Wie sehr unsere Gewerkschaften am Arsch sind, spiegelt diese Meldung wieder:
Im Kampf gegen den Mitgliederschwund wollen einige Gewerkschaften in möglichst vielen Tarifverträgen Sondervergünstigungen unterbringen. "Wir wollen versuchen, in allen Tarifabschlüssen Vorteilsregelungen für Gewerkschaftsmitglieder zu vereinbaren", sagte Verdi-Tarifexperte Jörg Wiedemuth laut Nachrichtenmagazin "Focus". Dies sei der Gewerkschaft zum Beispiel bei den Verhandlungen für die 9.000 Hafenarbeiter in Deutschland gelungen. Gewerkschaftsmitglieder erhielten 260 Euro pro Jahr zusätzlich.
Ja das ist eine geradezu idealtypische Form die eigene Unattraktivität mit einer Augenwischerei auszugleichen. Wir hatten diese Diskussion bereits in den frühen Siebzigern. Als die Gewerkschaften noch stark waren. Die Arbeitgeber haben sie sofort unterlaufen. So doof kann ein Arbeitgeber ja gar nicht sein. Natürlich zahlt der allen das gleiche, schon um Diskussionen aus dem Wege zu gehen. Vor allem aber um Solidarität die sich gegen ihn als Arbeitgeber richtet auszuschalten.
Jetzt, wo die Gewerkschaften sich so schön mit den Arbeitgebern eingekuschelt haben, dass man die Grenzen zwischen Gewerkschaftsboss und leitendem Angestellten des Neoliberalismus gar nicht mehr erkennen kann, sollen die Arbeitnehmer entsolidarisiert werden, in dem man der kleinen Gruppe der Gewerkschaften mehr Lohn besorgt und die anderen noch tiefer fallen lässt.
Sind die Löhne dann ganz unten werden die Gewerkschaften erpresst. Entweder gehen eure Leute noch weiter runter oder sie fliegen raus. Logische Entwicklung. Sogar verständlich aus Arbeitgebersicht. Warum soll man nicht davon profitieren, wenn sich die Arbeitnehmerschaft selbst kanibalisiert.
Ja ich kenne das Argument, das die Leute die nicht in der Gewerkschaft sind, vom Kampf der Gewerkschaft profitieren. Das stimmte auch früher mal. Damals hat man gesagt, dass die Gewerkschaftsbeiträge das Streikgeld finanzieren und die anderen eben bei Streiks erhebliche Verluste hinnehmen müssen. Große Streiks führten zu großem Mitgliederzuwachs.
Irgendwann wurde das Geld der Mitglieder aber nicht mehr im wesentlichen für Arbeitskampf ausgegeben sondern für Pöstchen. Da eine Feststelle, dort ein neues Pöstchen, hier was Stiftungsmäßiges, dort ein Fahrer. Natürlich auch Managergehälter für Gewerkschaftsbosse. Das war schön für die Funktionäre, aber schlecht für die Mitglieder. Das haben die kapiert, und sind ganz ruhig ausgetreten, wenn sie nicht über Vorruhestand und gewerkschaftlich sanktionierte Entlassung eh aus dem Arbeitsleben verschwanden.
Weil die Mitgliederzahlen sanken, aber die Gier der Funktionäre größer wurde, wurden die Gewerkschaften auch größer und noch uneffektiver. Man schloss sich zusammen zu immer größeren Einheiten. Weit weg von der Basis der Beitragszahler. Jetzt sitzt man dort auf dem Olymp. Selbstzufrieden und vollgefressen. Man ist zwar keine Gewerkschaft mehr sondern nur noch ein Selbstversorgungsverein. Selbst das was die Stiftung der Gewerkschaft verlautbart stammt von Mohn/Bertelsmann. Aber eine Gefahr besteht.
Was tun wenn das letzte Mitglied ausgetreten ist? Ob Mohn/Bertelsmann und die INSM die Gewerkschaften dann auch noch unterstützen, ob es noch die vielen schönen Arbeitsdirektorenposten gibt, die Aufsichtrsratsmandate. Die Urlaube mit den Kollegen in Brasilien und sonstwo, die Freifickerei auf Firmenkosten. Wohl eher nicht.
Es ist nicht verboten sich an den Gegner zu verkaufen, zumindest nicht, solange man nicht allzu sehr auffällt. Aber man kann nicht beides haben. Mitgliedsbeitragszahler die eine Interessenvertretung der Arbeitnehmer fordern und gleichzeitig Befehlsempfänger und Subventionsnehmer der Arbeitgeber sein. Die Gewerkschaften des DGB haben sich mehrheitlich dafür entschieden auf Arbeitgeberseite zu sein.
