Ich bin zwar nicht sonderlich ansehnlich, aber heute habe ich ein fröhliches Lächeln auf dem Gesicht. Die Telekom ist bei einer Bespitzelungsaktion von Journalisten aufgefallen und die Medien sind formal wütend:
Der "Spiegel" zitiert aus einem Fax der Beratungsfirma, das vor wenigen Wochen bei der Telekom eingegangen sei. Ziel der Spähoperationen "Clipper", "Rheingold" und einiger anderer "Nebenprojekte" sei "die Auswertung mehrerer hunderttausend Festnetz- und Mobilfunk-Verbindungsdatensätze der wichtigsten über die Telekom berichtenden deutschen Journalisten und deren privaten Kontaktpersonen" gewesen. Dies sei bei "mehreren Aufsichtsratsmitgliedern der Arbeitnehmerseite" wiederholt worden "über einen Zeitraum von insgesamt anderthalb Jahren".
Das macht schon Spaß. Nun muss die Journaille so tun, als hätte sie nicht ahnen können dass mit den Daten Schindluder getrieben wird. Dabei war jedem normal denkenden Menschen klar dass die dauernde Abhörwut unsres nach eigenen Angaben nicht vollständig durchgeknallten Innenministers Schäuble auch die Begehrlichkeiten des Großkapitals weckt. Dass es diesmal Manager und Journalisten erwischt hat, ist lustig. Neoliberale kennen eben keine Freundschaft und kein Vertrauen. Schließlich kennen Neoliberale ja sich selbst.
Was machen die Journalisten demnächst nur wenn ihre PayBackkarten mit den Daten ihr privaten Krankenversicherung abgeglichen werden und sie die Lebertransplantation wegen zuviel Suff selber bezahlen müssen. Das Leben ist aber auch gemein.
Es gibt aber noch einen weiteren Satz der mir viel Spaß macht:
Der amtierende Telekom-Chef Rene Obermann versprach am Samstag rückhaltlose Aufklärung und ließ nach eigenen Angaben die Staatsanwaltschaft einschalten. Die dem Unternehmen vorgelegten Vorwürfe beträfen Verbindungsdaten, aber kein Abhören von Gesprächen, hieß es in einer Mitteilung des Konzerns.
Ist das nicht niedlich. Er hat die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Na. Da ist sein Persilschein doch schon ausgefüllt. Klarer Freispruch. Ob der Staatsanwalt wohl ganz zufällig Fred Apostel heißt. Vermutlich wird er sich einen neuen Jan Ulrich suchen, den anstelle der wirklich Verantwortlichen hängen kann.
Aber wenn nicht dann ist das auch nicht schlimm. Sehen wir ja an dem Herrn von Pierer. Der hat ja auch nur falsch geparkt, eine Ordnungswidrigkeit begangen, während sene bösen Mitarbeiter vor ihm die milliardenschweren Bestechungen verheimlicht haben. Aber wenigstens kannte von Pierer den Klopapierverbrauch genau.
Ich würde es zudem spannend finden wenn ein Journalist, so ein ganz ein mutiger wenn es solche noch gibt, den Herrn Obermann mal fragt was er denn über "Deep Packet"-Inspektion weiß. Natürlich wird er auch da darauf verweisen, das die Telekomiker das doch nicht tun.
Denn genau wie das Abhören von Gesprächen wurde es ihnen bisher noch nicht nachgewiesen. Aber wenn einer nachfragen sollte, werden wir in der nächsten Maybritt Illner Sendung sehen, das die totale Überwachung des Internet nur zu unserem Schutz dient. Schließlich müssen unsere Mails ja von kundiger Hand Korrektur gelesen werden. Schön wie wir da mit unseren eigenen Gebühren belogen werden.


















