Putsch, aus dem Schweizer Dialekt stammende Bezeichnung für einen unerwarteten, rasch vorübergehenden Aufstand. - Meyers Lexikon. Siebente Auflage. Neunter Band. Leipzig: BI, 1928: 1421
Putsch … ´Revolte, Umsturzversuch, politischer Handstreich´ … Ausdruck für die überraschende Aktion einer meist reaktionären Minderheit zum Sturz einer Regierung oder Regierungsform. - Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. München: dtv 3358, ³1995: 1062
Ein
Putsch (auch Staatsstreich oder Coup d’État genannt …) ist eine meist überraschende, meist gewaltsame Aktion einer kleineren Gruppierung von Staatsorganen (meistens Militär) mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen und die Macht im Staat zu übernehmen. Putschisten sind in der Regel hohe Militäroffiziere oder Führer paramilitärischer Organisationen. -
http://de.wikipedia.org/wiki/Putsch [16. Juni 2012]
I.
Der titelprägende Akt fand Mitte November 1995 in Mannheims Guter Stube, dem Rosengarten, statt. Und wurde auch von SPD-Leuten, die´s besser wissen müßten, ein paar Jahre lang respektvoll „Oskars Putsch“ genannt: „Nach einer begeisternden Rede auf dem SPD-Parteitag in Mannheim löste Lafontaine Scharping als Bundesvorsitzenden der SPD ab: In der Kampfkandidatur am 16. November 1995 erhielt er 321 zu 190 Stimmen.“ [1]
II.
Seitdem ist Oskar von der Saar bei mir das, was neudeutsch „im Focus“ heißt. Das heißt: ich las & lese, hörte & höre aufmerksam manche seiner öffentlichen Ein-, Aus- und Ablassungen. Und fand Mitte und Ende der ganzdeutschen Nullerjahre zweierlei besonders fragwürdig und abstoßend: einmal die so langjährige wie spitzenhonorierte Publikationstätigkeit des Oskar von der Saar für BILD (1999-2005) [2]. Diese wurde Mitte der 1990er Jahre öffentlich und konkret im Zusammenhang mit der damals beginnenden ganzdeutschen Armuts- und Existenzsicherungsdiskussion kritisiert [3].
[NRW-Kommunalwahlbrief Ende September 2009]
Zum anderen den vom Berliner Rechtsadvokaten Dr.iur. Gregor Gysi und Oskar von der Saar an alle Haushalte in Nordrhein-Westfalen bundespostwurfgesendeten MdB-Kommunalwahlbrief Ende September 2009. Auch dieser wurde damals konkret und öffentlich kritisiert [4]. (Wobei ich besonders peinlich fand und als Ausdruck von Parolisierung, Verbonzung und Flachdenkerei [5] wertete: daß damalige e-Post an beide MdB-Briefschreiber mit Nachweisen falscher und/oder fehlender Sachinformationen zur NRW-Kommunalwahl 2009 von keinem dieser zwei beiden je beantwortet wurde.)
III.
Es ist nicht ausgeschlossen und insofern durchaus möglich, daß der sozialdemokratische Spitzenpolitiker Oskar von der Saar in politisch-praktischer Hinsicht der bedeutendste „Schüler“ eines prominenten Öffentlichkeits“theoretikers“ und politischen „Philosophen“ ist. Dieser „definierte“ Anfang der 1990er Jahre „Öffentlichkeit“ als „Netzwerk für die Kommunikation […] von Meinungen“. Wobei „die Kommunikationsflüsse so gefiltert und synthetisiert“ werden, daß „sie sich zu themenspezifisch gebündelten öffentlichen Meinungen verdichten.“ [6] Und wie beim öffentlichen Politredner („Rhetor“) Oskar von der Saar typischerweise als thematisch „gebündelter“ Dreiklang („Triade“) daherkommen.
IV.
Wie sein zeitweiliges innerparteiliches Politpendent Gysi ist auch - und besonders - Oskar von der Saar als prominente Politspitzenfigur in ihrer Widersprüchlichkeit ein Faszinosum. Genauer: wenn´s denn im politischen Ganzdeutschland heuer sowas wie
"rechte Linke" als und/oder
„rechte Leute von links“ gäbe, dann wäre dieser ihr gegenwärtig erster Politprotagonist: erinnert sei beispielsweise an die "Fremdarbeiter"-Rede des Oskar von der Saar am 14. Juni 2005 in Chemnitz: "Der Staat ist verpflichtet, seine Bürger und Bürgerinnen zu schützen, er ist verpflichtet, zu verhindern, dass Familienväter und Frauen arbeitslos werden, weil Fremdarbeiter zu niedrigen Löhnen ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen."[7]
V.
