Hunger im Jahre 2008. Irgend so ein Entwicklungsland. Richtig Haiti! Ist ja klar. Das ist auch so ein Land wo die Amerikaner alle paar Jahre einmarschieren um jede Gefahr durch Bildung einer demokratischen Regierung zu beenden. Die sollen wahrscheinlich hungern. Kein Mensch weiß so genau was die USA dazu bringt, in Haiti immer wieder alle Hoffnungen zu zerstören, aber sie haben bestimmt recht. Das haben die USA doch immer.
Während ich hier am Sonntag nachmittag mit dem Artikel anfange kommt gerade folgende Reuter-Meldung über den Ticker:
Nach tagelangen Unruhen wegen hoher Lebensmittelpreise ist in Haiti die Regierung gestürzt.
Der Senat entließ am Wochenende in einer Sondersitzung Ministerpräsident Jacques Edouard Alexis, einen Verbündeten von Präsident Rene Preval. Bei Zusammenstößen in der Hauptstadt Port-au-Prince wurde am Samstag ein nigerianischer UN-Soldat getötet.
So ist das eben in Haiti. Aber die Meldung geht weiter:
So lieferten sich in Bangladesch Arbeiter Straßenschlachten mit der Polizei. Dabei wurden mindestens 50 Menschen verletzt.
Hintergrund der jüngsten Protestwelle von Asien über Nordafrika bis in die Karibik sind rasant steigende Preise für Grundnahrungsmittel wie Reis oder Weizen.
Aber was ist das? In Mauretanien kam es zu Jahresanfang zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen, nachdem der Preis für Reis um das doppelte angehoben wurde. Dabei sind die USA doch gar nicht in Mauretanien einmarschiert. Aber dafür geht das Eisenerz in Mauretanien langsam zu Ende. Pech gehabt?
Auch in Agypten sieht es nicht viel besser aus, obwohl die doch Israel helfen die Palästinenser zu bekämpfen und damit dazu beitragen einen für die Gegend sinnlosen, aber für die USA wohl notwendigen Krieg aufrecht erhalten:
Mona Mahmoud, Hausfrau und Mutter von vier Kindern in Kairos Armenviertel Imbaba, sieht dennoch keine Verbesserung.
Die Lebensmittelpreise sind in den letzten Monaten um das zwei- bis dreifache gestiegen. Ein Kilo Reis von zwei auf vier Pfund. Nudeln kann sich die Familie nicht mehr leisten, hier stieg der Preis von zwei auf sechs Pfund je Kilo. Mit dem Einkommen ihres Mannes, der als Tankwart arbeitet und umgerechnet knapp 50 Euro nach Hause bringt, ist allenfalls das Essen zu bezahlen. Für Schule oder Freizeit bleibt nichts. Damit steht die ägyptische Familie im afrikanischen Vergleich noch gut da.
Aber es geht fröhlich weiter. Selbst die alte Tante FAZ ist gezwungen die Veränderungen zur Kennnis zu nehmen:
Das Gerede vom Boomland Indien sei „Müll“, sagt Sunil Pande. Dabei sollte sich der Werbetexter aus Delhi nicht beklagen dürfen. Die indische Wirtschaft wächst jedes Jahr um neun Prozent - und in ähnlicher Höhe steigt auch sein Gehalt. „Aber die Inflation frisst alles wieder auf“, sagt Pande. Besonders schmerzhaft seien die Preissteigerungen bei den Grundnahrungsmitteln. Ein Kilo Zwiebeln, rechnet seine Frau vor, habe Anfang des Jahrzehnts fünf Rupien gekostet. Heute liege es bei mehr als vierzig Rupien. „Das wird der Regierung bei den nächsten Wahlen auf die Füße fallen“, prophezeit Sunil Pande.
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Die neue thailändische Regierung in Bangkok forderte die Bauern des Landes auf, ihre Ernten zu horten, was zu weiteren Engpässen auf den Märkten führte. Ausfuhrbeschränkungen erließen auch Vietnam und China. In wichtigen Importländern wie Indonesien, Kambodscha und den Philippinen wird von Einlagerungen und Massenaufkäufen berichtet; die Eigenproduktion unterliegt teilweise ebenfalls der Ausfuhrbeschränkung. So kostbar ist Reis geworden, dass er sogar als Diebesgut interessant wurde.
