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27. Treibjagd
Das Ärgerlichste am Fehler ist der Ärger.
Andreas Tenzer
27.03.2006 Messina 11:00
Silvio Lucca sah sich in einer bedrängten Lage. Die Zollbehörden in Messina und Rotterdam zeigten nachdrückliches Interesse für seine diversen Exporte. Wie ihm Freunde mitgeteilt hatten, forschten sie um Jahre zurück. Warum, wusste jedoch niemand.
Die Carabinieri waren angewiesen, Luccas Besucher zu überwachen und eventuelle Terroristen herauszufiltern. Die Guardia die Finanza ermittelte gleich wegen mehrerer angeblicher Vergehen gegen ihn.
Nun war er anscheinend auch noch mitten in die Jahreshauptversammlung der Blues Brothers geraten. Seit zwei Tagen verfolgten ihn große amerikanische Limousinen in denen Kerle mit schwarzen Anzügen, Hüten und Sonnenbrillen saßen. Jeder dieser auffällig Unauffälligen trug gut sichtbar einen Knopf im Ohr und im Schulterhalfter mit Sicherheit kein Musikinstrument.
Silvio hatte sich mit dem lokalen Staatsanwalt getroffen, der ihm aber keinen Trost spenden konnte, trotz eines großen Bündel Euros.
„Es tut mir Leid, ich habe keine Ahnung, was los ist. Jedenfalls klingt es bedenklich, Signor Lucca“, sagte er und steckte das Geld ein. „Sind Sie jemandem in einem Ministerium auf die Zehen getreten?“
Silvio war sich weiterhin keiner Schuld bewusst und durchforstete in seinen Gehirnwindungen die dunkle Vergangenheit nach dem Grund für die Unannehmlichkeiten. So konnte es auf keinen Fall weitergehen. Die Geschäfte liefen nicht mehr und nachts lag er schlaflos herum und grübelte.
Lucca war kein Jäger ist und der Begriff Treibjagd sagte ihm nichts.
Daher begann er Bargeld einzusammeln und die Codes seiner internationalen Konten zu notieren. Er berief den Familienrat ein und verkündete seine Entscheidung, sich zunächst einmal zurückzuziehen.
Die Finanzpolizei würde den Seeweg ebenso wie den in die Schweiz blockieren. Flugzeuge waren für ihn schon immer Fallen gewesen. Also kündigte er einen Geschäftstermin in Salzburg an und nahm das Auto.
Natürlich folgten ihm die Blues Brothers zunächst, aber sein Ferrari war deutlich stärker. Kurz hinter Modena gab er seinem schwarzen Hengst die Sporen und sah die Herrschaften im Rückspiegel verschwinden.
„Endlich“, sagte der Pinkerton Mitarbeiter, „ich fürchtete, der Arsch würde nie aufdrehen. Nun suchen wir uns eine schöne Trattoria und überlassen den Jungs in Zivil den Job. Wenn es auch ganz schön heiß in dieser Verkleidung ist, Lucca hat es den notwendigen Schrecken eingejagt.“
Silvio drehte das Radio lauter, Bozen flog vorbei. Er zahlte die Maut auf der italienischen Seite des Brenners und rauschte durch den Tunnel nach Österreich. Freiheit, lachte er innerlich, als sich von hinten zwei schwere Mercedeslimousinen hinter und neben ihn setzten. Vorne wartete schon das österreichische Polizeiauto und verlangte mit einer heftig blinkenden Leuchte, ihm zu folgen.
An der nächsten Haltebucht war Silvio Luccas Fahrt zu Ende. Seine Weiterreise nach Wien organisierte der österreichische Staat. Lucca reagierte fassungslos mit Kopfschütteln, als der Beamte ihm den Haftbefehl wegen Devisenvergehens herunterleierte. Das war eines der wenigen Verbrechen, das er in Österreich mit Sicherheit noch nie begangen hatte, aber er fügte sich. Es würde sich gewiss aufklären, dachte er hoffnungsvoll.
27. März 2006 Hamburg 11 Uhr 30
In der Hamburger Speicherstadt, am Nicolaifleet, hatte die Firma Sanitärinstallation Sprangelmann und Söhne einen ihrer interessanteren Aufträge. Auf dem Dach des traditionellen Speicherhauses befand sich einer der alten gusseisernen Wassertanks, die ehemals genutzt wurden, um Wasserdruck für Lösch- und Brauchwasser im Haus zu haben. Schillke wollte ihn zum Teil einer hochmodernen Rapsölheizung umbauen lassen mit Dichtungen, die resistent gegen die Aggressivität des Öls waren.
