Diese völlig bescheuerte Be Berlin, Sei Berlin oder Scheiß Berlin Kampagne wächst sich langsam aber sicher zu einer der typischen Berliner Affären aus. Ich wollte mich zu diesem Schwachsinn eigentlich nicht äußern, aber seit gestern Prof. Jochen Pläcking in einem Brief/Mail an den Werbeblogger uns sein unheilvolles Mitwirken in der Affäre im feinsten Ariel-Weiß und mit Weihwasser parfümiert zu verkaufen versucht hat, bin ich sauer.
Natürlich bin ich es gewohnt dass Berlin alle naselang mit irgendwelchen schwachsinnigen Kampagnen anfängt die sich Gott sein Dank meist die Stadtgrenzen nicht überschreiten, oder sich spätestens an Sprachgrenzen wieder in den Rauch auflösen, aus dem sie bestehen. Ich will auch nicht mehr darüber nachdenken, warum irgendwelche Werbefuzzis, eine so starke Marke wie Berlin mit irgendwelchen Klosprüchen verbessern wollen.
Natürlich weiß ich, dass es nicht um die Sprüche geht, sondern darum regelmäßig Geld zu bekommen. Öffentliches Geld das fröhlich erregt verbrannt werden kann. Der Marke Berlin wird dadurch nicht geschadet, weil die so gut ist, das sich die Pläckings dieser Erde, an ihr eher ihre kleinen vorwitzigen Fingerchen und ihre Breitärsche abraspeln, als das sie etwas verändern könnten.
Ich bin auch nicht der Ansicht, das es dem Haushalt etwas helfen würde, wenn man strengere Kontrollen einbaut um solcherart Geldverbrennung zu verhindern. Die Beteiligten sind sich so tief untereinander verbunden, die werden immer Mittel und Wege finden, das Steuergeld zu vernichten. Deshalb ist es am besten sie machen zu lassen und den Müll den sie erzeugen einfach weg zu werfen. Eigentlich könnte der Mist gleich in die Müllverbrennungsanlage.
Die in alle Haushaltungen verteilten Flyer haben diesen Weg in der Mehrheit ja schon hinter sich. Als ich die beste aller Lebensabschnittsgefährtinnen fragte ob sie so etwas gesehen habe, meinte sie treuherzig: "Ja, hatten wir im Kasten den Mist, habe ich gleich entsorgt.". Eine kluge Frau. Was habe ich doch für ein Glück. Zumindest in der Kneipe fand sich ein Exemplar, weil jemand seine Telefonnummer für mich darauf geschrieben hatte. Billiger als Bierdeckel, deshalb hat der Wirt immer einen kleinen Vorrat von solchem Müll, den die Mieter seines Hauses gleich aus der Post sortieren.
Der Flyer enspricht dem Rest der Kampagne. Müll und trashiges Flash-Geflacker. Ich weiß ja nicht, ob man in der Werbewirtschaft überhaupt Orginalität haben will? Nach meinen Erfahrungen ist das eher nicht gewünscht, da geht es um den Einheitsbrei. Das dieser be Berlin Kram erheblich nach Plagiat stinkt zeigt nicht nur der Entwurf von "Just Berlin" sondern noch viel deutlicher I amsterdam.
Zum Glück haben wir Prof. Jochen Pläcking der uns von der Plagiatsangst befreit:
Zum Einen stand ich mit den Herren des Senates und von Berlin Partner allen Teilnehmern an der Ausschreibung für ein mündliches Rebriefing persönlich im Rathaus zur Verfügung. Zum Anderen habe ich im Rathaus die Kampagnen ausgewertet. Nichts hat die Räume der Senatskanzlei verlassen.
Die Einsendungen der Auschreibung wurden nach dem Einsendeschluss von Beamten der Senatskanzlei geöffnet, auf Richtigkeit und Vollständigkeit geprüft, nummeriert und mir im Rathaus übergeben, wo ich für den Zeitraum der Auswertung einen Arbeitsplatz hatte.
300 Teams und Einzelpersonen haben Vorschläge eingereicht. Insgesamt waren darunter ca.900 Slogans. Der Slogan „be berlin/sei berlin“ wurde von vier verschiedenen Teams vorgeschlagen.
Na. Also das war doch nur Rebriefing. Das kenne ich von früher, wenn ich da angerufen wurde, das der Wettbewerber an der und an der Stelle günstiger war, aber an drei anderen teurer. So regebrieft kam es auf wundersame Art und Weise zu einem erfolgreichen Angebot meinerseits. Das ist hier natürlich völlig anders gelaufen. Ein wenig stutzig macht mich allerdings dann doch die Nähe von Prof. Jochen Pläcking zu allen, die jetzt so fröhlich mit dem Geld des Steuerzahlers bedacht werden. Der Werbeblogger hat da ein wenig für uns vorsortiert:
Prof. Jochen Pläcking, ist sicherlich ein Gigant der deutschen Werbelandschaft. Er war FIAT Automobil Prokurist, Werbeleiter bei Mercedes-Benz sowie - und das ist im Folgenden noch sehr wichtig - Senior Vice President DDB Europa/ Chairman & CEO DDB Deutschland.