Im FAZ-Interview mit dem Titel „Managergehälter schleunigst auf das Niveau der Ukraine senken“ plädierte der sozialdemokratische Berufspolitiker Oskar von der Saar am 4. Juni 2007 sowohl für Mindest- als auch für Höchsteinkommen. Er bezog sich dabei auf US-Investmentbanker Morgan Stanley, „der gesagt hat, mehr als das Zwanzigfache des niedrigsten Einkommens dürfe einer seiner Manager nicht verdienen.“[8] [9] Da feiert rechts oben die weiland staatsmächtige Betriebs-
Gemeinschaft des faschistischen Korporatismus fröhliche Urständ´. Und damit etwas, das antagonistisch steht zum vor zwanzig Jahren links unten entwickelten
gesellschaftlichen Leitkonzept "Faktor 25“ [10].
VI.
Politisch umso bemerkenswerter, daß das
öffentlichkeitswirksame Eintreten gegen Krieg(streibereien) des Oskar von der Saar in den letzten dreißig Jahren e i n e n konstanten Fixpunkt hat: sein Engagement für zwischenstaatlichen Frieden auf Grundlage des Völkerrechts als eine seiner Voraussetzungen. Und daß dieser Sozialdemokrat seit dem Bombardement Belgrads im Mai 1999 und bis heute auf seiner erfahrungsbezogenen Ablehnung von Militäreinsätzen „dieser“ NATO beharrt. [11] [12]
[1]
http://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Lafontaine
[2]
http://www.spiegel.de/spiegel/vorab/0,1518,364423,00.html
[3] Richard Albrecht, Drei und drei; in: junge Welt 213/05 vom 12. September 2005: 14 [Leserbrief] in Ergänzung zu ders., „Mit uns zieht die neue Zeit“. Die Sozialpolitik der SPD und die Wiederkehr eines überwunden geglaubten Phänomens; junge Welt 31/05 vom 7. Februar 2005/Nr. 31.05: 10-11 [kostenlos im Netz
http://www.kominform.at/article.php?story=20050207094911357 ]
[4]
http://ricalb.files.wordpress.com/2009/11/nrw-wahlbrief-20091.pdf
[5]
http://www.saarbreaker.com/2009/09/wir-alle-zusammen/
http://ricalb.files.wordpress.com/2009/09/flachdenkerorgie2.pdf
http://ricalb.files.wordpress.com/2009/10/regierungsmehrheit10.pdf
[6] Jürgen Habermas, Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaates. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 1992: 436; zu diesem kritisch in diesem Blog
http://www.duckhome.de/tb/archives/9060-HABERMAS-EIN-GANZDEUTSCHER-ERSATZINTELLEKTUELLER-1.html http://www.duckhome.de/tb/archives/9061-HABERMAS-EIN-GANZDEUTSCHER-ERSATZINTELLEKTUELLER-2.html
[7]
http://de.wikiquote.org/wiki/Oskar_Lafontaine - Er soll sich später distanziert haben
http://www.stern.de/politik/deutschland/fernsehdiskussion-lafontaine-hat-nichts-gegen-fremdarbeiter-545712.html
[8]
http://www.seiten.faz-archiv.de/faz/20070604/fd1200706041145142.html
[9] Bis heute positiv dargestellt auf der Netzseite
http://www.linksfraktion.de/im-wortlaut/managergehaelter-schleunigst-niveau-ukraine-senken/
[10]
http://ricalb.files.wordpress.com/2011/04/faktor252.pdf; ausführlich/er Richard Albrecht, “Let's change the System from within: First I take Mainhatten ... and then you take Berlin" - Lageskizze mit methodischer Vorrede und pragmatischem Ausklang (Faktor 25); in: Die Aktion, 12 (1992) 97-100: 1642-1647; gekürzt auch in diesem Blog:
http://www.duckhome.de/tb/archives/8475-MINDESTLOHN.html
[11]
http://de.wikiquote.org/wiki/Oskar_Lafontaine [stern-Interview 2006]
[12]
http://www.youtube.com/watch?v=AMglAZ31p6g [Bundestagsrede 2009]
[Technischer Hinweis: Mithilfe des
Browsers diesen Text als
pdf herunterladen, damit alle
Links funktionieren.]
Richard Albrecht lebt als unabhängiger Sozialforscher & freier Autor in Bad Münstereifel. Nach Abschluß seiner Forschungen zur
Politik des Völkermord(en)s im 20. Jahrhundert veröffentlicht er als Sozialwissenschaftsjournalist seit Oktober 2010 auch regelmäßig unregelmäßig in diesem Blog ->
duckhome-Beiträge ->
JustizKritik ->
"Feminismus" ->
Grundkurs Soziologie ->
flaschenpost. - Richard Albrecht publizierte in den letzten Jahren vor allem in wissenschaftlichen und Fachzeitschriften wie
soziologie heute (sh) und
Aufklärung und Kritik (A&K) sowie die Bücher
SUCH LINGE (2008),
FLASCHEN POST (Editor, 2011) und den literarischen Band
HELDENTOD (2012). Netzarchiv des Autors ->
eingreifendes-denken (c) Richard Albrecht (2012)