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In demokratischen Ländern wie Indien und Indonesien ist die Verteuerung der Lebenshaltungskosten längst zum Gegenstand der öffentlichen Debatte geworden. In Burma war sie vergangenen Herbst Katalysator für die ersten Demonstrationen gegen die Regierung. In Kambodscha gaben die Preiserhöhungen den Anlass für Streiks in der wirtschaftlich bedeutenden Textilindustrie; die Arbeiter fordern eine zehnprozentige Erhöhung des Mindestlohnes. Auch in Indien sei der Beginn von Demonstrationen und Streiks nur noch eine Frage der Zeit, heißt es unter vielen Bewohnern der Hauptstadt.
Seltsam ruhig und für meinen Geschmack viel zu ruhig ist in China. China verdient zwar mit dem Export Geld, hat aber gleichezeitig einen inneren Wandel zu verkraften. Chinas Fleischkonsum ist zwischen 1990 und 2005 um 85 Prozent gestiegen, und für jedes Kilo Hähnchen sind sieben Kilo Getreide nötig.
Aber natürlich sind es nicht die Mißernten und die veränderten Essgewohnheiten die zu diesen Preissteigerungen geführt haben. Einen weiteren und ebenso großen Anteil haben die Kosten die für gentechnisch verändertes Saatgut und die damit verbundenen extrem teuren Dünge- und Pflanzenschutzmittel anfallen.
Selbstverständlich darf die Spekulation nicht vergessen werden. Bei einem so völlig desolaten Finanzmarkt der nach Meinung des IWF und IWFC nicht nur ausgehend von einer immer noch nicht überschauberen Risikolage für eine Verschlechterung und Verlangsamung des Wachstum sorgen wird und bei dem Sprengstoff der laut IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in der Preisexplosion bei Lebensmitteln steckt, geht ein Teil der Preissteigerung auch auf Spekulation zurück.
Allerdings dürfte dieser Preisanstieg sehr klein sein. In Zeiten des Hungers werden die Realisierung von Gewinnen aus derartigen Spekulationen nämlich durch Ausfuhrverbote, Diebstahl und staatliche Eingriffe sonstiger Art, sehr stark in Frage gestellt. Papiere auf Nahrungsmittel sind wie Papiere auf Edelmetalle und Rohstoffe eben nur Papiere. Ähnlich wie bei der Subprime Hypothekenkrise und der kommenden Subprime Kreditenkartenkrise die Papiere eben nur den Wert von Altpapier.
Natürlich kommt auch die Umwandlung von Lebensmittel in Sprit dazu. Die Frage lautet wirklich wie schon oft provokant formuliert:
Wollen wir lieber mit 200 kg Mais einen Menschen ein Jahr lang ernähren, oder 1000 km mit einem Kleinwagen spazieren fahren.
Dabei müsste sie gar nicht so lauten. Jedem der einigermaßen bei Verstand war, musste klar sein, das man nur zustätzliche Flächen für Treibstoff aus nachwachsenden Rohstoffen verwenden darf. Brachen, Stilllegungsflächen, Autobahn- und Bahnrandstreifen, Straßen und Wegränder sowie zurückgewonnene Wüsten.
Bild Lurusa Gross
Grundnahrungsmittel in die Luft geblasen während andere Dreck essen müssen. Uns geht es einfach gut.
Grundnahrungsmittel in die Luft geblasen während andere Dreck essen müssen. Uns geht es einfach gut.
Ich sprach von Menschen mit Verstand, also nicht von Politikern. Herr Gabriel in Deutschland ist das beste Beispiel wie es nicht geht. Er wollte den Sprit aus nachwachsenden Rohstoffen, der eben kein Biosprit ist, aus aller Welt, nur nicht von den deutschen Landwirten, sondern viel lieber von der internationalen Ölindustrie. Warum kann sich wohl jeder vorstellen, auch wenn es so schnell wohl niemand beweisen kann. Andere "Staatsmänner" verhielten sich genauss verrückt und verantwortungslos.
