Brennpunkt gebündelt wird.
Ob man sich für eine Farmlösung oder eine Turmlösung entscheidet, ist eine Frage des Standortes, des Preises und der Ausfallsicherheit. Da Platz keine Rolle spielt entfällt das Argument des Flächenbedarfs und der Kostenvorteil der Feldlösung mit großer Unabhängigkeit von Einzelkomponenten käme voll zum Tragen. Allerdings lasen sich Feldlösungen auch schwerer vor Sandstürmen schützen.
Der Rest des Prinzips ist einfach. Durch die Sonnenwärme wird eine Absorberflüssigkeit, die unter anderem flüssiges Nitratsalz, Wasserdampf oder Heißluft sein kann, auf um die 1.000 bis zu 1.300 Grad erhitzt, um dann über einen Dampferzeuger in einer Turbine in Strom verwandelt zu werden.
Da sich Strom nicht speichern lässt, gehört zu solchen Anlagen idealtypisch immer eine Meerwasserentsalzungsanlage und ein Werk zur Erzeugung, Speicherung und Rückumwandlung von Wasserstoff. Auf diese Art und Weise, lässt sich auf relativ kleiner Fläche der Energiebedarf der Welt sehr kostengünstig befriedigen.
Im Verhältnis zu den geeigneten Wüsten dieser Welt ist der Flächenverbrauch zwar gering, aber ähnlich wie Ölpipelines sind solche Anlagen immer angreifbar und praktisch nicht wirklich zu verteidigen, zumal sie sehr leicht zu zerstören sind. Das bedeutet das sie nicht in Krisenregionen stehen können.
Wenn einem schon bei dem Begriff Mittelmeerunion eines einfällt, dann ist dies der Begriff Krisenregion. Der Konflikt Israel Palästina mag für europäische Augen zwar das beherrschende Thema sein, daneben gibt es aber jeder Menge lokaler Konflikte und Aufstände. Außerdem hängt an der nordafrikanischen Mittelmeerregion ja noch das ganze restliche Afrika. Also eine einzige Krise.
Tatsächlich sind thermische Solarkraftwerke nicht ein zusätzliches Problem, sondern zugleich ein Lösungsansatz, der aber nur in einer vernünftigen Welt funktioniert. Eines der Hauptprobleme Afrikas ist die Versorgung mit Wasser und Energie. Wasser lässt sich aus Meerwasser mit Energie herstellen. Im weltweiten Vergleich kostengünstige Energie schafft Arbeitsplätze und mit Hilfe von Wasser kann auch die Nahrungsproblematik geklärt werden.
Ein Konzept von Solarkraftwerken bedeutet das die Länder mit hohen Energieverbrauch, die Versorgung Afrikas mit übernehmen müssen und dies in der Grundausstattung zunächst einmal kostenlos. An einem weiteren Ausbau kann sich Afrika dann bei fairen Handelsbedingungen selbst beteiligen. Das Schlüsselwort heißt Teilhabe.
Friede kann nur da entstehen wo die Grundbedürfnisse aller befriedigt werden können. Energie, Wasser, Nahrung, Kleidung, Wohnen und vor allem Bildung sind Grundbedürfnisse. Werden sie nicht erfüllt, gibt es Krieg, Aufstände und Revolutionen. Selbstverständlich gibt es jenseits der Erfüllung der Grundbedürfnisse auch noch unendlich viele Gründe für Gewalt, aber sie führen seltener zum Erfolg.
Wir kennen den Spruch von Erich Mühsam, dass die Deutschen eben Lampenputzer und keine Revoluzzer sind. Dahinter liegt die tiefere Wahrheit, dass die Menschen leicht zufrieden zu stellen sind. Sie suchen in ihrer Masse nicht die ideale, sondern eine erträgliche Welt.
Wird ihnen diese erträgliche Welt geboten und gibt es zusätzlich, wenn auch nur vermeintliche Chancen für einen persönlichen Aufstieg, dann sind die Menschen schnell bereit auf weitergehende Forderungen zu verzichten. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn nicht gleichzeitig einige wenige sich schamlos bereichern.
Ein Modell wie der verantwortungslose deutsche Neoliberalismus, der zur Erfüllung der eigenen, in Wirklichkeit unerfüllbaren Gier, jedes Menschenrecht mit Füßen tritt, würde natürlich in einer derartigen Gesellschaft zu dem Kollaps und den Aufständen führen, die es über kurz oder lang auch in Deutschland geben wird.
Wer also nicht von Anfang an vorhat, derartige Solarkraftwerke und ihre Nebenanlagen, vor allem aber die Überlandleitungen für Strom und die Wasserstofftransportwege dem allgemeinen Nutzen zur Verfügung zu stellen, der wird scheitern. Genauso muss die formal wertlose Fläche in der Wüste gegenüber den Geberstaaten gemäß ihrem Wert für die Energiegewinnung vergütet werden. Am besten dauerhaft in Form von kostenloser Energiebelieferung.
Natürlich muss eine breite Streuung an verschiedenen Orten für weitere Sicherheit in der Belieferung sorgen. Aber daneben wird sich auch etwas in der Bewertung der Fremden in den Köpfen der Menschen tun müssen. Niemand kann gleichzeitig verächtlich auf jemanden herabsehen von dessen Volk er den Platz für die eigene Energieversorgung haben will.
Das wurde beim Öl versucht und dieser Versuch ist kläglich gescheitert. Natürlich kann sich eine solche neue Gesellschaft auch nicht mehr diese dümmliche Islamophobie leisten. Die Politiker werden weiterhin schöne Worthülsen produzieren, egal aus welchem Land sie stammen. Eine solche Mittelmeerunion mit Leben zu erfüllen ist Sache der Bürger.
Es sind ja auch sonst die Bürger, die ihre Politiker zum jagen tragen müssen. Selbstständig jagt die Politik nur noch die Bürger, aber da wird sie wohl von dem Großkapital zum jagen getragen, das seine neoliberalen Interessen durchsetzen will.
In dem kleinen Stück Euphorie, das so sein Anfang einer Mittelmeerunion beinhaltet steckt noch ein weiteres Problem, das der SPD-Abgeordnete Hermann Scheer gegenüber der Frankfurter Rundschau auf den Punkt brachte, als er davor warnte jetzt auf Solarkraftwerke in Nordafrika zu setzen und diese gegen den kräftigen Ausbau der erneuerbaren Energie in Deutschland und Europa auszuspielen.
Diese Gefahr besteht, da ja schon unser Treibstoffgewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen von einem willfährigen Minister an die ausländische Ölindustrie verschenkt wurde, in dem er einfach die Steuerkeule schwang. Solche Minister stellen in Deutschland eine ständige Gefahr da, weil sie ihre persönlichen Interessen, straflos vor die der Bevölkerung stellen können.
Thermische Solarkraftwerke in Nordafrika und den sonstigen Wüsten der Welt sind eine gute Idee, genau wie der Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft notwendig ist. Leider brauchte Europa dafür eigentlich andere, kompetente und unabhängige Politiker, die zumindest in Deutschland nicht zu sehen sind.
Tags für diesen Artikel: afrika, eu, europa, mittelmeerunion, nachwachsende rohstoffe, nordafrika, peak_oil, solarenergie, wasserstoff
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