Dieser Fünfzehntausendlitertank war in bester Verfassung und es war eine schöne Aufgabe, eine Außenleitung bis über den Fleet zu legen, die Pumpen zu installieren und einen flexiblen Metallanschlussschlauch anzubringen. Nun fehlte nur noch die Heizung.
Roger Harry Schillke hatte jedoch keine Heizung geplant. Um den Schein zu wahren, ließ er von einem Bunkerschiff Rapsöl in den Tank pumpen, brachte dann aber Sprengladungen an der Unter- und Oberseite an, wo sie ein zufälliger Betrachter kaum entdecken konnte.
Darunter lag Rogers geheime Wohnung – sein Rückzugsgebiet und die Spielwiese für seine Träume. In diesen unruhigen Zeiten wollte er jederzeit die Möglichkeit haben, sich per einfachen Anruf mit dem Handy und ein paar Codeziffern von dem gesamten Objekt trennen zu können, ohne dass er Spuren hinterlassen würde. Das Feuer würde auch eventuelle Jungs auslöschen.
28. März 2006 Tokio 0 Uhr10 Ortszeit
Der japanische Multimillionär Yamoto fiel entsetzt aus dem Futon, als die Polizei sein Haus mitten in der Nacht stürmte. Ein australischer Kunde hatte es persönlich genommen, dass ihm mehrere Kopien gestohlener Bilder verkauft wurden und Yamoto nicht sofort bereit gewesen war, das Geld zu retournieren. Dem Australier war der finanzielle Verlust egal, aber er wollte Rache.
Seine Angaben vor der Polizei des Heimatlandes, Vertretern des Gesetzes in der japanischen Botschaft und ein leiser Druck der Regierung reichten aus, um einen Einsatz bei Yamoto zu veranlassen.
Er wusste sofort, welche Stunde geschlagen hatte. Auf Schritt und Tritt fand die Polizei in seinen Räumlichkeiten Illegales. Schon nach kurzer Zeit war klar, dass dabei nur ein enormer Gesichtsverlust und eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne die Chance auf Begnadigung herauskommen konnten.
An diesem Punkt besann er sich auf seine Ehre. Um nicht das Gesicht zu verlieren, legte der Multimillionär ein Geständnis bezüglich des Handels mit den Kopien ab und beschuldigte den Hamburger Rechtsanwalt Roger Harry Schillke, die Bilder geliefert zu haben.
Nach diesem Bekenntnis wurde ihm gestattet, für einige Zeit in seinem Büro alleine zu bleiben.
Yamoto reinigte seinen Körper, legte den weißen Festtagskimono an, betete vor dem Altar und zückte schließlich das Schwert für den rituellen Selbstmord, den Seppuku.
Kopien seiner Aussage gingen an Australien und Deutschland. Der Kunde würde aus dem Nachlass entschädigt werden.
28. März 2006 Wien 8 Uhr 00
Huber und die Störchin saßen an dem Bericht des Labors und sortierten die Daten aus dem Handy der Elisabeth von Marai.
„Hm, die Dame hatte ja eine wirklich erlesene Kundschaft“, sagte Huber respektvoll. „Lauter erste Adressen der k.u.k. Donaumonarchie und der angrenzenden Gebiete. Nobel, nobel. Am liebsten tät ich die Daten gleich in das System des Reichsgrafen eingeben. Aber das soll ich ja nicht.“
„Hubsi, du bist wirklich ein glücklicher Idiot“, meinte die Störchin grinsend, „Der gute Johann hat zwar den ganzen Abend über nicht den intelligentesten Eindruck gemacht, weil alles Blut aus dem Kopf in das edelste Teil des Mannes gerutscht ist, nachdem er Tatijana in ihrem Kleid gesehen hat. Eigentlich bewundernswert, dass er sie nicht gleich auf den Teppich geschmissen hat ...“ Die Störchin sah ins Leere, erinnerte sich an den Auftritt von Tati und Helga im Korso. Was für schöne Frauen und so liebenswert! Dann fing sie sich: „... im Hotel Sacher war seine Reichsgräflichkeit doch wieder völlig klar! Er zweifelt nicht seinem System in Berlin, nicht an Helga und Tatijana, die ja Opfer waren, nicht an dir und nicht an sich selbst, Hubsi. Er glaubt wohl auch Homer, die scheinen sich besser zu kennen, als sie zugeben. Weißt du was? Er misstraut mir. Nicht wirklich, aber weit genug, um auf Nummer sicher zu gehen. Was glaubst du, weshalb Tatijana mich die Nacht über bewacht hat, damit ich nicht telefoniere? Sie wollte auf jeden Fall nicht mit mir schlafen.“ Sie kicherte.
