Also ich persönlich finde Zukunft ja wichtig. Nicht mehr so sehr für mich. Mit bald einundfünfzig ist Zukunft nicht mehr die größte aller Sorgen. Ich könnte mich auch zurücklehnen und hoffen, dass ich noch gerade rechtzeitig sterbe um mir die ganz großen Kalamitäten vom Hals zu halten. Peak Oil, Klimaerwärmung, Abschaffung der Renten, Auflösung der Krankenversorgung, das Ende der Pflegeleistungen und Arbeitslosigkeit um die 30 Prozent wird mich wohl nicht mehr erwischen, wenn ich mich mit dem Sterben etwas beeile.
Ich könnte mich also zurücklehnen und die, die da machen wollen, auch machen lassen, selbst wenn ich weiß, dass sie es nicht machen können. Aber ich habe Kinder. Kleine und Große, sogar Enkel. Das motiviert so alte Herren wie mich, sich dann doch noch ein wenig um die Zukunft zu sorgen. Eigentlich dürfte ich mir ja gar keine Sorgen machen müssen. Unsere Zukunft liegt doch so vielen Menschen am Herzen.
Den Parteien, den Wirtschaftsverbänden, den Arbeitgeberorganisationen, den Demagogen von INSM und Mohn/Bertelsmann, den Kirchen, bei denen wir zumindest daran glauben sollen und auch die Gewerkschaften erwähnen ab und an das Wort Zukunft, ohne sich allerdings selbst damit beschäftigt zu haben. Das erledigt für sie die Hans Böckler Stiftung zusammen mit den Organen der Familie Mohn. Also eigentlich kein Grund sich um die Zukunft sorgen zu machen.
Allerdings traue ich keinem der genannten Zukunftsbesorger weiter als ich pinkeln kann und das ist nicht sehr weit. Aber Google hilft und im Internet wird mit unter dem Suchbegriff "Zukunft Rat" 609.000 mal Hilfe angeboten und selbst der "Zukunftsrat" kommt noch auf 22.000 Einträge. Im englischen gibt es ein vielfaches davon. Warum also ist mir um unsere Zukunft Angst und Bange. Es scheint doch alles bestens geregelt zu sein.
dpa hat auch mich auf die Gründung des Gründung des Frankfurter Zukunftsrates aufmerksam gemacht. Nach dem ich dort den Namen Wolgang Clemen und dessen widerliches Gesäusel fand, wusste ich, das es sich wieder einmal nur um eine miese steuerfinanzierte Bande von Wichtigtuern handelte, die vor allem daran basteln, sich endlich über dieses Volk, das sie so sehr hassen, erheben zu können.
Das diese traurigen lahmen Enten sich selbst für Schwäne halten, ist ein reiches Aufgabenfeld für deren Psychater, aber es macht keinen Sinn, sich über derartige neoliberale Plumpsklomentalitäten aufzuregen. Wer Spaß haben will liest sich die Mitgliederliste durch und weiß dann endlich was diese traurigen Gestalten unter namhaften Persönlichkeiten verstehen. Einen Namen haben die alle, die meisten sind auch schon negativ aufgefallen, weil sie Ansichten vertreten, die so weit neben jeder menschlichen Realität sind, das sie eher ein mitleidiges Lächeln als Widerspruch erzeugen.
Hinge unsere Zukunft von diesen Leuten ab, brauchten wir uns keine Sorgen mehr zu machen, weil wir dann nämlich keine Zukunft hätten. Aber diese Truppe ist völlig ungefährlich, weil keiner von denen drei tragfähige Halbsätze zwischen seinen Zähnen hindurchquälten könnte, ohne sich zumindest einmal selbst zu widersprechen.
Trotzdem habe ich auf Drängen eines Lesers mir den Artikel von Wolfgang Lieb auf den Nachdenkseiten vorgenommen und es ist dieser Artikel, der es Wert macht sich überhaupt mit diesem ratlosen Zukunfstverein zu beschäftigen und über ihn zu schreiben:
Das Prinzip der systematischen Entpolitisierung wird seit Jahren u.a. vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) oder aber dem Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) betrieben. Diese beiden “think tanks” sind Ableger der Bertelsmann-Stiftung und haben vielerorts erreicht, dass private Firmenphilosophie heute Gesetzestext ist. Eine populistisch auftretende Gesellschaft hat sich jetzt in Frankfurt zusammengefunden und geizt auf ihrer Internetseite nicht mit klaren Zielsetzungen. Der “Frankfurter ZukunftsRat” stellt eine neue Qualität in Hinblick auf Öffentlichkeitsarbeit dar.
