Der Begriff Bombodrom mag nicht jedem geläufig sein. Gemeint ist damit eine Fläche von 144 Quadratkilometern, was ungefähr einem Sechstel der Fläche Berlins entspricht, die zwischen Wittstock und Rheinsberg liegt und bis nach Kyritz und Neuruppin reicht. Diese Kyritz-Ruppiner Heide, wurde in den den 50er Jahren von den Sowjets enteignet, die dort einen Artillerieschießplatz und Bombenabwurfplatz einrichteten.
Bei der Größe der Fläche ist es leicht vorstellbar, das dieses Bombodrom nicht nur durch die ständige Lärmbelästigung nervte, sondern auch wie ein Riegel, viele Entwicklungsmöglichkeiten der Region unterband. Um so größer war die Freude, als nach der Wende und dem Abzug der Sowjets neue Verkehrswege für kürzere effektivere Verbindungen sorgten und die Menschen, aber auch die Touristikbranche auf eine ruhige und sichere Zukunft hoffen konnten.
1992 war es mit dieser Hoffnung schon fast wieder vorbei, als die Bundeswehr plötzlich meinte, das Gelände nun doch wieder als Bombenabwurfplatz nutzen zu wollen. Selbstverständlich fanden sich sofort eine Reihe von Verteidigungsministern bis hin zu den Herren Struck und Jung, die nichts besseres zu tun hatten, als diesem Plan zuzustimmen.
Zwar machte Struck mit seinem Bundestagsmotorradclub einen Ausflug in die Ruppiner Heide und lobte Rheinsberg und dessen Schönheit. Wer allerdings auf die Spur von Erkenntnis gehofft hatte, wurde enttäuscht. Kaum war Struck wieder weg, wollte er die mittlerweile geschaffene kleine Idylle natürlich sofort wieder zerstören. Es hätten sich ja sonst einfache Bürger daran erfreuen können. Für einfach Bürger ist aber in diesem Land schon lange keine Freude mehr vorgesehen.
Gäbe es nicht die Bürgerbewegung Freie Heide und ihren unermüdlichen Kampf, würden schon lange wieder die Bomben fallen und sicher hätten wir auch wieder die eine oder andere Nachricht von einem Kollateralschaden. Mit ein wenig Pech könnten die kleinen Industriegebiete der Gegend betroffen sein, um dann auch noch die letzten Arbeitsplätze zu vernichten.
Tourismus unter Bomben und ständigen Flugbewegungen ist natürlich auch nicht denkbar. Alles was sich die Menschen in dieser Gegend aufgebaut haben, wäre erledigt. Dabei ist es trotz schönster Gegend, viel Geschichte und netten Menschen, so schon schwer genug, ein paar Touristen anzulocken, obwohl von Angeln bis Wassersport so ziemlich alles denkbare angeboten wird.
Das niemand das Bombodrom braucht, ist schon lange klar. Aber es geht ja auch nicht um benötigen, sondern ums haben wollen. Es geht darum das gemeine Politiker aller Parteien viel Spaß daran haben, wenn die Bürger etwas aufbauen und sie das dann mit einem Fingerschnippen unter hämischen Grinsen zerstören können. Über das Militär ist in diesem Block schon genug gesagt worden. Die Führung taugt nichts und die Bürokratie macht bewegungslos.
Vielleicht wäre das eine Hoffnung. Wenn die ihr Bombodrom hätten, dann fehlt ihnen der Sprit zum fliegen und die Bomben zum abwerfen. Wahrscheinlicher aber ist, das schlecht gewartete Maschinen einfach in Wohngebiete stürzen.
Gerade deshalb ist es toll das der Bundesrechnungshof sich so deutlich äußert:
Nach Überzeugung des Rechnungshofes basieren sämtliche Argumente, mit denen die Bundeswehr den Bedarf für das 140 Quadratkilometer große Übungsareal seit 1992 begründet, auf falschen oder völlig überholten Planungen. Gleiches gelte für das gesamte Übungskonzept der Luftwaffe. Der zusätzliche Übungsplatz bei Wittstock, so schreibt es der Rechnungshofchef, werde überhaupt nicht benötigt.