Huber runzelte die Brauen. „Warum hat Johann mir nix gesagt davon? Verstehe ich nicht.“
„Lieber, lieber Hubsi. Weil du für deine Freunde wie ein offenes Buch bist. Die haben alle mitgekriegt, wie du mich umsorgst ...“
„Aber ...“
„Psst. Freu dich, dass du solche Freunde hast.“ Sie schnappte sie sich seine Ohren und verpasste ihm einen herzhaften Kuss.
„Willst du die Spesenabrechnungen an Marks und das Protokoll an Präsident Horzinger noch einmal lesen, bevor das Zeug abschicke?“, fragte Tatijana nach.
„Nein, es sei denn, es steht etwas neues drin und dann drehe ich dir den Hals um, weil es nicht in unserem System ist“, antwortete Johann, vertieft in Museumsversicherungspapiere vertieft.
„Euer Gräflichkeit, es steht wie immer nichts drin, dafür hat es ein paar schöne Leichenfotos, Listen von sichergestellten Bildern und viel Bla Bla. Das liest eh keiner. Die warten, bis der Abschlußbericht in der Tageszeitung steht und lassen sich dann ausrechnen, wieviel Geld wir der Versicherung gespart haben. Bisher ist es schon fast mehr als das Siebenhundertfache von dem, was wir kosten. Da können wir noch ein wenig shoppen gehen.“
Johann hob den Kopf aus der Mappe und betrachtete Tatijana wieder einmal genau. Sie war im Bademantel in seine Suite gekommen, hatte dann nackt, wie gewohnt, sein großes Wohnzimmer zum Training benutzt, während er noch schlief. Das wusste er. Am Frühstückstisch erschien sie wieder verhüllt, fand das nach einer Weile offenbar lästig bei der Arbeit am Notebook. Jedenfalls war sie aus den Ärmeln des Mantels geschlüpft und er lag um ihren Sessel drapiert.
Johann hatte Tatijana oft nackt gesehen und sich daran gefreut. Er konnte genau unterscheiden, wann sie sich ihm als Köder anbot, oder es, wie jetzt, einfach bequem haben wollte, um mit Höchstgeschwindigkeit ihre Arbeit zu erledigen.
Immer wieder war ihm bewusst geworden, dass die kleine Tatijana genau sein Typ wäre, hätte er da nicht das leider gar nicht so kleine Problem, das sein Liebesleben seit frühester Jugend behinderte.
Was den Frauen beim Tanzen glänzende Augen verschaffte und ihm unter der Dusche oder am FKK-Strand bewundernde Blicke einbrachte, entpuppte sich in der Liebessituation als monströses Handcap.
Für Frauen von Tatijanas Körperbau bestimmt kein Lustspender, sondern eine Qual. Deshalb war Johann auf den Typ Walküre umgeschwenkt. Selbst unter ihnen gab es etliche, denen es zuviel war und nur wenige, die sich daran delektierten.
Es kam eben doch auf die Größe an, dachte er, als das Telefon klingelte. Die Pinkerton-Leute berichteten von der geglückten Festnahme Luccas. Er gab die Information sofort ein, mit Benachrichtigung an die anderen und sah, dass Huber das System weiter gefüttert hatte: „Hast du gesehen, dass Hubsi weiter brav Eingaben macht und die Störchin auch? Vielleicht hat er meinen Minimalverdacht begriffen.“
„Johann, du bist ein Mann, er ist ein Mann. Die Störchin hat es sofort kapiert und weil sie ihren Hubsi liebt und fürchterlich schlau ist, mit einem Lächeln akzeptiert. Ich verwette drei Monatsgehälter, dass Tschikowski der Arsch ist. Aber jetzt flöhe ich erst mal den Schillke.“
28. März 2006 Berlin 8 Uhr 30
In Berlin saß Michael Mücke mit dem Staatsanwalt Bacilar Helal in der 'Mordkommission' beim Frühstück, als sein Mitarbeiter Trinkhaus müde hereinstolperte und nach Kaffee rief.
