In München steht nicht nur ein Hofbräuhaus, nein auch im Landgericht München geht es fidel zu. Da brechen alle Dämme wenn wieder einmal ein hochrangiger Manager von gar nichts was gewusst hat. Das ist königlich bayrisches Amtsgericht vom feinsten. Nachdem sich Angela Merkels wichtigster Ratgeber von Pierer schon früh um ein Linsengericht aus der Affäre ziehen konnte - schließlich weiß die deutsche Justiz was sie einer Bundeskanzlerin und deren Chefberater schuldet - ist es nun die zweite Reihe die in Zeugenvernehmungen ihre Unschuld erklärt.
Gerade zu beispielhaft war das Auftreten des Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser in dessen früheren Bereich als Bereichsvorstandes für Finanzen der ehemaligen Siemens-Mobilfunksparte Information and Communication Mobile (ICM), der im aktuellen Fall Angeklagte frühere Siemens-Manager Reinhard Siekaczek über ein System schwarzer Kassen 53 Mio. Euro für Schmiergeldzahlungen abgezweigt hatte:
Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser hat sich empört über das Ausmass schwarzer Kassen in dem Elektrokonzern geäussert. «Ich war bestürzt darüber, dass es so etwas im Unternehmen überhaupt gibt», sagte Kaeser als Zeuge im Siemens-Korruptionsprozess vor dem Landgericht München.
..
«Ich habe das erste Mal von schwarzen Kassen aus Berichten einer überregionalen Zeitung gehört und ich war bestürzt», sagte Kaeser im Verfahren beim Münchener Landgericht, in dem er als Zeuge geladen war.
«Ich hätte solche schwarzen Kassen niemals geduldet, noch habe ich davon gewusst», sagte der Manager. Der Konzern hat dubiose Zahlungen über 1,3 Mrd. Euro von 1999 bis 2006 eingeräumt.
Mensch was ist das gut das Herr Kaeser nichts gewusst hat. Sonst hätte er seine durch Bestechung entstandenen Erfolgprämien aus dieser Zeit doch nie annehmen können. Mit soviel Käse könnte er glatt eine Käserei mit Käseladen aufmachen. Aber dann hat er sich doch noch verquatscht:
Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser hat der früheren Konzernspitze schwerste Versäumnisse bei der Korruptionsbekämpfung vorgeworfen. "Es ist mir heute nicht einsichtig, dass das Unternehmen auf eine ganze Reihe von Hinweisen nicht reagiert hat", sagte Kaeser am Montag als Zeuge im Siemens-Schmiergeldprozess vor dem Landgericht München. Schon ab 2003 habe es "rote Flaggen" gegeben.
..
Begünstigt worden sei das, weil die frühere Konzernführung den Bereichen viel freie Hand gelassen, "Kontrollen fragmentiert" und "den Abbau von Bürokratie übertrieben" habe. Hinweise auf Fehlentwicklungen ab 2003 habe sie ignoriert. "Es ist bedauerlich, dass das Unternehmen das Thema nicht aufgegriffen und Konsequenzen gezogen hat", sagte Kaeser. Auch die Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG hätte aktiv werden müssen.
..
Den Angeklagten Reinhard S., der nach eigenem Geständnis bei der Telefonsparte ICN über Beraterverträge und Tarnfirmen rund 50 Mio. Euro für Schmiergelder in schwarze Kassen umgeleitet hatte, habe er "noch nie gesehen. Ich kenne ihn nicht", sagte Kaeser. "Bestechung, schwarze Kassen sind ein Thema, was in meinen Werten nicht vorkommt."
Als die Verteidigung ihm eine Barzahlung über 3,5 Mio. Euro an einen einzelnen Mitarbeiter bei ICM vorhielt, reagierte Kaeser erstaunt: "Das kann ich mir nicht vorstellen. Sonst wäre ich dem nachgegangen." Alle Zahlungen seien von oberen Managern abgezeichnet worden. Warum seiner Revisions- und Controlling-Abteilung solche Vorgänge entgangen waren, konnte er nicht erklären. "Ich hätte das niemals gedeckt", sagte er. Aber Provisionszahlungen an sich seien nicht verwerflich, und "es gab keine roten Flaggen bei ICM", erklärte Kaeser.
Nur vom Hörensagen wisse er, dass der oberste Korruptions-Bekämpfer Albrecht Schäfer den Zentralvorstand einmal über "die Themen" unterrichtet habe. "Ich selbst war persönlich nicht zugegen", sagte Kaeser.