Genauso unnötig und unausgegoren, wie das Beharren auf dem Bombodrom scheint im übrigen auch der gesamte Übungsplan der Luftwaffe zu sein:
Die tatsächliche Nutzung der inländischen Schießplätze durch die Luftwaffe ging bis zum Jahre 2004 um rund 86 Prozent zurück.“
Die Luftwaffe, so Engels weiter, laste daher seit Jahren ihre beiden deutschen Übungsplätze für Luft/Boden-Kampfeinsätze „nicht aus“: „Zuletzt flog sie nur noch ein Drittel der geplanten Übungen.“ Den Luft/Boden-Schießplatz in Siegenburg habe die Luftwaffe „im Jahre 2005 nur acht Stunden“ genutzt. Insgesamt seien im Jahr 2005 lediglich 26 Prozent der verfügbaren Übungskapazitäten im In- und Ausland von der Luftwaffe genutzt worden. „Trotzdem hält sie daran fest, für rund 270 Mio. Euro ihre Übungsmöglichkeiten“ in Nordbrandenburg zu erweitern, so der Rechnungshofchef.
Während die Goldfasanen in den Stäben Weltkrieg spielen, reichen die Mittel schon lange nicht mehr aus, um nur einen vernünftigen Übungsbetrieb aufrecht zu erhalten. Während unseren Truppen in Afghanistan praktisch alles Notwendige fehlt, spielen die Bürokraten Papierkrieg. Die brauchen keine realen Flugzeuge und Mannschaften, denen reichen Landkarten und Zinnsoldaten auf denen sie ihre Kinderspiele treiben.
Das der Bericht des Rechnungshofes als geheime Verschlusssache gilt, macht die Angelegenheit besonders prekär. Das Volk soll gehalten werden wie die Champignons. Nämlich im Dunkeln und dabei Scheiße fressen. Unserer politischen Führung brauchen wir kein Mißtrauen mehr auszusprechen. Denen trauen noch nicht einmal die, die sie gekauft haben. Es ist an der Zeit unserer militärischen "Führung" klar zu sagen, das sie entweder auf den Boden der Tatsachen zurückkommt, oder wegtreten soll.
Wir haben, gegen den Willen des Volkes, überall Soldaten im Kampfeinsatz. Deren Leben zu schützen und für deren möglichst schnellen und sicheren Rücktransport zu sorgen, ist die Aufgabe der Generalität. Zumindest aber muss sie dafür sorgen, das die Leute wenigsten nicht ohne Waffen, Munition und Fahrzeuge im Krieg stehen. Wenn die deutsche Generalität, wie eigentlich immer in der Vergangenheit, nicht in der Lage ist, für ihre Leute zu sorgen, dann sollten diese Leute, die Gewehre auf die Generäle richten und diese an die vorderste Frontlinie schicken.
Es wäre nett die "Führung" Bundeswehr zu Fuß außerhalb von Kabul marschieren zu lassen. Der Geruch wäre zwar schrecklich, aber danach würden unsere Soldaten zumindest besser ausgerüstet. Ein General mit vollen Hosen ist viel schneller bereit, das Notwendigste zu bewilligen.
Nein die Bundeswehr wird nicht auf das Bombodrom verzichten. Die nehmen keine Vernunft an. Leider werden die Soldaten auch nicht meutern sondern sterben. Aber selbst wenn sie als Bürger in Uniform meutern, wird es schnell Gerichte geben sie sie verurteilen. Die gleichen Gerichte, die nicht eingreifen, wenn die Soldaten ohne geeignete Schutzwesten in Afghanistan geopfert werden.