Tatsächlich haben wir alleine aus dem Hause Mohn/Bertelsmann genug von diesen Vereinen, die zudem noch das Geld der Steuerzahler kosten, und die im normalen Leben als Forscher und Wissenschaftler nicht zu gebrauchen wären. Das die Unfähigen sich selbst zur Elite ernennen kommt häufig vor. Jeder der mal über Bürokratien nachgedacht hat, weiß wie das funktioniert. Aber ich finde es gut, das sie sich für die Elite halten, es dürfte schwer genug sein, mit deren tatsächlich vorhandenen Fähigkeit ein Selbstbild zu erstellen, das bis zur Frühstückspause hält. Da ist die klar definierte Zugehörigkeit zur Elite doch eine viel haltbarere Maske.
Wolfgang Lieb listet das, was ich hier populistisch und gemein raus haue, liebevoll und detailliert auf und kommt zum Schluß auf des Pudels Kern:
Nun, da die Wissenschaftselite einmal zusammengetan war, galt es, Ziele für den Rat zu formulieren. Und diese entsprechen nun wirklich nicht dem, was von Spitzenwissenschaftlern zu erwarten gewesen wäre: “Nicht die Erfindung, eine wissenschaftliche Erkenntnis oder eine Innovation sind entscheidend, sondern wie schnell sie im Markt umgesetzt werden”, heißt es auf der Webseite, und: “Politik und Wirtschaft entwickeln sich in Deutschland immer weiter auseinander. So entstehen zurzeit zwei Systeme, die gegeneinander und nicht miteinander arbeiten und gemeinsam Schwierigkeiten bewältigen.”
Ich gebe zu bis zu diesem Schwachsinn bin ich bei den Typen gar nicht gekommen. Ich war schon vorher satt. Aber wer bereit ist, die Erkenntnis, die Erfindung und die Innovation hinter eine schnelle Markteinführung zu stellen, zeigt wie bescheuert er wirklich ist. Dass die Herrschaften als Wissenschaftler nichts taugen, stand ja schon vorher fest, bei Clement sind wir ja froh, wenn er alleine die Hose zu bekommt, aber dieser Satz zeigt auch, dass sie von Wirtschaft keine Ahnung haben.
Schnelle Markteinführung hilft mir nur bei kurzlebigen Produkten mit einer sehr geringen Schaffenshöhe und niedrigen Marktpreisen. Um es für diese Herrschaften verständlich auszudrücken, ist das, was sie für gut halten, die Fertigung von blauem Popcorn. Lebenstmitteltechnisch in Sekunden abgewickelt und ein netter Gag für ein halbes Jahr. Aber eben nichts worauf sich Zukunft gründen lässt oder sollte. Also Oswald Metzger und die INSM in Reinkultur. Schwachsinn.
In den Augen dieser Leute leben wir ja nicht mehr in einem Hochlohnland, was mit solchen "Wissenschaftlern" ja auch auf Zukunft betrachtet nicht möglich wäre, sondern in einem Land das von den Löhnen her mit China konkurrieren soll, in dem die Menschen aber die Kosten von Deutschland tragen müssen. Das auch das Schwachsinn ist, braucht ebenfalls nicht diskutiert zu werden.
In einem Hochlohnland brauche ich Produkte mit einer langen Lebensdauer die ihren Wert durch hochwertige Verbesserungen gegenüber vorhandenen Produkten gewinnen und die durch ausgefuchste Grundlagenforschung dauerhaft unterstützt werden. Ich entwickle also Produktgenerationen, aber das dürfte diesen "elitären Wissenschaftlern" kaum zu vermitteln sein, weil ihnen jegliche Grundlagen für ein Vertständnis fehlen. Wir hätten vielleicht früher mit den Pisa Studien anfangen sollen.
Wenn wir Zukunft in Deutschland und für Deutschland haben wollen, dann kann das nur bedeuten, das wir derartige Kranke ordentlich behandeln lassen, die Straftäter verurteilen und die Politik wieder in unsere eigenen Hände nehmen. Clement, Steinbrück und Steinmeier sind nicht nur Parteibrüder, von Genossen möchte ich da nicht reden, sondern eben auch Fleisch vom gleichen neoliberalen wirtschaftsfaschistischen Fleisch. Dieses Pack werden mit Wahlen nicht wegbekommen wie ja das Beispiel Steinbrück sehr deutlich zeigt. Wir brauchen eine Revolution auch und gerade gegen die SPD, die ja weder sozial, noch demokratisch oder gar sozialdemokratisch ist.


















