Mich umtreibt in letzter Zeit immer wieder folgende Frage:
Auf welches Niveau der Akzeptanz und Toleranz muss ich mich als Gesprächspartner einlasssen um Menschen- und Bürgerrechte zu wahren? Was habe ich abseits dieser Rechte noch zu berücksichtigen?
Ich hätte dies gern zur öffentlichen Diskussion gestellt und bin gespannt auf einen gehaltvollen Meinungsaustausch :)
< Wenn man Niebel heißt oder in der FDP ist, ist jedes Verbrechen erlaubt | Und ob sich das gegen Wowereit persönlich richtet >













aber da beisst es sich dann schon bei "mir" etwas. Akzeptieren, dass jeder Mensch seine eigene Meinung zb. bildet und bilden darf passt noch in den Konsens. Dann aber - weitergedacht - diese auch zu tolerieren obwohl sie mir zuwider läuft fällt oftmals verdammt schwer. Toleriere ich sie nicht, bin ich Intolerant. Toleriere ich sie, akzeptiere ich damit oftmals das Ende einer Diskussion die nicht näher auf Generalitäten eingeht, was widerum meine Unzufriedenheit steigert - das führt u.Umständen dann auch zwangsläufig dazu, dass man das Gegenüber gar nicht verstehen kann.. sprich seine Äusserung gar nicht akzeptieren und nicht einmal tolerieren will - obwohl ich es gern täte, wenn ich ihn nur richtig verstehen würde.. (Jetzt bin ich etwas konfus) :)
Das kann so nicht funktionieren.
Es gibt nun mal grundlegende Gesetze und Regeln, die ausnahmslos von allen zu befolgen sind, egal welcher Religion, Tradition oder Kultur sie angehören mögen. Das ist für mich nicht verhandel- oder diskutierbar.
Und da gibt es auch *keine mildernden Umstände*. Ein Mord bleibt ein Mord, ein sog. Ehrenmord ist da nichts anderes und hat nicht anders behandelt zu werden wie ein Mord aus sonstigen niedrigen Motiven.
Verstehe ich das jetzt richtig dass, soweit ich mich im gesetzlich rechtlichen Rahmen/Raum befinde, ich Toleranz ausüben muss, aber sobald ich persönlich die Befindlichkeit habe mein Gegenüber sei in irgendeinem Bezug intolerant darf ich ebenfalls Intoleranz an ihm üben und bin somit nicht mehr an ein Teil der Menschenrechte gebunden?
Ob jemand nun lieber weiße, schwarze oder lilafarbene T-Shirts trägt ist egal.
Wenn ich nicht in einer Wohngegend leben will, die von einer bestimmten ethnischen Mehrheit dominiert wird, kann ich wegziehen. Ist zwar kein Zeichen von Toleranz, aber tut niemandem weh (und in bestimmten Umgebungen würde ich selbst tatsächlich auch weniger gerne wohnne).
Wenn meine Religion verlangt, dass ich jeden morgen um 03:00 Uhr ein Glas geheiligtes Wasser trinke geht das nur mich etwas an.
Wenn aber die Religion meiner Wahl Menschenopfer oder sexuelle Handlungen an Minderjährigen verlangt (um mal bewusst extreme Beispiele zu konstruieren) ist das keine Frage der Toleranz mehr. Es gibt einfach Punkte, die sind nicht verhandelbar oder auch nur diskussionswürdig. Wer das glaubt, hat ein seltsames Verständnis von Toleranz. Bestimmte Grundwerte sollten niemals zur Disposition stehen.
Wir haben Gesetze und diese sind zu befolgen. Falls die persönliche Religion oder sonstige Weltanschauungen damit nicht vereinbar zu sein scheint muss man sich entweder anpassen oder dieses Land verlassen. Eventuell wird das angestrebte Verhalten in irgendeinem Gottesstaat ja geduldet oder gar als wünschenswert betrachtet. Nur muss man dann eben auch mit den sonstigen (vielleicht weniger wünschenswerten Bedingungen wie dem dem allgemeinen Lebensstandard dort) fertig werden.
Primär interessieren mich persönlich auch die Lebensbedingungen hier in Deutschland und in der unmittelbaren europäischen Nachbarschaft.
Es muss mir nicht gefallen (tut es auch nicht), wenn in anderen Ländern dieser Welt Frauen beschnitten, Kinder verheiratet oder Tiere geschächtet werden.
Ich muss aber nicht darüber diskutieren, ob das auch hier tolerabel sein könnte. Denn das ist es einfach nicht.
Ich kann also, im Zuge meiner Toleranz (Beispiel) sagen: Die Zustände in anderen Ländern kann man "so stehen lassen". Im Zuge der deutschen Gesetzgebung sind diese Umstände für Deutschland (alleine genommen) weder akzeptabel noch tolerierbar.
Ich kann also folglich der Meinung sein, Beschneidungen in Sierra Leone sind Bestandteil dortiger kultureller Traditionen und für mich in diesem Bezug tolerierbar. ??? (Wobei ich hier hinzufügen muss das die Toleranz dem gegenüber sich mit meinen Moralvorstellung massivst beisst)
Toleriere ich andere Meinungen welche ich selbst als intolerant empfinde?
(Beispiel) Kann ich die Aussage *stehen lassen*: ""Ich mag keine Ausländer""?
Kann ich etwas tolerieren was ich eigentlich verurteile, obwohl ich keine Definition von einer nur oberflächlichen Aussage habe?
