Nein, falsch gedacht. Das ist nicht Folge 761 meiner allgemeinen next08 Einladungskritik. Das ist ein Lob. Ähemm. Nun ja. Das was man bei mir so als Lob ernten kann. Gemäßigte aufbauende Kritik. Oder so ähnlich. Aber zunächst einmal zur Sache, ich meine zum Fischmarkt und zu Martin Recke von SinnerSchrader:
Guy Kawasaki hat die 10-20-30-Regel für Powerpoint erfunden: 10 Folien in 20 Minuten mit einer Schriftgröße von mindestens 30 Punkt. Auf der next08 verschärfen wir diese Regel noch einmal: 10 Folien in 200 Sekunden vor 1.000 Menschen.
Das ist die Idee des Elevator Pitch für unentdeckte Talente, mit dem wir nach der Mittagspause sämtliche Restmüdigkeit aus den Köpfen vertreiben wollen. 10 Stockwerke reichen, um zu überzeugen.
Wir haben den Fahrstuhl (besser: das Plenum der next08), wir bieten Dutzende Wagniskapitalgeber als Mitfahrer - und Sie liefern uns die Antwort auf folgende Frage:
Und? Was ist Ihre Geschäftsidee?
Eigentlich erfüllt dieser Text alle Voraussetzungen um mir zu missfallen. Powerpoint, "Elevator Pitch", Wagniskapitalgeber, Geschäftsidee. Wenn ich trotzdem nicht auf den nächsten Feedeintrag wechsle muss das einen Grund haben.
Es ist nicht die 30 Punkt Schrift, die für alte Menschen wie mich sicherlich gut ist, es ist auch nicht die Mittagspause und die Restmüdigkeit. Es ist ganz sicher auch nicht der "Elevator Pitch" oder die Aufzugspräsentation, weil ich schon den "Elevator Fuck" nur dadurch sinnvoll gestalten kann, das ich den roten Schalter betätige der das Scheißding anhält und mir dann die Zeit gibt, das was ich tue, auch vernünftig, oder doch eben so gut zu machen, wie ich es kann. Bitte meine Damen jetzt keine Kritik, nicht hier.
Nachdem ich bei meinem ersten Auftritt vor großem Publikum in der Hans Martin Schleyer Halle, mal kurzerhand all meine Folien auf der Treppe zu Bühne verteilt habe, bin ich auch von folienbasierten Vorträgen vollständig geheilt. Powerpoint habe ich mir von Anfang an geschenkt, wenn ich schon nichts zu sagen habe, muss ich das nicht auch noch bunt dokumentieren.
Ich halte auch nichts von Geschäftsideen. Die gibt es nämlich nicht. Es gibt Ideen und mit einigen Ideen kann man Geschäfte machen, wenn man sie zu einem Produkt entwickeln kann. Der Begriff Geschäftsidee ist für mich unverbrüchlich seit Ende der siebziger Jahren mit Norman Rentrop und seinem Verlag verbunden und ich lache immer noch wenn ich an unseren ersten Kontakt denke.
Trotz all meinem Gemeckere hat mich die Idee so sehr beschäftigt, das ich ihr diesen Text gewidmet habe. Es hat auch ehrlicherweise gesagt eine Weile gedauert, bis ich verstanden habe was mich an der Idee interessiert.
Niemand kann in 200 Sekunden eine Idee wirklich präsentieren, ja noch nicht einmal ernst zu nehmend anreißen. Aber jeder könnte in 200 Sekunden sagen, warum er oder selbstverständlich auch sie, der oder die richtige ist um diese Idee, die ich gar nicht kennen will umzusetzen. Keine Folie sondern ein Mensch der anderen erzählt warum er seine Idee, sein Produkt zum Erfolg führen wird. Was ihn von den Millionen anderen Geldverschwendern abhebt, ihn zu der Bank macht, auf den die Investoren setzen sollen.
Ich fuhr mal mit dem Vorstandsvorsitzenden und dem Vorstand für Forschung und Verwickeltes eines Unternehmens in einem Aufzug, in dem der ziemlich verwickelte Vorstand etwas vortrug. Ich mischte mich ein und fragte den Vogel, ob er schon mal einen Kunde gesehen hätte? Nach sechs Sekunden kannte er meinen Standpunkt und glühte vor Wut. Mir brachte es einen guten Chef und fast so etwas wie einen Freund ein.