Prof. Jochen Pläcking war aber eben auch der maßgeblich Entscheider/Berater (laut Wowereits Ankündigung) für den Kreativwettbewerb ohne Pitchhonorar und damit auch indirekt der Verteiler der Gewinnprämien. Natürlich kennt Pläcking Gott und die Werbewelt, nichtsdestotrotz ist es schon sehr seltsam, dass sich zwei der großen Gewinner direkt mit ihm in geschäftlichem Zusammenhang bringen lassen:
1. Gewinner des Corporate Designs ist die Agentur fuenfwerken AG. Jochen Pläcking ist seit 2006 dort Aufsichtsratmitglied. War das nur Zufall bzw. qualitativ so hochwertige Arbeit, die einfach gewinnen musste? Desweiteren ist die fuenfwerken AG offizieller Partner der “Berlin Partner AG”, also der installierten Leadagentur zur Umsetzung der Kampagne.
2. Ein weiterer Gewinner für die Kategorie Claim war die WE DO Communication aus Berlin. Auch sie sind Partner der ausführenden “Berlin Partner GmbH”. Die WE DO Geschäftsführung ist außerdem sehr eng mit Herrn Pläcking verbunden. So war WE DO- Geschäftsführer Blach der persönliche Assistent von Jochen Pläcking bei DDB. WE DO wurde übrigens dank freundlicher Unterstützung von DDB als eigenständige Agentur ausgekoppelt, gehörte nie offiziell zur Agenturgruppe, aber eine enge Zusammenarbeit hat man immer gerne beibehalten - jedenfalls noch unter Pläckings Einfluss als Chairman bei DDB.
3. Beteiligt am über 10 Mio. Euro Kampagnenetat ist auch Pläckings Agentur kleinunpläcking markenberatung GmbH, dadurch soll wohl ein Stück weit sein Engagement als Auswahlsverfahrensleiter entlohnt werden.
4. Das größte Stück vom Kuchen dürfte OMD erhalten - sie stammen ja, wie man weiß, ebenfalls aus der großen DDB-Familie.
Oh. Oh. Würde da mein Dreijähriger sagen und das wahrscheinlich noch ein paar mal wiederholen. Oh. Oh. Das ist der Duft der Berliner Untergründe, dachte ich so bei mir. Das hatten wir doch alles schon. Selbst den Verlauf kennt man. Erster Abwehrversuch. Klageandrohung, dann eine deutliche Unterstützung durch den Regierenden Bürgermeister, danach ein kleinlautes einpacken und im nächsten Anlauf gibt es das Geld für die gleichen Leute und ein paar weitere, damit die nicht meckern. Egal wer in Berlin Regierender ist, das können die alle.
Zum Glück ist diesmal alles anders wie uns Prof. Jochen Pläcking mitteilt:
Alles lief offen und total transparent und nachvollziehbar, was Ihnen alle Teilnehmer bestätigen können.
So, nun zu den Beziehungen.
Es ist richtig, daß ich Aufsichtsrat bei Fuenfwerken bin. Ich habe das von Anfang an und während des gesamten Prozesses transparent gemacht.
Ich habe auch immer transparent gemacht, daß Gregor Blach (WEDO) Mitarbeiter der DDB-Berlin war, als ich CEO der DDB-Group-Germany war (600 Mitarbeiter).
(In dem Zusammenhang hatte ich mein Mandat während des Prozesses zur Disposition gestellt, was aber nicht akzeptiert wurde, weil man meine Integrität nie in Zweifel zog.)
Berlin Partner ist schon seit Jahren die (Public-Private-Partnership) Marketing- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berlins und managt im Auftrag des Senates die Gesamtkampagne.
Bei Berlin Partner sind neben 180 Berliner Unternehmen auch einige Agenturen und Unternehmensbersatungen Partner. Das gehört sich so in Berlin.
Auch kleinundpläcking, WEDO, OMD, TNS, Fuenfwerken etc.
OMD ist seit Jahren die Media-Agentur von Berlin Partner und damit des Senates.
Na also. Da hat er sogar sein Mandat zur Disposition gestellt. Was kann man mehr verlangen. Das ist alles ganz transparent wer da mit wem mauschelt. Da ist nichts geheim. Das ist alles ganz öffentlich. Lauter gute und ehrliche Menschen. Weshalb also die Aufregung.
Ja wenn Prof. Jochen Pläcking so ein schlechter Mensch wäre wie ich, dann könnte man Zweifel bekommen. Ich saß mal in einer Kommission bei meinen ältern Kindern und musste mit anderen die Leistungen beurteilen, die, die in ihrer Gruppe gebracht hatten. Wollen sie wissen welche Gruppe gewonnen hat? Aber da habe ich bei Prof. Jochen Pläcking gar keine Sorgen.
Wer hat da jetzt Rücktritt gebrüllt. Sofort Ruhe. So nicht. Wir wollen doch unseren Wowereit nicht beschädigen, das überlassen wir dann doch lieber seinen Pläckings und anderen seltsamen Geschäftsbeziehungen. Vielleicht sollten wir das Amt ja umbenennen. Irgendwie zieht es seltsame Geschäfte an. Schönen Gruß übrigens an die Herren Diepgen und Landowsky.
Hat eigentlich Landowsky auch schon den Verdienstorden des Landes Berlin bekommen wie Diepgen? Wenn nicht könnte man das doch gleich mit einer Verleihung an Herrn Pläcking verbinden. Ich stelle mir das nett vor, wenn Herr Wowereit von fester Treue und Verantwortung spricht. Da wird mir richtig feierlich bei dem Gedanken.
Ich halte es da eher mit Claire Waldoff und singe leise mit ihr mit: "Es gibt nur ein Berlin".


















