Also eines möchte ich gleich mal vorausschicken, wenn solch ein honoriger Mann wie Norbert Röttgen Erklärungen abgibt, dann bin ich sofort vollständig beruhigt, weil ich ja weiß, das der Fraktionsgeschäftsführer der CDU, strikt nur die Interessen der deutschen Bürger verfolgt.
Scherzen am Morgen bringt Kummer und Sorgen. Die Wahrheit wahrscheinlich auch, oder doch zumindest wieder eine Beleidigungsklage. Ich glaube Norbert Röttgen kein Wort, sondern halte ihn persönlich für einen bezahlten Handlanger des BDI dessen Hauptgeschäftsführer er ja werden sollte, um deren Interessen gleichzeitig auch in der Politik als fleißiger Lobbyist zu vertreten, während er Abgeordneter ist. Natürlich kann ich nicht beweisen, das der immer noch für die arbeitet, aber für mich persönlich weisen alle seine Aussagen darauf hin.
So auch dieses Interview mit der Berliner Zeitung dessen Kernsätze man nur mit viel gutem Willen als beschönigend bezeichnen kann:
Ich sehe den Vertrauensschaden. Bei der Bevölkerung entsteht der Eindruck: Die da oben sind alle gleich, sie reden über Moral, aber verhalten sich nicht so oder genau gegenteilig. Das ist ein Problem, weil diese Einschätzung von der Wirtschaft auf das ganze System übergreift.
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Es hilft jedenfalls nicht, dem Reflex zu folgen, aus Einzelverhalten Kollektivverurteilungen abzuleiten. Damit wird kein Vertrauen zurückgewonnen.
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Andererseits erfolgt auch nicht bei jedem Beschuldigten so eine breite öffentliche Berichterstattung wie bei Unternehmenschefs. Damit wird die Unschuldvermutung faktisch außer Kraft gesetzt. Ich habe keinen Zweifel daran, dass angemessene Strafen ausgesprochen werden, wenn die Schuld festgestellt werden sollte.
Wer an dieser Stelle unter Übelkeit oder schwerem Erbrechen leidet, muss sich nicht schämen. Das sind natürliche Reaktionen auf neoliberale Schleimscheißerei. Die hat je gestern schon der Herr Prantl in der Süddeutschen abgesondert.
Beim Prantl sind wir erbärmlich, weil wir Kollektivschuld ableiten und Herr Röttgen sieht immer nur Einzelverhalten. Aber beide Komiker, Röttgen wie Prantl, sehen bei dem einen Hartz IV Empfänger der gegen bares Geld einer Zeitung mit vier Buchstaben erklärt, das er nicht arbeiten wolle, natürlich den typischen Hartz IV Empfänger, dessen individuelles Fehlverhalten (sofern überhaupt eines vorliegt und das ganze nicht Erfindung der Blödzeitung ist) selbstverständlich von allen Hartz IV Empfänger, Armen und Kranken geteilt wird.
Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der Prantl und Röttgen sowie die anderen neoliberalen Wirtschaftsfaschisten anderen Kollektivschuld vorhalten, wollen sie Kollektivschuld für sich und ihre Bagage vermeiden. So geht es allerdings nicht. Wenn alle Arbeitslosen, Kranken, Schwachen oder Alleinerziehenden ein Kollektiv bilden, dann tun das die neoliberalen Verbrecher auch. Dann ist es legitim diese kriminellen Großverbrecher gemeinsam verantwortlich zu machen, auch wenn man selbst zutiefst davon überzeugt ist, das es keine Kollektivschuld gibt.
Aber so wie Prantl und Röttgen jetzt abwiegeln ist es immer. Die Wut des Volkes soll gedämpft werden, weil die Herrschaften wissen, wenn dieses Volk erst einmal wütend losläuft, dann gibt es keine sicheren Büros im Bundestag, beim BDI oder in der Süddeutschen mehr aus denen heraus man andere vorverurteilen kann. Dann gibt es gar keine Sicherheit mehr. Es sind diese Prantls und Röttgens die ohne Not den Rechtsstaat für die Reichen aufheben um ihn für die Armen zu verschärfen und die damit jede Sicherheit für alle aufheben.
Ein Staat mit zwei so divergierenden gesetzlichen Reaktionen kann nicht bestehen. Er wird untergehen. Wenn wir alle Pech haben geht er in Blut und Gewalt unter. Sollte sich Herr Prantl dann allerdings zurücklehnen und sagen, das er das nicht gewollt habe, werde ich ihn persönlich in den Arsch treten. Von einem Röttgen erwarte ich außer Lügen nichts. Von einem Prantl hätte ich besseres erwartet.



















Allerdings insistiert Prantl darauf, daß jeder Einzelne der Herren aus Wirtschaft und Geldadel persönlich verantwortlich ist und auch persönlich zur Verantwortung zu ziehen ist. Das puffert berechtigte Systemkritik ab und ist daher kritikwürdig. Anderseits können sich die übelsten Mistkrähen gegen Pauschalkritik billig zur Wehr setzen und sich so komfortabel abschotten, weil die Kritiker ja radikale Spinner sind.
Ich persönlich befürte es durchaus, wenn jemand wie Prantl Kritik in Watte packt und sich dadurch auch bei denen Gehör geschafft, die noch nicht sehen, wie heruntergekommen diese ganze feine Gesellschaft längst ist.
Aber es ist wie das Lied von dem Polenmädchen, selbst wenn es als Kunstlied von Opernsängern dargeboten wird, bleibt es das alte menschenverachtende Lied.
Ich habe den Artikel über die Süddeutsche
http://www.duckhome.de/tb/archives/1921-Wir-schreiben-zwar-Mist,-aber-bitte-kommentieren-sie-uns-nicht.html
ja bewusst per Mail an die Vögel geschickt. Sowohl an die Wirtschaftsredaktion, als auch an die Spitze.
Keine Reaktion. Gut ich hab die Mails vor acht Uhr morgens abgeschickt. Wahrscheinlich lesen die auch keine Mails die vor ihren Bürozeiten gefertigt wurden.
Nein ich glaube Prantl ist verloren. Bei den Nazis hießen die Märzgefallene, was den Datum des Parteieintritts markiert. Bei Prantl ist es eher das Herbstlaub, das angesichts der Krisen dieser Welt einknickt und sich auf die vermeintlich sichere Seite rettet.
Aber es wäre schön, wenn du recht und ich unrecht hättest.