Heute musste ich herzlich lachen. Thomas Immanuel Steinberg von der SteinbergRecherche berichtete in seinem Newsletter von einem seltsamen Autor und einem noch seltsameren Blog:
Was treibt einen Claudio Casula bei Spirit of Entebbe zu einer Äußerung wie der vom 11. März 2008 unter der Überschrift „Terror zum Wohlfühlen“?
Wer bei den Herrschenden etwas gelten will, muß sich anpassen. Wer viel bei ihnen gelten will, muß außerdem den Rebellen spielen und den Tugendbold – fürs Volk. Joseph Fischer hatte den Dreh am besten raus. Als Abgeordneter in Turnschuhen mimte er den Nonkonformisten, als Verhinderer eines zweiten Auschwitz verlieh er der Zerschlagung Jugoslawiens die höchste Weihe.
Seine Epigonen, die Antideutschen auf Broders Achse des Guten, bei Claudio Casulas Spirit of Entebbe und auf Dutzenden weiterer Internetseiten führen sich als Beschützer der Juden und des ganzen Westens auf: Die islamische Gefahr gelte es zu bannen. Der deutsche Mainstream sei antiamerikanisch und antijüdisch, sie aber würden tapfer dagegen anschwimmen. Wie Fischer, so ebnen seine Jünger den Truppen der Herrschenden den Weg in den Balkan, nach Afghanistan und in die Ölregionen.
Auch propagieren längst alle Medien mit Massenpublikum die deutsche Kriegspolitik, von den Fernsehanstalten über Spiegel und Springer bis zur Süddeutschen. Die Antideutschen plappern nach, doch mehr noch, fühlen vor, was wohl die Kriegsmaschine am besten ölt.
Palästinenser bringen Siedler um? Mord sei das, feiger Mord an Zivilisten. Kein Antideutscher verschwendet einen Gedanken darauf, daß zum Beispiel jeder US-Ameriker Eindringlinge in sein Grundstück, auch zufällige, ungestraft niederstrecken darf. Palästinenser aber, die bewaffnet jüdisch-israelische Landräuber und Belagerer bekämpfen, seien Mörder, so die Antideutschen. Massenpresse wie Antideutsche haben einhellig unter den Teppich gekehrt, daß die israelischen Verteidigungskräfte kürzlich 130 Palästinenser umgebracht haben. Laut Ha’aretz fand selbst der israelische Botschafter in Deutschland merkwürdig, daß er bei einem Gepräch mit acht Chefreportern des Bayerischen Rundfunks darauf nicht einmal angesprochen wurde. (2)
Die Antideutschen, so kriegerisch sie auch marschieren, haben Turnschuhe an. Das Volk sei judäophob wie eh, sie aber würden, israelische Fahnen schwenkend, die Juden schützen. Tatsächlich will die große Mehrheit in Deutschland keinen Krieg, nirgends. Trotz Medienbeschuß von allen Seiten ahnen oder wissen viele, daß in Israel und den USA, in Großbritannien und Deutschland Kriegsverbrecher an der Regierung sind. Die antideutschen Fahnenschwinger rebellieren, und zwar gegen Ahnung und Wissen der Bevölkerung. Doch sie selbst ahnen oder wissen sich eins mit den Herrschenden.
Auf Broders Kriegstreiberachse schreiben Leute gratis, die ihr Honorar von Springer und Spiegel beziehen. Das Establishment revanchiert sich für die unbezahlte Mehrarbeit, indem es die Lohnschreiber zu Querköpfen adelt. Sie bekommen Preise im Namen echter, aber lange toter Kritiker und Moralisten – auf der großen Schaubühne. Die weniger erfolgreichen Blogger eifern den Broderlinern nach. Sie sammeln die abstrusesten Geschichten über Muslime, sie diffamieren Friedensfreunde, sie übertreffen Broders Fäkalinjurien – kurz: Sie geben sich rebellisch für die gute Sache des Imperiums in der Hoffnung auf Geltung.
T:I:S, Damaskus, 12. März 2008
Das macht mich neugierig. Solche Gesellen mag ich in meinem Zoo. Einen schnellen Blick ist es mir wert.
Spirit of Entebbe. Entebbe und die Befreiung der Entführungsopfer war für mich damals ein tolles Ereignis. Auch wenn ich viele Ziele der RAF und der Roten Zellen wie auch der Palästinenser durchaus verstehen und einige sogar teilen kann, hört der Spaß bei Entführungen und Morden an Unschudligen für mich auf.