Anstatt also mehr Arbeit zu schaffen und mehr Fläche vernünftig zu bewirtschaften, wurde nur mehr Chemie auf die Äcker versprüht, die Gentechnik- und die Ölbuden reich gemacht. Allerdings gibt es eine weitere Begründung für den Anstieg der Nahrungsmittelpreise. Das ist Anstieg des Ölpreises selbst. Öl stellt bei der Düngung und bei der chemischen Keule gegen Fressfeinde, die oft auch Pflanzenschutzmittel genannt wird, den Grundstoff, ist aber als Treibstoff, auch für die Verteilung, von Saatgut, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, die Bodenbearbeitung, Saat, Ernte und Abtransport der Ernte und für die Verteilung an den Verbraucher notwendig.
Wenn wir einfach mal so tun, als ob Öl endlich wäre, was nach offizieller Ansicht selbstverständlich nicht so ist, könnte der Preisanstieg für das Öl, auch daher rühren, das es langsam, aber sicher zu Ende geht. PeakOil wäre erreicht, wir sind kurz davor, oder kurz danach. In diesem Fall könnte intelligentes Handeln die meisten Probleme glimpflich verlaufen lassen, wenn es auch nicht ohne Einschränkungen gehen wird. Intelligentes Handeln setzt aber intelligente Menschen voraus, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind. Genau die sind aber nirgendwo auf der Welt an der Macht. An der Macht sind die verantwortungslosen Handlanger, des rücksichtslosen Großkapitals.
Die europäische Gemeinschaft spricht zwar jetzt von Biosprit der zweiten Generation un meint damit:
Künftig werde man aber Biokraftstoff aus Klärschlamm, Stroh oder anderen organischen Abfällen gewinnen können. Diese Kraftstoffe der zweiten Generation hätten dann weder negative Folgen für die Umwelt noch für die Lebensmittelproduktion. Das werde die EU jedoch nur erreichen, wenn sie an dem 10-Prozent-Ziel festhalte. Auch Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) warnte davor, Biokraftstoffe zu verteufeln. Es stehe nicht so sehr die Produktion von Energie und Nahrungsmitteln in Konkurrenz, sondern die von Futtermitteln und Nahrungsmitteln. Deshalb müssten die Kriterien für die Biospritproduktion auch für den Anbau von Futtermitteln gelten.
Es wäre ja zu wünschen, wenn Gabriel den Deutschen an ihr Schnitzel wollte. Er gäbe einen guten neuen Ehrhard der mit dem Liter Wein und der Zigarre den anderen das Maßhalten predigt während ihm selbst das Fett aus den Augen quillt. Allerding hätte die deutsche Politik den Bogen dann über das Brechen hinaus gespannt und könnte wohl nur noch rennen.
Was die Pausenclowns in der EU scheinbar noch nicht gemerkt haben, ist, das es nicht um die Frage Nahrungsmittel, Futtermittel oder Treibstoff geht, sondern das wir einen Kompromiss finden müssen, der alles drei beeinhaltet. Sehr viel weniger Transport, sehr viel weniger Fleisch auf dem Teller und sehr viel mehr Nudeln, Reis, Hülsenfrüchte und Gemüse. Gesundheitlich nicht unbedingt das schlechteste. Natürlich müssen wir Biomasse, Bioabfälle und Klärschlamm viel besser verwerten. Keine Frage. Wir müssen auch jeden Quadratmeter möglicher Anbaufläche nutzen. Besser Dämmen, mehr Windenergie, mehr Wasserkraft und viel mehr Thermalwärme und Geothermie.
Es macht übrigens keinen Sinn auf Atomkraft zu setzen. Diese Technik ist erledigt, will man nicht in die Plutoniumwirtschaft gehen. Bestehende Anlagen nach Plan auslaufen lassen wird uns Entsorgungskoten für die nächsten hundert Millionen Jahre verpassen. Unbezahlbar, aber nicht mehr zu ändern. Sinn würde es machen wie die Amerikaner zusätzlich auf Kohleverflüssigung zu setzen. Die bauen gerade derartige Anlagen für das Militär und große Logistikunternehmen. Wir sollten also mal dringend über unsere Steinkohle nachdenken. Sehr dringend.
Es ist schön das die Amerikander den Phillipinen zunächst mit Nahrungsmitteln aushelfen wollen. Bei ständig sinkender Ölförderung wird das aber nicht lange gut gehen. Wir weden die Verteilung von Nahrung besser regeln müssen, wenn wir keinen Verteilungskrieg wollen. Hunger in China bedeutet Krieg gegen Rußland und gefährdet unsere Gasversorgung aus Sibirien. China ist eine Atommacht. Das sieht alles nicht gut aus.
