Ich war grad mal eben auf einen Kaffee in meiner Stammkneipe. Nein, ich saufe nicht am helllichten Tage. Ich bin Abendtrinker. So weiß ich wenigstens immer, wann Abend ist. Eigentlich wollten die Kinder nur in den fallenden Schnee, der in Berlin um diese Jahreszeit eine echte Sensation ist. Allerdings haben sie heiße Schokolade mit Sahne nicht abgeschlagen.
In der Kneipe natürlich alle die, die Samstagsnachmittags immer dort sind. Samstags, wenn sie ihren Frauen beim putzen im Wege sind, oder nicht mit einkaufen gehen mussten. Die die immer in der Kneipe sind, bis das Geld alle ist und die Zufälligen so wie ich.
Natürlich kenne ich auch diese Besatzung, weil sie oft abends, auch noch da ist und der Wirt, wird nicht umgetauscht. Natürlich muss ich Newsjunkie den Kassencomputer mißbrauchen um mal kurz bei dpa nachzusehen, was gerade aktuell an Unfug getrieben wird. Prompt ein Treffer:
Laut Tiefensee Berlin im Bahnstreit „hinter den Kulissen” aktiv
Köln - Die Bundesregierung hat sich laut Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee in den Tarifkonflikt bei der Bahn eingeschaltet. Man arbeite hinter den Kulissen daran, die Verhandlungspartner wieder zusammenzubringen, sagte Tiefensee in Köln. Die Tarifautonomie solle dabei aber nicht verletzt werden. Tiefensee kritisierte die in seinen Augen hohen volkswirtschaftlichen Schäden durch den Streik. Der 42- stündige Ausstand im Güterverkehr war am Morgen zu Ende gegangen. Die Lokführergewerkschaft GDL bewertete den Streik als Erfolg.
Der olle Schrader schaut auf den Bildschirm und sagt: "Zack, das war es wohl mit der GDL. der Tiefensee lässt die umlegen.", dann dreht er sich weg und setzt sich mürrisch wieder hinter sein Bier. Er ist jetzt nicht mürrisch wegen Tiefensee, er ist mürrisch wegen dieser kompletten Verbrecherbande. War mal Aktivist. Kinderladen, Betreuung sozial Schwacher, hat tausende von Stunden kostenlos für die Menschheit gearbeitet. Immer gut verdient. Jetzt noch Hartz IV und dann am Schluß Minirente. Das bekannte System. Wer würde da nicht mürrisch werden.
Die Nachricht wird diskutiert. "Wenn der Tiefensee im Hintergrund verhandelt und die Merkel dem Mehdorn offiziell nicht helfen will, was bleibt dann?" Keine Ahnung von wem die Frage kam. Vielleicht von dem Aldi-Schlips mit Konfirmandenanzug der auch schon auf die Fünfzig zugeht. Dann schlagen die Wellen über Bord. Die Theorien werden immer wilder. Auch ich bekomme Angst. Wenn der ehemalige Kriegsminister Peter Struck auf Seite von Mehdorn ist, dann muss mit allem gerechnet werden. Der mag Krieg und Blutvergießen. Mein Wirt will wissen wo denn die GDL sitzt.
Ich finde es schnell raus. Frankfurt am Baumweg. Das ist weit von uns weg. Wenn sich Tiefensee und Schäuble mit Jung einig werden, dann besteht keine Gefahr, das wir betroffen sind. Schade eigentlich um diese mutige kleine Gewerkschaft. Hoffenlich quälen die deren Chefs nicht noch zu sehr, bevor die, die umbringen. Der Schell war doch ein Netter und Stellvertreter auch. Aber mit dieser Regierung und ihren Auftraggebern ist nicht zu spaßen. Die kennen keine Grenzen.
Die Leute beruhigen sich wieder. Frankfurt ist weit und vielleicht haben die Hessen Glück und die Bundeswehr trifft Koch. Aber wahrscheinlich eher ein paar Viertel voll mit Prekariat. Das gibt dann schöne Bauplätze für neue Wolkenkratzer mit leeren Büros.
Die Schokolade war toll, ist nun aber alle. Die Kinder wollen weiter. Man kann ja doch nichts ändern, aber wenn man könnte, dann würde man aber richtig.
Eins verwundert mich allerdings sehr. Wenn ich die Bahnvorstände Margret Suckale und Dr. Norbert Bensel in ihren öffentlichen Auftritten so als schlechte Kopie von Liesl Karlstadt und Karl Valentin in "Der Firmling" auftreten sehe, dann frage ich mich, warum die Bahn nicht von den vielen Milliarden Gewinnen, die sie aus dem Verfall der Schienen, gewinnt, nicht wenigsten einen Pressesprecher eingestellt hat, dem man auch nur ansatzweise glauben könnte.
Ich hatte übrigens letzte Nacht einen Albtraum. Der hing mit der ersten Silbe des Namens der lieben Magret zusammen. Selbst schuld wenn man Englisch und die naturnäheren Worte kennt. Auf jeden Fall fand dich mich in Embryonalhaltung fest verkrümmt und verteidigte mein bestes Stück, vor derartig Unfassbarem. Es schüttelt mich noch jetzt, wenn ich daran denke.
Gut für ihr Gesicht und die Namen können die beiden natürlich nichts. Für meine Albträume auch nicht. Dabei hatte ich gar nichts schlechtes gegessen. Was die mit ihren Leichenbittermienen da runterleiern ist auf jeden Fall Satire pur. Ihr Angebot ist so echt, wie der Schnee am 10. November. Ein Moment und der ist schnell hinweg. Das Lachen über die Bahnvorstände allerdings wird bleiben. Da wird es kaum reichen, das Mehdorn nun vielleicht zurücktritt. Da müssen schon alle gehen und der Aufsichtsrat gleich mit.
Übrigens finden Mütter auch an vollständig sauberen Kindern, Flecken von heißer Schokolade und eine Windel hätte ich auch mitnehmen sollen. Pah. Wir waren im Schneetreiben.