Helal grinste ihn an: „Musstest du etwa arbeiten heute Nacht? Du Ärmster. Ich hatte es schön kuschelig bei meiner Frau. Aber du wolltest ja unbedingt Kriminaler werden.“
„Halt bloß die Klappe, sonst bestelle ich mir gebratenen Staatsanwalt, gefüllt mit MM und umlegt mit Streifen vom Reichsgrafen. Ich sammle nur noch Naziidioten ein. Die Jungs aus dem Luch haben gar nicht mehr aufgehört zu plaudern. Das reicht bei denen zurück bis fast in den Kindergarten. Die Helden sind eine echte Freude.“
„Und kommt was dabei rum?“, wollte MM wissen.
„Ich schmeiß dem Bacilar seinen Schreibtisch so mit Akten zu, dass er sich ein eigenes Minarett bauen kann. Bisher langt es bei allen zumindest zu Bewährungsstrafen, wenn Taten zusammengefasst werden, auch zu Haft.“ Trinkhaus wandte sich an Helal: „Ich baue es mit deiner Mitarbeiterin gerade so zusammen, dass ihr leicht und gut begründet Anklage erheben könnt. Das wird meistens für Knast reichen. – Was treibt ihr beiden denn hier so an Freizeitvergnügen?“
„Wir basteln uns einen Tatverdacht, damit wir ein wenig ermitteln dürfen“, antwortete MM. „Erinnerst du dich an diesen Rechtsverdreher aus Hamburg, der so einen Wind wegen diesem Mord im Milieu machte, sich dann zurückzog und als Nachfolger einen unserer dümmsten Strafverteidiger wirken ließ, der den Prozess trotzdem gewann, weil uns die Zeugen wegstarben?“
Trinkhaus bestellte noch einen Kaffee und Berliner. „Jau, wir konnten ihm nix beweisen, waren aber sicher, dass er dahinter steckte. Und die verdammten Fischköppe haben gemauert und nichts getan. Worum geht es diesmal?“
„Sein Name ist in Japan in Zusammenhang mit dem Handel von Kopien gestohlener Gemälde aufgetaucht.
Die Polizei erlaubte dem Täter bedauerlicherweise Seppuku zu begehen. Damit können wir die Aussage hier knicken“, antwortete der Staatsanwalt, „doch wir haben einen Zettel, auf dem sogar eine Großmutter, die nicht deutsch spricht und vielleicht gar nicht richtig lesen kann, den Namen Schillke entziffern würde.“
„Ich lese da noch Hamburg und Rechtsanwalt“, fügte MM feixend hinzu. „Einer diese Nazispinner hat übrigens in Hamburg mal für einen Puff gearbeitet, an dem der feine Herr beteiligt war.“
„Das ist zwar alles sehr dünn, aber für einen Anfangsverdacht reicht es dicke“, sagte Helal und zuckte mit den Augenbrauen, „deshalb leite ich jetzt glatt ein Ermittlungsverfahren ein. Dann kann Trinkhaus wenigstens einmal was arbeiten.“
„Sehr lustig“, gab der zurück und biss in den Berliner.
28.03.2006 Totes Gebirge 9 Uhr 15
Tschikowski blickte aus dem Fenster einer Berghütte, die irgendwo im Toten Gebirge lag, in das Schneetreiben. Er konnte sich einfach keinen Reim auf den Anschlag machen. Im Moment kratzte ihn das weniger als die Tatsache, dass man ihn nicht mehr in seine Wohnung gelassen hatte, ehe er hierher gebracht wurde zum Versauern.
Nun lagen Geld und Handy des Rechtsanwaltes dort herum und ein paar Bilder, die er nur ungern der Spurensicherung überließ. Es handelte sich um Fotos von Nachbarinnen, die er mit dem Teleobjektiv geschossen hatte. Da konnte leicht ein falscher Eindruck entstehen. Dabei waren es nur Übungsabende für Observationen.
Die Kohle war wesentlich schlimmer. Geld und Polizisten passten einfach nicht zusammen. Bei der vielen Arbeit war das natürlich unfair. Aber Neider gab es ja immer.
