Ich bin nicht unglücklich darüber, das sich langsam aber sicher immer breitere Kreise mit dem Recht des Menschen auf Freitod beschäftigen. Allerdings stelle ich auch bei der evangelischen Landesbischöfin Margot Käßmann fest, das die Diskussion sehr oberflächlich ist.
Die Organistation Dignitas, hat mit Freiheit und Freitod so gut wie nichts zu tun. Wer also seine Argumentation nur in Richtung dieser Truppe führt, handelt fahrlässig oder gar berechnent. Dignitas und die damit verbundenen Zustände will niemand. Also braucht über dieses Modell auch nicht gesprochen werden.
Die Menschen haben vor allem Angst vor den Schmerzen. Sie hoffen dann auf einen schnellen und effizienten Ausweg. Sobald sie aber wissen, wie die Palliativmedizin diese Schmerzen ausschalten kann, und sobald sie erfahren, was in Hospizen geleistet wird, ändert sich ihre Haltung.
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Nur verändert es eine Gesellschaft, eine Kultur, wenn wir sagen: Wer erklärt, dass er nicht mehr leben will, bekommt Gift. Dignitas hat schon einen 27-Jährigen akzeptiert, der sterben wollte. Sein Vater hat das schließlich verhindert. Bei Anruf Gift - das kann nicht richtig sein..
Im Grunde genommen kann man das auch damit übersetzen, das der Schmerz des einzelnen, keine Rolle spielt, weil eine Palliativmedizin, ein vegetieren unter Schmerzen erlaubt und die Hospize gefüllt werden sollen. Was Frau Käßmann, damit lächelnd ignoriet, ist die Tatsache, das Palliativmedizin, für rund 50 Prozent der Bevölkerung genauso wenig zu haben und zu bezahlen ist, wie eine Hospizunterbringung. Aber eine Landesbischöfin, muss nicht wissen wie Armenmedizin in Deutschland aussieht. Sie ist ja nicht arm, dank Kirchensteuer.
Das Recht auf Freitod ist ein Stück Freiheit. Ein mehr an Freiheit verändert die Gesellschaft selbstverständlich. Freiheit ist natürlich nicht im Interesse der Kirchen die ein geschlossenes Weltbild aus dem Mittelalter noch heute verkaufen wollen.
Wenn ein 27 jähriger sterben will, dann bejubelt sie einen Vater, der das verhindert. Toll. Ich weiß nicht, ob der 27 jährige geistig gesund und entscheidungsfähig war. Wenn das bejaht wird, hat er auch das Recht über seinen Tod zu entscheiden. Er darf ja auch als Leibwächter arbeiten, als Soldat nach Afghanistan oder Söldner im Irak sterben.
Mir passt es auch insgesamt nicht, das es immer nur um kranke Menschen gehen soll. Wenn wir als Menschen, aus verständlichen Gründen, schon nicht entscheiden können, ob wir auf diese Welt wollen oder nicht, dann muss uns zumindest das Recht gegeben werden unseren Todeszeitpunkt selbst zu bestimmen. Der Grund für den Todeswunsch darf eben keine Rolle spielen.
Es darf nur niemand in den Tod gedrängt werden.
Allerdings hat Frau Käßmann vor ihrer Sicht aus Recht. Sie verkauft ja als evangelische Landesbischöfin ein Leben nach dem Tod. Eine nicht ganz makellose Ware, da letztlich der Beweis fehlt, das es dieses Leben und die damit verbundenen Höllen und das Paradies gibt. Wenn der Mensch über seinen Tod frei entscheidet, ist ihrem Gott eine Menge an Bestrafungsmöglichkeiten genommen. Es fehlt ein Teil seiner Allmacht, was sicher schlecht für das Geschäft ist.
Allerdings halte ich in unserer Gesellschaft, in der sich Kirche nur dank unbewiesener Gemeinnützigkeit und Kirchensteuer überhaupt noch halten kann, die Meinung der Kirchen für nicht wesentlich. Sie dürfen eine Entscheidung für die Freiheit nicht behindern, da Freiheit immer das Gegenteil von Kirche war und sein wird.
Freiheit bedeutet, das die Menschen selbst über sich entscheiden. Dieses Entscheidungsrecht entfällt nur dann, wenn sie zu dem Zeitpunkt, zudem sie die Entscheidung fällen, nach unseren Regeln nicht entscheidungsfähig, also nicht zurechnungsfähig oder nicht volljährig sind. Dies lässt sich feststellen. Wird die Entscheidungsfähigkeit bestätigt, darf jeder Mensch tun, was er oder sie will, ohne sich weiter hineinreden zu lassen.



















Und so werden wir auch weiter Amokläufe an Schulen erleben, wo die Eltern der Täter und Opfer Kerzen anzünden und Blumen ablegen. So werden wir weiter von Alten hören, die erst nach Wochen oder Monaten gefunden werden, wenn der Leichengestank sich nicht mehr ignorieren läßt. So werden wir auch weiter Teenager und andere junge Menschen unter hohen Brücken, hängend an Bäumen, ausgeblutet in Badewannen und auf anderen Wegen durch die eigene Hand zu Tode gekommen auffinden. Wir werden uns immer wieder fragen "Warum?", obwohl wir die Antwort schon kennen. Wir werden erschrocken sein, trauern, mitfühlen - und nach kurzer Zeit wieder zur Tagesordnung übergehen, damit wir selbst nicht auch in solche ausweglose Situationen geraten, mit denen das System uns bedroht, wenn wir uns nicht bedingungslos unterwerfen. Wir haben die Wahl zwischen dem Tod von Rebellion und Widerstand und unserem eigenen Tod. Bleibt die Frage davon, welcher Tod sinnloser ist.
Gruß
Alex