Darin ähneln sie der SPD die auch alles verraten hat, wofür sie einmal stand. Es wird den Gewerkschaften gehen, wie der SPD. Sie werden bedeutungslos. Es gilt jetzt neue Gewerkschaften zu gründen und die Mittel wieder für den Kampf zu sammeln. Funktionäre kämpfen nicht. Funktionäre fressen nur alles auf.



















den arbeitnehmern die sich bald alle ihrer klasse bewusst werden und munter starke, kampfbereite organisationen aus dem boden stampfen? ich glaubs nicht. insbesondere weil die gründe im artikel - zum teil ja richtig (wobei die hans böckler stiftung meines wissens weder von insm noch bertelsmann finanziert oder gar geliebt wird) nicht den grund für den mitgliederschwund darstellen. wer sich mal mit den leuten in den betrieben unterhält wird relativ schnell feststellen, dass die meisten nicht deswegen austreten, sondern weil sie das geld sparen wollen/müssen oder einfach nur unsolidarisch sind. hinzu kommt die vollständige durchdringung mit neoliberalen gedankengut, die eine solidarische gemeinsame lohnpolitik nur noch für die schwächeren attraktiv erscheinen lässt.
viel spass dem, der mit diesen leuten dann eine arbeitskampfbereite organisation aus dem boden stampft.
Wenn du die Leute in den Betrieben, erkennbar als Gewerkschaftler oder Gewerkschaftsnaher ansprichst bekommst du solche Antworten.Privat erzählen dir die meisten, das sie schon ihrem Betriebsrat nicht mehr glauben, der stolz wie ein Hahn auf dem Parkplatz der Leitenden seinen Firmenwagen parkt.
Sie erzählen dir die Geschichte von Maria mit dem totkranken Kind, bei dem die Gewerkschaft der Kündigung zustimmte, weil Maria ja nicht arbeiten konnte.
Nein mein Freund hör mir auf. Die Leute lügen ja nicht alle. Lügen, das ist Sache der Gewerkschaften.
Man kann eben nicht auf beiden Seiten der Straße spielen, sonst wird man überfahren. Sie wollen auf der Arbeitgeberseite spielen. In Ordnung, aber dann braucht man neue Gewerkschaften.
Im Kfz Gewerbe gibt es auch keine Tarifverträge mehr. Die christlichen Gewerkschaften aka Arbeitgeberlieblinge haben einem Vertrag zugestimmt, die Metaller lassen lieber alles platzen. Wieder eine Tarifgemeinschaft zu Ende, aber das Geld der Mitglieder nehmen sie weiter. Ohne etwas zu tun.
"Es gilt jetzt neue Gewerkschaften zu gründen und die Mittel wieder für den Kampf zu sammeln".
Warum eigentlich nicht?
Dann aber auch gleich anders nennen ("Gewerkschaft" nur im klein gedruckten Untertitel, weil's halt sein muss, um in die Gesetze zu passen...)
Ich frage mich zum Beispiel, WARUM es eigentlich nicht passiert, dass die Leute in bestimmten Discounter-Märkten sich über eine Community sammeln, austauschen und irgendwann auch mal zu gemeinsamem Verhalten kommen. Ist das so entlegen? Früher brauchte man große Organisationsstrukturen mit Funktionären etc., um sowas rein organisatorisch ins Werk zu setzen - aber heute???
Ich wette, jede 2. LIDL-Mitarbeiterin ist Mitglied in mindestens einer Freizeit-Com, kann chatten und shoppen - warum zum Teufel organisiert sich denn der "Arbeiterkamf" (Himmel, was für ein antikes Wort!!) nicht endlich per Netz???
Vermutlich, weil diejenigen, die sowas tatsächlich umsetzen könnten (Com einrichten, entwickeln, die Mitglieder herkriegen...) sich nicht dafür interessieren. Denn selber sind sie lange selbständig oder arbeiten "gemütlich prekär". So fehlt die eigene Betroffenheit und der Elan, den so etwas braucht.
Denn es dauert vermutlich, bis die Anstatt-Gewerkschaftler soweit wären, dass sie Mitgliedsbeitrag zahlen, um die Leute zu finanzieren, die den Laden in Schwung halten..-
Als "StartUp" also nicht grad easy. :-))