Ob eine Äußerung wie "Ich mag keine Ausländer!" tolerierbar oder überhaupt diskutierbar ist, ist eine andere Frage. Denn zum Einen ist eine solche pauschalisierende und generalisierende Meinung (die wohl eher ein Vorurteil als ein durchdachter Standpunkt ist) schon derart banal, dass sie mir kaum einer Antwort wert wäre.
Zum Anderen kommt es auch darauf an, wer sich in welchem Kontext so äußert.
Ich persönlich bin von keinem allzu großen missionarischen Eifer erfüllt und würde mir tatsächlich nur bei einer Person, an der mir etwas liegt und von der ich glaube, dass sie intellektuell in der Lage ist, ihren Standpunkt zu überdenken und vielleicht sogar zu ändern oder zu relativieren, überhaupt die Mühe machen.
Oder einfacher (und arroganter ;)) ausgedrückt:
manche Menschen lässt man besser dumm sterben, es ist nicht bei jedem die Mühe wert.
Ich finde allerdings nicht, dass man von Arroganz sprechen kann. Denn manchesmal gebietet es auch einfach nur der Anstand (oftmals auch der Selbstschutz) auf gewisse Dinge nicht einzugehen um nicht Grösseres damit vom Zaun zu brechen oder ein - womöglich - falsches Bild zu erzeugen.
Andererseits auch noch die Eventualität, dass das Gegenüber erstmal Erfahrungen sammeln muss um seine Meinung dahingehend zu ändern oder ändern zu können.
Mir pers. gefällt Deine/Ihre Ausführung - Danke :)
Etwas anderes ist die Frage, wie eine "Befreiung" dieser Frauen aussehen könnte. Und da bin ich der Auffassung, dass dies nicht paternalistisch von weißen gebildeten Männern vorgeschrieben werden sollte, sondern von den Betroffenen selber als Ausdruck und Wille einer Beendigung der Unterdrückung und Verstümmelung erkämpft werden soll. Initiativen feministischer Organisationen dagegen gibt es bereits in verschiedenen afrikanischen Ländern.
Toleranz ist nun mal kein Wert an sich sondern muss stets in Bezug zu einem anderen Begriff gesetzt werden. Toleranz gegenüber Vergewaltigern, Bellizisten, Tierquälern, Kinderschändern, Prügelbullen, Neonazis - nööööö. Da herrscht noch großer Konsens. Toleranz gegenüber Comedians wie Mario Barth, Ingo Appelt, Atze Schröder, Cindy aus Marzahn - nöööööö. Und schon wird der Konsens kleiner. Toleranz gegenüber Tierleichenessern (Carnivoren), SUV-Fahrern, Bankern, Sozialdemokraten, Grünen, linksliberalen Bloggern - nööööööö? Und schon schwindet der Konsens auf eine kleine radikale Minderheit.
Zu den Menschenrechten ein Beispiel (gemessen an der Realität lesen sich die Artikel der verlinkten Menschenrechte wie eine Satire):
"Das gefühlte Menschenrecht auf einen Lebensstandard, der vier Urlaubsreisen pro Jahr, drei Autos pro Familie und das tägliche Wegwerfen von Nahrungsmitteln in aller Selbstverständlichkeit voraussetzt, hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen am 10. Dezember 1948 jedenfalls nicht im Sinn, als sie Artikel 25 verabschiedete. Tatsächlich besteht das "Höchstmaß an Opferbereitschaft" unter Deutschlands Eliten heute wohl vor allem darin, bis zu zwölf Monate auf die Auslieferung des bestellten Porsche Cayenne warten zu müssen.
Weil sie alle diese Kampfwagen gegen das Weltklima fahren wollen. Nicht nur die umweltmäßig eher unmusikalischen Chinesen, sondern vor allem die Deutschen, die schon letztes Jahr 20 Prozent mehr SUVs kauften als 2009, um damit durch die deutschen Innenstädte zu pflügen und Kindern und Radfahrern Angst zu machen."
Auszug aus Harald Welzers "Empört Euch über Euch selbst"!
Zur Thematik Beschneidung verhälts sich gedanklich bei mir dann tatsächlich so wie du beschrieben hast. Ich toleriere es zwar, weil ich selbst kaum etwas "aktiv" dagegen vermag zu tun, bin aber ebenfalls der Meinung, dass ein "Aktivismus" wenn dann nur aus dem dort eigenem Umdenken stattfinden sollte. Ähnlich halte ich es auch mit anderen mir vllt. auch befremdlich erscheinenden Themen in anderen Ländern. Sprich: Wenn ein Land demokratisch werden möchte, dann soll es seinen Teil dazu (auf ihrer Seite) beitragen; wenn nicht dann nicht. Helfen kann und darf man soweit Hilfe denn erwünscht ist - aber eben auch nur mit Mitteln die nicht unerwünscht sind.
Danke für die Verlinkung. Nach Durchsicht muss ich gestehen war ich doch eher verwirrt. Meiner Interpretation nach behandelt der Autor ein ihm wichtiges Thema (nämlich Umwelt- u. Naturschutz) unter Zuhilfenahme des Artikels 25 und scheint ihn dabei so herunterzubrechen das es ihm für sein Thema nützlich wird. Ich kann mich allerdings auch vertun - wie gesagt *verwirrend*, der Textinhalt hat mich ein wenig zu sehr und zu weit vom Thema weggebracht/abgelenkt.