Wie wäre es mal wieder nach Menschen, nach Überzeugungstätern zu suchen. Wie oft sehen wir Präsentationen die von demjenigen, der von uns Geld oder Unterstützung, will noch nicht einmal verstanden werden. Wenn auf der next08 wirklich Wagniskapitalgeber und nicht nur Wagniskapitalredner sind, dann bietet ihnen Persönlichkeiten. Leute die auf einer Postkarte die Welt erklären können, Fanatiker, Besessene.
Aber bitte sperrt die Powerpointer, die schon das Betriebsergebnis des vierten Geschäftsjahrs, vor dem Bau des ersten Prototypen kennen, in den Heizungskeller. Da sitzen sie warm und trocken. Sie dürfen auch Essen und Trinken bekommen und aufs Klo. Aber lasst sie nicht an richtige Menschen heran. Schon gar nicht an Leute mit Geld.
Nein. Ich habe zur Zeit nichts zu vermarkten und auch kein Geld um es zu investieren. Aber es wäre schön mal wieder echte Power in echten Projekten zu sehen. Ich mag es nämlich auch wenn andere siegen. Nur gut müssen sie sein.



















(Inklusive: ein hämischer Lacher beim "Elevator Fuck" und zunehmendes Nicken bei den letzten beiden Absätzen.)
Für manchen ist das pure Erleuchtung. Nach Sinn und Verstand zu fragen wäre Majestätsbeleidigung.
Wusste garnicht das es eine H.M.Schleyer Halle gibt, und ich hätte es besser nicht erfahren sollen. Ich werde niemals einen Schritt dort reinsetzten, auch wenn ich dort eine Million Euro abholen könnte. Soll und diese Ehrung sagen, dass "Arisierung", Verskalvung und Zwangsarbeiterermordung ein Ideal sind, dem wir folgen sollen wie der Namesgeber dieser Halle tat? Es sind ja ein paar Menschen mehr durch die RAF ermordet worden, aber kaum einer hat eine Halle zu seinem Gedenken gebaut bekommen. Dazu musste man früher in der SS gewesen sein, oder?
http://de.wikipedia.org/wiki/Hanns-Martin-Schleyer-Halle
Die Halle fasste damals rund 10.000 Leute und war voll. Ich hatte nur die Hosen voll. Waren doch mehr Leute als ich gedacht hatte. Hat mich ein wenig erwachsener gemacht. Die Zuhörer waren gnädig und ich kriegte sogar Szenenapplaus.
Was Herrn Schleyer angeht so wahr er für mich ein legitimes Entführungsziel, aber ich hätte ihn lieber im Knast gesehen als ermordet. Ich mag keine Todesstrafe für niemanden. Aber wenn ich mir heute unsere politische Landschaft so ansehe, einen Herrn Hundt, den Handwerkerschleyer, den Thürmann, den Kannegießer, das ganze neoliberale und wirtschaftsfaschistische Pack. Dann hätten wir den Schleyer auf Händen tragen müssen. Gegen deren Schuld, war er ein Häschen.
Aber auch für die gilt. Am Leben lassen, aber ab in den Knast. Da dürfen sie dann nach einem ordentlichen Urteil bereuen. Sie sollen die Gerechtigkeit bekommen, die sie anderen nie gönnen.
Mord ist immer falsch, was anderes habe ich auch nie behauptet.
Herr Schleyer ist nicht mal ein legitimes Entführungsziel gewesen, es gibt keine "legitimen Entführungsziele", siehe Verfassung der BRD. Er hätte nach dem zweiten Weltkrieg verurteilt werden müssen, ist er aber nicht, wie so viele.
Hund, Kannegiesser sind im Vergleich die Hässchen und können nur davon träumen, so zu werden wie ihr großes Vorbild undn Lehrmeister.
Von dieser wirtschaftsfaschistischer Zeit können diese Leute nur träumen, während Schleyer über diese Zeit Anekdoten erzählen konnte.
Das legitime Entführungsziel ergibt sich aus der Tatsache das er Kombattant im Kampf gegen die Deutschen war. Er hat Krieg gegen Löhne und Sozialleistungen geführt und jede Art von Demokratie und Freiheit bekämpft. In sofern war er nach der damaligen Betrachtungsweise Kriegspartei und damit auch legitimes Ziel.
Seine Nazivergangeheit lies sich schon damals wie die von vielen anderen nicht mehr als Angriffspunkt benutzen. Da hatten die alle schon Persilscheine.