Wahrscheinlich hatten die Kollegen seine Räume nur nach Sprengstoff durchsucht, längst abgeschlossen und versiegelt. Die waren bestimmt nicht scharf darauf, sich unnötige Arbeit zu machen.
Mit dieser Ansicht täuschte sich Tschikowski allerdings gewaltig. Er hatte ein paar mal zu oft den Boden mit den Spurensicherern aufgewischt und sie reichlich gedemütigt. Das würden sie ihm nie vergessen. Nun filzten sie jedes Zimmer mit dem ganz feinen Kamm.
Es kamen Dinge zum Vorschein, an die er seit Jahren nicht mehr gedacht hatte. Die Kinderpornos, die in die Asservatenkammer gehörten. Akten, bei denen es um Prominente ging und die eventuell für eine Erpressung gut waren, auf jeden Fall aber nichts außerhalb der Polizei zu suchen hatten.
Durchschriften von anonymen Anzeigen, die Kollegen und vor allem Huber betrafen und an Gott und die Welt gegangen waren. Erstklassige Nacktfotos von allen Frauen und jungen Mädchen aus der einsehbaren Nachbarschaft.
Drei Briefumschläge mit richtig viel Geld und guten Fingerabdrücken. Natürlich fanden sie das Extrahandy dazu eine umfangreiche Sammlung von Softpornos der dümmsten Art. Der Spurensicherer grinste gemein, als er Kommissar Huber informierte und trug mit Begeisterung seine Funde ins System ein.
Homer Nixon saß in seiner Botschaft und trommelte auf die CIA ein, ihm mitzuteilen, was sie über den Rechtsanwalt Schillke wusste, und wie weit sie mit den Informationen über Oreste Crispi waren. Doch da biss er auf Granit.
Immerhin erfuhr er, dass Irena Macintyre, jene Dame aus der Gegend von Boston, die ihm in Leningrad auf die Finger und mehr gesehen hatte, hier zuständig war. Wenn sie auch aussah wie eine typische evangelikale Lehrerin aus dem Bibelgürtel, war sie die Art von stillem Wasser, das besonders tief und stürmisch ist.
Der Weg zum Wissen des CIA führte also im wahrsten Sinne des Wortes über Irena. Homer hatte schon viel schlechtere Wege gehen müssen. Er bestätigte ihr kurz, wann er am Abend in Ramstein ankommen würde. Den Rest konnte er getrost ihr überlassen. Und es war ja auch für eine gute Sache, redete er sich grinsend ein.
Tatijana führte einen Freudentanz auf, als sie die Ergebnisse der Spurensicherung in Tschikowskis Wohnung sah. Geld stank sehr wohl, wie sie seit einem Besuch in einer Landeszentralbank wusste, wo sie unter den aufgefädelten Geldscheinen stand, die zur Vernichtung vorbereitet waren.
Dieses Geld hier stank besonders übel und der junge Kommissar würde den Leuten vom Inneren viel zu erklären haben. Sie griff zum Telefonhörer.
„Huber, was ...“
„Ganz viel kannst du für mich tun, mein, lieber Hubsi. Ganz viel. Aber das lassen wir dann lieber die Störchin nicht wissen. Erst mal was anderes. Innenrevision bedeutet sicher bei euch das gleiche wie überall. Eine Versammlung der Lahmärsche und Wichtigtuer. Wenn die das Beweismaterial von Tschikowski in den Händen haben, dauert es bis zum Tode meiner Urenkel, bevor wir da Erkenntnisse rauskriegen.“
„Guter Tipp, liebste Tatijana. Wieso die Innenrevision? Mein lieber Kollege war Opfer eines Bombenanschlags und nun soll mit gefälschten Beweisen ein Keil zwischen die Ermittler getrieben werden. Da recherchiere ich lieber selber und den Tschikowski schützen wir, indem wir ihn im Schnee verbuddelt lassen.“
„Geile Idee, Hubsi. Außerdem ist Irren ja menschlich. Aber du kannst ihn auch nicht befragen.“
„Nein. Kann ich nicht und will ich nicht. Ich filze einfach seine Kommunikationsverbindungen der letzten Zeit und das Extrahandy. Warum hat er das eigentlich? Wer ruft den schon an? Morgen haben wir dazu die Abdrücke. Dann sehen wir weiter.“
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