Oh mein Gott. Da opfert er bereitwillig seine früheren Vorgesetzten und wirft denen Fehler vor um uns mit einem zugekniffenen Auge zu erklären, das er den Mann der jetzt die Schuld tragen soll gar nicht kennt. Ob der Käseredner mal was von der Informations als Holschuld gehört hat. Aber wenn Bestechung und schwarze Kassen doch etwas sind das in seinem Wertesystem nicht vorkommt, dann kommt sicherlich auch Verantwortung nicht vor.
Beim königlich bayrischen Amtsgericht hätte ihm der Herr Amtsrichter mit ein paar Tagen Haft gedroht, bis er seine Erinnerungen wiederfindet, aber das Landgericht ist großzügiger, nachdem er dem Gericht die Taschen vollgehauen hat, das sich die Richter nicht mehr bewegen konnten, durfte er erhobenen Hauptes und in stolzer Unschuld von dannen ziehen. Ein Paradebeispiel verantwortungsvollen deutschen Managertums. Ganz großes Kino und ihm gebührt der Deutsche Schauspielpreis in Gold mit Diamanten.
Aber es geht ja munter weiter. Die vom Käseredner genannte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ist nämlich definitiv auch unschuldig:
Nun sagen Betriebs- und Steuerprüfer von KPMG vor Gericht aus, dass sie über Unregelmäßigkeiten immer berichtet hätten. Sie sehen sich von mehreren früheren Managern des Konzerns hinters Licht geführt.
Diese Ex-Manager aus der Siemens-Festnetzsparte ICN hätten sich nach Erkenntnissen der KPMG zusammengetan, um sowohl Betriebs- und Steuerprüfer, als auch die interne Revision des Konzerns zu täuschen und Kontrollmechanismen zu umgehen, sagte ein KPMG-Mitarbeiter am Mittwoch als Zeuge im Siemens-Prozess vor dem Landgericht München I. Die Bilanzprüfer haben über mögliche Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe im Oktober 2003 berichtet. Darüber hätten sie den damaligen Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger und den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats informiert, sagte ein KPMG-Wirtschaftsprüfer. Weil Neubürger eine interne Überprüfung zugesagt habe, "war das für uns erledigt", sagte der Zeuge.
..
Mit der Information des Finanzvorstands und des Prüfungsausschusses des Aufsichtsrats habe KPMG seine Berichtspflicht erfüllt. "Das Aufspüren von Straftaten ist explizit nicht unsere Aufgabe." Aber "selbstverständlich ist Bestechung etwas, dem wir nachgehen und das wir melden", sagte der Wirtschaftprüfer. Doch bei ICN hätten sich "der Finanzvorstand, der Leiter des Rechnungswesens, der Leiter der internen Revision und der Geschäftsgebietsleiter zusammengearbeitet, um die Kontrollen zu umgehen". Damit seien die Wirtschafts- und die Steuerprüfer und wohl auch die Konzernrevision von Siemens hinters Licht geführt worden.
Es ist schon gemein das die arme KPMG so hinters Licht geführt wurde und mit ihr die Konzernrevision. Zumal der KPMG ja auch ausdrücklich gesagt worden war, was sie nicht finden soll. Schließlich beauftragt man eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ja nicht um die Wahrheit zu erfahren, sondern um sie hinter den Stempeln der Prüfungsgesellschaft zu verstecken. Wer bezahlt, bestimmt eben auch welche Musik gespielt wird.
Was sich aus den beiden Aussagen aber leicht ableiten lässt, ist dass es im Siemenskonzern ein gutorganisiertes System zur Abwicklung von Bestechung gab, das von Vorständen mitgetragen wurde und dem Unternehmensziel, nämlich der Gewinnmaximierung diente. Natürlich war nicht geplant sich erwischen zu lassen, das ist eher ein Betriebsunfall mit dem keiner gerechnet hatte.
Da macht es doch keinen Sinn hochkarätige Manager anzuklagen und einzusperren, wenn das Aufdecken nur ein Betriebsunfall war. Beim nächsten Mal verbergen die ihre schwarzen Kassen viel geschickter und die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft macht die Augen noch fester zu und stellt Leute ein die blind unterschreiben können.
Nein, es reicht beim königlich bayrischen Landgericht, ein paar kleine Handlanger mit viel Getöse zu hängen. Die wahren Schuldigen sind für dieses Gericht wohl mehrere Nummern zu groß.


