Aber selbst wenn China nicht marschiert, werden andere Völker vor dem Hunger fliehen müssen. Wenn wir sie nicht in ihrer Heimat versorgen können, dann müssen wir sie hier oder irgendwo in unserer Nähe versorgen. Nur mit dem Unterschied, das sie zu Hause, eigene Initiative ergreifen könnten, was die Hilfe leichter und billiger macht. Lassen wir sie rennen, können sie sich nie mehr selber helfen.
Wir müssen jetzt etwas tun, wo wir noch wählen können was wir tun wollen. Wenn wir keine Wahl mehr haben und nur noch reagieren können ist es zu spät. Es wird nicht aufhören, wie diese Finanzkrise nicht aufhören wird. Es ändert sich nur dann etwas, wenn wir es ändern. Wir können nicht auf Wunder warten, wir müssen handeln.




















Anmerkung Orlando Pascheit: Eher am Rande wird in der allgemeinen Berichterstattung die Rolle der Spekulation bei den steigenden Rohstoffpreisen, insbesondere bei Lebensmitteln erwähnt. Wenn aber, wie vielfach berichtet, die starke Nachfrage nach Brennstoffen und Mineralölerzeugnissen, nach Fleisch (und Futtermitteln) und Getreide in den Schwellenländern in Verbindung mit einer schrumpfenden globalen Anbaufläche ausschlaggebend sein sollte, müsste der Preisanstieg eigentlich über eine längere Zeit und viel kontinuierlicher ablaufen.
Wenn aber allein in der Bundesrepublik im Vergleich zum Vorjahr Getreide, Saaten und Futtermittel 52 Prozent teurer wurden, Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette immerhin um 23,5 zulegten, der Großhandelspreis für feste Brennstoffe und Mineralölerzeugnisse um 18,8 Prozent stieg, dann sind das ganz beachtliche Preissprünge, welche nicht durch eine stetig steigende Nachfrage erklärt werden können. Hinzukommt, dass es bei einzelnen Nahrungsmitteln zwar zu regelrechten Preisexplosionen kam, diese aber häufig ebenso schnell abgebaut wurden. - So dramatisch, wie die Preisentwicklung von Zucker, Orangensaftkonzentrat, Kakao und Weizen in den letzten Jahren, z.Z. von Mais und Reis an den globalen Rohstoffmärkten ablief, können sich Angebot und Nachfrage gar nicht verändern.
Es spricht viel dafür, dass immer mehr professionelle Spekulanten parallel zum Verfall der Aktien auf den Rohstoffsektor ausweichen. D.h. nicht die Nachfrage, sondern die Wetten an den Warenterminbörsen bestimmen die Preise der Lebensmittel – mir den entsprechenden Symptomen Herdentrieb, Entstehung und Platzen von Blasen, Ausweichen zum nächsten Rohstoff. Leider hat man dazu auf der IWF-Tagung außer unverbindlichen Klagen und Solidaritätsappellen nichts gehört. Soll die Welt jetzt auf ein Anziehen der Aktienkurse hoffen?
# Der Kapitalismus verliert seinen Glanz
Die Finanzkrise ist nur ein Symptom. Das eigentliche Problem ist die Verteilung: hier eine dünne Oberschicht, die mit Hunderten Milliarden wild spekuliert; dort eine immer grössere Minderheit, die um die nächste Mahlzeit zittert, oder die schon bei einem halben Prozent Zinserhöhung, die Schulden nicht mehr bezahlen kann. Die Welt braucht keine transparenten Bankbilanzen, -sondern eine bessere Wirtschaftspolitik. Und braucht Wähler, die daran glauben, dass sie tatsächlich die Wahl haben.
Quelle: Blick
Anmerkung: Für NachDenkSeiten-Leser nichts Neues. Ein Detail allerdings ist interessant:
„Die Wähler … begreifen allmählich, dass die Ungleichheit nicht vom Markt, sondern von der Politik gemacht ist. Das zeigt sich etwa am Beispiel der USA. Seit 1945 sind unter demokratischen Regierungen die Einkommen der ärmeren Hälfte der Bevölkerung im Schnitt um 2,4 Prozent pro Jahr gestiegen, unter den Republikanern jedoch nur um 0,8 Prozent.“