Nun also diese Website. Der Geist ist schnell klar. Die Verlinkung auf die Achse der Alternden ist logisch. Das sind eben die großen Vorbilder. Der Mensch braucht Vorbilder. Vor allem dann wenn er selbst noch nicht fest stehen kann. Was die Vorbilder taugen zeigt dann die Zukunft. Der Text ist ärgerlich. Ja. Vielleicht auch dumm, aber eher wohl weltfremd, eigentlich lächerlich. Im Kommentarbereich lese ich von Zensur.
Zensur findet immer da statt wo die Kleingeister vor lauter Angst die Hose voll haben, weil sie sich mit der Wahrheit nicht auseinandersetzen wollen. Nun gut machen wir eine Fingerübung. Schreiben wir einen schnellen Kommentar:
am März 12, 2008 um 4:46 nachmittags25 Jochen Hoff
Dein Kommentar wartet darauf, vom Administrator genehmigt zu werden.
Ich lach mich schlapp. Der Geist von Entebbe. In Entebbe ging es darum Leben zu retten. Claudio Casula scheint Erhard Arendts, nicht gelesen, nicht verstanden oder bewusst mißverstanden zu haben.
Der gäbe seine rechte Hand für eine Lösung in der Israelis und Palästinenser friedlich miteinander leben könnten. Der ist auch schlau genug zu begreifen, was diese Art von angeblich “judenfreundlichen” Seiten in Wirklichkeit will.
Es geht darum sich die Gegner in der gewünschten Reihenfolge zurecht zu legen. Momentan sind es die Muslime, wenn die erledigt sind, kommen die Sozialisten, Rothaarigen und irgendwo dazwischen die Juden dran.
Ich wünschte ich hätte eine Lösung für den Konflikt in Israel/Palästina, denn es war mein Vaterland, das diesen Konflikt erst virulent gemacht hat. Die Zahl der Juden in Palästina wäre ohne den Holocaust, ohne die Shoa bis heute verschwindet gering. Die könnten gut und in Frieden leben, wie sie es vor dem Massenexodus auch konnten.
Es geht nicht mehr darum wer recht hat. Streng juristisch ist Palästina die Heimat der Palästinenser. Da gab es schon immer mehrere Religionen. Also können sowohl die Israelis, als auch die Palästinenser sich als rechtmäßige Nachfolger fühlen. Die Haltung der Engländer trug auch nicht zur Vereinfachung bei.
Es ist eben nicht einfach. Und es wird auch nicht einfacher nur weil es sich ein paar simple Geister einfach machen wollen.
Wer übrigens die christlich jüdische Karte als Falschspieler zu benutzen versucht, der möge mal kurz, über die Progrome im christlichen Abendland nachdenken und sich vor allem zu Gemüte führen was dieser Ratzinger der jetzt unter dem Decknamen Benedikt lebt, von den Juden hält.
Der darf aber auch gerne bei den Evangelikalen aus den USA nachlesen, die die Bibel wörtlich nehmen und die Juden zu den Nationen, zu den Verlorenen rechnen.
Mit solchen Freunden und den Leuten hier, können einem die Juden nur leid tun. Solche Freunde hat niemand verdient.
Um 7.01 wurde der Thread geschlossen. Unter der Nummer 25 ein Spruch:
am März 12, 2008 um 7:01 nachmittags25 eisealuf
Genug für heute. Der Thread ist hiermit geschlossen.
Ich hatte im Grunde genommen mit etwas ähnlichem gerechnet. Meist kommt mein Kommentar auf solchen Seiten durch, es folgen ein paar Beschimpfungen im Schnellfeuer und dann ist der Laden dicht. Aber die Variante ist auch gut. Nun haben die ängstlichen kleinen Bloggerherzchen dort meine volle Aufmerksamkeit. Ich mag solche Helden. Vorwärts Kameraden wir müssen zurück. Wie gut das niemand auf die Unterstützung dieser Hasenherzen angewiesen ist.
Die Steinbergrecherche hat wieder einmal den Finger in eine offene Wunde gelegt. Ob ich die Einschätzung Fischers und Broder so teilen würde, weiß ich nicht. Fischer wird immer zuviel Denken unterstellt. Der wollte mit den großen Hunden heulen und einen festen Platz im Sicherheitsrat. Dafür hätte der auch nackt in der Artkis geschwommen oder einen Bären vergewaltigt.
Broder ist ein alter Mann dem die Themen ausgehen. Ich bin da gnädig. Natürlich liegt er falsch. Aber sprachlich ist es doch immer wieder nett. Er will doch nur auf der richtigen Seite sein. Von St.Pauli vor das Weiße Haus. Ein schönes Ziel, auch wenn er sich mit draußen begnügen muss oder vielmehr mit davor. Das Alter hat so seine eigenen Leiden. Ich merke das bei mir ja auch langsam.


















